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Beast of Reincarnation: Stark, aber nicht bissfest

So stimmen unsere Leser ab:

Game Freak ohne Pokémon. Allein das macht Beast of Reincarnation interessant. Statt Taschenmonster einzusammeln, ziehen wir mit Katana, Pflanzenkräften und einem ziemlich großen Hund durch ein überwuchertes Japan der Zukunft. Nach rund 20 Stunden auf der Xbox bleibt vor allem ein Eindruck: Hier steckt ein verdammt gutes Action-RPG drin. Das Kampfsystem macht Spaß, die Atmosphäre stimmt und einige Bosskämpfe sind richtig stark. Nur hält Game Freak dieses Niveau nicht durchgehend.

Mit Koo durch die Apokalypse

Beast of Reincarnation spielt im Japan des Jahres 4026. Große Teile der Welt wurden vom sogenannten Blight verändert und von Pflanzen überwuchert. Hauptfigur Emma ist selbst davon betroffen und hat dadurch weitgehend ihre Erinnerungen und Emotionen verloren. An ihrer Seite läuft Koo, ein ebenfalls infizierter Hund – und weit mehr als ein niedliches Maskottchen.

Game Freak bezeichnet das Ganze als „One Person, One Dog Action RPG“. Das passt ziemlich gut: Emma übernimmt den direkten Kampf, während Koo mit zusätzlichen Fähigkeiten eingreift. Die postapokalyptische Welt funktioniert dabei hervorragend. Überwucherte Städte treffen auf technische Relikte und bizarre Kreaturen. Ein bisschen NieR, ein bisschen Sekiro, dazu japanische Folklore – trotzdem schafft es Beast of Reincarnation, daraus etwas Eigenes zu basteln.

Das Kampfsystem ist die große Stärke

Emma blockt, weicht aus und pariert gegnerische Angriffe. Vor allem die Paraden fühlen sich hervorragend an. Das Timing bleibt nachvollziehbar, Treffer haben ordentlich Wucht und stärkere Gegner verlangen tatsächlich, dass man ihre Angriffsmuster lernt. Sekiro lässt grüßen, Beast of Reincarnation geht dabei allerdings deutlich zugänglicher zur Sache.

Koo sorgt für die eigentliche Besonderheit. Seine Fähigkeiten werden über ein Kommandosystem eingebunden, wodurch die Echtzeitkämpfe immer wieder kurz taktischer werden. Gerade bei stärkeren Gegnern entsteht daraus ein angenehmer Wechsel zwischen aggressivem Schwertkampf und überlegtem Einsatz der Fähigkeiten.

Nur bitte nicht schon wieder derselbe Gegner

Leider fehlt Beast of Reincarnation die Gegnervielfalt, um dieses Kampfsystem über die komplette Spielzeit frisch zu halten. Anfangs fällt das kaum auf. Neue Fähigkeiten kommen hinzu, Emma wird stärker und die ersten größeren Gegner verlangen noch etwas Eingewöhnung. Später kennt man den Zoo.

Bekannte Gegner kehren mit kleinen Variationen zurück, Angriffsmuster wiederholen sich und selbst bei den Bossen wird recycelt. Das ist besonders schade, weil die wirklich guten Bosskämpfe zeigen, welches Potenzial im System steckt. Einige Begegnungen gehören klar zu meinen Höhepunkten des Spiels. Wenn kurz darauf wieder bekannte Viecher vor Emma stehen, geht davon aber einiges verloren.

Wunderschöne Endzeit mit technischen Macken

Überwucherte Ruinen, riesige Pflanzen und verfallene technische Anlagen erzeugen regelmäßig beeindruckende Bilder. Ich habe mehr als einmal angehalten, nur um mir die Umgebung anzusehen. Technisch kann Beast of Reincarnation diesen Eindruck allerdings nicht immer halten. Manche Texturen und Animationen wirken überraschend schlicht, dazu kamen während meiner Zeit auf der Xbox kleinere technische Unsauberkeiten. Nichts davon hat mir das Spiel zerlegt, aber der Unterschied zwischen hervorragender künstlerischer Gestaltung und tatsächlicher Technik ist teilweise deutlich sichtbar.

Abseits des direkten Weges warten zwar versteckte Bereiche und Gegenstände, wirklich aufregend ist der Loot aber selten. Nach einigen Stunden wusste ich schon ziemlich genau, dass hinter dem nächsten kleinen Umweg vermutlich nichts wartet, was meinen Spielstil grundlegend verändert.

Zu viele Systeme für zu wenig Wirkung

Ähnlich sieht es bei der Charakterentwicklung aus. Fähigkeiten, Ausrüstung, Ressourcen und verschiedene Verbesserungen suggerieren zunächst reichlich RPG-Tiefe. In der Praxis bleibt davon weniger hängen.

Ich habe regelmäßig Ausrüstung gewechselt und Werte verbessert. Wirklich anders gespielt habe ich dadurch selten. Das eigentliche Herzstück bleibt der Kampf aus Angriffen, Paraden und Koos Fähigkeiten. Der ist stark genug, um das Spiel zu tragen. Einige zusätzliche Systeme wirken dagegen eher so, als müssten sie vorhanden sein, weil Beast of Reincarnation eben ein Action-RPG sein möchte. Weniger wäre hier mehr gewesen.

Emma und Koo halten die Geschichte zusammen

Die Beziehung zwischen Emma und Koo funktioniert deutlich besser. Gerade weil Emma emotional zunächst distanziert bleibt, fallen kleine Veränderungen stärker auf. Ihre gemeinsame Reise entwickelt dadurch durchaus Charme. Die große Geschichte braucht dagegen Zeit.

Dialoge ziehen sich und einige Szenen nehmen sich wichtiger, als sie letztlich sind. Dabei sind die Themen interessant: Erinnerung, Menschlichkeit, Natur, Technologie und eine untergegangene Zivilisation liefern eigentlich genügend Stoff. Ich wollte wissen, wie es mit Emma und Koo weitergeht. Nächtelang über die Story philosophieren werde ich vermutlich trotzdem nicht.

Trotzdem wollte ich weiterspielen

Und genau das ist Beast of Reincarnations größte Leistung. Trotz wiederkehrender Gegner, mäßigem Loot und einiger technischer Macken wollte ich weiterspielen. Aus „den Bereich mache ich noch schnell“ wurden regelmäßig ein oder zwei weitere Stunden. Vor allem das Kampfsystem trägt enorm viel. Dazu kommen die Atmosphäre, Emma und Koo sowie einige hervorragende Bosskämpfe.

Mehr Gegnertypen, weniger Füllmaterial und ein etwas konzentrierteres Progressionssystem hätten Beast of Reincarnation allerdings gutgetan. Das Spiel besitzt stellenweise das Zeug für eine Wertung deutlich oberhalb der 80er-Marke, schafft es aber leider nicht.

Fazit: Game Freak kann auch ohne Pokémon

Beast of Reincarnation ist für mich vor allem der Beweis, dass Game Freak abseits von Pokémon spannende Dinge auf die Beine stellen kann. Das Zusammenspiel aus Emmas direktem Kampfsystem und Koos Fähigkeiten besitzt eine eigene Identität. Paraden machen Laune, manche Bosse sind hervorragend und das überwucherte Japan gehört zu den interessanteren Action-RPG-Kulissen der letzten Zeit.

Dann stolpert das Spiel über seine eigenen Wiederholungen. Zu wenig Gegnervielfalt, recycelte Begegnungen, wenig aufregender Loot und technische Schwächen verhindern den ganz großen Wurf. Nach rund 20 Stunden sind diese Probleme nicht mehr zu übersehen.

Trotzdem hatte ich deutlich mehr Spaß als Frust. Wenn Game Freak auf diesem Fundament weiterbaut und beim nächsten Mal etwas konsequenter aussortiert, könnte aus Beast of Reincarnation der Anfang von etwas richtig Gutem werden.

Unsere Bewertung

Beast of Reincarnation

79%

Beast of Reincarnation punktet mit einem starken Kampfsystem, toller Atmosphäre und dem gelungenen Zusammenspiel von Emma und Koo. Zu wenig Gegnervielfalt, wiederholte Begegnungen und technische Schwächen verhindern aber den ganz großen Wurf. Unterm Strich bleibt ein gutes Action-RPG, das deutlich mehr richtig als falsch macht.

Kampfsystem88%
Welt & Atmosphäre85%
Story & Charaktere78%
Technik & Präsentation71%
Abwechslung & Progression72%

Plus

  • Sehr gutes Kampfsystem, hervorragendes Parieren, Koo sinnvoll integriert, starke Art Direction, gelungene Atmosphäre und einige richtig gute Bosskämpfe.

Minus

  • Zu geringe Gegnervielfalt, wiederkehrende Bosse, wenig aufregender Loot, unnötige Progressionssysteme und technische Schwächen.
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