Die Verfilmung der Kurzgeschichte „Crime 101“ von Bestseller-Autor Don Winslow versammelt gleich ein kleines Ensemble an bekannten Schauspieler:innen – vorne an stehen Chris Hemsworth und Mark Ruffalo gegenüber, die sich als stylischer Dieb und Detective ein Fernduell liefern. Daneben Halle Berry als undurchsichtige Versicherungsangestellte für Millionäre während Nick Nolte und sogar Barry Keoghan im Hintergrund finstere Pläne schmieden – dies schafft einen handwerklich altmodischen Thriller, den man heutzutage in dieser Form kaum noch erwartet hatte. Unsere Kritik zum Kinoneustart.
„Atme tief ein, die Welt ist im Einklang.“, mit den salbungsvollen Worten einer beruhigenden Frauenstimme und dem abgebildeten Highway von Los Angeles beginnt der Film. Die tiefschwarze Nacht mit einzelnen beweglichen Lichtern der Autorücklichter lassen sofort an Michael Mann’s „Heat“ denken. Crime 101 von Regisseur Bart Layton erzählt von einem Mann, der nach festen Regeln lebt. Ein Profi-Dieb (Chris Hemsworth), der lukrative Juwelenraube begeht, ohne Spuren zu hinterlassen, ohne Gewalt, kaum Nähe zu anderen Menschen. Parallel dazu folgt man Ermittler Lou Lubesnick (Mark Ruffalo), der genau dieses Muster erkennt und beginnt, dem Täter immer näherzukommen. Es ist eine Geschichte, die sich langsam entfaltet.
Anders gesagt: Zäher Beginn, welche sich in eine spannende verwicklende Storyline einarbeitet. Wege durch Los Angeles, Gespräche in Hotels, Blicke in Rückspiegel. Layton interessiert sich weniger für die Coups sondern zeigt die Figuren abseits der Action. Das Problem ist nur: Diese Geschichte bleibt trotz romantischer Anflüge durch Monica Barbaro kühl. Der Film beschreibt seine Figuren, ohne sie wirklich nahekommen zu lassen. Sie existieren eher als Konzepte von Menschen: Hier disziplinierte Täter ohne Vergangenheit, dort der verbissene Ermittler. Alles ist wie die Strandwohnung von Hauptfigur Mike Davis sauber gebaut, aber emotional bleibt vieles auf Abstand.
In seiner Grundidee wirkt „Crime 101“ wie ein Treffen von Bessons The Transporter und Heat. Vom „Transporter“ übernimmt er das klare Regelwerk: Verbrechen als präzise Dienstleistung, als Job mit klaren Grenzen. Von „Heat“ leiht er sich die Stimmung des stillen Duells zwischen Täter und Polizist, dieses Wissen, dass beide sich immer näher kommen, als ihnen lieb ist. Doch Layton erzählt das alles leiser, beinahe vorsichtig. Wo „Heat“ von großen Gefühlen, inneren Konflikten und tragischer Wucht lebt, will „Crime 101“ bewusst zurückgenommen sein. Seine Figuren wirken korrekt, aber leiden teilweise daran zu Eindimensional zu. Sie tun, was sie tun müssen, und genau darin liegt auch die Schwäche des Films.
Man bewundert die Inszenierung, man sieht, wie durchdacht jede Szene gebaut ist – doch die Geschichte selbst trägt nicht weit genug. Gerade für seine ordentliche Laufzeit von 135 Minuten. Es fehlt an innerem Druck, an einem Punkt, an dem wirklich etwas auf dem Spiel steht. Los Angeles hingegen wird zur eigentlichen Hauptfigur. Die Stadt erscheint als elegant-leuchtende Bühne: Endlose Straßenzüge, sterile Apartments, nächtliche Lichter. Layton feiert diese Kulisse mit ruhiger Kamera und viel Atmosphäre.
Im letzten Drittel zeigt sich endgültig, was „Crime 101“ sein will – kein klassischer Heist-Blockbuster, sondern ein entschleunigter, charakterorientierter Thriller. Der Film interessiert sich für die kleinen Gesten und Blickkontakte zwischen vermeintlichen Gegnern. Das ist oft schön anzusehen und stilistisch sicher. Denn diese Welt ist so kontrolliert, dass sie kaum Reibung erzeugt. So entsteht ein Film, der technisch und ästhetisch beeindruckt, aber emotional kaum haftet. Zwischen der Coolness von „The Transporter“ und der existenziellen Schwere von „Heat“ findet „Crime 101“, zum Glück, seinen ganz eigenen Ton: Ruhiger, nüchterner, beobachtender. Er zelebriert Los Angeles und die Lebensrealitäten seiner Figuren mit großer Sorgfalt, verliert sich aber dabei in Distanz. Die Action ist vorhanden, verkommt aber nicht zum absoluten Selbstzweck. Am Ende bleibt der Eindruck eines Films, der hervorragend gemacht ist und doch erstaunlich wenig erzählt, was hängen bleibt. Ein Thriller, der mehr Atmosphäre mit Drama ist – schön anzusehen sowie klug inszeniert. Cineasten mit Hang zu handwerklich sauberen Übergängen schnalzen desöfteren mit der Zunge.
Crime 101. USA 2026. Verleih: Sony. Regie: Bart Layton. Mit Chris Hemsworth, Mark Ruffalo, Halle Barry. Genre: Thriller. 135 Minuten. FSK: Ab 12 Jahren.
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