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Filmkritik zu “Insidious: The Red Door” – Horrormär ohne Dynamik

Die Alpträume der Familie Lambert gehen in eine neue Runde: Statt Filmreihen-Schöpfer James Wan übernimmt Hauptdarsteller Patrick Wilson gleich selbst die Regie – bei der ihm leider ein zerfranstes Drehbuch und wenig neue originelle Ideen im Weg stehen. Ob sich für “Insidious: The Red Door” der Gang ins Kino lohnt, verrät unsere spoilerfreie Filmkritik.

Besonders an drückend heißen Tagen, an denen das Quecksilber im Thermometer schneller nach oben steigt als der Blick von Kunden, wenn jemand an der Supermarkt-Kasse seine Geheim-PIN eingibt, ist das Kino dank (hoffentlich) laufender Klimaanlage sehr unterschätzt. Zur Abkühlung im Sommer hilft natürlich auch ein wohlig kalter Schauer dank eines Horrorfilms. Das “Insidous”-Universum erhält mit “The Red Door” seinen fünften Hauptteil und den Abschluss der Geschehnisse rund um die leidgeprüfte Familie Lambert, deren Anfänge im allerersten Teil man bereits angsterfüllt miterleben durfte. Regisseur James Wan verstand im Gegensatz zur Folterparade der “Saw”-Reihe, deren Schöpfer er ironischerweise ebenfalls ist, dass eine ruhige Kameraarbeit und gezielte Schockmomente einen zeitlosen Kontrast entstehen lassen. Man orientierte sich klar an den klassischen Hammer-Filmen, die ihre Blütezeit in den 1950ern hatten und bis heute eine Referenz darstellen. Kaum blutige Gewalt sondern spannungsgeladene Sequenzen um Menschen wie Du und Ich. Warum der kleine Exkurs? Weil “Insidious: The Red Door” eher die vorherigen Teile nachäfft anstatt den Mut zu besitzen etwas Neues zu kreieren.

Die Geschichte des aktuellen Serienteils setzt nämlich neun Jahre nach den Geschehnissen aus dem inhaltlich gebundenen zweiten Teil an. Dalton Lambert (Ty Simpkins) ist alt genug für’s College aber das zerrüttete Verhältnisse mit dem geschiedenen Vater Josh (Patrick Wilson) belastet ihn. Dazu wird er noch von merkwürdig-realen Visionen geplagt, die ihn und Josh zwingen die düsteren Geheimnisse ihrer Chronik aufzudecken. Auffallend groß ist der Fokus auf das familiäre Drama. Denn es gehen locker 30 bis 40 Minuten ins Land bis echte Grusel-Atmosphäre aufkommt. Gar entschuldigend wirkt da die restliche Laufzeit welche quasi im Fünf-Minuten-Takt einen Jumpscare platziert. Ab und zu erschreckt man sich dann doch, obwohl man durch die gesehenen “Insidious” und “Conjuring”-Universen quasi die Mechniken aus dunklen Ecken sowie hochgezogener Lautstärke einzuschätzen vermag. Leider verpasst Regisseur Wilson neue, frische Akzente zu setzen, so bleibt der Horror nur oberflächlich und nutzt sich schnell ab. Inszenatorisch vermisst man verspielte Kameraeinstellungen, die zu Wan-Zeiten keine Ausnahmen darstellten. Bewusst falsch gelegte Fährten anhand von Kamerafahrten oder längere Sequenzen durch ein Haus ohne Schnitte sucht man vergeblich. Das Budget von rund 16 Millionen US-Dollar wurde am vergangenen Wochenende längst wieder eingespielt, aber dennoch ist das Drehbuch von Leigh Whannell (Saw) erschreckend konventionell. Zwar versucht er durch Humor den teils eindimensionalen und bloß als Stichwortgeber fungierenden Charakteren etwas Tiefe zu verleihen, was misslingt.

Insidious [Blu-ray]
  • Wilson, Patrick, Byrne, Rose, Hershey, Barbara (Schauspieler)
  • Wan, James (Regisseur)
  • Zielgruppen-Bewertung: Freigegeben ab 16 Jahren

Im letzten Drittel schafft man eine zwar beklemmende aber nicht schockierende Atmosphäre zu schaffen. Wenigstens sind die Effekte ordentlich geraten, wenngleich kein Ereignis darstellen. Der Score dudelt unheilschwanger vor sich hin ohne jedoch eine eigene Note zu setzen. “Insidious – The Red Door” lebt vom Mythos der anfangs Maßstäbe setzenden Filmreihe – für knallharte Horrorfans zu wenig blutiges Gekröse während Liebhaber der Reihe durchaus ihren Spaß daran haben könnten. Sämtliche Türen zum Ewigreich dürfen ab jetzt dennoch gerne geschlossen bleiben.

Insidious: The Red Door. USA 2023. Verleih: Sony Pictures. Regie: Patrick Wilson. Mit Patrick Wilson, Ty Simpkins, Rose Bryne. 107 Minuten. FSK: Ab 16 Jahren.

Gibt es eine Post-Credit-Szene? = Nein.

Kinotickets für „Insidious: The Red Door.” gibt es hier.

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Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Instagram. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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