KinoKritiken

Filmkritik: „Das Kanu des Manitu“ – Neuer Ärger für die Zipfeklatscha

Bundesweiter Kinostart: 14. August 2025

Abahachi und Ranger reiten wieder neuen Abenteuern und Lachern entgegen! Rund 24 Jahre nach dem bahnbrechenden Kinokassenschlager „Der Schuh des Manitu“, bis heute mit 11,79 Millionen Besuchern der erfolgreichste Deutsche Kinofilm, legt Michael Bully Herbig mit „Das Kanu des Manitu“ nach und beweist, dass sich in über zwei Dekaden der allgemeine Humor zwar veränderte aber der Wilde Westen mehr denn je ein Panoptikum für Schabernack und Selbstfindung ist. Unsere Kritik zum hochsommerlichen Western-Spaß.

„Es braucht mal wieder einen Film, den man ansieht und befreit lachen kann ohne gegeneinander zu sein“, sagt Regisseur, Drehbuchautor, Produzent und Hauptdarsteller Michael Bully Herbig in der Pressekonferenz einen Tag vor dem offiziellen Filmstart seiner langersehnten Fortsetzung zum erfolgreichsten Deutschen Kinofilm aller Zeiten – „Der Schuh des Manitu“. Verbindend trifft es. Für Herbig (ab hier nur noch Bully) und seine Kompagnions Rick Kavanian und Christian Tramitz war dieser Film nicht weniger als der Startschuss für erfolgreiche Karrieren und ein riesiger Scheinwerfer auf die drei Schauspieler, die mit ihrem TV-Format „Bullyparade“ auf ProSieben minutiös regelmäßig an ihren, später in Filmen vorkommenden, Figuren wie dem lebenslustigen Griechen „Dimitri“ (Kavanian) und „Ranger“ (Tramitz) quasi vor Publikum arbeiten konnten. Zumal der anarchische Humor, der sich an Wortwitzen, genialen Beobachtungen und Darstellungsfreude aller Beteiligten entlanghagelte die fernsehbegeisterte Nation in helle Aufregung versetzte.

Aus einer dieser unzähligen Sketchreihen entstand als kleines Projekt im Sommer 2000 dann „Der Schuh des Manitu“, der dank temporeichen Sketches und dem allgegenwärtigen Bully-Humor dermaßen den Nerv des Publikums traf, dass der Film nicht nur erfolgreich wurde sondern rund drei Jahre später mit „Traumschiff Surprise – Periode 1“ nachgezogen wurde. Das war 2004. Jetzt 2025 ist das Publikum ein komplett Anderes. Statt mit Röhrenfernsehern werden auf 4K-Flatscreens innovative Serien gebingt, die bewusst derartige Gewohnheiten brechen und uns als Zuschauer:in nicht nur inhaltlich herausfordern. Schafft es Bully mit seinem parodistischem Talent da noch zu unterhalten? Ja. „Das Kanu des Manitu“ nimmt „Schuh“-Fans in den Arm, greift aber gleichzeitig nach neuen Ufern.

Während der Erstling noch eine Aneinanderreihung von Sketchen war, möchte uns Bully nun eine Geschichte erzählen. Der Sheriff (Friedrich Mücke) und sein Ostdeutscher Deputy (Kavanian) suchen nach Ranger (Tramitz) und Abahachi (Bully). Warum? Beide sollen vom rechten Weg abgekommen sein und Eisenbahnüberfälle, Altenheim-Raub und Poststellen ausgeraubt haben! Schnell kommt heraus, dass eine neue Verbrecherbande am Rio Grande ihr Unwesen treibt und unsere Helden auf neue Gefährten und alte Feinde treffen.

Action in „Das Kanu des Manitu“ auf Internationalem Niveau

Die Handlung ist durchaus überraschender als man zunächst meinen könnte – Bully setzt einerseits auf den Charme seiner beiden Hauptfiguren, baut sie inhaltlich im weiteren Verlauf aus und konfrontiert sie sogar mit existenziellen Fragen. Doch zu Beginn regiert der Witz: Etwa durch die pointierten Dialoge zwischen den beiden Hauptprotagonisten und den in höherer Schlagzahl samt Wortverwechslungen herumwirbelnden Dimitri, dem sogar dank seiner neuen Restaurant-Gehilfin Mary (Jasmin Schwiers) eine kleine Love Story vergönnt ist. Bully-typisch wird der Humor zwar breit auf das Publikum gestreut, verpufft jedoch oder rettet sich nur über ein Schmunzeln. Schade ist der Umstand, dass Zwillingsbruder „Winnetouch“ in diesem Abenteuer nur eine Nebenrolle spielt. Der Fokus liegt auf den beiden Zipfeklatschern. Schade, dass die Antagonistin nicht so markant im Kopf bleibt wie der teuflisch-charmante „Santa Maria“ (Sky du Mont).

Optisch setzt man deutliche Schippen drauf. Zweifelsohne ist heutiges Colour Grading kaum mit Filmen aus der Zeit kurz nach der Jahrtausendwende vergleichbar. Der dargebotene internationale Look verhilft den gut fotografierten Actionszenen zur gewünschten Wirkung, jedoch wirkt der Humor beliebiger und teils (clever) recycelt. Ikonische Sprüche wie „Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden!“ oder „Was ist Kaffee? Ein koffeinhaltiges Heißgetränk.“ sind nicht vorhanden. Das liegt einerseits an der seit Ende der Nullerjahren schieren Überhumorisierung durch Memes in Sozialen Netzwerken oder Comedy im allgemeinen Medienkonsum. Bully weicht dem offensichtlichsten Fettnäpfchen (Indianer) gekonnt aus, setzt hier auf Dramatik statt lockere Gags. Gerade im späteren Verlauf wird „Das Kanu des Manitu“ unerwartet ernst, gar selbstkritisch. Musikalisch orientiert sich Komponist Ralf Wengenmayr an bekannten Stücken, wandelt sie manchmal um, und setzt dank immer wieder neue Akzente.

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  • Jahrhundert: Der Apachen-Häuptling Abahachi und sein Blutsbruder Ranger sind zuständig für Frieden und Gerechtigkeit
  • Als Abahachi bei den Schoschonen einen Kredit zur Finanzierung eines Stamm-Lokals aufnimmt, beginnen die Schwierigkeiten: Er gerät an den Gauner Santa Maria, der ihm nicht nur eine Schrottfassade andreht und mit dem geliehenen Geld durchbrennt, sondern die Blutsbrüder bei den Schoschonen auch noch anschwärzt

„Das Kanu des Manitu“ reiht sich mühelos in die Reihe von Fortsetzungen, die einerseits ihre Kernzuschauerschaft nicht aus den Augen verloren und durch neue Perspektiven seiner Figuren aktuell bleiben – vielleicht sogar noch den ein oder anderen zweifelnden Gen Z-Vertreter:in ins Tretboot holen. Den haftenden popkulturelle Fußabdruck schafft Bully mit seiner Fortsetzung nicht, dafür eine ungeheuer lustige Western-Komödie mit so manchem ernsten Einschlag.

Das Kanu des Manitu. USA 2025. Verleih: Constantin Film. Regie: Michael Bully Herbig. Mit Michael Bully Herbig, Christian Tramitz, Rick Kavanian, Jessica Schwarz. Genre: Komödie. 88 Minuten. FSK: Ab 6 Jahren.

Gibt es eine Post-Credit-Szene? = Ja.

Kinotickets für „Das Kanu des Manitu“ gibt es hier.

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Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Instagram. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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