
Amazon Fire Phone: Amazons großer Smartphone-Versuch, der am Ende verpuffte
Aktuell wird ja wieder berichtet, dass Amazon an einem Smartphone arbeitet, aber das Amazon bereits 2014 schon einmal ein Smartphone auf den Markt gebracht hat, das grandios gescheitert ist wissen nur wenig. Ein Grund mal an das Amazon Fire Phone zu erinnern.
2014 wollte Amazon mehr als nur Tablets und E-Reader. Mit dem Fire Phone sollte ein eigenes Smartphone her, tief verzahnt mit Prime, Shopping, Cloud und Medien. Die Vision: ein Gerät, das nicht nur funktioniert, sondern den Nutzer direkt in die Amazon-Welt zieht.
Jeff Bezos stellte das Gerät am 18. Juni 2014 vor, der Verkaufsstart in den USA folgte am 25. Juli. Preislich ging Amazon direkt aufs Ganze: 199 US-Dollar mit Vertrag für die 32-GB-Version, 299 Dollar für 64 GB. Ohne Vertrag lag das Fire Phone bei 649 beziehungsweise 749 US-Dollar.
Damit spielte das Gerät plötzlich in einer Liga mit iPhone und Galaxy – ohne deren Rückhalt im Markt. Und genau hier begann das Problem.
Ein Smartphone für Prime – nicht für alle
Das Fire Phone war nie als klassischer Allrounder gedacht. Amazon zielte klar auf die eigene Kundschaft. Prime-Nutzer, Vielbesteller, Medienkonsumenten – genau für diese Gruppe wurde das Gerät gebaut.
Prime war integriert, ebenso unbegrenzter Cloud-Fotospeicher, Amazon Video, Music, X-Ray und ASAP. Das Fire Phone fühlte sich weniger wie ein neutrales Smartphone an, sondern eher wie ein speziell gebautes Portal in Amazons eigenes Ökosystem.
Das machte es spannend – und gleichzeitig verdammt einseitig.
Die großen Ideen: Dynamic Perspective und Firefly
Amazon wollte sich abheben. Und das gelang – zumindest auf dem Papier.
Dynamic Perspective setzte auf vier zusätzliche Infrarot-Kameras an der Front. Sie erkannten die Kopfbewegung des Nutzers und erzeugten einen 3D-ähnlichen Effekt. Menüs bewegten sich, Inhalte reagierten auf Neigung, Navigation wurde gestenbasiert erweitert. Technisch beeindruckend, im Alltag aber oft eher Spielerei als echter Fortschritt.
Deutlich greifbarer war Firefly. Über eine eigene Taste konnte das Fire Phone Objekte erkennen: Bücher, Musik, Filme, Barcodes, Telefonnummern. Ein kurzer Scan – und das Produkt landete direkt im Amazon-Kosmos. Mehr als 100 Millionen Objekte sollten erfasst werden können.
Dazu kamen typische Amazon-Extras: Mayday als Live-Support direkt auf dem Gerät, ein Jahr Prime im Lieferumfang und unbegrenzter Cloud-Speicher für Fotos. Service war hier kein Buzzword, sondern direkt integriert.
Amazon Fire Phone: Technische Daten im Überblick
| Kategorie | Details |
|---|---|
| Display | 4,7 Zoll IPS-LCD, 1280 × 720 Pixel (315 ppi) |
| Prozessor | Qualcomm Snapdragon 800, Quad-Core, 2,2 GHz |
| RAM | 2 GB |
| Speicher | 32 GB / 64 GB, nicht erweiterbar |
| Hauptkamera | 13 MP, f/2.0, optische Bildstabilisierung |
| Frontkamera | 2,1 MP |
| Zusatzkameras | 4 IR-Kameras für Dynamic Perspective |
| Akku | 2.400 mAh |
| Betriebssystem | Fire OS 3.5 (Android-Fork) |
| Audio | Stereo-Lautsprecher, Dolby Digital Plus |
| Konnektivität | WLAN ac, Bluetooth, NFC, GPS |
| SIM | Nano-SIM |
| Besonderheiten | Firefly-Taste, Mayday-Support |
| Gewicht | ca. 160 Gramm |
Auf dem Papier solide. In der Praxis aber schon damals nicht mehr ganz auf Augenhöhe. Während andere Hersteller längst Full-HD-Displays verbauten, blieb Amazon bei 720p. Auch der Prozessor war gut, aber nicht mehr frisch.
Das Fire Phone war kein schlechtes Smartphone – aber eben auch kein echtes Flaggschiff.
Warum das Fire Phone scheiterte
Der erste und größte Fehler: der Preis. Amazon verlangte Premium, lieferte aber kein Premium-Erlebnis. Der Markt reagierte entsprechend kühl. Nur wenige Monate nach dem Start fiel der Preis drastisch.
Dann die Exklusivität. In den USA war das Gerät zunächst nur über AT&T erhältlich, in Deutschland später exklusiv bei der Telekom. Für ein komplett neues System ohne Nutzerbasis war das ein unnötiger Engpass.
Noch schwerer wog die Software. Fire OS basierte zwar auf Android, verzichtete aber komplett auf Google-Dienste. Kein Play Store, kein Gmail, kein Maps. Stattdessen der deutlich kleinere Amazon Appstore. Im Alltag fühlte sich das System dadurch eingeschränkt an.
Auch die Ausrichtung war problematisch. Dynamic Perspective wirkte oft wie ein Akku-fressendes Gimmick. Firefly hingegen funktionierte gut, machte aber deutlich, worum es eigentlich ging: einkaufen. Das Fire Phone wirkte stellenweise weniger wie ein Smartphone – und mehr wie ein Verkaufswerkzeug.
Und dann das Design. Glas vorne und hinten, viele Sensoren, relativ schwer. Kein Ausreißer nach unten, aber auch kein Gerät, das man unbedingt haben wollte.
Der schnelle Absturz
Der Markt ließ das Fire Phone fallen. Schon wenige Monate nach dem Start musste Amazon massive Abschreibungen verkraften. Die Lager waren voll, die Nachfrage gering.
Rabatte folgten, Preise fielen. Doch der Zug war abgefahren. Rund 14 Monate nach dem Launch zog Amazon den Stecker. Das Fire Phone verschwand so schnell, wie es gekommen war.
Rückblick: Zu früh, zu speziell, zu teuer
Heute wirkt vieles am Fire Phone gar nicht mehr so fremd. Produkterkennung, enge Service-Integration, KI-ähnliche Funktionen – all das ist inzwischen Alltag.
Amazon hatte viele der richtigen Ideen. Aber das Gesamtpaket stimmte nicht. Das Gerät war zu teuer, zu eingeschränkt und zu stark auf ein einziges Ökosystem fixiert.
Am Ende bleibt das Fire Phone ein faszinierendes Stück Tech-Geschichte. Kein belangloser Flop, sondern ein mutiger Versuch mit klarer Vision – der schlicht am Markt vorbei entwickelt wurde.
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