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USA verbieten neue ausländisch produzierte Router – nur gibt es da ein kleines Problem

Die USA ziehen bei Heimroutern die Reißleine. Die Federal Communications Commission, kurz FCC, setzt neue ausländisch produzierte Consumer-Router auf ihre Liste sicherheitskritischer Technik. Betroffen sind neue Modelle. Bereits gekaufte Geräte dürfen weiter genutzt werden, auch der Verkauf bereits zugelassener Modelle läuft zunächst weiter. Offiziell geht es um Cybersicherheits- und Lieferkettenrisiken. Praktisch trifft die Entscheidung aber fast den kompletten Markt. Denn genau hier wird es leicht absurd: Echte „US-Router“ sind im Consumer-Bereich nahezu ein Mythos.

Laut Reuters kontrollieren chinesische Hersteller mindestens 60 Prozent des US-Markts für Heimrouter. Die FCC begründet den Schritt damit, dass Schwachstellen in ausländisch produzierten Routern bereits für Angriffe, Spionage und Diebstahl geistigen Eigentums ausgenutzt worden seien. Genannt werden dabei auch die bekannten Kampagnen Volt Typhoon und Salt Typhoon. Eine Ausnahme soll es nur für Geräte geben, die nach einer Prüfung keine unzumutbaren Risiken darstellen.

Für Verbraucher heißt das erst einmal: Der Router im Wohnzimmer wird nicht automatisch Elektroschrott. Die neuen Regeln gelten lnur für neue Modelle. Bereits gekaufte Geräte bleiben nutzbar, und vorhandene Bestände schon genehmigter Hardware dürfen weiter verkauft werden. Mittelfristig könnten aber Engpässe und höhere Preise folgen, wenn Anbieter ihre Lieferketten umbauen oder neue Freigaben beantragen müssen.

Das eigentliche Problem: Wo sind denn bitte diese US-Router?

Genau hier wird die Anordnung unfreiwillig komisch. Denn selbst die US-Marken, die man im Router-Regal sofort nennen würde, sind meist keine „Made in USA“-Geräte. Netgear und eero kommen zwar aus den USA kommen, ihre Produktion findet aber fast vollständig im Ausland. Netgear bestätigt in seinen Unterlagen sogar, dass das Unternehmen für praktisch seinen gesamten Fertigungsbedarf auf Dritthersteller setzt. Mit anderen Worten: Der berühmte reinrassige US-Router ist eher ein Fabelwesen als ein Massenprodukt.

Netgear sitzt in San Jose und ist klar ein US-Unternehmen. eero gehört zu Amazon und ist damit ebenfalls ein US-Brand. Linksys hat seinen Hauptsitz zwar in Irvine, gehört aber seit Jahren zum Foxconn-Umfeld. Das macht die Lage nicht gerade einfacher, wenn Washington nun plötzlich so tut, als könne man Heimrouter mal eben patriotisch aus dem Boden stanzen.

US-Hersteller gibt es – aber eher als Marke, nicht als reinen US-Router

Wer gründlich hinschaut, findet im Consumer- und Prosumer-Bereich zwar einige US-Anbieter oder US-geprägte Marken: Netgear, eero, Ubiquiti und mit Abstrichen Linksys. Das Problem ist nur: Ein US-Firmensitz ist nicht dasselbe wie US-Fertigung. Genau das macht die neue FCC-Linie so sperrig. Denn der Markt für Heimrouter ist global organisiert – von Entwicklung und Komponenten bis zur Endmontage. Selbst Netgear hat in früheren Geschäftsberichten beschrieben, dass US-gebundene Produkte überwiegend in Vietnam, Thailand, Indonesien und Taiwan gefertigt wurden, während andere Märkte weiter stark auf China und Vietnam setzen.

Was die Entscheidung wirklich bedeutet

Die FCC-Entscheidung ist deshalb weniger ein sauberer Schnitt als ein riskanter Eingriff in einen Markt, der fast komplett international organisiert ist. Sicherheitsbedenken sind real und Lieferkettenabhängigkeiten ebenfalls. Das Problem: Wer nach einem echten US-Heimrouter sucht, steht schnell vor einem Regal voller Geräte, die zwar amerikanische Logos tragen, aber eben keine reinen US-Router sind.

Hat schon einer mal geschaut wie die Aktien der genannten Marken gerade stehen und ob es sich lohnt einzusteigen? 😉

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Torsten Schmitt (Pixelaffe)

Geboren 1976 im schönen Schwetzingen und nicht weggekommen. Ich habe somit den Aufstieg des Internet miterlebt und beruflich auch vorangetrieben. Hier schreibe ich über all die Technologien die mir auf meiner Reise durch das "Neuland" auffallen. Wenn ihr mir was für einen Kaffee oder neue Gadgets zukommen lassen wollt, könnt ihr das gerne über www.paypal.me/pixelaffe tun

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