
Fitness-Bänder ohne Display haben gerade wieder ihren Moment. Whoop hat diesen Markt nicht erfunden, aber ziemlich konsequent aufgeladen: kein Display, kein klassischer Smartwatch-Kram, dafür sehr viel Fokus auf Erholung, Belastung, Schlaf und Trainingsbereitschaft. Das Problem daran ist bekannt. Wer Whoop sinnvoll nutzen will, braucht das Abo. Ohne Mitgliedschaft wird aus dem schicken Sensor am Handgelenk ziemlich schnell ein sehr teures Stoffarmband mit Elektronik drin.
Genau an dieser Stelle setzt ein neues Projekt namens Goose an. Die App soll es ermöglichen, Daten eines Whoop 5.0 lokal auszulesen und daraus eigene Gesundheits- und Fitnessansichten zu bauen. Das klingt erst einmal nach der kleinen Revolte am Handgelenk. Ganz so weit ist das Projekt aber noch nicht.
Goose ist noch kein fertiges Produkt
Goose ist aktuell ausdrücklich ein Alpha-Proof-of-Concept. Die Entwickler schreiben selbst, dass die Version für Entwickler gedacht ist, um zu prüfen, ob ein Projekt in dieser Größenordnung überhaupt realistisch ist. Für die normale Nutzung als fertige Gesundheits-App ist Goose noch nicht gedacht.
Das Projekt richtet sich derzeit nur an Whoop 5.0. Ältere Whoop-Generationen werden in dieser Version nicht unterstützt. Dazu kommt: Wer die aktuelle Fassung ausprobieren will, braucht Xcode, Rust, passende iOS-Rust-Targets und grundsätzlich genug Lust auf Entwicklerkram. Das ist also nichts, was man mal eben aus dem App Store zieht, koppelt und dann dem Abo leise den Mittelfinger zeigt.
Eine erste öffentliche Beta über TestFlight ist für den 13. Juni 2026 angekündigt. Erst dann dürfte sich zeigen, wie nah Goose wirklich an einer nutzbaren Alternative für normale Nutzer kommt.
Lokale Daten statt Abo-Zwang
Der Kern von Goose ist spannend. Die App soll sich per Bluetooth mit einem Whoop-5.0-Band verbinden, die vom Gerät bereitgestellten Datenpakete verarbeiten und daraus lokale Ansichten für Gesundheit, Erholung, Schlaf, Belastung, Stress, Cardio, Energie und Coaching bauen.
Dabei setzt das Projekt auf eine iOS-App mit SwiftUI und einen Rust-Core im Hintergrund. Die Daten sollen lokal verarbeitet werden. Gesundheits- und Fitnessdaten bleiben laut Projektbeschreibung standardmäßig lokal. Künftige Backend- oder KI-Funktionen würden eine eigene Zustimmung und zusätzliche Datenschutzhinweise benötigen.
Was Goose anzeigen soll
Die aktuelle Projektbeschreibung nennt bereits mehrere Bereiche. Goose soll Ansichten für Health, Coach, Home und More bieten. In den Gesundheitsbereichen sind unter anderem Sleep, Recovery, Strain, Stress, Cardio Load, Energy Bank und Health Monitor vorgesehen. Dazu kommen Debug-Ansichten, Paketdaten, Algorithmen, Referenzen und Kalibrierung.
Noch viele Baustellen
Trotzdem sollte man die Erwartungen bremsen. Die Entwickler weisen darauf hin, dass die App und der Backend-Teil bisher kaum auf Performance optimiert wurden. Die App könne deutlich ruckeln. Manche Werte erscheinen leer, veraltet oder nicht verfügbar, wenn die Datenquelle fehlt oder die Pipeline noch nicht sauber funktioniert.
Für Whoop könnte das unbequem werden
Spannend ist Goose vor allem deshalb, weil es direkt an das Geschäftsmodell von Whoop rührt. Whoop verkauft nicht einfach nur einen Tracker. Whoop verkauft ein System aus Sensor, App, Auswertung und Abo. Wird eine externe App gut genug, um die wichtigsten Daten ohne laufende Mitgliedschaft nutzbar zu machen, wird es für Whoop unangenehm.
Die Entwickler betonen, dass Goose ein unabhängiges Projekt ist und nicht mit Whoop verbunden ist. Außerdem enthalte das Repository keinen Whoop-Quellcode. Die App kommuniziert demnach über Bluetooth mit den vom Gerät bereitgestellten Diensten und Daten und verarbeitet diese lokal weiter.
Noch keine echte Alternative, aber ein spannender Anfang
Aktuell ist Goose definitiv noch keine fertige Whoop-Alternative ohne Abo. Dafür ist das Projekt zu früh, zu technisch und zu stark auf Entwickler ausgerichtet. Wer einfach nur ein Whoop 5.0 kaufen und morgen ohne Abo alle Daten hübsch aufbereitet sehen will, wird vermutlich enttäuscht.
Die entscheidende Frage ist nur: Wie lange es wohl dauert bis Whoop der Sache einen Riegel vorschiebt?
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