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Snap macht aus seiner neuen SPECS AR-Brille mehr als nur ein Display vor der Nase. Mit SPECS Intelligence hat das Unternehmen jetzt einen KI-Dienst vorgestellt, der nicht nur auf Fragen reagieren, sondern im Idealfall bereits wissen soll, welche Informationen gerade wichtig sind. Und das Spannende daran: Die KI ist nicht auf die Brille beschränkt, sondern soll auf iPhone, Mac und SPECS denselben persönlichen Kontext nutzen.
Dafür kann SPECS Intelligence auf vom Nutzer freigegebene Apps und Dienste zugreifen und daraus Informationen zu Terminen, Aufgaben, Zielen, Beziehungen und täglichen Routinen ableiten. Vor einem Meeting könnte die KI beispielsweise automatisch offene Entscheidungen und relevante Fragen zusammenstellen. Bei einer Reise sollen Flug, Hotel und Reservierungen gebündelt werden, während gleichzeitig auf eine ungünstig gelegene Deadline hingewiesen wird. Der Unterschied zum klassischen Chatbot: Man soll die KI nicht ständig erst anstupsen müssen.
Der KI-Assistent wandert direkt vor die Augen
Richtig interessant wird SPECS Intelligence natürlich zusammen mit der eigentlichen AR-Brille. Ein „Hey SPECS“ soll beispielsweise reichen, um unterwegs Fluginformationen, Hotelbuchungen oder Erinnerungen direkt im Sichtfeld einzublenden. Morgens kann die Brille auf Wunsch einen Überblick über den Tag geben und Informationen für bevorstehende Meetings vorbereiten.
Technisch sind die SPECS dabei deutlich mehr als eine Kamera mit Lautsprechern. Snap verbaut transparente Waveguide-Displays mit 16 Millionen Farben und einem Sichtfeld von 51 Grad. Zwei Snapdragon-Prozessoren kümmern sich getrennt um Computer Vision und die Ausführung der AR-Anwendungen. Die von Snap angegebene Motion-to-Photon-Latenz liegt bei 7 Millisekunden, die Akkulaufzeit bei gemischter Nutzung bei bis zu vier Stunden. Je nach Größe wiegt die Brille 132 beziehungsweise 136 Gramm.
Neben KI stehen klassische AR-Anwendungen auf dem Programm. Navigation kann Richtungsanzeigen direkt in die Umgebung legen, Übersetzungen erscheinen als Untertitel im Sichtfeld und der Browser erzeugt einen virtuellen Bildschirm, der laut Snap ungefähr einem 115-Zoll-Display aus rund drei Metern Entfernung entspricht. YouTube und HBO Max gehören zu den genannten Streaming-Angeboten. Auch Spotify sowie Anwendungen und Erlebnisse aus Partnerschaften unter anderem mit NBA und WNBA sollen verfügbar sein.
SPECS Intelligence startet zunächst sehr eingeschränkt
Wer SPECS Intelligence ausprobieren möchte, braucht zunächst nicht einmal die Brille. In den USA können Nutzer ab 18 Jahren bereits eine Preview über die SPECS-App für iOS testen. Nach Verbindung mit einem Google-Konto wertet diese derzeit Informationen aus Gmail und Google Calendar aus und soll beispielsweise zeigen, womit Nutzer ihre Zeit verbringen. Die weitergehenden proaktiven Vorschläge und Aktionen gehören allerdings noch nicht zu dieser mobilen Preview. Für den umfangreicheren Dienst gibt es eine Warteliste. Der Early Access läuft zunächst nur auf dem Mac und auf Einladung. Einen Starttermin für Deutschland hat Snap bislang nicht genannt.
Beim Datenschutz verspricht Snap vergleichsweise klare Grenzen. Nutzer bestimmen selbst, welche Konten und Daten eingebunden werden. Persönliche Inhalte aus verbundenen Konten sollen weder zum Training beziehungsweise Fine-Tuning der KI-Modelle noch für personalisierte Werbung verwendet werden. Nach Angaben des Unternehmens kombiniert der Dienst lokale Verarbeitung auf den Geräten mit einer abgesicherten Cloud-Infrastruktur.
2.195 Dollar für den Computer auf der Nase
Billig wird Snaps Vision der Zukunft allerdings nicht. Die SPECS können in den USA für 2.195 US-Dollar vorbestellt werden, wobei zunächst eine erstattbare Anzahlung von 200 Dollar fällig wird. Die Auslieferung soll im Herbst 2026 in den USA, Großbritannien und Frankreich beginnen. Für Deutschland gibt es bislang weder einen bestätigten Verkaufsstart noch einen Euro-Preis. Spannend ist dabei weniger die einzelne AR-Funktion als Snaps gesamter Ansatz. SPECS Intelligence soll persönlichen Kontext über mehrere Geräte hinweg behalten und die AR-Brille anschließend zum sichtbaren Ende dieses Systems machen. Kalender, Nachrichten, Reisen oder Aufgaben verschwinden damit im Idealfall aus einzelnen Apps und tauchen genau dort auf, wo sie gerade gebraucht werden.
Das ist ambitioniert – und bei einer Brille für über 2.000 Dollar vorerst definitiv kein Massenmarkt. Aber genau hier könnte sich entscheiden, ob die nächste Generation smarter Brillen nur Smartphone-Zubehör bleibt oder tatsächlich zu einer neuen Computing-Plattform wird.
