
Endlich wieder Bundestrainer!
Endlich wieder Großveranstaltung. Endlich wieder Fahnen am Balkon, Bier im Kühlschrank und 84 Millionen Menschen mit UEFA-Pro-Lizenz aus dem Überraschungsei.
Der Nachbar weiß, dass die Doppel-Sechs falsch steht. Der Onkel fordert Pressing über 90 Minuten, obwohl er beim Kegeln nach zwei Würfen Sauerstoff braucht. Günther ruft nach zehn Minuten: „Der muss raus!“
Wer?
„Der da!“
Mehr Analyse braucht es nicht.
Vor dem Spiel wird die Aufstellung zerlegt. Nach dem ersten Fehlpass ist der Trainer untragbar. Nach einem Tor war natürlich alles genau so geplant.
Wobei das Tor selbst wissenschaftlich nicht zu unterschätzen ist. Skandinavische Forscher haben angeblich herausgefunden: Schießt eine Mannschaft regelkonform ein Tor, bekommt sie einen Punkt. Sensationell. Der Ball muss also ins Tor. Wer hätte das ahnen können?
Und dann fällt er, der Satz aller Sätze. Meist in der 87. Minute bei einem zähen 0:0:
„Ein Tor hätte dem Spiel gut getan.“
Da steht plötzlich die ganze Philosophie des Fußballs im Raum. Der Mensch hasst Stillstand. Er will Ereignisse. Bewegung. Erlösung. Ein 0:0 ohne Torchance ist wie Bürgeramt am Montagmorgen.
Ein Tor ist die Pointe. Die Auflösung. Der Beweis, dass ein Ball, eine Linie und ein bisschen Chaos dem Leben sofort mehr Sinn geben können.
Erwähnenswert ist an dieser Stelle auch eine breit angelegte skandinavische Studie, vermutlich durchgeführt von sehr ernsten Männern in Wollpullovern, die zu einem bahnbrechenden Ergebnis kam: Schießt eine Mannschaft ein Tor, erhält sie dafür — sofern dieses regelkonform erzielt wurde — einen Punkt.
Das muss man erst einmal sacken lassen.
Besonders schlimm wird es, wenn jemand „früher“ sagt. Früher war alles besser. Da wurde noch gegrätscht, geraucht und mit drei Kilo Leder am Fuß gekämpft. Außer die Plätze, die Ernährung, die Medizin und die Taktik. Aber sonst: alles Gold.
Gewinnt Deutschland 4:0, war es Pflicht. Verliert man knapp, ist das Land taktisch verloren. Drei Spieler raus, Trainer weg, System abschaffen, notfalls den Rasen austauschen.
Und während der echte Nationaltrainer im Hotel sitzt und vermutlich leise in seinen Matchplan weint, verwandelt sich Deutschland in das größte Trainerseminar der Welt.
Jeder weiß es besser.
Jeder hätte gewechselt.
Jeder hätte den Elfer gemacht.
Bis der Ball wirklich vor den eigenen Füßen liegt.
Dann lieber noch ein Bier.
Trainer sein ist schließlich Knochenarbeit.
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