Hardware-Test: Teufel AIRY TWS PRO – Satter Bass, guter Sound mit kleiner Schwäche
Reicht die jahrelange Expertise von kräftigen Heimkino-Systemen auch für mobile Soundgenüsse?
Der Teufel liegt hier sprichwörtlich im Detail: In unserem Test erweisen sich die True-Wireless In-Ear Kopfhörer mit dem etwas krypischen Namen „Teufel AIRY TWS PRO“ als äußerst basslastige Audiolösung für Unterwegs, die dank hoch belastbaren Linear-HD-Töner mit breitem Frequenzgang einen wirklich starken Sound abliefern. Selbst die Apple-typische Fast Pair-Verbindung gelingt in angenehmer Art. Mit einem offiziellen UVP von 169,99 Euro – im Straßenhandel häufig um die 120 Euro – positionieren sich die Airy TWS Pro im gehobenen Mittelklasse-Segment und wollen dort vor allem über Technik und Abstimmung überzeugen. In einem bestimmten Punkt versagt das Konzept der Pro-Fassung. Welcher es ist, sagt euch unsere Review zu den In-Ears aus Berlin.
Schon beim Auspacken wird klar, dass Teufel auf Funktionalität setzt. Im Karton liegen die Ohrhörer, das Ladecase mit vierstufiger LED-Akkuanzeige, ein USB-C-Ladekabel sowie mehrere Silikon-Ohrpassstücke. Schaumstoffaufsätze fehlen, müssen bei Bedarf separat erworben werden. Das Case unterstützt kabelloses Laden und koppelt sich beim Öffnen automatisch mit dem zuletzt verbundenen Gerät – ein komfortables Merkmal, das man sonst eher von Apple kennt. Bluetooth funkt in Version 5.2 und unterstützt SBC, AAC sowie aptX Adaptive. Damit sind sowohl Android- als auch iOS-Nutzer technisch gut bedient, insbesondere wenn es um stabilere Verbindungen und variable Bitraten geht.
Verarbeitung und Design wirken solide und hochwertig, wenn auch etwas klobiger als die extrem glattpolierten Konkurrenzprodukte aus Kalifornien. Die fünf Farbvarianten – Night Black, Silver White, Steel Blue, Misty Green und Cosmic Teal – bringen zumindest etwas optische Abwechslung. Dank IPX4-Zertifizierung sind die In-Ears gegen Schweiß und Spritzwasser geschützt, was sie grundsätzlich sporttauglich macht. In der Praxis zeigt sich jedoch: Bei intensiven Einheiten auf dem Laufband und starkem Schwitzen müssen die Hörer gelegentlich nachjustiert werden. Der Tragekomfort ist insgesamt hoch, aber nicht vollkommen narrensicher für jede sportliche Extremsituation.
Technisch interessant wird es bei der angeprisenen Akkuleistung. Ohne aktive Geräuschunterdrückung halten die Airy TWS Pro bis zu acht Stunden durch, mit Case summiert sich das auf rund 32 Stunden Gesamtspielzeit. Glatte zehn Minuten Schnellladen liefern etwa 55 Minuten Musik – ein guter Wert, auch wenn Apple hier noch etwas schneller und andauernder ist. Aktiviert man ANC, sinkt die Laufzeit deutlich: Maximal etwa 4 Stunden und 15 Minuten pro Ladung, insgesamt rund 19 Stunden mit Case. Auch hier greift die Schnellladefunktion, die nach zehn Minuten etwa 40 Minuten Wiedergabe ermöglicht. Diese Zahlen werden im Alltag weitgehend erreicht und wirken damit erfreulich realistisch.
Die kostenlose Teufel-Go-App gehört zu den stärkeren Argumenten des Systems. Die Verbindung erfolgt dank Fast Pair schnell und zuverlässig, danach stehen umfangreiche Einstellmöglichkeiten bereit. Neben ANC und Transparenzmodus gibt es mehrere Klangprofile: Neutral (ohne DSP-Eingriff), Bass-Verstärkung, Podcast, Techno, Pop, Höhen-Anhebung, Rock, Klassik sowie ein frei konfigurierbares „Mein Preset“. Zusätzlich lassen sich bis zu sieben Funktionen auf die Tasten der Ohrhörer legen. Genau hier zeigt sich allerdings der größte Schwachpunkt der Hardware: Statt Touchflächen setzt Teufel auf mechanische Drucktasten mit kaum spürbarem Druckpunkt. Millimetergenaues Drücken mit Fingernagel oder wahlweise Fingerspitze ist nötig, Mehrfachklicks werden zur absoluten Geduldsprobe. Gegenüber den hervorragend funktionierenden Touch-Bedienungen der Konkurrenten Apple oder JBL wirkt dieses Konzept aus der Zeit gefallen. Praktisch bleibt daher oft nur der Griff zur App – hier müssen die Berliner beim nächsten Modell dringend nachbessern.
Beim Thema aktive Geräuschunterdrückung hat Teufel hörbar nachgelegt. In einem Extremtest im Fitnessstudio, zwischen Laufbändern, halliger Raumakustik und lauter Hintergrundmusik, filtert das System tieffrequente und mittlere Störgeräusche überzeugend heraus. Schrille und sehr hohe Töne dringen noch durch, insgesamt entsteht jedoch ein deutlich ruhigeres Klangbild. Die adaptive ANC-Funktion passt sich schnell an wechselnde Umgebungen an und vermeidet die dumpfe, unnatürlich abgeschlossene Klangcharakteristik früherer Generationen. Das Resultat ist ein angenehm balanciertes Noise-Cancelling-Erlebnis, das weder drückt noch nervt.
Klanglich präsentieren sich die Airy TWS Pro erstaunlich vielseitig. Im Klassik-Mitschnitt „John Williams in Vienna“ lassen sich selbst feine Details wie das Umblättern von Notenblättern im Orchester wahrnehmen – ein gutes Zeichen für Auflösung und Dynamik. Pop und elektronische Musik profitieren vom Bass-Verstärkungsmodus, etwa bei Lola Youngs „Messy“, wo der Tieftonbereich spürbar Druck aufbaut, ohne Stimmen zu überdecken. Im ausgewählten Neutral-Modus zeigt sich die Grundabstimmung – klar, ausgewogen und ohne erkennbare Defizite im Bass. Bei ruhigeren, zentral instrumentierten Stücken wie „Holocene“ von Bon Iver überzeugt vor allem das Raumgefühl auch ohne 3D-Modus. Stimmen bleiben sauber im Mittelpunkt, Mitten fügen sich nahtlos ein, Verzerrungen oder verschluckte Frequenzen traten in keinem der getesteten Presets auf. Auch Podcasts profitieren von dieser technischen Abstimmung, weil Stimmen stets verständlich und frei von künstlicher Schärfe bleibt.
Im direkten Vergleich zu den Cambridge Audio Melomania M100 (unsere Review) wird deutlich, wo die Airy TWS Pro ihre Stärken setzen: Die M100 punkten mit sehr hochwertiger Klangperformance, schwächeln aber deutlich beim ANC, das hallig und wenig effektiv arbeitet. Teufel gelingt hier der spürbar bessere Kompromiss aus Klang und Geräuschunterdrückung, auch wenn die Briten bei reiner Audioqualität minimal die Nase vorn behalten. Die Freisprecheinrichtung nutzt sechs Mikrofone und liefert bei windstillen Bedingungen eine saubere, hallfreie Sprachübertragung. Unsere Gesprächspartner:innen berichten von guter Verständlichkeit ohne Rauschen. Sobald jedoch Wind ins Spiel kommt, sinkt die Qualität merklich – ein Problem, das trotz aufwendiger Mikrofontechnik nicht vollständig gelöst ist.
Unterm Strich präsentieren sich die Teufel Airy TWS Pro als technisch gut ausgestattete True-Wireless-Kopfhörer mit guter App, überzeugender ANC-Leistung und einem ausgewogenen Klangcharakter, der sowohl Klassik als auch Pop und Podcasts gerecht wird. Schwächen zeigen sich vor allem bei der zwingend haptischen Bedienung und beim Sitz unter bewegungsextremen Sportbedingungen. Wer damit leben kann und ein Paar In-Ears sucht, das nicht nur gut klingen, sondern auch flexibel ohne Kinkerlitzchen konfigurierbar ist, bekommt hier ein rundes Gesamtpaket zu einem inzwischen fairen Straßenpreis.
Unser Fazit zu den Teufel AIRY TWS PRO
Die Airy TWS Pro liegen im aktuellen Design-Trend. Sie kombinieren gute Laufzeiten, schnelle Ladefunktionen, adaptive Geräuschunterdrückung und einen überraschend detailreichen Klang. Ihre größte Baustelle bleibt die unpräzise Tastensteuerung, die im direkten Vergleich mit allgemeinen Touch-Lösungen altmodisch bis schwer kontrollierbar wirkt. Doch klanglich, technisch und in der App-Integration liefern sie ein stimmiges Gesamtbild ab und gehören damit zu den interessanteren Angeboten ihrer Preisklasse.
Die Teufel Airy TWS Pro sind bundesweit in TEUFEL-Stores, gut sortierten Fachmärkten und im Online-Shop der Marke erhältlich.
Teufel Airy TWS Pro
Sound - 9.3
Ausstattung - 8.8
Bedienung - 8
8.7
Top!
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