
H.264 wird teurer: Lizenzkosten für Streaming-Anbieter steigen massiv
Der Videocodec H.264 beziehungsweise AVC gehört weiter zu den wichtigsten technischen Grundlagen im Streaming. Genau deshalb dürfte eine Änderung bei den Lizenzkosten viele Plattformen aufhorchen lassen. Wie aus Branchenberichten und den aktuellen Lizenzinformationen hervorgeht, wurde das bisherige Modell für neue Streaming-Lizenzen deutlich umgebaut. Statt eines pauschalen Jahreslimits von 100.000 US-Dollar gilt nun ein gestaffeltes System, das für große Plattformen bis zu 4,5 Millionen US-Dollar pro Jahr erreichen kann. Bestehende Lizenznehmer, die Ende 2025 bereits aktiv lizenziert waren, sollen davon allerdings nicht betroffen sein.
Neues Gebührenmodell trifft vor allem große Plattformen
Die Anpassung richtet sich laut den vorliegenden Informationen vor allem an bisher nicht lizenzierte Unternehmen, die ab 2026 eine neue AVC-Lizenz benötigen. Für große OTT-Dienste mit mindestens 100 Millionen Abonnenten wird in der höchsten Stufe eine Jahresgebühr von 4,5 Millionen US-Dollar fällig. Vergleichbare Obergrenzen gelten auch für große FAST-Dienste, soziale Netzwerke mit sehr hoher Reichweite und Cloud-Gaming-Plattformen. Kleinere Anbieter landen in niedrigeren Stufen, während nur besonders kleine oder noch junge Dienste beim bisherigen Limit von 100.000 US-Dollar bleiben.
Warum H.264 weiter so wichtig ist
Dass die Änderung so viel Aufmerksamkeit bekommt, liegt an der enormen Verbreitung von H.264. Der Codec ist seit Jahren das Rückgrat vieler Streaming-Angebote und dient oft als gemeinsamer Nenner für Browser, Hardware-Encoder, Smart-TVs und mobile Geräte. Selbst wenn modernere Alternativen wie AV1 oder HEVC technisch attraktiver erscheinen, bleibt H.264 vielerorts der Standard, weil die Kompatibilität praktisch überall gegeben ist.
Alte Patente laufen aus, das Thema ist trotzdem nicht erledigt
Spannend ist, dass rund um H.264 immer wieder die Frage auftaucht, ob viele Patente nicht längst auslaufen oder schon ausgelaufen sind. Ganz so einfach ist die Lage aber nicht. Branchenjuristen verweisen darauf, dass nicht die bloße Zahl alter oder abgelaufener Patente entscheidend ist, sondern welche Schutzrechte im Pool noch aktiv sind und wie diese im Rahmen fairer Lizenzmodelle bewertet werden. Heißt unterm Strich: Auch ein älterer Codec kann weiter Lizenzkosten verursachen, solange relevante Patente noch wirksam sind.
Druck auf den Streaming-Markt dürfte weiter wachsen
Gerade in einer Zeit, in der Anbieter ihre Infrastruktur effizienter aufstellen und Kosten senken wollen, dürften Lizenzmodelle wieder stärker in den Fokus rücken. Das gilt umso mehr, weil parallel auch bei neueren Codecs und Patentpools über Gebühren, Rabatte und Marktmodelle diskutiert wird.
Was das für Nutzer bedeutet
Direkte Auswirkungen für Zuschauer gibt es kurzfristig eher nicht. Niemand wird plötzlich kein H.264-Video mehr abspielen können. Mittel- bis langfristig könnten höhere Lizenzkosten aber dazu führen, dass Plattformen noch genauer abwägen, welche Codecs sie einsetzen, wo sie auf Alternativen wie AV1 setzen und wie sie ihre technische Infrastruktur ausrichten.
Quellen: VIA Licensing Alliance / VIA LA,
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