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Autos, Aufzüge und Kaffeemaschinen kennen den TÜV schon. Jetzt soll auch Künstliche Intelligenz ein Prüfsiegel bekommen. Der TÜV-Verband entwickelt gemeinsam mit dem TÜV AI.Lab und mehreren TÜV-Organisationen ein eigenes Zertifizierungsprogramm für KI-Systeme. Die ersten Zertifizierungen sollen ab Ende 2026 für Unternehmen verfügbar sein.
Ganz so einfach wie „ChatGPT einmal auf die Hebebühne und bitte links blinken“ wird das allerdings nicht. Vorgesehen sind drei unterschiedlich umfangreiche Prüfverfahren, die abhängig vom jeweiligen KI-System und dessen Einsatzzweck angewendet werden sollen.
Drei Stufen für unterschiedliche KI-Systeme
Die erste Zertifizierung richtet sich an Anwendungen, die nach dem europäischen AI Act nicht als Hochrisiko-KI eingestuft werden. Hier sollen grundlegende Anforderungen an Qualität und Sicherheit untersucht werden.
Stufe zwei geht deutlich weiter. Sie steht grundsätzlich allen KI-Systemen offen und beinhaltet eine strukturierte Risikobewertung. Dabei wird nicht nur die Dokumentation geprüft, sondern auch untersucht, wie die Anforderungen beim Hersteller tatsächlich umgesetzt werden. Dafür sind auch Prüfungen vor Ort vorgesehen.
Bei der dritten Variante kommt schließlich der digitale Schraubenschlüssel raus: Bestimmte Eigenschaften des KI-Systems werden zusätzlich durch unabhängige technische Tests überprüft. Damit sollen unter anderem Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit genauer bewertet werden können.
KI-TÜV soll den AI Act ergänzen
Das Programm soll laut TÜV-Verband mit den Anforderungen des EU AI Act kompatibel sein und diese um risikobasierte sowie technische Prüfungen ergänzen. Aktuell läuft eine Pilotphase mit Partnerunternehmen, in der die Prüfkataloge unter realen Bedingungen getestet und weiterentwickelt werden. Nach Angaben des TÜV-Verbands fürchten 79 Prozent der Bundesbürger unkalkulierbare Risiken durch KI. Gleichzeitig vertrauten in der zugrunde liegenden TÜV-Studie nur 53 Prozent der KI-Nutzer darauf, dass Antworten und Ergebnisse entsprechender Systeme korrekt sind.
Ein TÜV-Siegel macht eine KI natürlich nicht automatisch unfehlbar. Gerade für Unternehmen könnte eine unabhängige Prüfung aber ein verständlicher Nachweis dafür werden, dass ein System bestimmte Anforderungen an Sicherheit, Qualität und Zuverlässigkeit tatsächlich erfüllt – statt sich einfach selbst das Etikett „Responsible AI“ auf die Webseite zu kleben.
Die schrittweise Einführung der Zertifizierungen ist für Ende 2026 geplant. Wie die fertigen Zertifikate konkret aussehen und welche Kosten für Unternehmen entstehen, hat der TÜV-Verband bislang nicht genannt.
