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Twitter ist zurück. Zumindest heißt wieder ein soziales Netzwerk so. Das US-Startup Operation Bluebird hat unter Twitter.now eine neue Plattform gestartet, die sich ziemlich frech am früheren Twitter orientiert. Blauer Vogel, Tweets, Retweets und Kurznachrichten inklusive. Mit Elon Musks X hat das neue Twitter allerdings nichts zu tun – und genau daraus entwickelt sich gerade ein ziemlich interessanter Markenrechtsstreit.
Hinter Operation Bluebird steht unter anderem Stephen Coates, der früher als Markenanwalt für Twitter tätig war. Das Startup vertritt die Auffassung, dass X Corp. die Marken Twitter und Tweet sowie Teile des alten Markenauftritts aufgegeben habe, nachdem Elon Musk den Dienst 2023 konsequent in X umbenannte. Operation Bluebird beantragte deshalb bereits Ende 2025 beim US-Patent- und Markenamt die Löschung mehrerer Twitter-Markenregistrierungen.
X sieht die Sache erwartungsgemäß etwas anders und verklagte Operation Bluebird im Dezember 2025 vor einem Bundesgericht in Delaware wegen Markenrechtsverletzung. Das Unternehmen argumentiert unter anderem, dass Twitter weiterhin eine weltweit bekannte und geschützte Marke sei und Operation Bluebird gezielt von diesem Bekanntheitsgrad profitieren wolle. Der entsprechende Rechtsstreit läuft weiterhin.
Ein Twitter mit Faktencheck und kontrollierbarem Feed
Twitter.now will allerdings nicht einfach Twitter von 2019 aus dem Keller ziehen und wieder ans Netz hängen. Operation Bluebird beschreibt die Plattform als neues soziales Netzwerk mit stärkerem Fokus auf Vertrauen, Transparenz und Kontrolle durch die Nutzer.
Dazu gehört unter anderem Vera, ein KI-gestütztes System zur Bewertung von Beiträgen. Nutzer sollen außerdem stärker selbst bestimmen können, welche Inhalte und Vertrauensstufen in ihrem Feed auftauchen. Operation Bluebird fasst seine Idee mit dem Prinzip „Freedom of speech, not freedom of reach“ zusammen – Meinungsfreiheit soll also nicht automatisch garantieren, dass jeder Beitrag maximale Reichweite erhält.
Der Zugang befindet sich momentan noch in einer frühen Phase. Twitter.now verlangt derzeit 20 US-Dollar für einen Founder-Zugang, mit dem Nutzer die Plattform testen und sich unter anderem frühzeitig einen Nutzernamen sichern können. Die Betreiber betonen auf der Webseite mehrfach, dass sie weder X Corp. seien noch mit Musks Unternehmen in Verbindung stehen.
Darf das neue Twitter überhaupt Twitter heißen?
Genau das ist bislang nicht entschieden. Bei einer Anhörung im April 2026 äußerte US-Bezirksrichter Colm Connolly Zweifel daran, ob X weiterhin ausreichende Rechte am Begriff „Tweet“ und am früheren Vogel-Logo geltend machen könne. Auch die Marke Twitter könnte nach Einschätzung des Richters Teil der Diskussion sein. Eine endgültige schriftliche Entscheidung liegt bislang allerdings nicht vor. Von einem gerichtlich bestätigten Verlust der Twitter-Marke durch X kann deshalb derzeit keine Rede sein. Operation Bluebird startet seinen Dienst gewissermaßen mitten im laufenden Verfahren.
Das macht Twitter.now momentan mindestens genauso sehr zu einem juristischen Experiment wie zu einem neuen sozialen Netzwerk. Ob daraus wirklich ein ernsthafter Konkurrent für X, Bluesky, Threads und Mastodon wird, muss sich ohnehin erst zeigen.
Allein die Vorstellung, dass Musk Milliarden für Twitter bezahlt, den Namen anschließend entsorgt und jemand anderes wenige Jahre später damit einen neuen Kurznachrichtendienst startet, besitzt allerdings eine gewisse ironische Schönheit.
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