GamingTestberichte

Star Fox für Switch 2 – Fox McClouds glorreiche Rückkehr

Remake mit Tempo, Charme und grafisch imposanter Präsentation

Fox McCloud hebt wieder ab. Schon wieder, könnte man sagen. Nach dem Kindheits-Erinnerungen schaffenden Nintendo 64-Original von 1997, der 3DS-Neuauflage von 2011 und der eher eigenwilligen Wii-U-Auslegung Star Fox Zero wirkt die Rückkehr nach Corneria fast wie eine Pflichtübung. Andross bedroht das Lylat-System, James McCloud gilt nach einer früheren Konfrontation mit dem größenwahnsinnigen Wissenschaftler als tot, Fox übernimmt das Kommando über das Söldnerteam Star Fox und fliegt mit Falco, Slippy und Peppy in den Krieg gegen ein Heer aus Raumschiffen, Panzern, Biowaffen und Bossgegnern, die am Ende erwartungsgemäß explodieren sollen. Geschichte ist bekannt. Routen auch. Ebenso woher Feinde herfliegen. Trotzdem wurde der Sinn eines Remake hier verinnerlich – unsere Review zu „Star Fox“.

Velan Studios, bekannt durch Knockout City und die Zusammenarbeit mit Nintendo bei, AR-Erlebnis Mario Kart Live: Home Circuit, hat Star Fox 64 nicht neu erfunden, sondern mit erstaunlich sicherer Hand neu gedacht. Das ist ein wichtiger Unterschied. Aufbau, Missionslogik und Grundrhythmus der luftigen Kämpfe bleiben am Klassiker. Ein Durchgang führt in sieben Einsätzen von Corneria bis Venom, doch durch alternative Pfade und bessere Leistungen öffnet sich nach und nach ein größerer Teil des Lylat-Systems. Wer nur geradeaus fliegt, sieht schnell den Abspann. Wer sauber spielt u.a. Teamkollegen rettet, Zielvorgaben erfüllt und seine Trefferzahlen nach oben treibt, landet auf anderen Planeten und im besten Falle sogar in anderen Gefechten.

Der Einstieg macht klar, wo Velan ansetzt. Das Remake beginnt mit einem grafisch imposanten Prolog, der Fox und sein Team nicht nur als Ansammlung ikonischer Tierköpfe mit Funkgerät zeigt. Die Inszenierung setzt auf voll vertonte Dialoge mit deutlich längeren Zwischensequenzen als im Original und eine überraschend ernste Haltung. Für Nintendo-Verhältnisse ist das stellenweise fast dunkel, ohne den klassischen Samstagmorgen-Cartooncharme zu verlieren. Das Team hat sich kaum verändert: Falco bleibt der arrogante Könner, Slippy nervt weiterhin mit ständiger Panik, Peppy bekommt natürlich sein „Do a Barrel Roll!“ untergebracht – Fox wirkt stärker als junger Anführer, der seinen Vater nicht nur als Motivation trägt. Das banale Grundgerüst vom bösen Andross gegen die guten Weltraumtiere bekommt dadurch keine neue Tiefe wie in einem Rollenspiel, aber genug Haltung, damit die Missionen besser zusammenpappen.

Besonders gelungen ist das Tutorial. Statt Spieler:innen trocken in ein Menü zu werfen, startet „Star Fox“ mit einer Trainingssequenz der Crew. Dort lernt man Rollen, Bremsen, Boosts, Zielerfassung, Bomben, Ausweichmanöver und den Umgang mit dem Fadenkreuz, bevor Corneria ernst macht. Im Gefecht merkt man dann, warum diese Vorbereitung sinnvoll ist. Star Fox ist und bleibt ein Rail-Shooter mit hohem Tempo in engen Korridoren. Gegner schießen von vorn, seitlich und aus dem Hintergrund währendessen rufen Teammitglieder um Hilfe. Fair verteilte Checkpoints retten vor übertriebenem Frust..

Die größte spielerische Stärke liegt weiterhin in dieser Arcade-Dichte. Jede Mission dauert meist nur wenige Minuten, setzt aber auf Trefferketten, versteckte Bedingungen und Bosskämpfe mit klaren Mustern. Der Arwing ist dabei das Zentrum: wendig und spielerisch direkt. Boost und Bremse erlauben kurze Tempowechsel, Rollen reflektieren Beschuss, aufgeladene Laser treffen mehrere Ziele und Bomben räumen enge Situationen auf. In All-Range-Arenen öffnet sich das Geschehen, dann wird aus der Schießbude ein kleiner Dogfight, inklusive Wenden, Loopings und Bossen, die man nicht einfach frontal wegfeuern kann. Der Landmaster bringt als Panzer mehr Gewicht auf den Boden, bleibt aber präzise genug, um nicht wie ein Fremdkörper zu wirken. Die Blue-Marine im Unterwasserabschnitt Aquas ist dagegen der schwächste Teil des Pakets. Heute wie damals. Das U-Boot steuert sich noch immer schwammiger als der Rest des Spiels. Hier hätte man sich eine Modernisierung erhofft.

Zurück nach Corneria, aber diesmal ohne Pixelnebel

Technisch zeigt Star Fox recht deutlich, warum Nintendo diesen Stoff für die Switch 2 zurückgeholt hat. Corneria sieht nun aus wie eine echte futuristische Stadt und nicht mehr wie ein paar grobe Texturflächen mit pixeligen Verkehrsschildern im Weltraum. Meteo gewinnt durch Weitsicht, Trümmerfelder und Partikeleffekte an Druck, Solar flimmert vor Hitze, Aquas wirkt endlich wie ein feindlicher Ort unter Wasser und nicht wie ein blaugrünes Gemisch. Apropos: Der alte Kaschierungsnebel ist weg! Stattdessen baut die hauseigene VIPER-Engine detailreiche Kulissen, saubere Kamerafahrten und Zwischensequenzen, die ihre Nähe zum Original mit deutlich mehr Licht zeigen. Wichtig: Die Performance hält trotzallem auf einen zuballernden Bombast. Die 60fps geben dem Spiel genau die wichtige Verlässlichkeit, die ein schneller Rail-Shooter braucht. Auch im Handheld-Modus spielt sich das sauber, Texte bleiben gut lesbar, Ladezeiten fallen kaum ins Gewicht. Ich habe weite Teile von „Star Fox“ unterwegs gespielt und nie das Gefühl gehabt, eine technisch abgespeckerte Version zu spielen.

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Der Soundtrack trägt ebenfalls viel. Die bekannten Themen wurden neu arrangiert und bekommen mehr orchestralen Druck, ohne das kultige N64-Erbe zuzuschütten. Das Ergebnis klingt nach Weltraum-Blockbuster. Passt. Star Fox war immer schon Nintendos kleine Antwort auf die große Sci-Fi-Oper von George Lucas oder anderen Genre-Größen – nur eben mit einem Frosch im Funkkanal und einem Hasen, der militärische Lebensweisheiten verteilt.

Neu und sinnvoll ist die optionale Cockpit-Perspektive. Wer möchte, kann dauerhaft in die Egoansicht wechseln und die Joy-Con-2-Maussteuerung nutzen. Das verändert den Blick auf bekannte Einsätze stärker, als man zunächst erwartet. Ziele lassen sich präzise anvisieren, der Arwing fühlt sich enger mit dem eigenen Blick verbunden, gleichzeitig verliert man ein wenig von der klassischen Übersicht. Als Alternative überzeugt der Modus, als Pflichtlösung zum Glück nicht. Klassisch in Third-Person Ansicht spielt sich Star Fox weiterhin am rundesten.

Schnelle Manöver per run and gun

Neben der Kampagne stehen Challenge-Aufgaben bereit. Dort verlangt das Spiel bestimmte Trefferzahlen, Zeitlimits, das Ausschalten spezieller Gegnertypen oder saubere Manöver. Das passt perfekt zur kurzen Missionsstruktur, weil die Levels ohnehin auf Wiederholung und Optimierung ausgelegt sind. Medaillen, freischaltbare Schwierigkeitsgrade und zusätzliche Holoviewer-Infos geben Rückkehrern genügend Anlass, alte Routen genauer zu lesen. Für Puristen einen Blick wert.

Der Battle Mode ergänzt das Paket mit Teamgefechten zwischen Star Fox und Star Wolf. Online treten bis zu acht Spieler:innen in Vier-gegen-vier-Dogfights an, unter anderem auf Corneria, Sector Y und Fichina. Das funktioniert, ist schnell verstanden und bringt nette Variationen durch Zielvorgaben. Als langfristiger Multiplayer-Anker wirkt der Modus aber etwas schmal. Ähnlich zwiespältig bleibt der optionale Koop. Eine Person fliegt, die andere übernimmt als Gunner das Feuern. Auf dem Papier klingt diese Arbeitsteilung sinnvoll. In der Praxis verlangt sie Absprache samt gewisser Leidensfähigkeit, weil zwei Menschen in einem sehr schnellen Actionspiel ein einziges Schiff bändigen müssen. Nuja. Wenn es klappt, macht es Laune. Also falls…

Damit bleibt die alte Frage: Ist Star Fox im Jahr 2026 zu kurz? Ja, wenn man eine an heutige Standards geführte Kampagnenumfang erwartet. Nein, wenn man versteht, dass dieses Spiel nie auf eine zehnstündige Story ausgelegt war. Der Reiz liegt im besseren Score, in anderen Routen, in saubereren Bosskämpfen sowie eine Mission beim dritten Versuch wirklich zu als Bester abzuschließen. Die fairen Checkpoints helfen, ohne den Arcade-Kern weichzuspülen. Trotzdem muss ich sagen, hätte gerade dieses starke Remake ein paar komplett neue Einsätze vertragen. Velan Studios vertraut dem alten Grundriss zu stark. Meistens ist das richtig. Manchmal wünscht man sich, Nintendo hätte Fox nach all den Jahren wenigstens einen unbekannten Planeten spendiert.

Unser Fazit zu „Star Fox“

„Star Fox“ für Nintendo Switch 2 ist kein radikaler Neustart, will es auch nicht. Eher ein sehr präzise nachgebautes Remake eines Klassikers, der seine Formel erstaunlich gut halten konnte. Die Steuerung reagiert besser denn je, die Inszenierung verleiht Fox, Falco, Slippy und Peppy mehr Präsenz, die technische Seite läuft butterweich während das Lylat-System erstmals den visuellen Eindruch vermittelt, den man sich 1997 wahrscheinlich eingebildet hat. (Nostalgische) Schwächen bleiben: Die Blue-Marine im U-Boot nervt weiterhin, der Multiplayer trägt nicht allein, neue Missionen oder gar andere Planeten fehlen. Doch als moderne Fassung eines kompakten, wendigen Arcade-Shooters funktioniert Star Fox ziemlich stark. Nicht trotz seines Alters, sondern weil Entwickler Velan Studios verstanden hat, welche Teile davon unangetastet bleiben mussten.

Release: 25.06.2026 | Entwickler: Velan Studios | Genre: Shooter | Für Nintendo Switch 2 | USK: ab 12

Star Fox (Switch 2)

Spielspaß - 92%
Gameplay - 84%
Grafik - 93%
Technik - 87%

89%

Empfehlung!

Star Fox für Switch 2 modernisiert den Klassiker sauber, spielt sich direkter denn je und lässt das Lylat-System endlich so wirken, wie man es 1997 im Kopf hatte. Kleinere Schwächen bleiben, doch Velan Studios trifft genau den Kern, der dieses Remake trägt.

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Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Instagram. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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