KinoKritiken

Kritik zu „28 Years Later: The Bone Temple“ – Ideologie infiziert schlimmer

Bundesweiter Kinostart: 15. Januar 2026

Teil Zwei der neuen Trilogie aus dem „28 Days Later“-Kosmos: Mit „“28 Years Later: The Bone Temple“ führt Drehbuchautor Alex Garland den Mittelteil seiner Geschichte minutiös fort, stellt Ralph Fiennes als letzten Doktor eines verseuchten Englands in den Mittelpunkt und stellt uns einen brutal agierenden Kult rund um Sir Jimmy Crystal vor. Ziemlich gewalthaltig, was nicht unbedingt an den schnellen Infizierten liegt, skizziert Regisseurin Nia DaCosta cleveren Arthouse-Horror, welcher wieder einmal weit weg den ersten beiden Teilen der Reihe stilistisch geprägt ist. Unsere Kritik zum neuen Horror-Neustart.

Als mit „28 Years Later“ erst im vergangenen Sommer einer der meisterwarteten Horrorfilme seit langem anlief, hinterließen die Urväter der Reihe Danny Boyle und Alex Garland ein zwiegespaltenes Publikum. Einerseits wurde endlich der Kosmos rund um den verheerenden Rage-Virus erweitert, andererseits war der resultierende Film nicht nur anhand der Storyline gänzlich anders aufgezogen, wie auch stilistisch. Weitweg von den grauen, deprimierenden mit Wackelkamera eingefangenen Bildern der früheren Nullerjahre erstrahlte gar die Optik mit seinen saftig grünen Wiesen der englischen Highlands nahe der tosenden Küste auf. Neben den mittlerweile nackigen, dennoch weiterhin absolut gefährlichen, herumstreunenden Infizierten wurde uns die Geschichte von Spike, seinem Vater und mysteriös erkrankten Mutter erzählt, die dringend Hilfe. Daraus entwickelte sich eine zwar brutale, dennoch in hohem Maße transzendentale Handlung, die weit weniger auf blanken Horror durch Wutvirus infifizierte Menschen setzt. (Unsere ausführliche Kritik zum Erstling.)

Die Fortsetzung setzt auf geänderte Parameter: Statt Danny Boyle, welcher bereits „28 Days Later“ inszenierte, nahm nun Nia DaCosta Platz, die dank „Candyman“-Remake genügend Horrorerfahrung mitbringt und auf bekannte Motive setzt. Naturaufnahmen der wirklich schönen unberührten Szenerie, eine große Portion Verrücktheit und den oder anderen tatsächlich überraschenden Jump Scare. Die Handlung setzt nach dem Ende von „28 Years Later“ an, nachdem Spike (Alfie Williams) von einer merkwürdigen Gruppierung von Sir Jimmy Crystal (Jack O’Connell) gerettet wurde. Diese Art Kult zieht mordend und folternd durch Lande, versprüht „Nächstenliebe“ und agiert kompromisslos. Währenddessen macht Dr. Ian Kelson (Ralph Fiennes) mit dem hünenhaften Alpha-Infizierten Fortschritte mit seinen Erfahrungen um das Virus zu verstehen. Bald kreuzen sich die Wege beider Parteien. Die Handlung von „28 Years Later: The Bone Temple“ braucht ihre rund 20 Minuten bis sie uns packt, vieles wirkt aufgrund des Fortsetzungsgedanken inhaltlich in den Raum gesetzt ohne große Erklärung. Auch, das fällt relativ schnell auf, sind die Infizierten nicht mehr das allzu große Problem der Überlebenden. Vielmehr wird der beschriebene Kult betrachtet, alle Mitglieder haben blonde Perrücken auf und heißen „Jimmy“. Sie handeln mit äußester Härte, bringen Menschen auf sehr gewalttätige Weise um, sodass eine ewig lange Sequenz innerhalb einer Scheune selbst für das Publikum unter die Haut geht.

Alex Garland, u.a. Regisseur/Autor von „Civil War„, mischt in grandioser Cleverness gesellschaftlich kritische Themen unter den augenscheinlichen Horrorplot. Ersichtlich wird dies, wenn beispielsweise Kelson und Anführer Jimmy über den Ursprung des Virus sprechen. Während hier klar die Wissenschaft jene Hauptschuld trägt, glauben andere in dieser Welt an eine Straße Gottes. Ideologie trifft Fakten. Recht generisch auftretende Schock-Sequenzen mit den ikonisch rennenden Infizierten scheinen in all der Arthouse-artigen Präsentation nur ein Zugeständnis an die Fangemeinde der ersten beiden Filme zu sein. Vielmehr wirkt dieser Film, wie eine andere Perspektive auf die vom Rage-Virus betroffene Welt…ähm Insel. Die Optik ist zum Glück wieder konventioneller als im Vorgänger, der von Boyle nur mit iPhones gedreht wurde.

Die isländische Komponistin Hildur Guðnadóttir (Joker) steuert einen ungemein atmosphärischen Score bei, der sich der düsteren Art von John Murphy aus den ersten beiden Werken nähert, jedoch genug eigene Akzente setzt um gezielt Spannung zu schaffen. Zumal sein ikonisches Stück „In a Heartbeat“ bestens Verwendung findet, sobald am Schluss in erfreulicher Art auf den Dritten Teil hingewiesen wird. Gute Nachricht: Erst im Dezember erhielt man hierfür grünes Licht von Sony, puh!. Über ein Releasedatum ist bisher nichts bekannt.

Diejenigen, die bekannten harten Zombiehorror im Stile von Teil Eins erwarteten, werden womöglich aufgrund des geänderten Story-Fokus enttäuscht, dennoch sollten sich gerade Fans der Reihe und insbesondere des letzten und allerersten Teils des Rage-Virus Kosmos diese Fortsetzung nicht entgehen lassen.

28 Years Later: The Bone Temple. USA 2026. Verleih: Sony. Regie: Nia DaCosta. Mit Ralph Fiennes, Jack O’Connell und Emma Laird. Genre: Horror. 110 Minuten. FSK: Ab 18 Jahren.

Gibt es eine Post-Credit-Szene? = Nein.

Disclaimer: Vielen Dank an den Traumpalast für die freundliche Bereitstellung des Tickets. Kinotickets für „28 Years Later: The Bone Temple“ gibt es hier.

Zu unseren aktuellen Filmkritiken.

Folgt uns über Instagram, Threads und X (ehemals Twitter).

Bei den hier angezeigten Produkten handelt es sich um Affiliate Links, bei einem Kauf unterstützt ihr meine Arbeit. Letzte Aktualisierung 16.01.2026 / Bilder von der Amazon Product Advertising API. Amazon und das Amazon-Logo sind Warenzeichen von Amazon.com, Inc. oder eines seiner verbundenen Unternehmen.

Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Instagram. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"