KinoKritiken

Kritik zu „Greenland 2“ – Flucht in den gelobten Krater

Bundesweiter Kinostart: 08. Januar 2026

In der Fortsetzung des Katastophenfilms „Greenland“ verschlägt es Gerard Butler und seine Familie aus dem Schutzbunker zurück auf eine kräftezehrende wie gefährliche Reise durch eine zerstörte Welt. Komet Clarke ist längst nicht fertig mit der Erde – neues Heil soll ausgerechnet im Einschlagskrater warten. Unsere Review zu „Greenland 2“.

„Greenland 2“, im Original mit dem Zusatz „Migration“, führt die post-apokalyptische Reise der Familie Garrity fort, die wir im Katastrophendrama „Greenland“ aus dem Jahr 2020 begleitet haben. Was im ersten Teil als ungewöhnlich realistisches Endzeit-Drama funktionierte, das weniger auf Monumentalzerstörung als auf die verzweifelte Menschlichkeit in Extremsituationen setzte, entpuppt sich in der Fortsetzung samt gehörigem Stilwandel. Die Handlung setzt rund fünf Jahre nach dem verheerenden Einschlag des Kometen Clarke ein – die Welt draußen ist durch Strahlung und weiteren Gefahren kaum eine Zufluchtsstätte und nur im Notfall betretbar. Nachdem ihr Schutzbunker durch die Verschiebung der Kontinentalplatten zerstört wurden, fassen die Garritys den Plan zur Einschlagsstelle von Komet Clarke zu reisen, dort soll laut Theorien wieder normales Leben möglich sein.

Regisseur Waugh lässt keine Zweifel daran, dass er seine Figuren weiterhin in existenzielle Gefahrensituationen manövrieren möchte. Die Kameraarbeit von Martin Ahlgren fängt die trostlose Welt mit entsättigter Klarheit ein. Das größte Manko des Sequels ist, dass es den emotionalen Kern des Vorgängers nicht wiederfindet. Wo der erste Film noch von der unmittelbaren Angst vor der Katastrophe und der zerbrechlichen Hoffnung der Protagonist:innen getragen wurde, wirkt „Greenland 2“ hin und wieder wie eine direkte Abfolge von Flucht- und Überleben-Setpieces ohne tieferen dramatischen Atem. Die Beziehung zwischen John, Allison und Nathan bietet zwar einige berührende Momente – besonders Nathan, der mit Diabetes und der Last des ständigen Überlebens kämpft, bringt echte Empathie auf die Leinwand – doch diese Nuancen werden von einem halbgaren Drehbuch unterlaufen, das mehr beschäftigt ist mit dem Abhaken von Genre-Konventionen als mit Tiefgang. Man lässt die Figuren schlicht kaum zu Atem kommen, um inhaltlich deren Gedankenwelten zu verstehen.

Gerard Butler gibt den unverwüstlichen Familienvater, der trotz Herzensgüte auch zu unmoralischen Taten fähig ist, sobald es zum Äußersten kommt. Morena Baccarin als Allison hält mit einer gewissen stoischen Kraft dagegen, doch auch sie bleibt in ihrer Figurenzeichnung eher funktional als durchdacht. In ihrer Darstellung streut sie am ehesten Gefühle in ihre Rolle. Zudem geben sich die Gefahren, denen die Familie begegnet, meist generisch: Mal bricht eine brüchige Holzstege über eisige Abgründe weg, dann tauchen willkürlich Banditen auf samt hastig zusammengesetzte sichere Zufluchtsorte. Diese bekannten Elemente sorgen für gezielte Spannung, wirken aber im Gesamtbild wie aus zahllosen anderen postapokalyptischen Geschichten entlehnt, ohne ihnen neue Bedeutung abzugewinnen. Die Dramaturgie leidet darunter nicht zwangsläufig, da sie Erinnerungen an ähnliche Thematiken wie in „The Last of Us“ oder „The Road“ weg wecken.

In der Summe bleibt „Greenland 2: Migration“ eine Film, der zwischen soliden Unterhaltungsmomenten und offensichtlich verpassten Chancen pendelt. Für Zuschauer:innen, die den ersten Film mochten und einfach noch mehr Zeit mit den Garritys verbringen wollen, bietet der zweite Teil immer wieder visuelle Eindrücke und emotionale Fragmente, die funktionieren. Doch wer auf der Suche nach der Intensität und der charakterlichen Tiefe des Originals ist, wird hier eher enttäuscht: Die Fortsetzung droht unter der Last ihrer eigenen Ambitionen zu verschwinden, gerade weil sie so bemüht ist, größer, härter und spektakulärer zu sein als ihr Vorgänger. Zudem wird einmal mehr der Mensch an sich als schlimmere Gefahr genutzt als die Natur bzw. deren Auswirkungen nach einem Kometeneinschlag.

In all dem bleibt „Greenland 2: Migration“ ein anständiger postapokalyptischer Trip durch eine zerstörte Welt hin zum gelobten Land, handwerklich sauber. Bestens geeignet für Liebhaber von Katastrophenfilmen, die bekanntlich nicht mehr so häufig in den Lichtspielhäusern laufen, durchaus zu empfehlen.

Greenland 2: Migration. USA 2026. Verleih: TOBIS. Regie: Ric Roman Waugh. Mit Gerard Butler, Morena Baccarin, Roman Griffin Davis. Genre: Action. 98 Minuten. FSK: Ab 12 Jahren.

Gibt es eine Post-Credit-Szene? = Nein.

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Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Instagram. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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