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Das Wacken Open Air 2027 nimmt bereits ungewöhnlich früh konkrete Formen an. Mehr als 50 Bands stehen für die Ausgabe vom 28. bis 31. Juli 2027 fest. Neben großen Namen wie Electric Callboy, Helloween und Heaven Shall Burn gehört auch Five Finger Death Punch zu den prominentesten bisherigen Bestätigungen.
Musikalisch passt die US-Band ohne Zweifel auf eine der großen Bühnen des Festivals. Politisch und gesellschaftlich ist ihre Verpflichtung allerdings nicht völlig unproblematisch. Besonders Gitarrist und Bandgründer Zoltan Bathory fiel in der Vergangenheit durch öffentliche Unterstützung für Donald Trump und weitere politisch aufgeladene Aussagen auf.
Das bedeutet nicht automatisch, dass jedes Mitglied der Band dieselben Positionen vertritt. Es bedeutet aber, dass man Five Finger Death Punch nicht vollkommen losgelöst von ihrer öffentlichen Inszenierung betrachten sollte.
Diese Bands sind für Wacken 2027 bestätigt
Wacken hat bislang folgende Bands offiziell angekündigt:
Avatar, Beast in Black, Belphegor, Between Two Worlds, Blue Medusa, Carnifex, Cavalera Conspiracy, Children of Bodom, Creeper, Crypta, Dark Tranquillity, Dethklok, DragonForce, Edguy, Electric Callboy, Feuerschwanz, Five Finger Death Punch, Gaerea, Halestorm, HammerFall, Heaven Shall Burn, Heaven’s Gate, Helloween, Hiraes, Imminence, Jinjer, John 5, John Bush – Celebrating The Songs Of Anthrax, Kanonenfieber, Knocked Loose, Make Them Suffer, Malevolence, Metal Church, Mittel Alta, Napalm Death, Overkill, Seven Blood, Shadow of Intent, Sylosis, Tailgunner, The Browning, The New Roses, Towards the Sinister, Tyketto, U.D.O., Victorious und Witch Club Satan.
Damit deckt das Festival bereits jetzt eine ziemlich breite Mischung aus Heavy Metal, Power Metal, Death Metal, Metalcore, Hardcore und modernem Stadion-Metal ab.
Besonders spannend ist die angekündigte Rückkehr von Children of Bodom in einer speziellen Besetzung mit Samy Elbanna von Lost Society. Hinzu kommen Jubiläums- und Sondershows wie das komplette Album „To the Nameless Dead“ von Primordial sowie John Bush mit Songs aus seiner Zeit bei Anthrax.
Die vollständige bisherige Liste findet ihr in der offiziellen Ankündigung des Wacken Open Air.
Five Finger Death Punch als einer der großen Namen
Five Finger Death Punch gehören seit vielen Jahren zu den kommerziell erfolgreichsten modernen Metalbands aus den USA. Ihr Sound aus Groove Metal, Alternative Metal und eingängigen Hard-Rock-Refrains funktioniert besonders auf großen Festivalbühnen.
Für Wacken ist die Verpflichtung daher zunächst nachvollziehbar. Die Band zieht ein großes Publikum an, verfügt über zahlreiche bekannte Songs und veröffentlicht 2026 mit „Legacy“ ihr zehntes Studioalbum. Wacken selbst bewirbt den Auftritt als Rückkehr auf den „Holy Ground“ nach zwei Jahrzehnten Bandgeschichte.
Ganz unkritisch sollte man diese Buchung trotzdem nicht feiern.
Zoltan Bathory unterstützte Donald Trump öffentlich
Der wichtigste belegbare Kritikpunkt betrifft nicht pauschal die gesamte Band, sondern vor allem Gitarrist und Gründer Zoltan Bathory.
Bathory unterstützte Donald Trump bereits während dessen erster Präsidentschaftskampagne im Jahr 2015 öffentlich. In mehreren damaligen Beiträgen lobte er Trump dafür, angeblich Klartext zu sprechen und das Land wieder auf Kurs bringen zu wollen. Unter anderem schrieb Bathory sinngemäß, Trump bringe das Land bereits dadurch voran, dass er offen ausspreche, was andere verschweigen würden. Die Angriffe der Medien würden Trump zudem eher stärker als schwächer machen.
Die damaligen Äußerungen und die dazugehörigen Beiträge wurden unter anderem vom Metal Hammer dokumentiert.
Bathory stellte sich öffentlich hinter einen Politiker, der bereits damals mit Forderungen nach einer Mauer an der Grenze zu Mexiko, scharfer Rhetorik gegen Migranten und stark polarisierenden Aussagen auffiel. Die Unterstützung stammte aus dem Jahr 2015. Daraus sollte nicht automatisch geschlossen werden, dass Bathory jede spätere Handlung oder jede heutige Position Trumps unterstützt.
Ist Five Finger Death Punch eine Pro-Trump-Band?
Die Bezeichnung „Pro-Trump-Band“ ist verständlich, aber etwas zu pauschal.
Öffentlich klar dokumentiert ist vor allem die Unterstützung durch Zoltan Bathory. Er ist Gründer, Gitarrist und eine der prägenden Figuren der Band. Seine Aussagen besitzen daher mehr Gewicht als eine beiläufige Bemerkung eines kurzzeitigen Tourmusikers. Trotzdem besteht Five Finger Death Punch aus mehreren Personen, die nicht automatisch dieselben politischen Ansichten teilen. Sänger Ivan Moody hat sich beispielsweise bei einem anderen politisch aufgeladenen Projekt später deutlich von der Umsetzung distanziert. Sauberer ist daher folgende Einordnung:
Five Finger Death Punch sind eine Band, deren Gründer Donald Trump öffentlich unterstützt hat und deren Bildsprache mehrfach mit rechten, nationalistischen oder verschwörungsideologischen Deutungen gespielt hat (dazu gleich mehr).
Das ist etwas anderes als der Nachweis, dass jedes Mitglied geschlossen Trump unterstützt.
„Living the Dream“ sorgte für heftige Kritik
Besonders deutlich wurde die politische Aufladung im Musikvideo zu „Living the Dream“ aus dem Jahr 2020.
Das Video erschien mitten in der Corona-Pandemie und zeigte unter anderem maskierte Menschen, die mit einem Hammer-und-Sichel-Symbol als gehorsam markiert wurden. Zu sehen waren außerdem eine als „People’s Republic of America“ bezeichnete Gesellschaft, politische Unterdrückung, Toilettenpapier hortende Zombies und verschiedene Anspielungen auf Verschwörungserzählungen.
Viele Zuschauer verstanden das Video als Angriff auf Maskenpflichten und Corona-Schutzmaßnahmen. Zudem enthielt es Bilder und Symbole, die mit QAnon, einer angeblichen kommunistischen Machtübernahme und rechtspopulistischen Erzählungen in Verbindung gebracht wurden. Zoltan Bathory widersprach dieser Interpretation. Er erklärte, das Video sei nicht gegen Masken gerichtet. Die Masken sollten vielmehr die Doppelmoral politischer Eliten symbolisieren, die Regeln für andere aufstellten, sich aber selbst nicht daran hielten.
Diese Erklärung ändert allerdings nichts daran, dass das Video bewusst mit genau jener Bildsprache arbeitete, die zu diesem Zeitpunkt von Impfgegnern, Corona-Leugnern und rechtspopulistischen Gruppen verwendet wurde. Die Wirkung einer solchen Inszenierung verschwindet nicht automatisch, nur weil der Verantwortliche später eine andere Interpretation anbietet.
Das Video und Bathorys Stellungnahme sind unter anderem bei Loudwire ausführlich dokumentiert.
Ivan Moody widersprach der Umsetzung
Interessant ist, dass Sänger Ivan Moody die Umsetzung des Videos später selbst kritisierte.
Moody erklärte 2022, dass er mit der politischen Aussage und der visuellen Umsetzung von „Living the Dream“ nicht einverstanden gewesen sei. Das Video habe nicht dem entsprochen, was er beim Schreiben des Songs im Kopf gehabt habe. Für das Konzept sei weitgehend Bathory verantwortlich gewesen. Moody kündigte zudem an, dass so etwas nicht erneut unter seinem Namen veröffentlicht werden solle. Laut seinen Aussagen führte das Video auch zu Spannungen innerhalb der Band. Seine Distanzierung zeigt, warum es falsch wäre, sämtliche Mitglieder von Five Finger Death Punch politisch über einen Kamm zu scheren. Gleichzeitig macht sie deutlich, dass das Video selbst innerhalb der Band keineswegs unumstritten war.
Die Aussagen Moodys wurden unter anderem von Loudwire und Metal Hammer aufgegriffen.
Patriotismus, Militär und Polizei als Teil des Bandimages
Five Finger Death Punch pflegen seit Jahren eine starke Verbindung zum US-Militär, zu Veteranen und teilweise auch zu Polizeiorganisationen.
Die Band trat mehrfach für US-Soldaten auf, besuchte Militärstützpunkte und verwendete militärische Bilder in Videos, auf Bühnen und bei Merchandise-Artikeln. Das Musikvideo zu „Bad Company“ enthält beispielsweise Aufnahmen von Soldaten und wurde ausdrücklich als Würdigung der US-Streitkräfte gestaltet. Militärische Unterstützung oder Hilfe für Veteranen sind nicht automatisch rechtsradikal oder verwerflich. Viele Projekte der Band dienen wohltätigen Zwecken und unterstützen Menschen, die nach Militäreinsätzen psychische oder körperliche Hilfe benötigen. Problematisch wird es dort, wo Patriotismus, Militärästhetik, Feindbilder und politische Botschaften zu einem kaum noch trennbaren Gesamtpaket werden. Five Finger Death Punch bewegen sich regelmäßig ziemlich dicht an dieser Grenze.
Bathory selbst betont häufig seine Erfahrungen als Mensch, der im kommunistischen Ungarn aufgewachsen ist, und seine starke Unterstützung für Kapitalismus und individuelle Freiheit. Diese persönliche Geschichte erklärt Teile seiner politischen Haltung, schützt sie aber natürlich nicht vor Kritik.
Muss Wacken auf solche Bands verzichten?
Ein Festival muss nicht ausschließlich Bands verpflichten, deren Mitglieder politisch vollkommen unauffällig sind. Das wäre in der Praxis vermutlich auch kaum möglich.
Wacken ist in erster Linie ein Musikfestival und kein politischer Parteitag. Ein Auftritt bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Veranstalter jede Aussage jedes Musikers unterstützen. Trotzdem trägt ein Festival Verantwortung dafür, wem es eine große Bühne und Reichweite gibt. Besonders bei Headlinern oder prominent beworbenen Acts darf deren öffentliche Haltung nicht vollständig ausgeblendet werden. UND Ja, sie wollen auch Geld verdienen, fraglich ist nur wie hoch der Preis ist, den sie dafür zahlen müssen.
Eine Absage ist nicht automatisch die einzig richtige Reaktion. Transparenz und kritische Einordnung sind aber durchaus angebracht. Fans dürfen selbst entscheiden, ob sie den Auftritt besuchen, ignorieren oder ihren Unmut äußern. Dafür müssen die Hintergründe allerdings bekannt sein.
Wie ich über Five Finger Death Punch denke?
Five Finger Death Punch haben zweifellos erfolgreiche Songs geschrieben und können eine große Festivalbühne füllen. Das ändert jedoch nichts daran, dass ich die die öffentliche Trump-Unterstützung von Zoltan Bathory und die politische Bildsprache rund um „Living the Dream“ kritisch sehen. Das bedeutet aberr auch, dass ich Fans micht pauschal verurteile oder behaupten, jedes Bandmitglied vertrete dieselben Positionen. Musikgeschmack ist micht zwingend sofort eine politische Erklärung.
Gerade deshalb ist die Unterscheidung wichtig: Bathorys Trump-Unterstützung ist dokumentiert. Die komplette Band geschlossen als überzeugte Trump-Formation zu bezeichnen, wäre dagegen in meinen Augen falsch. Man kann sich auf das Wacken Open Air 2027 freuen und die Verpflichtung von Five Finger Death Punch trotzdem kritisch betrachten. Beides schließt sich nicht aus. Man wird ja schließlich nicht gezwungen die Show zu sehen.
Wacken 2027 ist bereits stark aufgestellt
Abseits dieser Diskussion besitzt das bisherige Line-up enormes Potenzial. Electric Callboy /auch darüber lässt sich streiten=, Helloween, Heaven Shall Burn, Jinjer, Knocked Loose, Cavalera Conspiracy, Halestorm, Dethklok und zahlreiche weitere Acts bilden schon jetzt ein starkes Grundgerüst. Weitere Bands werden in den kommenden Monaten folgen. Die bisherige Liste ist also noch lange nicht vollständig. Wacken selbst spricht von einem Jahr voller Legenden, Comebacks und besonderer Shows.
Das Wacken Open Air 2027 findet vom 28. bis 31. Juli 2027 statt.
Habe ich was vergessen, übersehen? Schreibt es in die Kommentare.
Quellen:
- Metal Hammer: Zoltan Bathory unterstützt Donald Trump
- Loudwire: Stellungnahme zum „Living the Dream“-Video
- Loudwire: Ivan Moody widerspricht dem Video
- Offizielles Musikvideo zu „Living the Dream“
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