Hollywood hat gerade wieder Blut geleckt: Nach Jahren, in denen Videospiel-Verfilmungen den Ton angegeben haben, entdecken Studios reihenweise ihre alten Brett- und Kartenspiele neu. Und das aus gutem Grund. Ein gutes Spiel liefert nämlich schon fast alles, was ein Drehbuch braucht – nur eben ohne, dass jemand das Drehbuch geschrieben hat.
Warum Spiele so gute Stoff-Lieferanten sind
Ein Brettspiel oder Pen-&-Paper-System bringt von Haus aus mit, worum sich Drehbuchautoren sonst wochenlang streiten: klare Regeln, definierte Konflikte, unterschiedliche Fraktionen mit eigenen Zielen und ein Setting, das schon zu Ende gedacht ist. Bei Catan gibt es bereits eine Insel mit begrenzten Ressourcen und Spieler, die zwangsläufig gegeneinander antreten müssen. Bei Dungeons & Dragons gibt es eine komplette Welt mit eigener Mythologie, Monstern, Fraktionen und jahrzehntelang gewachsenem Lore. Bei Magic: The Gathering gibt es gleich mehrere Universen, zwischen denen Figuren reisen können, ohne dass man dafür erst ein neues Multiversum erfinden müsste.
Der zweite Punkt: Spiele haben eingebaute Fanbasis. Wer eine Catan-Verfilmung ankündigt, muss niemandem erklären, worum es geht – Millionen Menschen haben das Spiel selbst schon am Küchentisch gespielt und eine emotionale Bindung dazu aufgebaut. Das ist Marketing, das man sich bei einer komplett neuen Idee erst mühsam erarbeiten müsste.
Diese Brettspiele wären ideale Filmvorlagen
Root – Das asymmetrische Fraktionsspiel um eine Katzen-Dynastie, ein Vogel-Imperium, waldbewohnende Tiere und eine geheime Widerstandsbewegung hat von Haus aus einen politischen Konflikt mit mehreren gleichberechtigten Perspektiven. Perfekt für eine Serie im Stil von „Game of Thrones“, nur mit Tieren statt Adelshäusern.
Gloomhaven – Eine komplette Fantasy-Kampagne mit moralisch grauen Söldnern, die sich durch eine verfallende Welt schlagen. Die Kampagnen-Struktur mit sich verändernden Entscheidungen und dauerhaften Konsequenzen würde sich hervorragend für eine Serie mit mehreren Staffeln eignen.
Betrayal at House on the Hill – Ein Horror-Haus, in dem sich mitten im Spiel ein Mitspieler in einen Verräter verwandelt. Die eingebaute Twist-Mechanik ist im Grunde schon ein fertiges Third-Act-Reveal.
Terraforming Mars – Konkurrierende Konzerne, die gemeinsam den Mars bewohnbar machen und sich dabei gegenseitig ausstechen. Ideal für einen Science-Fiction-Film über Klimatechnik, Konzernmacht und die Frage, wem ein terraformter Planet eigentlich gehört.
Pen & Paper: Die unterschätzte Goldgrube
Call of Cthulhu – Lovecraft’scher Horror mit eingebauter Wahnsinns-Mechanik. Die Spannung zwischen menschlicher Ermittlungsarbeit und kosmischem Grauen ist Kino pur.
Vampire: The Masquerade – Eine komplette urbane Fantasy-Welt voller Politik, Intrigen und Blutlinien-Konflikte zwischen Vampir-Clans, die sich perfekt für eine düstere Serie im „True Blood“-Stil eignen würde.
Diese Verfilmungen sind schon in Arbeit
Die gute Nachricht: Einiges davon passiert bereits tatsächlich. Netflix hat sich die exklusiven weltweiten Rechte an Ticket to Ride gesichert – ein Deal, der sowohl Scripted- als auch Unscripted-Projekte umfasst, nachdem der Streamer zuvor bereits ähnliche Rechte an Catan gesichert hatte. Ein erster Ticket-to-Ride-Spielfilm ist demnach bereits in Arbeit.
Bei Monopoly arbeiten Hasbro, Margot Robbies Produktionsfirma LuckyChap und Lionsgate parallel zu einer bereits angekündigten Netflix-Realityshow an einer Kinoverfilmung. Auch „The Game of Life“ bekommt seine Hollywood-Behandlung: Amazon MGM Studios entwickelt gemeinsam mit Chernin Entertainment und Hasbro einen Film, Regie führt Sean Anders, das Drehbuch stammt von Allan Loeb
Bei Clue/Cluedo ist nach jahrelangem Entwicklungs-Chaos – zeitweise war sogar Ryan Reynolds als Hauptdarsteller im Gespräch – die Verfilmung inzwischen bei Sony gelandet, wo Film und TV-Serie parallel entwickelt werden, allerdings komplett ohne die bisher angehängte Besetzung.
Auch im Pen-&-Paper-Bereich tut sich was: Für „Dungeons & Dragons: Honor Among Thieves 2“ existiert bereits ein fertiges Drehbuch von Regisseur Jonathan Goldstein und seinem Team, die Fortsetzung hängt aber aus finanziellen Gründen weiter in der Warteschleife. Bei Magic: The Gathering laufen sogar zwei Projekte gleichzeitig: Eine animierte Netflix-Serie unter Showrunner Terry Matalas befindet sich im fortgeschrittenen Produktionsstadium mit abgeschlossenem Skript und laufender Besetzung, während parallel bei Legendary Entertainment ein eigenständiger Realfilm entsteht, den Regisseur Matt Johnson zuletzt als „mit voller Kraft voraus“ beschrieben hat.
Zwischen Ankündigung und tatsächlichem Kinostart liegen bei Brettspiel-Verfilmungen traditionell Jahre – aber die Zahl der Projekte, die diesmal wirklich in Produktion sind statt nur in der ewigen Entwicklungshölle zu stecken, ist ungewöhnlich hoch. Es könnte also tatsächlich der Moment sein, in dem sich das Genre endlich beweisen muss.
Disclaimer: Beim erstellen des Artikels war ChatGPT in der Recherche behilflich
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