Mario Tennis Fever getestet – Mutiger Aufschlag mit gehöriger Portion Chaos
Mit Bananen-Schläger im Gepäck auf den Center Court
„Mario Tennis Fever“ erscheint als erster großer Sporttitel für die Switch-2-Generation in einer Phase, in der Nintendos Mario-Reihe zuletzt vor allem auf Bewährtes setzte. Der neue Ableger verbindet einmal mehr klassisches Tennis-Gameplay mit ausgebautem Story-Modus und einem System aus Spezialschlägern, das jedes Match spürbar verändert. Schon nach wenigen Minuten wird klar, dass hier nicht nur ein weiteres Mario-Tennis mit neuem Anstrich entstehen sollte. Vielmehr versucht die Entwickler:innen, Wettbewerb und verspieltes Chaos mutiger auszubalancieren. Wie gut dieser Ansatz spielerisch trägt, zeigt sich in unserer Review zum Wettkampf, Partyspiel und Rollenspiel im Mario-Kosmos.
Lasst uns zu Beginn dieser Review kurz in eine Kindheitseierinnerung meinerseits steigen. Als spätes Ninties-Kid erlebte ich, zum Glück, noch analoge Zeiten. Statt digitalen Stores für Spiele oder DLCs auf den jeweiligen Plattformen, durfte ich mit elterlichen Anhang in einen sogenannte Videothek. Neben DVD’s gab es, in meinem Falle, auch einen großräumigen Keller, der zum Großteil mit Videospielen für PS1, PS2, Dreamcast und selbstverständlich Nintendo 64 förmlich gepflastert war. Ich erinnere mich noch sehr gut an eine breite Wand, welche vollständig mit Kartonagen für N64-Titel gar tapeziert war. Feinsäuberlich lagen in einer Linie nebeneinander und warteten darauf ausgeliehen zu werden. Die wunderbaren Cover-Arts, für die Big N, schon damals bekannt war, unterstrichen den Status eines wahren Schlaraffenlands für jüngere Nerds. Hier kam ich selbstredend in Kontakt mit Super Mario. Dessen Abenteuer in „64“, wilden Parties und seinen sportlichen Aktivitäten gipfelten. Dunkel entsinne ich mich noch an Nachmittage, in denen ich Golf oder auch Tennis spielte. Dank des höchst non-ergonomischen Gamepad des N64 trug man sogar Zerrungen, wie im echten Sport, davon. Nun also geht Mario Tennis in eine frische Runde – nach dem flippigen „Mario Tennis Aces“ für Switch geht es nun wieder etwas gemächlicher aus dem Center Court zu.
Der Einstieg gelingt dabei mühelos. Die Steuerung folgt dem bewährten Schema der Reihe: Topspin, Slice, Lob und Drop liegen auf klar getrennten Tasten, dazu kommen Timing-Elemente wie das frühzeitige Aufladen eines Schlages oder der Doppelklick für besonders harte Power-Shots. Wer sich gut positioniert und den Ball passend erwartet, hat spürbare Vorteile. Diese Grundlage bleibt vertraut und funktioniert nach wie vor zuverlässig. Neu ist jedoch die sogenannte Fever-Leiste, die sich während längerer Ballwechsel füllt. Ist sie geladen, lässt sich ein Spezialschlag auslösen, dessen Effekt vom gewählten Schläger abhängt. Damit rückt „Mario Tennis Fever“ näher an die Logik von Mario Kart heran: Sport wird nicht nur durch Präzision entschieden, sondern durch Einsatz der vorhandenen Superkräfte. Überhaupt ist das Grundtempo in „Mario Tennis Fever“ als in vorherigen Teilen.
Die Palette dieser Fever-Schläger ist übrigens breit gefächert. Beispielsweise verleiht der Golden-Dash-Schläger seinem Träger einen kurzen Geschwindigkeitsschub, mit dem selbst langsame Figuren das ganze Feld abdecken können. Der Shadow-Schläger erzeugt für wenige Sekunden ein Schatten-Double, das den Court gleichzeitig mitverteidigt. „Super Mario Galaxy“-Spieler:innen erinnern sich an diese Funktion. Andere Modelle verteilen Mini-Pilze auf dem Feld, die Gegner beim Betreten schrumpfen lassen oder legen Feuerflächen an den Landepunkten des Balls aus. Diese Effekte sind selten subtil. Oft entscheiden sie Punkte abrupt, manchmal jedoch frustrierend, wenn der Ball gezielt in ein Hindernis gelenkt wird. Doch genau darin liegt die gewollte Verschiebung weg vom reinen Wettbewerb hin zum arcadigen Spektakel.
Minispiele in der Kampagne
Der Story-Modus ist das Herzstück dieses Teils. Mario, Luigi, Peach, Wario und Waluigi werden auf der Suche nach einer goldenen Frucht zur Rettung der erkrankten Daisy verflucht und in tapsige Mini-Versionen verwandelt. Danach folgt eine Abfolge aus Trainingslektionen, Prüfungen, Mini-Spielen und Bosskämpfen, eingebettet in eine schulartige Struktur. Zwischen Coaching-Sessions und Multiple-Choice-Tests stehen praktische Herausforderungen: Bomben zu Bowser zurückschlagen, Zielscheiben treffen oder spezielle Ballwechsel unter veränderten Regeln bestehen. Der Modus ist bewusst kurz gehalten, lebt aber von seiner Abwechslung.
Gleichzeitig zeigt sich hier auch eine Schwäche: Über längere Strecken wirkt der Ablauf viel zu repetitiv. Einige Aufgaben variieren nur geringfügig – die Weltkarte dient eher als farbenfrohe Kulisse als echtes Entdeckungsfeld. Neue Orte werden zwar angedeutet, bleiben aber funktional ähnlich. Dennoch erfüllt der Story-Modus seinen Zweck: Er erklärt Mechaniken schrittweise, schaltet Charaktere und Schläger frei und motiviert zum Experimentieren. Besonders für Neulinge in diesem Mario-Spin Off kein schlechter Modus. Insgesamt stehen 38 Figuren und 30 Fever-Schläger zur Verfügung, von denen allerdings weniger als ein Drittel einen wirklich spürbaren Einfluss auf das Spielgeschehen hat. Einige Kombinationen sind klar stärker als andere, was das Balancing nicht immer elegant erscheinen lässt.
Abseits der Kampagne bietet „Mario Tennis Fever“ Nintendo-typisch eine Vielzahl klassischer Modi. Turniere mit steigenden Schwierigkeitsgraden, Einzel- und Doppelmatches, Cups in unterschiedlichen Stufen sowie die Trial Towers, in denen zehn aufeinanderfolgende Herausforderungen mit vorgegebenen Figuren zu bewältigen sind. Gerade diese Türme entsprechen eher als Trainingsinstrument: Bekannte Techniken werden gefestigt, neue mal ausprobiert. Im lokalen Mehrspielermodus lassen sich bis zu vier Personen gleichzeitig auf einem Bildschirm unterbringen. Zusätzlich erlaubt das Spiel, zwei Schläger pro Figur mitzunehmen und während eines Matches zu wechseln – eine kleine wirkungsvolle taktische Erweiterung.
Online setzt Nintendo auf Ranglistenpartien mit klaren Kategorien: Einzel oder Doppel, jeweils mit oder ohne Fever-Schläger. Der Einstieg erfolgt grundlegend auf B-Rang, danach entscheidet jede Partie über Auf- oder Abstieg. In der Praxis zeigt sich ein solides Fundament, aber auch technische Mankos. Erste Matches leiden teils unter Verzögerungen beim Verbindungsaufbau, stabilisieren sich später jedoch. Zumal das Matchmaking flotter hätte über die Bühne gehen können. Läuft alles, fühlt sich das Online-Spiel fast so direkt an wie der Couch-Multiplayer. Dennoch bleiben Matching-Probleme und das starre Punktesystem – standardmäßig nur Tie-Breaks bis sieben Punkte. Wer klassische Tennis-Sätze spielen möchte, muss sich durch verschachtelten Menüs graben – im Online-Modus ist diese Option gar nicht verfügbar. Schade!
Wii Sports lässt grüßen
Ein weiteres Nintendo-typisches Extra ist der Bewegungsmodus mit den Joy-Cons. Hier werden Schläge per Armbewegung ausgeführt, ähnlich wie in Wii Sports oder Switch Sports. Dieser Modus ist bewusst ausgelagert und bietet weniger Varianten als das Hauptspiel, funktioniert rein technisch sauber. Er richtet sich klar an Gelegenheitsspieler:innen und fröhliche Party-Runden, weniger an ambitionierte Wettbewerbsfans. Apropos Ausgelassen: Stilistisch bewegt sich „Mario Tennis Fever“ gewohnt zwischen Sportspiel und Party-Titel. Die Präsentation ist gewohnt bunt, die Spezialeffekte überzeichnet – die Animationen sind klarer Slapstick. Gleichzeitig bleibt die Kernmechanik erstaunlich unverändert gegenüber früheren Teilen. Wer Tennis ohne Power-Gimmicks spielen möchte, kann dies tun – allerdings wirkt das Spiel dann wieder fast zu schnell. Ballwechsel sind kurz, Reaktionszeit ist wichtiger als Planung. In Kombination mit den Fever-Effekten entsteht ein Spielgefühl, das weniger an Wimbledon und mehr an Mario Party erinnert.
Problematisch bleibt das Balancing. Einige Charaktere wie Normalo-Bowser und Schlägerkombinationen dominieren deutlich, was gerade in Ranked Matches negativ auffällt. Dazu kommt, dass der Story-Modus zwar Ideenreichtum beweist, aber zu selten echte Überraschungen liefert. Viele Mechaniken werden eingeführt, dann wieder regelrecht fallengelassen, Das verhindert spielerische Tiefe, die potenziell vorhanden ist.
Unter’m Strich ist „Mario Tennis Fever“ ein mutigerer Schritt als es der Vorgänger „Aces“ sein wollte. Es will beileibe niemals realistisches Tennis abbilden, sondern ein sich selbst nicht ernstzunehmendes Spielfeld aus irrwitzigen Ideen, Figurenfähigkeiten und schnellen Ballwechseln schaffen. Das gelingt nicht immer ausgewogen, aber verdamm oft unterhaltsam. Besonders im lokalen Mehrspielermodus entfaltet das Spiel seine stärkste Wirkung, sobald Chaos und Wettbewerb ineinandergreifen. Der Story-Modus ist mit rund vier Stunden relativ kurz, aber sinnvoll als Einführung – die Online-Komponente solide, mitunter technisch nicht makellos.
Unser Fazit zu „Mario Tennis Fever“
Im Fazit zeigt sich mit Mario Tennis Fever ein Nintendo-Titel, der endlich wieder ein eigenes Profil entwickelt. Es ist weder das tiefste Tennis-Spiel noch das ausgewogenste Multiplayer-Erlebnis, aber es besitzt einen klaren Charakter. Die Mischung aus klassischen Schlägen und absurden Fever-Effekten verleiht den Matches eine Dynamik, die mehr an Mario Kart als an Sport-Simulation erinnert. Wer jedoch ein schnell zugängliches (Fun-)Sportspiel mit leichtem erzählerischem Rahmen und echtem Party-Potenzial erwartet, bekommt hier das bislang mutigste Mario-Tennis seit vielen Jahren!
Release: 12.02.2026 | Entwickler: Nintendo/Camelot | Genre: Funsport | Für Nintendo Switch 1/2 | USK: ab 6
Mario Tennis Fever (Nintendo Switch)
Spielspaß - 88%
Gameplay - 78%
Grafik - 83%
Technik - 85%
84%
Empfehlung!
Spielerisch solides Tennis-Abenteuer von Mario, das seinen Spielspaß aus abgefahrenem Chaos zieht und mechanisch tiefer als seine Vorgänger ist.
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