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Mit Carl’s Doomsday Scenario: Nach der Katastrophe ist vor der Katastrophe ist der zweite Band von Matt Dinnimans Dungeon-Crawler-Carl-Reihe kürzlich auch auf Deutsch erschienen. Seit dem 24. Juni 2026 können sich Leser erneut gemeinsam mit Carl und Princess Donut durch einen Dungeon kämpfen, der ungefähr so fair konstruiert wurde wie ein Jahrmarktsspiel mit geladenem Revolver. Die deutsche Ausgabe umfasst 448 Seiten, wurde von Ruggero Leo übersetzt und erscheint bei FISCHER Tor.
Wer den ersten Band mochte, bekommt grundsätzlich genau das, was er erwartet: mehr Monster, mehr absurde Fähigkeiten, mehr Explosionen und eine Dungeon-KI, die ihre sadistischen Neigungen inzwischen kaum noch versteckt. Gleichzeitig zeigt Band 2 aber auch erste Abnutzungserscheinungen. Die Geschichte ist schneller und größer, gibt ihren Figuren jedoch nicht immer den Platz, den sie eigentlich verdient hätten.
Die Trainingsphase ist vorbei
Carl und Princess Donut haben die ersten beiden Dungeon-Ebenen überlebt. Damit endet allerdings auch die vergleichsweise gemütliche Aufwärmphase. Auf dem dritten Level wartet die sogenannte Oberstadt: eine zerstörte Metropole, deren Straßen von Untoten, Killerclowns und weiteren reichlich kaputten Kreaturen bevölkert werden.
Gleichzeitig wird die intergalaktische Realityshow rund um die Crawler immer erfolgreicher. Carl und Donut besitzen inzwischen Fans, steigende Einschaltquoten und einen gewissen Marktwert. Das hilft ihnen zwar dabei, an bessere Ausrüstung zu kommen, macht sie aber zugleich zu noch interessanteren Spielfiguren für die Betreiber des Dungeons. Der zweite Band arbeitet dadurch stärker heraus, dass es längst nicht mehr nur um das nackte Überleben geht. Carl und Donut müssen unterhalten. Sie müssen Aufmerksamkeit erzeugen, Sponsoren gefallen und sich gleichzeitig gegen ein System behaupten, das jederzeit die Regeln verändern kann. Der Dungeon ist kein Spielplatz. Er ist eine Realityshow, bei der die Kandidaten tatsächlich sterben und das Publikum trotzdem Popcorn bestellt.
Schneller, lauter und deutlich chaotischer
Carl’s Doomsday Scenario verschwendet kaum Zeit. Der Roman setzt unmittelbar nach dem ersten Band ein und tritt anschließend mit voller Wucht aufs Gaspedal. Neue Gegner, Fähigkeiten, Quests und Katastrophen folgen in schneller Reihenfolge. Das sorgt für einen enormen Lesefluss. Kaum ist ein Problem gelöst, explodiert bereits das nächste Gebäude, eine neue Kreatur taucht auf oder die Dungeon-KI verteilt ein Achievement, das gleichzeitig lustig, beleidigend und bedrohlich ist.
Dieser permanente Vorwärtsdrang ist eine der größten Stärken des Buches. Einige Leserrezensionen beschreiben den zweiten Band entsprechend als schnell, chaotisch und stark von seiner Handlung getrieben. Gleichzeitig wird dort teilweise angemerkt, dass die Charakterentwicklung weniger stark ausgeprägt sei als im Auftakt. Genau hier liegt auch meine größte Kritik: Manche Entwicklungen gehen schlicht zu schnell. Bestimmte Begegnungen, Konflikte und Entscheidungen hätten mehr Wirkung entfalten können, wenn Matt Dinniman ihnen ein paar zusätzliche Seiten gegönnt hätte. Stattdessen hetzt die Handlung stellenweise bereits zum nächsten Spektakel, bevor das vorherige Ereignis richtig nachwirken konnte.
Der Roman wird dadurch nie langweilig. Im Gegenteil. Manchmal wäre etwas Langeweile aber vielleicht gar nicht schlecht gewesen. Nur für zwei Seiten. Zum Durchatmen. Oder um wenigstens kurz nachzusehen, ob noch alle Körperteile vorhanden sind.
Carl und Donut bleiben ein verdammt gutes Team
Das Herz der Reihe sind weiterhin Carl und Princess Donut. Carl versucht trotz des ganzen Wahnsinns, einen moralischen Kompass zu behalten. Er hilft anderen Menschen, widersetzt sich den Vorgaben des Systems und beginnt immer deutlicher zu verstehen, dass der Dungeon nicht nur überlebt, sondern von innen heraus bekämpft werden muss.
Princess Donut ist dagegen noch immer Princess Donut. Eitel, laut, dramatisch und fest davon überzeugt, dass sich das Universum eigentlich nur um sie drehen kann. Unter der aufgeblasenen Katzenpersönlichkeit steckt jedoch weiterhin eine Figur, die emotional stärker an Carl gebunden ist, als sie jemals freiwillig zugeben würde.
Die Gespräche zwischen den beiden gehören erneut zu den besten Momenten des Buches. Donut kann eine lebensgefährliche Situation mit einem einzigen Kommentar komplett entgleisen lassen. Carl wiederum besitzt inzwischen genügend Erfahrung, um zu wissen, dass Diskussionen mit einer sprechenden Perserkatze selten zu einem vernünftigen Ergebnis führen.
Trotzdem wirken die Figuren insgesamt etwas weniger tief als noch im ersten Band.
Das kann zum Teil daran liegen, dass wir Carl, Donut und Mordecai inzwischen bereits kennen. Im Auftakt musste ihre Persönlichkeit erst aufgebaut werden. Jeder Dialog verriet etwas Neues über ihre Vergangenheit, ihre Ängste und die Art, wie sie mit der Katastrophe umgehen.
Band 2 muss diese Grundlagen nicht wiederholen. Das ist grundsätzlich richtig, führt aber dazu, dass manche Figuren häufiger über ihre Funktion in der Handlung definiert werden. Sie erklären Regeln, lösen Probleme oder liefern den nächsten Witz. Die ruhigeren Momente, in denen man sie als Personen besser kennenlernt, sind seltener geworden.
Es gibt weiterhin emotionale und moralisch schwierige Situationen. Andere Rezensionen bewerten gerade diese Mischung aus schwarzem Humor, Horror und schweren Entscheidungen als eine große Stärke des Romans. Dennoch hätte ich mir gelegentlich mehr Zeit gewünscht, um die Folgen dieser Entscheidungen stärker zu spüren.
Der Humor funktioniert weiterhin
Der Humor bleibt herrlich bescheuert, derb und teilweise tiefschwarz. Systemmeldungen, absurde Gegenstände und völlig überzogene Gegner sorgen regelmäßig dafür, dass selbst die brutalsten Szenen einen komischen Unterton bekommen.
Dabei besteht immer die Gefahr, dass sich das Konzept wiederholt. Ein neues Achievement ist beim zwanzigsten Mal zwangsläufig weniger überraschend als beim ersten. Matt Dinniman gelingt es jedoch meistens, die Absurdität weiterzudrehen oder den Witz mit einer unangenehmen Konsequenz zu verbinden.
Besonders gut funktioniert erneut der Kontrast zwischen Spielmechanik und Realität. Für die Zuschauer ist alles eine Show. Für Carl und die anderen Crawler bedeutet jeder verlorene Lebenspunkt Schmerzen, Verstümmelung oder Tod.
Das Buch macht sich damit nicht nur über Rollenspiele und Reality-TV lustig. Es zeigt auch, wie schnell echtes Leid zu Unterhaltung wird, wenn ausreichend Abstand zwischen Publikum und Betroffenen liegt. Unter dem ganzen Blut, den Lootboxen und den furzenden Monstern steckt weiterhin eine ziemlich bittere Mediensatire.
Mehr Welt hinter dem Dungeon
Band 2 erweitert außerdem den Blick auf die Strukturen hinter der Show. Sponsoren, Produktionsfirmen und außerirdische Zuschauer gewinnen an Bedeutung. Carl erkennt zunehmend, dass im Hintergrund wirtschaftliche und politische Interessen miteinander kollidieren.
Das macht die Reihe deutlich interessanter als eine einfache Abfolge aus Kämpfen und Levelaufstiegen. Der Dungeon besitzt Regeln, diese Regeln wurden jedoch von Wesen geschaffen, die daraus Profit schlagen wollen. Wer mächtig genug ist, kann sie zumindest verbiegen.
Carl beginnt, genau diese Schwachstellen zu suchen. Damit entwickelt sich langsam eine größere Handlung, die weit über die Frage hinausgeht, ob er den nächsten Bosskampf überlebt.
Fazit zu Carl’s Doomsday Scenario
Carl’s Doomsday Scenario ist ein starker zweiter Band, erreicht für mich aber nicht ganz die Wirkung des Auftakts.
Die Fortsetzung ist schneller, größer und stellenweise noch absurder. Carl und Princess Donut funktionieren weiterhin hervorragend als ungleiches Duo. Der schwarze Humor sitzt, die Action ist kreativ und die Welt hinter dem Dungeon wird spürbar größer.
Gleichzeitig rast die Handlung gelegentlich zu schnell durch ihre eigenen Ideen. Einige Ereignisse hätten mehr Raum benötigt. Auch die Figuren wirken weniger tief als im ersten Band, weil ihre persönlichen Geschichten häufiger hinter Quests, Kämpfen und neuen Spielmechaniken verschwinden.
Das ist Meckern auf einem ziemlich hohen und vermutlich mit Blut verschmierten Niveau. Wer den ersten Band verschlungen hat, wird auch Carl’s Doomsday Scenario kaum aus der Hand legen. Die Fortsetzung bleibt witzig, brutal und erschreckend unterhaltsam.
Und Carl trägt immer noch keine Hose.
Muss man Dungeon Crawler Carl Band 1 gelesen haben?
Ja, Band 1 sollte vorher unbedingt gelesen werden.
Carl’s Doomsday Scenario beginnt unmittelbar nach dem Ende des ersten Buches. Die wichtigsten Figuren, Fähigkeiten und Regeln werden zwar gelegentlich erwähnt, aber nicht noch einmal vollständig erklärt. Vor allem die Beziehung zwischen Carl und Donut, ihre Erfahrungen auf den ersten Dungeon-Ebenen und die Hintergründe der intergalaktischen Show sind wichtig, um viele Entscheidungen und Anspielungen zu verstehen.
Theoretisch lässt sich der grundlegenden Handlung auch ohne Vorkenntnisse folgen. Ein großer Teil des Humors, der emotionalen Momente und der Figurenentwicklung würde dabei jedoch verloren gehen. Dungeon Crawler Carl ist eine fortlaufende Geschichte und sollte auch genau so gelesen werden.
Sneak Peek auf Dungeon Crawler Carl Band 3
Lange müssen deutsche Leser nicht auf die Fortsetzung warten. The Dungeon Anarchist’s Cookbook: Rasender Wahnsinn erscheint am 18. November 2026 auf Deutsch.
Band 3 führt Carl und Princess Donut in das vierte Dungeon-Level. Dort erwartet sie ein gigantisches U-Bahn-System, das aus den unterirdischen Schienennetzen der Erde zusammengesetzt wurde. Die Züge sind voller Monster, die Bahnhöfe alles andere als sicher und die Orientierung dürfte ungefähr so einfach werden wie ein Umstieg am Frankfurter Hauptbahnhof während einer Vollsperrung.
Zusätzlich startet das Sponsoring-Programm, während die verbliebenen Crawler erstmals enger zusammenarbeiten müssen. Eine wichtige Rolle spielt dabei ein scheinbar nutzloses Buch: das titelgebende Anarchist’s Cookbook. Die deutsche Ausgabe soll 500 Seiten umfassen und erneut von Ruggero Leo übersetzt werden.
Nach dem hohen Tempo von Band 2 klingt das nicht unbedingt nach einer ruhigeren Fortsetzung. Eher danach, als hätte jemand dem Wahnsinn einen Fahrplan gegeben und anschließend sämtliche Weichen gesprengt.
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