Hardware-Review: Bose QuietComfort Ultra Headphones 2. Gen – Endlich Ruhe!
Technische Spielereien mit ausgeklügeltem Noise-Cancelling - sogar faltbar
Manchmal zeigt sich Qualität nicht in spektakulären Neuerungen, sondern in der Konsequenz, mit der ein Hersteller seine Stärken weiterentwickelt. Genau diesen Eindruck hinterließen die Bose QuietComfort Ultra Kopfhörer (2. Gen.). Auf den ersten Blick wirken sie unscheinbar: Zutiefst klassisches Design, bekannte Bedienung, keine radikalen Experimente. Doch unter der Oberfläche steckt eine der ausgereiftesten Kombinationen aus Geräuschunterdrückung, Komfort und Klangabstimmung, die derzeit im Premiumsegment der Over-Ear-Kopfhörer zu finden ist. Bose bleibt damit seiner Philosophie treu: Musik hören, ohne von der Welt um einen herum mit lästiger Geräuschkulisse gestört zu werden. Doch erreichen die hochpreisigen Kopfhörer diesen Goldstandard? Unsere Review zum Gerät der US-Audioexperten verrät es Euch.
Um zu verstehen, warum Bose gerade beim Thema Geräuschunterdrückung einen wirklich besonderen Ruf genießt, lohnt sich ein kurzer Blick in die Geschichte. Die Geschichte beginnt 1978 auf einem Flug von Europa nach Boston. Dr. Amar Bose, Gründer von Bose und Professor am MIT, testete während der Reise erstmals elektronische Kopfhörer. Die Idee war faszinierend, die Praxis ernüchternd: Das Dröhnen der Triebwerke überlagerte die Musik nahezu vollständig. Bose begann daraufhin, ein System zu entwickeln, das Umgebungsgeräusche aktiv neutralisiert. Es dauerte mehr als 15 Jahre Forschung und kostete rund 50 Millionen Dollar, bis die Technologie marktreif war. 1986 kamen erste Headsets für Pilot:innen auf den Markt, um deren Gehör vor dem permanenten Lärm im Cockpit zu schützen. Erst im Jahr 2000 erschien mit den ersten QuietComfort-Modellen eine Version für private Nutzer:innen – und machte Active Noise Cancelling endgültig massentauglich.
Die QuietComfort Ultra der zweiten Generation knüpfen an diese Tradition an, ohne sie radikal neu zu erfinden. Optisch bleiben sie überraschend klassisch. Fünf Farbvarianten, zurückhaltende Linien ohne auffällige Logos – das Design wirkt beinahe konservativ. Man könnte sagen: Diese Kopfhörer sind so klassisch wie der 17 Uhr-Tee in England. Funktional ist das durchaus sinnvoll, denn das Gehäuse bleibt weiterhin faltbar. Die Ohrmuscheln klappen nach innen und lassen sich so kompakt verstauen, entweder im mitgelieferten Hardcase oder im größeren Manteltaschenformat.
Mit rund 262 Gramm Gewicht gehören die QuietComfort Ultra zu den leichteren Premium-Over-Ears. Entscheidend für den Komfort ist jedoch die Polsterung. Bose setzt auf anschmiegende Kunstlederpolster an Ohrmuscheln und Kopfbügel, die den Druck gleichmäßig verteilen und zugleich eine solide akustische Abdichtung erzeugen. Das Ergebnis: Die Kopfhörer sitzen stabil, ohne zu drücken, selbst bei längeren Hörsessions. Auf Reisen zeigt sich außerdem, dass die Konstruktion erstaunlich robust isr. Für einen Praxistest landeten sie ohne Schutzhülle im Rucksack auf dem Weg zu einem Event – keine besonders liebevolle Behandlung. Trotzdem überstanden sie den Transport ohne sichtbare Spuren. Bei einem Straßenpreis um 349 Euro (UVP rund 449 Euro) darf, Nein, MUSS man eine gewisse Widerstandsfähigkeit erwarten.
Die Bedienung folgt einem vertrauten Konzept. Auf der rechten Ohrmuschel sitzt der Power-Button, der zugleich den Bluetooth-Kopplungsmodus aktiviert. Daneben befindet sich ein Multifunktionsknopf für Musikwiedergabe, Anrufe und den Wechsel der Hörmodi. Entlang der Kante verläuft ein kapazitiver Touch-Streifen, über den sich die Lautstärke stufenlos regulieren lässt, die Bedienung braucht jedoch etwas Einerbeitungszeit. Eine längere Berührung kann in der Bose-App zudem mit individuellen Funktionen belegt werden – etwa dem Wechsel zwischen Geräuschunterdrückungsstufen. Ein kleines Detail wirkt zunächst unscheinbar, erweist sich aber im Alltag als überraschend praktisch: Hält man erwähnten Touchstreifen länger gedrückt, liest der Kopfhörer den aktuellen Akkustand vor.
Die linke Ohrmuschel beherbergt indes zwei Anschlüsse: USB-C-Port zum Laden sowie eine 2,5-Millimeter-Klinkenbuchse. Ein entsprechendes Kabel liegt übrigens im Lieferumfang. Musik lässt sich somit sowohl drahtlos als auch kabelgebunden wiedergeben. Eine Besonderheit bleibt allerdings: Selbst im verbundenem Kabelbetrieb muss der Kopfhörer eingeschaltet sein. Ist der Akku vollständig leer, bleibt der QC Ultra 2 stumm – selbst wenn ein Kabel angeschlossen ist.
Beim Thema Funk hat Bose die zweite Generation leicht modernisiert. Die Kopfhörer unterstützen den neuesten Standard Bluetooth 5.4. Bei den Audio-Codecs bleibt es hingegen bei der bekannten Kombination aus AAC, SBC und aptX Adaptive. Letzterer zählt zu den hochwertigeren Qualcomm-Codecs und kann eine hohe Datenrate dynamisch anpassen. Voraussetzung ist allerdings ein kompatibles Gerät – genau hier liegt der Haken. Viele Smartphones (u.a. iPhone) unterstützen den Codec kaum oder nicht, sodass Nutzer:innen oft bei AAC oder SBC landen.
Die Akkulaufzeit fällt solide aus. Mit aktivem Noise Cancelling erreicht der Kopfhörer bis zu 30 Stunden Wiedergabezeit. Schaltet man jene Geräuschunterdrückung ab, steigt die Laufzeit auf etwa 46 Stunden. Wird zusätzlich der immersive Audiomodus aktiviert, sinkt sie auf rund 22 Stunden. Geladen wird über USB-C, eine sinnvolle Schnellladefunktion sorgt dafür, dass kurze Ladepausen mehrere Stunden Hörzeit ermöglichen. Das Herzstück der QuietComfort-Serie bleibt jedoch die aktive Geräuschunterdrückung. Bose arbeitet hier mit mehreren Mikrofonen, die Umgebungsgeräusche analysieren und eine Art Gegen-Signal erzeugen. In der Praxis bedeutet das: Der Lärm wird nicht einfach gedämpft, sondern weitesgehend aktiv ausgeblendet.
Ein Beispiel aus unserem Alltag zeigt, wie effektiv das funktioniert. Stellen wir uns eine überfüllte U-Bahn während der Rush Hour vor. Jugendliche diskutieren lautstark, irgendwo erzählt eine typische Bürosandra den neuesten Bürotratsch, der Waggon selbst erzeugt ein konstantes mechanisches Rumpeln. Mit den QC Ultra auf den Ohren schrumpft diese Klangkulisse drastisch zusammen. Annährend 90 Prozent der Geräusche verschwinden oder werden so weit reduziert, dass sie nur noch als leise Hintergrundstruktur wahrnehmbar bleiben. Podcasts oder Musik lassen sich plötzlich hören, ohne ständig gegen den Lärm ankämpfen zu müssen. Genau hier zeigt sich die technische Detailarbeit – für die Bose seit Jahren einen excellenten Ruf genießt.
Beim Klangtest offenbart sich ein typischer Bose-Charakter: Warm, bassbetont und insgesamt sehr ausgewogen. Für den Einstieg in den Akustiktest diente der Klassiker „Old Man“ von Neil Young. Das markante akustische Gitarrenintro eignet sich hervorragend, um Feinzeichnung und Stereobild zu beurteilen. Die QuietComfort Ultra reproduzieren die perkussiven Anschläge sauber, Youngs Stimme wirkt klar und präsent, ohne allzu scharfe Spitzen. Selbst in der remasterten Version bleibt der Übergang zwischen den Kanälen sauber nachvollziehbar.
Anders sieht es beim R&B-Klassiker „Say It Right“ von Nelly Furtado aus. Timbalands Produktion setzt stark auf tiefe, pulsierende Bässe. Diese werden von den Bose-Kopfhörern zwar deutlich wiedergegeben, wirken aber zurückhaltender als erwartet. Der Klangkörper bleibt dabei kontrolliert. Gleichzeitig zeigt sich eine andere Stärke: Furtados mehrspurig aufgenommene Stimme wird sehr sauber abgebildet, ohne Verzerrungen oder ungewollte Verdopplungseffekte.
Interessant wird der Vergleich mit anderen Premium-Modellen. Einige Konkurrenten – etwa das Modell „Tour M3“ aus der JBL-Tour-Serie – können in den Höhen noch etwas mehr Brillanz bieten. Dafür bleiben die Bose-Kopfhörer im Bassbereich überaus stabil und liefern eine druckvolle Grundlage für moderne Pop- und Elektronikproduktionen.
Ein weiterer Modi betrifft Boses Spatial-Audio-Funktion. Der Hersteller nutzt dafür einen eigenen Algorithmus, der klassische Stereo-Tracks in eine dreidimensionale Klangbühne verwandeln soll. Zwei Varianten stehen zur Verfügung: „Unbewegt“ und „Bewegung“. Während Apple bei ähnlichen Technologien einen fast schon halligen Konzertsaal simuliert, verfolgt Bose einen anderen Ansatz. Die Musik wird breiter verteilt, und bei Kopfbewegungen verändert sich die Balance zwischen den Kanälen. Der Effekt ist deutlich wahrnehmbar – allerdings auch Geschmackssache. Manche Hörer:innen empfinden die räumliche Erweiterung als neuartig, andere werden im Hintergrund leichte Artefakte erkennen. In der nächsten Modell-Version wird man technisch wohl daran gefeilt haben.
Die kostenlose Bose-App dient als zentrale Steuerzentrale. Sie schafft recht flott ablaufende Firmware-Updates, Anpassungen der Bedienelemente und eine Übersicht über Hörmodi. Positiv: Alle Funktionen lassen sich ganz ohne Benutzerkonto nutzen, was in Zeiten datenhungriger Apps angenehm unkompliziert wirkt.
Die Bose QuietComfort Ultra Kopfhörer (2. Gen.) sind kein radikal neues Produkt, sondern eine konsequente Weiterentwicklung. Sie bieten hervorragenden Tragekomfort, eines der effektivsten Noise-Cancelling-Systeme im Hi-Fi-Markt und eine Klangabstimmung, die den meisten Genres gerecht wird. Schwächen zeigen sich eher im Detail: Der Spatial-Audio-Modus überzeugt nicht jede:n – die Codec-Auswahl wirkt angesichts moderner Standards etwas streng. Unter’m Strich liefern die QC Ultra 2 genau das, wofür Bose seit Jahrzehnten steht: Technisch ausgereifte Kopfhörer, die den Alltag ein gutes Stück stiller machen. Der hohe Anschaffungspreis bleibt gewiss eine Hürde. Doch wer häufig reist, pendelt oder schlicht einen verlässlichen akustischen Rückzugsort zum Aufsetzen sucht, findet hier einen der derzeit überzeugendsten Vertreter der Premium-Over-Ear-Klasse.
Bose QuietComfort Ultra Headphones 2. Gen
Sound - 9.5
Ausstattung - 10
Bedienung - 9
9.5
Top!
Info: Preis: 449 Euro (UVP), ca. 349 Euro Straßenpreis | Gewicht: 264 Gramm | Bluetooth: 5.4 | Codecs: SBC, AAC, aptX Adaptive | Anschlüsse: USB-C, 2,5-mm-Klinke | Akku: bis 30 Std. mit ANC, bis 46 Std. ohne ANC (22 Std. Immersive) | Kompatibilität: iOS, Android, Windows, macOS | Besonderheiten: aktives Noise Cancelling, Immersive Audio, faltbares Design.
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