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Battlefield 2042 im Test – Merkwürdiger Everybody’s Darling

Viel Krawall um Nichts

Erstmals ohne Klassensystem und deutlich aufgeweichten Gameplay-Elementen will Entwicklerstudio DICE mit „Battlefield 2042“ einerseits die Stammspielerschaft überzeugen aber auch gänzlich neue Spieler ins Boot holen – nach einem langen Testzeitraum gelingt dies jedoch nur in Maßen. Unsere Review zum neuesten Schlachtfeld-Shooter.

Zurück in die Nostalgie

Es kommt gemeinhin gar nicht so häufig vor, recht ernüchtert während unseren Test-Sessions in den Fernseher zu blicken und das leise Gefühl von nicht vorhandenem Spielspaß zu spüren. Mhm…klingt vielleicht zu pessimistisch. Lasst uns mit dem Closed-Beta anfangen. Damals zeichnete sich schon ab, dass DICE mit gewohnten Traditionen brechen wird. Dazu gehörte übrigens auch die fragile technische Seite. Geruckel, plötzliche Verbindungsabbrüche sowie fehlerhaftes Gunplay ließen uns mit Schrecken auf den zeitnahen Release blicken. Zum Glück kam es anders, dank Verschiebung um ein paar Tage arbeitete das Studio nach lautstarkem Feedback der Community die ärgsten Baustellen sichtlich ab. Natürlich schmerzt irgendwo das Fehlen einer soliden Storykampagne, die im Söldner-Alltag wenigstens für Abwechslung sorgt – wobei sich die Entwickler:innen mit dem Modus „Portal“ etwas Amüsantes haben einfallen lassen. Obwohl „Battlefield 2042“ gleich zu Anfang mit schicker Zwischensequenz aufwartet, sind die darin enthaltenen düster vorgetragenen Worthülsen um globale Konflikte schlicht uninteressant.

Spektakulärer sind hier die drei auszuwählenden Modi bestehend aus All-Out Warfare, Hazard Zone und Portal. Erstgenannte ist nüchtern betrachtet Conquest mit den allseits beliebten überdimensionalen Schlachten, wo euch ein Sprung vom Hochhaus in einen zufällig vorbei fliegenden Hubschrauber verfrachten oder gleich ein Weltraum-Shuttle gezündet werden könnte. Immense Unterschiede finden sich auf eurer jeweiligen Hardware – PlayStation 5/Xbox Series-Zocker treffen auf bis 128 Spieler im Multiplayer während Last-Gen Nutzer mit höchstens 64 Leutchen auf den digitalen Maps vorlieb nehmen müssen. Ab Release stehen euch sieben Maps zu Verfügung. Klingt nach wenig – ist es nicht. Dank klimatischen Abwechslungen gestalten sich Eroberungskämpfe in südkoreanischen „Kaleidoskop“ mit womöglich auftretenden Tornados, die zwar für Unordnung sorgen aber nicht die Map gänzlich zerstören, für herrliches Chaos. Kurze Distanz, schneller Abschuss fordert „Manifest“ von euch. Zwischen enggestellten Containerblöcken am Hafen entsteht in den besten Momenten eine ungewohnt hohe Intensität. Zu guter Letzt erwähnen wir mit 5,9 Kilometer Gesamtfläche die bisher größte Map im Battlefield-Universum – „Breakaway“. Übergroße Öl- und Gas-Silo gepaart mit der eisigen Kälte der Antarktis. Dennoch wird hierdurch eine Schwäche sichtbar – die Maps sind zu groß. Über 100 Spieler:innen verhindern förmlich minutenlange Spaziergänge ohne jedwede Interaktion nicht.

Flexibel wie nie zuvor

Dann gibt es jedoch implodierende Situationen mit dem Squad oder wild zusammengetrommelte Team-Mitglieder, bei denen es gilt das hochgelegene Dach vor Angreifern zu schützen. Splittergranate um Rauchgranate explodiert. Jemand erkundet per Drohne die Lage. Aus dem Treppenhaus kommen plötzlich Gegner hochgeschossen. Mein Team klappt nacheinander ein. Hilft die schwache Deckung zu verlassen um jemanden mit dem Defibrillator wieder ins Geschehen zu holen? Zeit für Überlegungen bleiben nicht. Unsere halbgeleerten Magazine entscheiden. Solche Situationen bilden die einprägsamsten Momenten im gesamten Multiplayer-Shooter. Ganz hilfreich ist in sich veränderten Situationen das flexible Plus-Menü bei allen Waffen – damit tauscht man on-Game Zusätze wie Visiere, Munition oder Optiken in Sekundenschnelle. 22 Schießeisen lassen sich übrigens im Hauptmenü obligatorisch nach allen Regeln der Kunst auf persönliche Parameter einstellen. Keine Sorge! DICE verspricht durch regelmäßige Season Pass-Updates das Arsenal aufzustocken. Die größte Zäsur ist das fehlende Klassensystem. Nur Medic, Schwarfschütze oder Techniker sein? Nicht in „Battlefield 2042“! Vor jedem Match gibt’s 10 sogenannte Specialists, die sich nur durch Gadgets sowie Eigenschaften (Bedienbarkeit von Drohnen) voneinander spürbar unterscheiden, während wir das Loadout mit Waffen und Hilfsmitteln wie Granaten frei wählen können. Keine gute Idee. Weil nämlich die klare Unterscheidung ein Alleinstellungsmerkmal der Serie war und man damit keinen Befreiungsschlag suggeriert sondern Anbiederung. Zwar ist Webster Mackay, erst ab Stufe 15 wählbar, mit seinem Kletterhaken in horizontalen Gebieten flink unterwegs, aber jene Spezialisten bilden keine Gamechanger. Bei mobiler Not greift ihr vor’m Respawn eben auf vielseitige Fahrzeuge zurück. Da bleibt sich DICE mit Panzern, Geländefahrzeugen, Motorrädern sowie Tuk-Tuk’s seinen vorherigen Serienteilen treu. Übrigens auch mit der schwammigen Steuerung sämtlicher Luft-, Wasser-, und Bodenfahrzeuge.

Die Hazard Zone gibt in relativ kurzen Partie (meist 15 Minuten) bestimmte Ziele wie Datensicherungen vor, wo es neben einer verdünnten Fahrzeugauswahl auch deutlich taktischer zu geht. Umherrennende Rambos landen schnell im Aus. Wiedereinstiege gibt’s pro Runde nämlich nicht. Überraschend schwach fiel uns in jeglichen Modi übrigens das Gunplay auf. Womöglich soll das erste Sturmgewehr als inoffizielle Erbsenkanone fungieren, aber spätestens bei Brechern wie der PP-29 hören sich abfeuerbare 53 Kugeln einfach unbefriedigend an – gleiches gilt für’s Trefferfeedback bei Gegnern. Nur anhand des Treffer-Icons im Fadekreuz zu erahnen, hier sollte DICE dringend nachbessern. „Battlefield 5“ besaß solche Mankos zumindest nicht. Auch ohne Wetterereignisse sind Maps in Sachen Aufgabenstellung so unübersichtlich wie niemals zuvor – ständig blinkende Icons zeigen auf Checkpoints, die mal eingenommen sind oder von Gegner werden. Im Hauptmenü selbst stehen zu viele Punkte zur Auswahl, deren Aktion man oftmals erst merkt, sobald versehentlich im Match landete. Zumindest das Matchmaking machte während des Tests kaum Schwierigkeiten. DICE hält für alle Nostalgiker bzw. Veteranen mit „Portal“ noch ein Bonbon bereit. Lust auf eine klassische Runde Rush auf Maps von Bad Company 2 & Co.? Auf allen gründlich überarbeiteten Gebieten sind zudem wieder feinere Zerstörungen (Wände, Fassaden etc.) möglich während das Hauptspiel nur verhältnismäßig klobige Zerstörungen zulässt.

Technisch ist „Battlefield 2042“ längst von seinen Schrott-Status aus der Beta-Phase. Einmal mehr lässt die Frostbite-Engine in vielen Momenten ihre Muskeln spielen, wenn es beispielsweise um hübsche Lichteffekte der scheinenden Sonne geht, der Schlamm am Boden durch Reytracing schimmert. Negativ sind nachladende Texturen, aufkommendes Tearing in hektischen Situationen oder Verbindungsabbrüche während aktiven Shoot-Outs. Trügerisch sind Balance-Probleme im Modus „Hazard Zone“ von KI-Soldaten.

Unser Fazit zu „Battlefield 2042“

DICE wagte ein Experiment an dem zweifellos scheiterte. Zumindest teilweise. Zwar sind offenere Spielweisen, also weg von staren Klassen, vermutlich dem letztendlichen Willen der Entwickler:innen geschuldet neue Spiele zu erreichen ehrenwert. Jedoch verwässert man damit ein bis dato einzigartiges Spielgefühl. Die neuen Maps besitzen ihren Reiz wurden aber viel zu groß design ohne Fahrzeug dauert es locker mal 3 Minuten das Ende rennend zu erreichen. DICE verbaute z.B mit Portal eine sinnvolle Erweiterung, die mit fleißigem Support der Community relativ sicher zum heimlichen Star avanciert. Neben all den spaßigen battlefield-haften Aktionen erreichte die neueste Ableger jedoch kaum den Spielspaß bisheriger Serienteile.

Entwickler: DICE | Preis: ab 49,99 Euro | Für PlayStation 4|5, Xbox One|Series und PC USK: ab 16

Battlefield 2042

Spielspaß - 69%
Gameplay - 67%
Grafik - 81%
Technik - 66%

71%

Passabel

Gewohnt spektakuläre Action-Orgie im "Battlefield"-Style, aber mit herben Problemen im Gameplay und technischen Defiziten.

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Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Facebook. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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