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HONOR Watch 6: Viel Akku, wenig Spielerei

Die HONOR Watch 6 will keine Apple Watch sein. Sie versucht nicht, ein App-Store-Monster fürs Handgelenk zu werden, sondern bleibt näher an dem, was viele eigentlich suchen: Uhr, Fitness-Tracking, Schlafdaten, Benachrichtigungen, GPS, lange Laufzeit. Fertig. Keine Zauberei. Kein großes „Wow“. Aber auch kein kompletter Griff ins Klo.

Getestet habe ich die HONOR Watch 6 mit einem iPhone. Warum der Hinweis? Weil Smartwatches außerhalb des Apple-Universums unter iOS gerne mal etwas kastriert wirken. Auch hier gilt: Die Uhr funktioniert am iPhone, ohne Probleme. Wer tiefe iOS-Integration, App-Auswahl, Antworten auf Nachrichten, Apple Pay und nahtloses Ökosystem erwartet, wird recht schnell merken, nope.

Design: groß, aber nicht billig

Optisch macht die HONOR Watch 6 einen soliden Eindruck. Das runde Gehäuse wirkt klassischer als viele rechteckige Fitnessuhren und geht eher in Richtung Sportuhr mit Alltagsanspruch. Die Uhr ist mit 46,5 Millimetern allerdings kein kleines Ding. An schmalen Handgelenken sieht sie schnell sehr klotzig aus. Gott sei Dank, habe ich dieses Problem nicht.

Die Verarbeitung kann man lassen. Nichts knarzt, die Tasten sitzen ordentlich, die Krone hilft beim Scrollen durch Menüs und Listen. Mein schwarzes Modell wirkt eher sportlicher, die braune dann geht dann mehr in Richtung Style.

Display: hell, scharf, manchmal spiegelnd

Das 1,46 Zoll große AMOLED-Display ist eine der besseren Seiten der Uhr. Inhalte wirken scharf, Farben kräftig, die Bedienung reagiert sauber. HONOR nennt bis zu 3.000 Nits Spitzenhelligkeit, und auch draußen bleibt das Display gut ablesbar. Gerade bei Sonne ist das angenehm, weil man nicht ständig mit der Hand über dem Display herumfuchteln muss wie ein verwirrter Zauberlehrling. Ganz perfekt ist es trotzdem nicht. Das Glas kann je nach Winkel sichtbar spiegeln. Das ist kein Drama, aber im Alltag fällt es auf. Die Bedienung mit nassen Fingern ist dagegen ein echter Pluspunkt. Beim Training, bei Regen oder mit schwitzigen Händen bleibt die Uhr bedienbar.

Einrichtung am iPhone: funktioniert, aber nicht tief

Die Kopplung mit dem iPhone läuft über die HONOR Health App. Das Einrichten ist unkompliziert: App installieren, Uhr hinzufügen, koppeln, Rechte vergeben, fertig.  Im Alltag kamen Benachrichtigungen zuverlässig an. Gesundheitsdaten, Schlafwerte und Trainingseinheiten landen sauber in der App. Trotzdem bleibt die iPhone-Nutzung eingeschränkt. Interaktive Antworten, tiefere Systemfunktionen oder eine wirklich enge Verzahnung mit Apple Health wirken verständlicher Weise nicht so rund wie bei einer Apple Watch. Das ist kein HONOR-exklusives Problem, sondern eher die übliche iOS-Grenze für Fremd-Wearables. Man kommt rein, kenn ein paar Daten liefern, und Nachrichten auslesen, das wars dann aber fast schon.

Software: sauber, aber ohne echte Überraschung

Die Oberfläche der HONOR Watch 6 ist logisch aufgebaut. Wischen, Tippen, Krone drehen, Taste drücken. Das hat man schnell drin. Die Uhr reagiert meist flott, Trainings lassen sich ohne Gefummel starten, Gesundheitsdaten sind schnell erreichbar.

Trotzdem bleibt die Software eher zweckmäßig. Es gibt keinen großen App-Kosmos. Keine Spotify-App auf der Uhr, kein YouTube Music, keine große Spielwiese für Erweiterungen. Das macht die Watch 6 weniger smart, aber auch weniger nervig. Manchmal ist genau das ein Segen.

Kein WLAN: Ausnahmsweise gut

Dass die HONOR Watch 6 kein eigenes WLAN bietet, kann man natürlich als Schwäche auslegen. Ich sehe es hier eher als Vorteil. Diese Uhr lebt von Bluetooth, GPS, NFC und einer langen Akkulaufzeit. Für eine Uhr dieser Klasse ist das okay. Updates und Synchronisierung laufen über das Smartphone und dauern dafür aber auch ein wenig länger. Ein zusätzliches WLAN-Modul hätte hier vermutlich mehr Stromgefressen und die Laufzeit verkürzt. So bleibt die Watch 6 angenehm simpel. Manchmal ist weglassen eben keine Sparmaßnahme, sondern sinnvoll

Sport: solide, aber nicht auf Garmin Niveau

Beim Sport bietet die HONOR Watch 6 sehr viel Auswahl. Die Auswahl der Spoartarten ist beachtlich. HONOR spricht von mehr als 120 Sportmodi, darunter Laufen, Radfahren, Schwimmen, Trailrunning, Fußball und Badminton. Dazu kommen Dual-Band-GPS, Outdoor-Tracking, Laufcoach und verschiedene Auswertungen für Training und Erholung.

Im Alltag reicht das locker für normale Läufe, Spaziergänge, Fitnessstudio, Radfahren und Schlaf-/Erholungsbeobachtung. Das GPS arbeitet brauchbar, die Routen wirken plausibel, und die Trainingsauswertung ist für diese Preisklasse ordentlich. Wer aber ernsthaft trainiert, nach Kartenfunktionen, sehr tiefen Laufmetriken oder maximaler Sensorpräzision sucht, wird vermutlich bei einem anderen Hersteller glücklicher.

Die Herzfrequenzmessung ist okay, aber ich würde ihr nicht blind alles glauben. Bei ruhigem Alltag, Schlaf und moderatem Training wirken die Werte nachvollziehbar. Bei intensiven Bewegungen oder schlecht sitzender Uhr können optische Sensoren am Handgelenk aber grundsätzlich schwanken. Für Trends reicht es. Für Trainingssteuerung auf Brustgurt-Niveau eher nicht.

Schlaf und Gesundheit: brauchbare Trends, keine Diagnose

Die Uhr misst Herzfrequenz, SpO₂, Stress, HRV, Schlaf und weitere Gesundheitswerte. Dazu gibt es Morgenberichte, Energie-Score und einen schnellen Gesundheitscheck. HONOR weist selbst darauf hin, dass die Uhr kein Medizinprodukt ist und Messdaten nur der „Gesundheitsverwaltung“ dienen. Die Watch 6 kann Hinweise liefern, Muster sichtbar machen und beim eigenen Körpergefühl helfen. Sie ersetzt aber weder Arzt noch Schlaflabor. Die Schlafdauer wurde im Test nachvollziehbar erfasst, die Schlafphasen sollte man wie immer mit Abstand betrachten. Gerade Wachphasen sind manchmal nicht eindeutig zu erkennen.

Der Energie-Score ist nett gemacht. Er fasst Belastung, Schlaf und Erholung in einem Wert zusammen. Das motiviert, ohne direkt zu nerven. Wer morgens gerne wissen will, ob der Körper heute eher „Attacke“ oder „lass mich in Ruhe“ sagt, bekommt hier einen brauchbaren Überblick.

Akku: der eigentliche Star

Die Akkulaufzeit ist der stärkste Punkt der HONOR Watch 6. HONOR verbaut einen Akku mit 980 mAh und nennt bis zu 35 Tage im Langzeitmodus, bis zu 17 Tage bei typischer Nutzung und bis zu 42 Stunden im Outdoor-Sportmodus mit GPS.

Die 35 Tage sind natürlich Labor- und Sparmodus-Territorium. Im echten Alltag mit Benachrichtigungen, Schlaftracking, Gesundheitsmessungen und Training landet man niedriger. Aber selbst dann bleibt die Laufzeit stark. Man muss sie nicht jeden Abend laden. Man muss auf Reisen nicht sofort das nächste Kabel suchen. Man trägt sie einfach weiter. In meinem Test mit 4 Rad Einheiten in 2 Wochen, musste ich nicht einmal laden. nach etwas mehr als 15 Tagen war dann aber Schluss.

Smarte Funktionen: eher Beilage als Hauptgericht

Mikrofon und Lautsprecher sind vorhanden, Bluetooth-Telefonie ist damit möglich. Benachrichtigungen kommen an, Wetter, Wecker, Timer, Watchfaces und einfache Zusatzfunktionen sind dabei. NFC ist ebenfalls an Bord, die Zahlungsfunktion soll laut HONOR in Deutschland per OTA-Update nachgereicht werden.

Trotzdem bleibt die Watch 6 eher Fitnessuhr mit Smartwatch-Anteilen. Wer eine kleine Smartphone-Verlängerung sucht, bekommt zu wenig. Wer eine Uhr für Benachrichtigungen, Sport, Schlaf und Akku will, bekommt genug.

Preis und Einordnung

Für um die 160 bis 170 Euro ist sie deutlich attraktiver als zum UVP, aber wie wir alle wissen bleibt der UVP in der Regel 1-2 Woche und dann wird er durch die verschiedensten Aktionen gedrückt. Wenn ihr also einen Preis um die 200 Euro findet, könnt ihr getrost zuschlagen. Denn bei höherem Preis rücken stärkere Sportuhren und ältere Premium-Modelle näher.

Bewertung

Die HONOR Watch 6 ist keine schlechte Smartwatch. Sie ist aber auch keine, die den Markt auf links dreht. Ihre Stärken liegen klar bei Laufzeit, Display, einfacher Bedienung, solidem Sporttracking und einem angenehm reduzierten Ansatz. Die Schwächen sitzen bei App-Auswahl, iPhone-Integration, Bezahlfunktion zum Start, Größe und begrenzter Smartwatch-Tiefe.

HONOR Watch 6

Display - 82%
Akku - 90%
Ausstattung - 76%
Funktionsumfang - 71%
Tragekomfort - 81%
Preis - 70%

78%

Die HONOR Watch 6 ist eine ausdauernde, angenehm reduzierte Sport-Smartwatch mit starkem Akku, aber klaren Grenzen bei Apps, iPhone-Integration und echten Smartwatch-Funktionen.

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Torsten Schmitt (Pixelaffe)

Geboren 1976 im schönen Schwetzingen und nicht weggekommen. Ich habe somit den Aufstieg des Internet miterlebt und beruflich auch vorangetrieben. Hier schreibe ich über all die Technologien die mir auf meiner Reise durch das "Neuland" auffallen. Wenn ihr mir was für einen Kaffee oder neue Gadgets zukommen lassen wollt, könnt ihr das gerne über www.paypal.me/pixelaffe tun

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