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Ich hatte eigentlich gedacht, diese Zeiten wären vorbei. Plastikgitarre vor dem Fernseher, Schlagzeug mitten im Wohnzimmer und mindestens einer im Freundeskreis, der spätestens nach dem dritten Song fest davon überzeugt war, der geborene Frontmann zu sein. Rock Band und Guitar Hero waren großartig. Nicht unbedingt, weil sie besonders realistische Musikspiele waren, sondern weil sie einen Abend innerhalb weniger Minuten komplett eskalieren lassen konnten. Genau diese Art von Spielen liebe ich bis heute.
Und jetzt steht da plötzlich Stage Tour. Entwickelt von Leuten, die teilweise schon damals an Guitar Hero und Rock Band beteiligt waren, vollgestopft mit Gitarren, Drums, Mikrofonen und einer Setlist mit mehr als 90 Songs. Am 10. Dezember 2026 soll das Ganze für PC, PlayStation 5, Xbox Series X|S und Nintendo Switch 2 erscheinen.
Hinter dem Spiel steckt das neu gegründete RedOctane Games. Der Name dürfte insbesondere Guitar-Hero-Veteranen bekannt vorkommen. Zum Team gehören Leute vom ursprünglichen RedOctane sowie ehemalige Entwickler von Neversoft und Harmonix. Unterstützt wird die Entwicklung unter anderem von Third Kind Games und Eidos Montréal. Auf dem Bildschirm rauschen wieder farbige Noten über mehrere Spuren, gespielt wird mit Gitarre, Groove beziehungsweise Bass, Schlagzeug und Mikrofon. Die Schwierigkeitsgrade reichen von Easy bis Expert, Drummer dürfen sich teilweise sogar an Expert+ samt zweitem Kick-Pedal versuchen.
Alleine nett, gemeinsam dürfte es richtig lustig werden
Lokal dürfen bis zu vier Spieler gleichzeitig loslegen, wobei die Instrumente frei kombiniert werden können. Ihr wollt vier Gitarren? Bitte sehr. Drei Gitarristen und einen Sänger? Ebenfalls möglich.
Dazu kommt plattformübergreifender Online-Koop. Wer keine Plastikinstrumente besitzt, bleibt ebenfalls nicht draußen. Stage Tour lässt sich mit normalen Controllern spielen, am PC zusätzlich mit der Tastatur. Dafür gibt es eigene Notencharts mit vier beziehungsweise fünf Spuren. Das ist eine coole Sache. Denn so sehr ich diese Plastikinstrumente mag: Für einen spontanen Einstieg sollte niemand erst 150 Euro Hardware kaufen müssen.
Die Setlist macht schon jetzt Lust auf Dezember
Ohne die richtigen Songs funktioniert das alles natürlich nicht. Stage Tour soll zum Start mehr als 90 lizenzierte Titel aus sechs Jahrzehnten mitbringen und danach über DLC erweitert werden.
Die bisher vorgestellte Auswahl liest sich bereits angenehm breit. Metallica trifft auf The Rolling Stones, Red Hot Chili Peppers, Muse, Slipknot, Paramore, Megadeth, The Cure, Billy Talent, Ghost, Rise Against, Weezer, Avril Lavigne und Sabaton. Dazu kommen Künstler wie Olivia Rodrigo, BABYMETAL & Electric Callboy oder Ed Sheeran zusammen mit Bring Me The Horizon.
Und dann sind da Songs wie „Dani California“, „Psychosocial“, „Tornado of Souls“, „Starlight“, „Kickstart My Heart“ oder Metallicas „Lux Æterna“.
Neue Musik soll nach dem Release klassisch als DLC angeboten werden. Ein Musik-Abo ist zunächst nicht vorgesehen. RedOctane will außerdem möglichst auf künstliche Verknappung verzichten. Solange die jeweilige Lizenz besteht, bleiben zusätzliche Inhalte erhältlich. Bereits gekaufte Songs sollen sich auch dann weiter nutzen lassen, wenn eine Lizenz später ausläuft. Kaufen, spielen, behalten. Kennt man fast gar nicht mehr.
Mehr als einfach nur Songs durchspielen
Stage Tour verlässt sich allerdings nicht komplett auf die Erinnerungen alter Guitar-Hero-Spieler. Zum Start sind mit Quickplay, Judgements, Karaoke und Tour vier größere Modi geplant, ergänzt durch einen Übungsmodus.
Quickplay dürfte keiner großen Erklärung bedürfen. Song aussuchen und los.
Bei Judgements wird wesentlich genauer darauf geschaut, wie sauber die einzelnen Noten getroffen werden. Die Wertungen reichen von „Okay“ bis „Perfect“, maximal können eine Million Punkte erspielt werden.
Karaoke ist wiederum der Modus, bei dem Freundschaften auf eine harte Probe gestellt werden könnten. Der Originalgesang verschwindet und das Mikrofon gehört euch. Interessanterweise bewertet das Spiel dabei lediglich das Timing und nicht die Tonhöhe. Man kann also vollkommen schief singen und trotzdem gewinnen. – Endlich ein Spiel, das mich versteht.
Spannender finde ich allerdings den Tour-Modus. Hier steckt RedOctane Roguelite-Elemente in die klassische Rhythmusspiel-Formel. Wir stellen unsere Band zusammen, entscheiden über den weiteren Karriereweg, verwenden Effektpedale und investieren verdiente Sterne in Verbesserungen. Gestartet wird klein, irgendwann sollen die virtuellen Arenen voll sein.
Je nach Entscheidungen können sich die Touren unterschiedlich entwickeln. Damit hätte Stage Tour tatsächlich etwas, das über das bloße Abarbeiten einer Songliste hinausgeht.
Natürlich gibt es wieder Plastikgitarren
Keine Sorge: Wer sich dieses Genre nicht ohne unnötig großes Kunststoffinstrument vorstellen kann, wird ebenfalls versorgt. Zum Start erscheint eine neue Kramer Wireless Guitar. Dazu kommen ein eigenes Drum-Kit und Mikrofone. Durch eine Kooperation mit Gibson landen außerdem mehr als 180 virtuelle Instrumente von Gibson, Epiphone und Kramer im Spiel.
Noch besser gefällt mir, dass vorhandene Hardware nicht grundsätzlich Elektroschrott wird. Stage Tour unterstützt unter anderem moderne CRKD-Gitarren, den PDP Riffmaster und Rock-Band-4-Instrumente auf den jeweils geeigneten Plattformen. Selbst alte Controller aus Zeiten von Xbox 360, PlayStation 3, Wii und teilweise sogar PlayStation 2 sollen sich mit entsprechenden Adaptern wiederbeleben lassen.
Am PC soll die Unterstützung alter Instrumente besonders umfangreich ausfallen. Bevor irgendjemand neue Hardware bestellt, lohnt sich möglicherweise ein Ausflug in den Keller.
Billig wird die komplette Band nicht
Das eigentliche Spiel startet mit 39,99 Euro erfreulich bodenständig. Danach kann es allerdings schnell teurer werden. Für die neue Kramer-Gitarre werden in Europa 114,99 Euro aufgerufen, zusammen mit dem Spiel startet das Bundle bei 139,99 Euro. Das Drum-Kit kostet 209,99 Euro. Mikrofone gibt es kabelgebunden für 19,99 Euro und kabellos für 29,99 Euro.
Wer direkt die komplette Kapelle ins Wohnzimmer stellen möchte, landet beim Band-Kit samt Spiel bei 314,99 Euro. Das ist natürlich eine Ansage.
Andererseits kenne ich mich. Man beginnt mit der Gitarre, weil das völlig reicht. Kurz darauf fehlt plötzlich das Schlagzeug. Dann wäre ein Mikrofon eigentlich auch ganz nett. Und irgendwann steht wieder ein halbes Musikgeschäft neben dem Fernseher. Rock Band lässt grüßen.
Bitte macht das gut
Stage Tour muss mir nicht erklären, warum dieses Konzept Spaß machen kann. Dafür reichen die Erinnerungen an Rock Band vollkommen aus. Ich vermisse diese Spiele sogar ein bisschen. Nicht wegen der Plastikgitarre allein und auch nicht wegen irgendwelcher Highscores. Mir fehlt diese wunderbar unkomplizierte Art des gemeinsamen Spielens. Ein paar Freunde, ein paar Instrumente, bekannte Songs und nach zehn Minuten war völlig egal, wer normalerweise überhaupt Videospiele spielt.
Dabei gefällt mir besonders, dass RedOctane nicht ausschließlich versucht, eine alte Formel wieder aufzuwärmen. Controller-Support, Crossplay, der Tour-Modus und der Umgang mit vorhandener Hardware bringen das Konzept ins Jahr 2026, ohne dabei den eigentlichen Kern wegzuoptimieren.
Ob das am Ende tatsächlich so gut funktioniert wie erhofft, kann ich natürlich noch nicht beurteilen. Stage Tour habe ich bislang nicht selbst gespielt. Aber verdammt, das bisher Gezeigte erwischt bei mir ziemlich genau den richtigen Nerv.
Am 10. Dezember 2026 erscheint Stage Tour für PC, PlayStation 5, Xbox Series X|S und Nintendo Switch 2.
Bis dahin muss ich nur noch eine Sache klären: Wo zur Hölle steht meine alte Rock-Band-Gitarre?
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