| 0 | 0 |
Roboter können laufen, Pakete sortieren oder in Fabriken arbeiten. In Peking zeigen humanoide Maschinen gerade, dass inzwischen auch deutlich komplexere Bewegungsabläufe drin sind: Bei den World Humanoid Robot Games 2026 haben Roboter zum Tennisschläger gegriffen und sich mit menschlichen Spielern auf dem Platz gemessen. Und nein, hinter der Bande saß dabei laut Entwickler niemand mit einem Controller.
Für besonderes Aufsehen sorgte ein System des chinesischen Robotik-Unternehmens Galbot. Während der Eröffnungsveranstaltung trat der humanoide Roboter unter anderem gegen die frühere chinesische Tennis-Profispielerin Zheng Jie an. Dabei waren sowohl Vorhand- als auch Rückhandschläge und längere Ballwechsel zu sehen.
Galbot selbst spricht von mehr als 100 aufeinanderfolgenden autonomen Ballwechseln und bezeichnet die Vorführung als erstes live übertragenes autonomes Tennismatch mit humanoiden Robotern. Diese Rekordangabe stammt allerdings vom Hersteller selbst und wurde bislang nicht unabhängig verifiziert.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Tennis ist für Roboter verdammt kompliziert
Dabei geht es um wesentlich mehr als darum, einem Roboter einen Schläger in die Hand zu drücken. Die Maschine muss den Ball mit Kameras erfassen, Flugbahn und Geschwindigkeit abschätzen, ihre eigene Position verändern und gleichzeitig Gleichgewicht, Armbewegung sowie den Treffpunkt des Schlägers koordinieren. Das Ganze passiert innerhalb von Sekundenbruchteilen und muss ständig neu berechnet werden.
Genau deshalb sind Sportarten wie Tennis für die Entwicklung sogenannter Embodied AI interessant. Die KI muss ihre Entscheidungen unmittelbar in Bewegungen der realen Maschine übersetzen. Ein falsch eingeschätzter Ball endet eben nicht mit einer Fehlermeldung auf dem Bildschirm, sondern mit einem Ball im Netz – oder einem Roboter auf dem Hintern. Das passierte bei der Demonstration übrigens tatsächlich. Der Galbot-Roboter verlor während eines Ballwechsels das Gleichgewicht, konnte anschließend jedoch selbstständig wieder aufstehen und weiterspielen. Auch solche Fähigkeiten sind für humanoide Roboter mindestens genauso wichtig wie spektakuläre Vorhand-Schläge.
Roboter lernen sogar von Federer, Nadal und Djokovic
Parallel dazu zeigt ein aktuelles Forschungsprojekt, wohin die Reise gehen könnte. Das Framework AdaPT (Adaptive Motion Planning and Tracking) lernt Tennisbewegungen direkt aus Videoaufnahmen professioneller Spieler. Die Forscher haben dabei unter anderem Bewegungsstile von Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic als Grundlage verwendet.
Die World Humanoid Robot Games laufen vom 22. bis 26. August 2026 in Peking. Neben Sportarten wie Tennis beziehungsweise Tischtennis, Fußball und Laufdisziplinen stehen auch deutlich weniger publikumswirksame Aufgaben auf dem Programm. Roboter müssen beispielsweise Kabel einstecken, Objekte erkennen oder Aufgaben aus Industrie und Gastronomie bewältigen. Gerade diese Tests dürften langfristig wichtiger sein als die Frage, wann ein Roboter Wimbledon gewinnt.
