KinoKritiken

Kritik zu The Piano Tuner – Eleganter Heist-Thriller mit gewisser Leichtigkeit

Bundesweiter Kinostart: 02. Juli 2026

Hören Cineasten die Namen Jean Reno und Dustin Hoffman wird schon mal mit der Augenbraue interessiert nach oben gezogen, spielen beide noch im gleichen Film mit, wird die Aufmerksamkeit noch größer – „The Piano Tuner“ ist ein leichtfüßig inszenierter Thriller von Daniel Roher, der nach der sehenswerten Dokumentation „Nawalny“ hiermit sein Langspieldebüt gibt. Unsere Neustart-Kritik zum klavierstimmenden Safe-Knacker.

Niki White (Leo Woodall) trägt nahezu 24 Stunden pro Tag Kopfhörer. Nicht, weil er besonders musikaffin ist und melodische melodische Klänge im Alltag unbedingt bräuchte. Nein, vielmehr leidet er an ei Hyperakusis, also krankhafte Überempfindlichkeit gegenüber Schall, die ihm einerseits zum ständigen Tragen von Kopfhörer nötigt, jedoch dank seines absoluten Gehörs für die Tätigkeit eines Klavierstimmers geradezu prädestiniert ist. Das Spielfilmdebüt von Dokumentarfilmers Daniel Roher entfaltet sich vom schnittig Feel-Good-Komödie in New York City zum immer düster werdenden Heist-Thriller. Besonders in der ersten Filmhälfte darf Dustin Hoffman einmal mehr vor der Kamera einen sympathischen Charakter abgeben, nämlich in der Rolle als alter, sprücheklopfender Onkel Harry von Hauptfigur Niki. Besonders zu Anfang lernen wir nicht nur die Figuren kennen, sondern durchschreiten mit ihnen New Yorker Wohnungen nahezu jeglicher Couleur. Mal eine kleine Wohnung, dann ins lichtdurchflutete Loft oder in die protzige Villa etwas außerhalb der nimmer schlafenden Metropole, wo Klaviere gar nur zur Deko prominiert im Raum stehen.

Die Stimmung, auch im filmischen, als Niki auf den halbseidenen Sicherheitsfachmann Uri (Lior Raz) und dessen zwei köpfige Bande bestehend aus seinen Cousins trifft, die sich mit ihren Rollen als Security Zugang zu exklusiven Anwesen verschaffen des Nächtens die prall gefüllten Safes auszuräumen. Durch verschiedene Umstände benötigt Niki in kurzer Zeit mehrere Zehntausende Dollar und da sein Talent für das Öffnen von Safes von Uri gerne gesehen ist, machen sie gemeinsame Sache. Doch diese Vereinbarung birgt bald hohe Risiken. Wer hier einen eindimensionalen Thriller ohne viel Mehrwert aber schöner Bilder erwartet, liegt falsch.

Vielmehr wartet „The Piano Tuner“ mit verschiedenen Ebenen auf – da gibt es einmal den familiären Bezug zum Mentoren gleich Onkel, der seinen Neffen lobt aber ihn auch endlich an eine Freundin bringen will. Was uns zu Kompositionsstudentin Ruthie (Havana Rose Liu) führt, die Niki bei einem seiner Termine kennenlernt. Die Beziehung zwischen beiden wird glaubhaft dargestellt. Jedoch mutiert Niki vom eher zurückhaltenden Zeitgenossen zum galanten Safeknacker was nicht übertrieben sondern bodenständig inszeniert ist. Zumal die kleine, aber feine Nebenrolle von Frankreichs Hollywood-Expert Jean Reno hier bestens ins Gesamtgebilde passt. Der jazzige Soundtrack von Will Bates sei hier positiv erwähnt.

Wer einen sommerlichen tragikkomischen Thriller mit jazzigen Schnitten samt beeindruckender Tonabmischung sucht, sollte sich „The Piano Tuner“ im Kino mit Dolby Atmos-System nicht entgehen lassen.

The Piano Tuner. USA 2026. Verleih: DCM. Regie: Daniel Roher. Mit Leo Woodall, Dustin Hoffman, Jean Reno. Genre: Thriller. 109 Minuten. FSK: Ab 12 Jahren.

Gibt es eine Post-Credit-Szene? = Nein.

Disclaimer: Vielen Dank an CinemaxX für die freundliche Bereitstellung des Tickets. Kinotickets für „The Piano Tuner“ gibt es hier.

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Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Instagram. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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