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Doom VFR – Die VR-Vorzeigehölle im Test

Vorzeigetitel für Virtual Reality

Doom gilt schon für Generationen von Spielern als Shooterlegende. Mit dem VR-Ableger Doom VFR schreibt id Software erneut Gaming-Geschichte..

Die “Virtual Fucking Reality”-Version des Shooter-Urgesteins Doom sorgt seit dem 01. Dezember für offene Münder bei VR-Gamern mit HTC Vive und Playstation VR. Mitunter allerdings nicht nur aufgrund der rasanten Action und der überzeugenden Grafik sondern auch aus Unverständnis über gewisse Steuerungsentscheidungen bei der PSVR-Version. Doch dazu später mehr..

Nach Skyrim VR (bislang ausschließlich für PSVR) ist mit Doom VFR bereits die zweite klassische Bethesda-Serie in der virtuellen Realität angekommen. Im Gegensatz zum oft eher gemächlichen Rollenspiel verspricht Doom VFR allerdings beinharte Action mit hohem Blutanteil. Wie gewohnt ist  auf einer Marsstation buchstäblich die Hölle los, schon der Anfang des Spieles sorgt mit einer Lautsprecherwarnung vor Dämonen für Unsicherheit, ob der gerade frequentierte Fahrstuhl tatsächlich so sicher ist. Kurz darauf allerdings dürfen wir uns bewaffnen und aktiv Hand an die eklige Brut legen.

Kleine Rätsel, gigantische Gegner

Wobei, die Hand legen wir eher an Schalter und Gegenstände, denn Doom VFR bietet sogar ein paar kleine Rätsel. Diese gehen sogar etwas über das klassische Suchen von verschiedenfarbigen Keycards hinaus, ohne dass Doom zum Puzzlespiel verkommt.  Die meiste Aufmerksamkeit darf den unterschiedlichen und aus Doom bekannten Waffen und Monstern gelten – allesamt grafisch extrem ansehnlich. Hervor stechen dabei besonders die Animationen der Gegner, ein bei vielen VR-Titeln stark vernachlässigter Punkt, der aber viel zur  Atmosphäre des Spieles beiträgt. Dazu kommt die schiere Größe der Gegner – vor allem, weil Doom-Veteranen die Antagonisten ja schon seit teils mehreren Jahrzehnten kennen und jetzt erstmals die teils beängstigenden Ausmaße erahnen.

Grafisch ist Doom VFR ein Traum mit vergleichsweise moderaten Anforderungen.

Generell ist die Grafik von Doom VFR über jeden Zweifel erhaben – die Umgebungen sind detailreich, die Gegner sogar erstklassig gestaltet. Die bereits angesprochenen Animationen können allerdings auch tödlich sein: Wer fasziniert beobachtet wie ein Gegner an ihm vorbei rennt, bremst und dann noch etwas den Gang entlangschliddert, ist schnell das Opfer von Feuerbällen oder Raketen.

Glücklicherweise gibt es eine begrenzt einsetzbare Time-Freeze-Funktion: Wird das Waffenmenü oder der Teleport ausgewählt, vergeht die Zeit im Spiel langsamer. Das lässt sich taktisch nutzen und tatsächlich gibt es im Spiel auch eine  steigerbare Fähigkeit, die Zeit länger verlangsamen zu können.

Teleport statt freier Steuerung – zumindest auf dem PC

Streitpunkt Steuerung: Die von uns getestete Vive-Version setzt auf die Fortbewegung per Teleport, bietet aber auch kurze “Teleport-Sprints” in alle Richtungen. So lässt sich eine etwas ruckelige und halbwegs freie Fortbewegung nutzen während die Seitwärtsbewegungen das bei Doom wichtige Strafen ermöglichen um Feuerbällen auszuweichen. Leuchtet ein bereits angeschossener Gegner blau auf, ist er benommen und kann durch einen beherzten Teleport  direkt in seinen Körper sehr blutig ausgeschaltet werden. Diese Finisher hinterlassen mehr Energie beim Kill, weshalb sie im Spiel extrem wichtig sind.

Mit der Zeitlupenfunktion beim Teleport lässt es sich geschickt im letzten Moment vor Feindbeschuss ausweisen. Oder auch nicht, wie man im Bild sieht.

Allgemein weiß die Vive-Steuerung nach kurzer Eingewöhnung (zugegeben mit einigem Fluchen) durchaus zu überzeugen. Eine freie Bewegung wie sie beispielsweise Serious Sam 3 VR bietet wäre aber wünschenswert für zukünftige Updates. PSVR-Gamer bekommen diese freie Bewegung übrigens bereits jetzt schon, allerdings nur wenn sie entweder das Gamepad oder den Aim-Controller nutzen. Per Move wird zwangsweise teleportiert und generell wirkt die Move-Steuerung nur wenig durchdacht. Als Gamepad-Dämonenkiller “kleben” die Waffen hingegen fest vor dem Spieler, gezielt wird mit Kopfbewegungen. Gut für die Nackenmuskulatur, allgemein aber eher nicht ideal. Besser geht es mit dem Aim-Controller, der zusammen mit Farpoint erschien. Allerdings berücksichtigt das Spiel nicht die zweite Hand des VR-Soldaten, was sich etwas seltsam anfühlt (man trägt schließlich immer eine zweihändige Waffe mit sich herum, sieht aber eine zweite Hand mit Granate vor den Augen).

Spieler mit einer Oculus Rift müssen bislang noch eine Beta-Version von Steam-VR installieren damit Doom VFR nicht nach den Herstellerlogos abstürzt. Im Anschluss funktioniert das Spiel aber auch mit der Rift, es gibt sogar bereits inoffiziell die Möglichkeit per Analogstick frei zu laufen.

Erstklassige Performance, beeindruckende Grafik

In Sachen Performance gebührt den Enginebastlern bei id Software großes Lob: Doom VFR läuft mit einer GTX 1070, der Minimalanforderung laut Entwickler, auch in Ultra-Details butterweich. Allerdings häufen sich Berichte, dass der speziell für Doom VFR herausgebrachte Nvidia-Treiber 388.43 für Probleme beim Texturstreaming sorgen kann – unter Umständen ist der Vorgängertreiber die bessere Wahl. AMD-Nutzer können sich freuen: Doom VFR setzt vollständig auf Vulkan und dürfte schon bald wie das 2016er-Doom als AMD-Vorzeigetitel gelten. Hier reicht bereits eine RX480 für ein flüssiges VR-Spiel.

Motion Sickness war im Test zumindest für erfahrene Spieler kein Problem. Durch die die kurzen Teleports fehlt auch das unangenehme Gefühl, das bei freier Fortbewegung oft vorkommt. Schnelles Strafing kann für Motion Sickness sensible Spieler aber durchaus negativ beeinflussen. Wer Probleme mit Übelkeit verspürt, sollte daher (zumindest bei der PSVR-Fassung) auf Teleport statt freier Bewegung setzen.

Drei klassische Doom-Maps lassen sich ebenfalls in VR erleben – cooles Gefühl für Veteranen!

Fazit: Pflichtkauf für Virtual Reality

Das Gaming mit VR-Headsets wie der HTC Vive steckte bis vor kurzem noch in den Kinderschuhen. Mit Doom VFR wird es erwachsen. Ein vollwertiger Titel mit mehreren Stunden Spielzeit und sogar mehreren Bonusmaps die im Spiel erst in Form von Sammelfiguren gefunden werden müssen, das  ist noch selten in VR. Dazu kommt eine überragende optische und akustische Präsentation und ein nach einer gewissen Steuerungs-Eingewöhnung extrem unterhaltsames und actionreiches  Gameplay. Teleport ist nicht jedermanns Sache und vielleicht hätte ich mir etwas mehr “Sairento-VR-Feeling” gewünscht, allerdings geht mir die Steuerung inzwischen sehr gut von der Hand. Playstation-Gamer, die Doom gerne mit Move spielen würden, sollten allerdings auf ein Update warten, bislang wären Gamepad oder Aim-Controller vorzuziehen. Dafür zeigt das Spiel auf der PS4 eine VR-Grafik wie sie bislang wohl kaum jemand für möglich gehalten hätte.  Vor allem nicht nach dem doch eher zweckmäßig aussehendem Skyrim VR.

tl;dr: Doom VFR ist DER Pflichtkauf für Besitzer einer VR-Brille. Punkt.

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Dennis

Da kann niemand von Realitätsverlust sprechen: Dennis und seine umfangreiche Hardware-Sammlung eroberen bevorzugt die virtuelle Realität. Er schreibt darüber unter anderem für Gamestar, Computerbase, Notebookcheck und Gamersglobal.

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