
| 0 | 0 |
Google hat eine neue KI-Funktion für Google Earth nach weniger als 24 Stunden wieder abgeschaltet. Das Werkzeug erlaubte es Nutzern, reale Orte mithilfe einfacher Texteingaben zu verändern und daraus künstlich erzeugte Satelliten- und Luftbilder zu erstellen.
Eigentlich sollte die Funktion zeigen, wie ein leerer Platz als Park aussehen könnte, wie sich ein Stadtviertel verändern lässt oder wie ein Ort möglicherweise vor Jahrzehnten ausgesehen hat. Nutzer fanden allerdings schnell ganz andere Einsatzmöglichkeiten – und verwandelten reale Orte unter anderem in Kriegsgebiete, Katastrophenschauplätze oder angebliche Militäranlagen.
Nano Banana 2 veränderte reale Orte per Texteingabe
Die Funktion basierte auf Googles Bildmodell Nano Banana 2. In der Webversion von Google Earth konnten Nutzer einen Ort auswählen, auf „Create Image“ klicken und anschließend beschreiben, was dort erscheinen sollte.
Google nannte als mögliche Beispiele einen Gemeinschaftsgarten auf einem unbebauten Grundstück, historische Darstellungen einer Stadt oder Entwürfe für Immobilien und Stadtplanung. Dabei kombinierte die KI Satellitenbilder, Luftaufnahmen und die 3D-Daten von Google Earth mit künstlich erzeugten Inhalten. Das klang zunächst nach einem durchaus spannenden Werkzeug. Innerhalb weniger Stunden zeigte sich jedoch, dass sich damit ebenso leicht Bilder erzeugen ließen, die wie Aufnahmen echter Ereignisse wirkten.
Fake-Katastrophen und erfundene Militäranlagen
Im Netz tauchten unter anderem manipulierte Bilder mit angeblichen Bombenschäden, Flüchtlingslagern, Bränden und militärischen Einrichtungen auf. Die Ergebnisse waren nicht immer perfekt, konnten bei flüchtiger Betrachtung jedoch durchaus wie echte Satellitenbilder wirken.
Besonders problematisch ist das, weil Google Earth von vielen Menschen, Journalisten und Recherchegruppen als vergleichsweise verlässliche Darstellung der realen Welt verwendet wird. Ein Screenshot aus Google Earth besitzt dadurch zunächst mehr Glaubwürdigkeit als irgendein offensichtlich generiertes KI-Bild. Die künstlichen Aufnahmen wurden zwar nicht für andere Nutzer in die normale Kartenansicht übernommen. Sie konnten jedoch als Screenshots gespeichert, aus dem ursprünglichen Zusammenhang gerissen und anschließend über soziale Netzwerke verbreitet werden.
Wasserzeichen reichte offenbar nicht aus
Google versah die erzeugten Bilder nach eigenen Angaben mit einem digitalen Hinweis auf ihren KI-Ursprung. Zum Einsatz kam unter anderem SynthID, ein für das menschliche Auge unsichtbares Wasserzeichen. Das Problem: Ein unsichtbares Wasserzeichen hilft normalen Nutzern wenig, wenn ein manipulierter Screenshot auf Social Media auftaucht. Ohne ein passendes Prüfwerkzeug lässt sich der Hinweis nicht einfach erkennen. Zudem bleibt von eingeblendeten Warnungen nach dem Zuschneiden oder erneuten Hochladen eines Bildes häufig nicht viel übrig.
Google erklärte deshalb am 31. Juli 2026, die Funktion vorerst zurückzuziehen. Das Unternehmen habe zwar sinnvolle Anwendungen durch Fachleute gesehen, gleichzeitig seien jedoch Screenshots geteilt worden, die offenbar gegen die eigenen Richtlinien verstießen. Nun sollen stärkere Schutzmechanismen eingebaut werden.
Eine gute Idee ohne ausreichende Leitplanken
Grundsätzlich kann eine solche Funktion durchaus sinnvoll sein. Architekten könnten geplante Gebäude direkt in ihrer Umgebung visualisieren, Städte neue Grünflächen darstellen und Lehrkräfte historische Szenarien anschaulich aufbereiten.
Google hätte allerdings damit rechnen müssen, dass Nutzer nicht ausschließlich friedliche Gemeinschaftsgärten und hübsche Fahrradwege erzeugen. Wer eine KI mit nahezu beliebigen Texteingaben auf reale Orte loslässt, bekommt früher oder später eben auch Panzer, Bombentrichter und brennende Bahnhöfe. Ob und wann die Bildgenerierung zu Google Earth zurückkehrt, ist derzeit offen. Google spricht lediglich davon, stärkere Leitplanken einführen zu wollen. Bis dahin bleibt Google Earth wieder das, was es vorher war: eine Darstellung der Welt – und keine Wunschmaschine für den nächsten Fake-Weltuntergang.
Quelle: Offizielle Ankündigung und Rücknahme durch Google
Unsere Artikel gezielt bei Google anzeigen lassen
Wenn ihr bei Google nach Informationen sucht, werden bestimmte Nachrichten in der sogenannten Schlagzeilen-Box angezeigt. Welche das sind, könnt ihr jetzt direkt mitbestimmen.
Wenn ihr techkrams.de als bevorzugte Quelle hinterlegen, bekommt ihr unsere Inhalte auch öfter ausgespielt. Wie das genau geht, erklären wir hier.
→ Hier können techkrams.de direkt als eure bevorzugte Quelle einstellen.
In diesem Artikel können Partnerlinks enthalten sein. Durch einen Klick darauf gelangt ihr direkt zum Anbieter. Solltet ihr euch dort für einen Kauf entscheiden, erhalten wir eine kleine Provision. Für euch ändert sich am Preis nichts. Partnerlinks haben keinerlei Einfluss auf unsere Berichterstattung.






