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Evil Dead: The Game im großen TEST – Horror-Trash für Multiplayer

Klaatu barada nicht gut

Lachend mit Kettensäge in die Dämonenhorden – „Evil Dead: The Game“ versucht sich an einem „Dead to Daylight“ angelehnten Multiplayer vermischt mit offline-stattfindenden jedoch viel zu seicht gestalteten Missionen für Solisten, welche sich an den Kultfilme sowie der Starz-Serie orientieren. Für unseren Test gingen wir mit Necronomicon ganz tief in den Wald.

Verbotene Dämonen

Im Jahre 1981 schuf der junge Filmstudent und spätere Filmregisseur Sam Raimi mit „Evil Dead“ (deutscher Titel „Tanz der Teufel“) einen knallharten wie satirisch überspitzten Horrorfilm um ein verfluchtes Buch und dessen dämonische Kraft auf unschuldige junge Menschen in einer Waldhütte. Selbst Anfang der 80er Jahre überdurchschnittlich brutal, markierte das Werk nicht weniger als einen Meilenstein innerhalb der Filmgeschichte. „Ash“-Darsteller Bruce Campbell avancierte über die nächsten Jahre zum heimlichen König der B-Movies. Raimi ebnete dank seiner „Spider-Man“-Trilogie den Weg für das Marvel Cinematic Universe und ist weiterhin als Produzent einiger Filme tätig. Wie stark „Evil Dead“ in unserer Popkultur behaftet sieht man regelmäßigen Versuchen zu Beginn der Nuller-Jahre verschiedenste Lizenz-Spiele erfolgreich im Markt zu platzieren, was jedoch eher misslang. Von Resident Evil-Klonen wie der PS1-Titel „Evil Dead: Hail to the King“ über typische Hack’n’Slash Vertreter wie etwa „Evil Dead: A Fistful of Boomstick“ waren zwar viel Fan-Service aber unterdurchschnittlich spaßig. Nun nimmt Saber Interactive die Herausforderung eines zeitgemäßen „Evil Dead“-Spiels an – da hören wir glatt die Dämonen am Holz kratzen.

Das neueste gruselige Abenteuer von Ash Williams samt roter Kettensäge richtet sich in erster Linie an Multiplayer, da die Entwickler:innen aber auch Solo-Missionen ins Spielkonzept einweben, wollen wir hier natürlich nicht vorgreifen. Im optionalen Tutorial erlernen wir die Feinheiten eines kettensägenschwingenden sowie ballerfreudigen Dämonenschlächters á la Ash, dessen Hauptaufgabe es ist Buchseiten des unheiligen Necronomicon im düsteren Wald aufzufinden, um damit Dämonen zu hindern in unsere Welt zu schreiten. Danach stehen sechs, nacheinander freischaltbare, Solo-Missionen zur Verfügung. So gilt es beispielsweise im Ash-Outfit des ersten Teils den Kopf von Ash’s Freundin Linda auf offener Karte zu finden, Gegnerwellen abzuwehren und die Überreste zu vergraben. Leider verpasst Saber Interaktive die Chance kleinere Zwischensequenzen einzubauen und verlässt sich nur auf Comicbilder mit Untertexten. Desweiteren ist das Missionsdesign viel zu rudimentär geraten. Denn neben offenen Gebieten bzw. kleinen Open-Worlds wird außer steuerbaren Autos schlicht zu wenig damit angefangen. Schade. Zwar dürft ihr kleine Hütten betreten, um euren Munitions-Vorrat aufzufrischen, das war es dann auch. Als Gameplay dient Third-Person – unseren Charakter statten wir mit jeweils einer Schlagwaffe und Schusswaffe aus. Entweder verstreut oder in Versorgungskisten liegen Schaufeln, Speere oder Kettensägen. Das Knarren-Arsenal besteht aus Pistolen oder brachialen Schrotflinten. Allesamt mit bestimmten Parametern ausgestattet zum individuellen Kampf gegen die Höllengestalten.

Im Vorfeld herrschte insbesondere vor dem Release Uneinigkeit über mögliche Schnitte oder gar einer verweigerten USK-Freigabe – da können wir Entwarnung geben: „Evil Dead: The Game“ ist ungeschnitten für alle erwachsenen Spieler im Handel problemlos erhältlich. Das Spiel ist äußerst brutal, trieft gerade bei den Finishern vor Blutfontänen und lebt von seiner düsteren Atmosphäre – die sich leider durch übermäßig viele Gegner abnutzt. Gelungener kommt immerhin der Multiplayer-Part daher. Zur Auswahl steht KI oder Online. In beiden Modi gilt es im Vierer-Team auf einer großen Map, die verschiedene Inseln miteinander verbindet nach drei Seiten des Necronomicons zu suchen mithilfe eines Dolchs eben dieses Portal nach einem Bosskampf zu zerstören. Spannend: Läuft eure Figur zu lange alleine durch die Heide erhöht sich ihr Angst-Level was zum K.O. führen kann. Abhilfe schaffen Lagerfeuer an festen Punkten. Sofern euer Team gut arbeitet entwickeln sich trotz anfänglicher Skepsis überraschend unterhaltsame Matches. Nur dumm, dass es keine Lobby gibt und ihr sofort nach Ende wieder das Matchmaking anwerfen müsst. Anders verhält es sich als „Kandarischer Dämon“, jeweils ein Spieler darf als Geist das Match umherfliegen und mit übernommenen Feinden sowie Angstfallen für Chaos sorgen. Gut gedacht, krankt jedoch an seiner unübersichtlichen Steuerung inklusive minutenlanger Suche des feindlichen Teams ohne Hinweise.

Selbes Problem nagt am Skilltree der vier Klassen, die sich u.a. aus offensiver Kämpfer, Sanitäter und Allrounder zusammensetzen. Dort findet man Unmengen von erweiterbaren Fähigkeiten, welche sich erst mit Punkten freischalten lassen, die man durch förmliches Grinden der ewig gleichen Multiplayer-Modi verdient. Zumal es etwas overdressed ist, weil durch sammelbare „K-Pink“-Fläschchen innerhalb der Level möglich ist, sofort Verbesserungen etwa schnellere Heilung, mehr Nahkampfschaden etc. zu aktivieren. Trotz immensem Fan-Service welcher der filmischen Vorlage mehr als gerecht wird sowie lustiger Oneliner von Bruce Campbell mit zahlreichen Insider-Gags den richtigen Ton trifft, spielt sich das Kampfsystem einfach zu hakelig. Abwechslung bei zwei Maps sucht man auch vergebens. Grafisch kann sich das dämonische Grauen durchaus sehen lassen – schöne Lichteffekte verstärken die dichte Atmosphäre, zudem überzeugt die smoothe 60fps-Framerate mit Stabilität. Beim Score setzt Saber Interactive eindeutig auf den bekannten „Evil Dead“-Score, versieht ihn jedoch mit stimmigen Streichern.

Unser Fazit zu „Evil Dead: The Game“

Groovy….hätte es durchaus werden können, wäre der Umfang tiefgründiger statt quantitativ geraten. Eine aufgemotzte Story-Kampagne mit fortlaufender Handlung samt Zwischensequenzen wäre deutlich besser gewesen als einzelne an Film & Serie anlehnende Episoden, Solisten hinzuwerfen. Anfangs nett, aber später Langzeitspaß dahinter. Ähnliches gilt für den Multiplayer. Das Konzept darf gemeinhin als bekannt aber bewährt eingeordnet werden, hängt aber von zu vielen Faktoren ab. Du brauchst unbedingt Teamwork-fähige Mitspieler, brauchst unbedingt ein gutes Händchen im Kampfsystem und und und. Schlussendlich ist „Evil Dead: The Game“ amüsanter Fan-Service, sollte aber nur für gemeinschaftliche Multiplayer interessant sein.

Entwickler: Saber Interactive | Preis: 39,99 Euro | Für PlayStation 4|5, Xbox One|Series und PC | USK: ab 18

Evil Dead: The Game (PlayStation 5)

Spielspaß - 66%
Gameplay - 62%
Grafik - 80%
Technik - 73%

70%

Für Fans.

Blutrünstige Multiplayer-Action mit einigen Macken und abwechslungsarmer Präsentation.

Mehr Informationen zu unserem Wertungssystem findest Du hier.

Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Facebook. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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