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Es gibt Filme, die objektiv betrachtet an allen möglichen Stellen ziemlich bekloppt sind – und genau deshalb funktionieren sie Jahrzehnte später noch immer hervorragend. Big Trouble in Little China gehört für mich ganz weit oben auf diese Liste. John Carpenters wilder Mix aus Actionfilm, Fantasy, Kung-Fu, Monsterkino und Komödie ist für mich schlicht absoluter Kult.
Nicht, weil heute keine guten Actionfilme mehr gedreht würden. Sondern weil sich kaum noch ein großer Film traut, derart hemmungslos unterschiedliche Ideen zusammenzuwerfen und dabei so zu tun, als wäre das vollkommen normal.
Jack Burton hält sich für den Helden – ist es aber nicht
Das Geniale an Kurt Russells Jack Burton ist eigentlich, dass er glaubt, der klassische amerikanische Actionheld zu sein. Er fährt seinen Truck, klopft große Sprüche und marschiert mit einer Selbstverständlichkeit in Situationen hinein, von denen er ungefähr überhaupt keine Ahnung hat.
Wang Chi, gespielt von Dennis Dun, ist kompetenter, kennt die Hintergründe und weiß im Gegensatz zu Burton meistens ziemlich genau, was er tut. Jack stolpert dagegen durch die Handlung, bekommt regelmäßig auf die Fresse und hält sich trotzdem weiterhin für den wichtigsten Mann im Raum. Genau das macht die Figur so großartig.
Kurt Russell spielt Burton mit einer Mischung aus John-Wayne-Parodie und vollkommen unbegründetem Selbstvertrauen. Der Film macht daraus keinen großen Running Gag. Er lässt Jack einfach Jack sein. Und das funktioniert bis heute.
Dieser Film hat überhaupt keine Lust, vernünftig zu sein
Schon die Ausgangslage eskaliert herrlich schnell. Aus einer eigentlich simplen Geschichte rund um Wang Chis entführte Freundin wird innerhalb kürzester Zeit ein völlig durchgeknalltes Abenteuer mit chinesischer Unterwelt, schwarzer Magie, jahrhundertealten Flüchen, Kämpfern mit übernatürlichen Fähigkeiten und David Lo Pan. Dann laufen plötzlich die drei Stürme Thunder, Rain und Lightning durch die Gegend und spätestens an diesem Punkt sollte auch der letzte Zuschauer verstanden haben, dass Big Trouble in Little China keinerlei Interesse daran hat, sich an normale Actionfilm-Regeln zu halten. John Carpenter baut hier praktisch einen Fantasy-Kung-Fu-Film mit amerikanischem Actionhelden – nur dass der vermeintliche Actionheld permanent leicht überfordert ist.

Genau diesen Charme vermisse ich heute
Bei modernen Blockbustern wird viel darüber gesprochen, wie man möglichst große Universen aufbaut, Figuren für Fortsetzungen vorbereitet oder den nächsten Ableger anteasert. Big Trouble in Little China will dagegen einfach 99 Minuten lang möglichst viel Unsinn veranstalten. Der Film ist schmutzig, bunt, teilweise herrlich billig und gleichzeitig voller Ideen.
Effekte müssen nicht immer perfekt aussehen. Kulissen dürfen nach Kulissen aussehen. Ein Monster darf einfach plötzlich irgendwo auftauchen, ohne dass dafür erst eine zwölfseitige Hintergrundgeschichte erklärt werden muss.
Ein paar schöne Fakten für den nächsten Filmabend
Besonders lustig ist, dass Big Trouble in Little China bei seinem Kinostart 1986 keineswegs der große Erfolg war, als den man ihn heute vielleicht wahrnimmt.
Der Film kostete rund 25 Millionen US-Dollar und spielte in den USA nur etwas mehr als elf Millionen Dollar ein. Erst über VHS, Fernsehen und spätere Heimkino-Veröffentlichungen entwickelte sich der Film zum Kultklassiker.
Auch Jack Burtons ungewöhnliche Rolle war vollkommen beabsichtigt. John Carpenter und Kurt Russell wollten gerade keinen unfehlbaren Actionhelden erschaffen. Burton hält sich zwar für den Star seiner eigenen Geschichte, tatsächlich übernimmt Wang Chi einen großen Teil der klassischen Heldenarbeit.
Noch schöner: Das Studio soll mit dieser ungewöhnlichen Konstruktion nicht besonders glücklich gewesen sein. Deshalb wurde unter anderem die Eröffnungsszene mit Egg Shen ergänzt, um Burton stärker als heldenhafte Figur einzuordnen.
Big Trouble in Little China ist einfach Kult
Ist der Film perfekt? Natürlich nicht. Muss er auch überhaupt nicht sein.
Big Trouble in Little China lebt davon, dass hier scheinbar niemand irgendwann gesagt hat: „Vielleicht sollten wir das Ganze etwas weniger verrückt machen.“ Kurt Russell ist großartig, James Hong als Lo Pan sowieso und die Mischung aus Martial Arts, Fantasy und Carpenter-Humor besitzt noch heute einen ganz eigenen Charme. Vor allem nimmt sich der Film niemals wichtiger, als er ist.
Vielleicht ist genau das der Punkt, den ich bei vielen aktuellen Produktionen vermisse. Nicht jeder Film braucht ein Cinematic Universe. Nicht jede Figur benötigt eine Origin-Serie. Und nicht jeder Effekt muss bis ins letzte Pixel fotorealistisch aussehen. Manchmal reicht ein überheblicher Trucker, ein uralter chinesischer Magier und jede Menge kompletter Wahnsinn.
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