Desktop-PCTestberichte

Fractal Design Vector RS Blackout Dark TG – Bewährtes bleibt sehr gut

Mit dem Vector RS bringen die schwedischen Gehäusespezialisten von Fractal Design ein neues E-ATX-Gaming-Case auf den Markt. Im verspielten Gehäuse mit typisch guter Verarbeitung bieten sich reichlich Erweiterungsmöglichkeiten. Dazu gibt es RGB-Beleuchtung und Komfortfunktionen, die auch Neulingen den PC-Eigenbau erleichtern. Die Vollausstattung des Vector RS Blackout Dark TG hat allerdings ihren Preis. Wir schauen uns im Test an, ob das Gehäuse sein Geld wert ist.

Inhaltsverzeichnis

Technische Daten
Design
Verarbeitung
Montage
Leistung & Temperatur
Fazit

Mit ihrer mittlerweile legendären Define-Reihe setzen die Schweden normalerweise eher auf Understatement. Das bedeutet minimalistische, geradlinige Formensprache ohne Spielereien, die sich auch neben dem skandinavischen Designersofa sehen lassen kann. Aber damit ist es jetzt vorbei, denn das RS Vector Blackout Dark TG  bricht mit vielen Fractal-Konventionen. Innen sieht jedoch alles nach dem Define-R6 aus. Ist es also nur ein weiterer Refresh mit RGB-Beleuchtung? Ein Blick auf die technischen Daten kann vielleicht Aufklärung verschaffen:

Technische Daten des Fractal Design Vector RS

3,5 und 2,5″ Universal-Slots6
Dedizierte 2.5″-Slots3
Expansion Slots7 + 2 vertikal
Formfaktor MotherboardE-ATX (bis zu 285 mm Breite), ATX, mATX, ITX
Kompatible NetzteileATX
Front Ports1 x USB 3.1 Gen 2 Type-C
2 x USB 3.0
Audio I/O
Lüfter Slots gesamt9 (6+3 mit inkludiertem Rahmen)
Front Lüfter2x 140 mm (Dynamic X2 GP-14 vorinstalliert), 3x 140mm (optional) oder 3x 120mm
Lüfter oben3x 120/140 mm (optional)
Lüfter Hinten1x 140 mm (Dynamic X2 GP-14 vorinstalliert)
Lüfter unten2 x 120/140 mm
StaubfilterUntere Lüfter + Netzteil, Front, oberes Lüfterpanel (mit installiertem)
Radiatoren vorne120/240/360 mm
140/280 mm
Radiatoren oben120/240/360 mm
140/280/420 mm
Radiatoren hinten120 mm
Radiatoren unten120/240 mm
140 mm
Netzteillänge maximal300 mm
GPU-Länge maximalMax 440 mm mit installierten Frontlüftern
CPU Kühler max. Höhe185 mm
KabelmanagementGummierte Öffnungen für Kabelmanagement und Filzbänder
Werkzeuglose MontageMagnetische Glastür
Thumbscrews an Expansion Slots, HDD und SSD brackets
SeitenpanelLinks: Tempered Glass
Rechts: Stahl
Maße552 x 233 x 498 mm
Gewicht12,64 kg
LieferumfangGehäuse, Bedienungsanleitung, Zubehör-Box, abnehmbares Top-Bracket/Mesh

 

High-End-Case mit untypischem Design

Fractal Vector RS Aufmacher

Kantig und stylisch wirkt das mattschwarze Gehäuse der Dark TG (Tempered Glass) Blackout-Edition. Letzteres bedeutet, dass auch innen alle Teile in schwarz gehalten sind. Zudem ist die Glasscheibe des Gehäuses leicht abgedunkelt. Optisch wirkt es ein wenig wie das NZXT Phantom, überzeugt mich durch seine klare Formensprache allerdings mehr als dessen abgerundete Ecken.

Trotz meiner Ablehnung von RGB-Beleuchtung gefällt mir Fractals Implementierung hier sehr gut: Dezent zieht sich ein RGB-Strich über den oberen und vorderen Teil des Gehäuses und amplifiziert somit die gewählte Formensprache. Auf ein pulsierendes Rot gestellt, erinnert es fast an einen Kanal glutrote Lava. Selbst wenn euer Motherboard keine Unterstützung für RGB liefert, kann der beigelegte ARGB-Controller Abhilfe schaffen. Etwas schade ist, dass man bei der Front nur auf Kunststoff setzt. Optisch wirkt der Metall-Look zwar sehr hochwertig, aber dieses Gefühl von Luxus ist spätestens beim Anfassen passé.

Mit 12,64 Kg gehört das Vector RS dennoch eher zu den schwereren Vertretern seiner Zunft. Das ist unter anderem der starken Verglasung geschuldet. Nicht nur an der Seite, sondern auch am Oberteil liefert euch ein solide gefertigtes Glaspanel einen Einblick ins Innenleben. Unorthodox ist die Position des Frontpanels, dieses befindet sich seitlich auf der rechten Oberseite des Gehäuses. In ihm sind zwei USB-Anschlüsse, ein USB-C-Port und das Audio-Panel untergebracht.

Die eckigen Füße des Vectors kommen im Alu-Look daher und fügen sich gut in die Designsprache des Gehäuses ein. So nehmen sie etwa den Formenverlauf der Lufteinlässe auf und schließen mit einer dezenten Zierleiste am Kinn des Vectors ab. Ich persönlich finde das sehr gelungen. Einziges Manko ist hier dann nur wieder die Verwendung von Kunststoff. Allerdings werdet ihr – im Gegensatz zur Front – wohl kaum ständig die Finger an den Füßen des Gehäuses haben.

Im Innenraum setzt Fractal auf Konstanz. Das kann man gut oder schlecht finden, denn das Fractal Design R6 ist im Grunde genommen identisch aufgebaut. Dafür gehört es immerhin zu den besten Midi-Towern auf dem Markt. Das bedeutet auch, dass ein großer Teil des Gehäuses für den herausnehmbaren Festplattenkäfig reserviert ist. Wenn ihr nur mit m.2-SSDs arbeitet, dann schaut auch mal auf das Define S2, welches wir hier im Test hatten. Dafür liefert der gewonnene Platz beim Herausnehmen des Festplattenkäfigs des Vectors dann auch massig Raum für Radiatoren.

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Sehr gute Verarbeitung

Fractal-typisch ist die Dämmung wieder über jeden Zweifel erhaben. Das verbaute Metall ist dick und solide gefertigt, Spaltmaße halten sich in Grenzen und alles schließt bündig ab. Auch die Schalldichtungsmatten sind hervorragend verklebt und dick verarbeitet. Das Glaspanel ist ebenfalls dick und dämmt sehr gut. Wenn ihr euch nicht direkt neben dem Gehäuse befindet und im Inneren keinen Düsenjet betreibt, bleibt das Vector RS somit auch unter Last flüsterweise. Für Freunde von Wasserkühlungen bietet sich die Möglichkeit den Festplattenkäfig zu entfernen und im oberen Teil einen monströsen 420mm-Radiator zu verbauen. Vorn kann sich ein dicker 360er-Radiator voll ausleben.

Einziger kleiner Kritikpunkt ist die Anbringung des Glaspanels: Ich bin allgemein ein großer Freund von Türschanieren, die ihr hier – wie auch bei anderen Fractal-Gehäusen – vergeblich sucht. Das ist allerdings Meckern auf hohem Niveau, denn die Glastür schließt mit ihrem magnetischen Einrastmechanismus gut mit dem Rest des Gehäuses ab. Trotzdem wäre es schön gewesen, wenn sie einem beim Öffnen des Vector RS nicht immer entgegen fällt.

Der Innenraum ist generell sehr geräumig. Die Kabeldurchführungen zum Mainboard sitzen auf einer leicht angewinkelten Fläche, was das Handling erleichtert. Mit den vielen Laufwerksoptionen, Schlitzen und Löchern wirkt das Innere bei genauer Betrachtung ein wenig wie ein Schweizer Käse. Durch einheitliches, mattes Schwarz wird der luftige Aufbau allerdings gut kaschiert. Wer sich gegen die 3,5-Zoll-Schächte entscheidet und die Käfige ausbaut, hat trotzdem noch vier Plätze zur Verfügung. Die zwei unteren im Netzteilschacht und zwei weitere senkrecht auf der Rückseite des umgedrehten Käfigs. Entkoppeln lassen sich alle mit den beiligenden Gumminoppen. Unten und an der Front hat Fractal zudem Staubgitter installiert, die euren Innenraum sauber halten.

Fractal verbaut drei hauseigene Dynamic-X2-GP-14-Lüfter, die für sich genommen eher zu den leiseren Vertretern ihrer Art gehören. Wir haben sie im Test bis 1.000 RPM hochdrehen sehen, wobei sie stets laufruhig blieben. Dank der Blackout-Edition sind sie komplett in Schwarz gehalten und Fractal-typisch ist die Verarbeitung sehr gut.

Solide Thumbscrews und gutes Kabelmanagement mit kleinen Macken

Fractal setzt beim Einbau erneut auf seine bewährten Thumbscrews, die ihr aber auch mit Schraubenzieher nutzen könnt. Sie sind massiv gefertigt und leicht angerauht, was die Befestigung per Hand nochmals erleichtert. Auch an filzbehaftete Kabelbänder hat Fractal erneut gedacht. Ihr merkt schon, „erneut“ und „wieder“ werdet ihr in diesem Test öfter hören, denn der Innenraum des Vector RS ist baugleich zum Define R6 von Fractal. Zwar wurde von Fractal beteuert, dass es sich um eine komplette Neuentwicklung handeln soll, aber selbst nach intensiven Recherchen können wir keinen Unterschied zum Schwestermodell im Innenraum feststellen.

Wie bei diesem sind auch wieder massig Kabelbinder beigelegt. Leider sind die bereits verbauten billig wirkenden Drahtkabelhalter umständlich herauszubekommen. Hier hat es bei unserem Testmodell der Vormonteur wohl etwas zu gut gemeint. Die Abstandshalter für das Mainboard sind bereits verschraubt und das Kabelmanagement durch die ebenfalls bewährten Gummilöcher lässt euch viel Gestaltungsraum.

Wer gerne seinen Grafikkartenlüfter paradiert, der kann die GPU auch per Riser-Kabel senkrecht aufstellen. Das geht dann aber zumeist auf Kosten des Airflows, da die GPU ihre Abluft Richtung Glasscheibe abführt.

Dafür nimmt das Case euer Mainboard ohne Vorbereitungen auf und ihr habt auch mit einem E-ATX-Board keine Platzprobleme. Die gut positionierten Kabeldurchführungen verhindern hier ungelenke Verlegung mit zu engen Radien.

Ganz ohne Werkzeug geht die Montage zwar nicht von der Hand, aber dennoch merkt man, dass Fractal es euch leicht machen möchte. Lediglich die Schrauben fürs Motherboard und die 2,5-Zoll-SSDs benötigen zwingend einen Schraubenzieher. Die 2,5-Zoll-Laufwerke lassen sich dafür sehr leicht auf der Rückseite des Mainboard-Trays einclippen. Der ebenfalls verdeckt im Case angebrachte Fan-Controller benötigt einen SATA-Stromanschluss, hier kann einfach der Kabelstrang für die SSDs weiter nach oben geführt werden. Die Lüfter müsst ihr bei der Erstmontage allerdings noch einzeln an diesen anschließen.

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Vector RS: Leistung & Temperatur

Das Unboxing des Gehäuses geht unkompliziert und schnell von der Hand. Der Einbau läuft ebenfalls ohne größere Schwierigkeiten. Durch den „Netzteil-Schlitten“ lässt sich dieses einfach in den dafür vorgesehenen Schacht schieben und verunstaltet mit seinem Kabelsalat weder den Airflow noch den optischen Eindruck des Innenraums. Wie Eingangs erwähnt, bietet euch das Gehäuse beim Zusammenbau einige Möglichkeiten: So könnt ihr etwa den Glasdeckel an der Oberseite gegen ein Mesh-Modell tauschen, welches auch bereits mit im Karton ist. Das sorgt für ca. zwei bis vier Grad bessere Temperaturen.

Um es kurz zu machen: Der Airflow ist für ein dermaßen leises Gehäuse wirklich sehr gut. Zwar gibt es deutlich kühlere Alternativen, doch werden diese mit einer weitaus höheren Geräuschkulisse erkauft. Die Temperaturen des Vector RS liegen ziemlich genau auf einem Niveau mit dem Fractal Design Define S2 und – oh, Wunder – dem Fractal Design R6. Wir haben jeweils folgende Hardware genutzt:

  • CPU: Intel Core i7-7820x
  • Mainboard: Gigabyte X299-UD4 Pro
  • RAM: 32GB HyperX Fury DDR4 2133
  • GPU: GeForce RTX 2060 von Zotac
  • CPU-Kühler: be quiet! Dark Rock Pro 3
  • Netzteil: be quiet! Dark Power Pro 750W
  • M.2 SSD: 480GB Kingston KC1000 PCIe
  • SATA SSD: 1.2TB Intel DC S3520

Im Idle haben wir 30°C bei der RTX 2060 und die CPU wird vom Dark Rock Pro 3 auf 26°C runtergekühlt. Nach 45 Minuten AIDA-Stresstest, den alle Gehäuse bei uns mit der gleichen Hardware durchlaufen, lesen wir die Chiptemperaturen aus. Ob das Gehäuse offen, mit Mesh oder dem Cover betrieben wird, hat wenig Auswirkungen auf die Grafikkarte, die mit 66°C bis 67°C läuft. Die CPU ist allerdings abhängig von der Frischluftzufuhr der Gehäusedecke. Offen messen wir 60°C, mit Mesh sind es 66°C und mit Deckel kommen wir auf 70°C für die Package-Temperatur. Insgesamt sind die Werte im Rahmen, das heißt aber auch, dass es nicht überragend kühl ist.

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Fazit

Das Fractal Vector RS liefert im Test überzeugende Ergebnisse hinsichtlich seiner Kühlfähigkeiten ab. Allerdings ist die Schalldämmung der echte Selling-Point des Gehäuses. Leise und gut verarbeitet kommt es daher. Auch der Zusammenbau gestaltet sich aufgrund der sehr guten Einteilung und Kabelführung hervorragend. Zwar bin ich nicht der beste Kabelverleger, doch zur Vorderseite hin überzeugt die Aufgeräumtheit des Gehäuses und wird durch die beiden Sichtfenster schön in Szene gesetzt. Der Innenraum ist dabei geräumig und bringt auch größere Hardware problemlos unter.

Dazu könnt ihr das Gehäuse auf alle möglichen Arten und Anwendungsszenarien spezialisieren und anpassen. Ihr wollt statt eines Festplattenkäfigs Platz für Radiatoren oder einen möglichst cleanen Innenraum? Dann verschafft euch Freiheit, indem ihr den Käfig einfach rausnehmt! Oder sollen es stattdessen Radiatoren für Wasserkühlungen sein? Dann baut das obere Sichtfenster schlichtweg aus und ersetzt es durch ein Mesh-Gitter. Fast alles ist möglich, wenn es um das Vector RS geht.

Im Inneren kommen dann auch noch sehr viele Laufwerke unter: 6x 3,5 Zoll und 3x 2,5 Zoll sollten für alle Eventualitäten ausreichen. Auf einen 5,25-Zoll-Laufwerksschacht müsst ihr allerdings verzichten. Mit seinen vielen Komfortfunktionen nimmt es sowohl Einsteigern als auch erfahrenen Bastlern viel Arbeit ab. Die verbauten Lüfter sind von gewohnter Fractal-Qualität und arbeiten dabei angemessen laufruhig. Der Airflow ist bereits im Auslieferungszustand gut, kann aber durch den Ausbau des oberen Teils noch verbessert werden. Staubfilter an allen Ausgängen sorgen zudem für einen sauberen Innenraum.

Insgesamt hinterlässt das Vector RS einen tollen Eindruck dank der vielen Möglichkeiten, die sich PC-Bauern bieten. Es ist gut verarbeitet, einsteigerfreundlich und leistet sich kaum Schnitzer. Einziges echtes Manko ist der Preis von knapp 180 Euro – denn das Fractal Design Define R6 bekommt ihr derzeit bereits für etwa 25 Euro weniger*. Ist die RGB-Beleuchtung ein KO-Kriterium, dann schaut euch auch das Define S2 an. Zwar bekommt ihr hier mehr Lüfter mit umfassender LED-Beleuchtung und eine Rundum-Verglasung geboten, müsst aber auch knapp 50 Euro tiefer in die Tasche greifen. Mit dem Vector RS füllt Fractal somit die Lücke zwischen dem Define R6 und dem Define S2 in der RGB-Version. In Anbetracht dessen ist das neue Vector RS eine gelungene Fortsetzung der Define-Reihe von Fractal, die weiterhin meine Empfehlung für schallgedämmte Gehäuse darstellt.

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*Stand: 08.01.2020

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