Ein sonniger, kühler Sommerabend über dem ausverkauften Schlossplatz. 7.200 Zuschauer strömen in den Innenhof des Neuen Schlosses, in freudiger Erwartung eines der seltenen Deutschland-Konzerte im Rahmen der „Tension“-Tour von Popstar Kylie Minogue. Die Bühne ist in T-Form gebaut – einzig für die australische Popikone –, die Kulisse aus historischen Mauern, Discokugel und Theaternebel bereitet den perfekten Rahmen für einen popmusikalischen Abend zwischen Glamour, Nostalgie und Euphorie – unsere Eindrücke der Show.
Den Auftakt an diesem frühen Mittwochabend macht die regionale Sängerin STERNJE, die mit ihrer vierköpfigen Band gefühlvollen, radiotauglichen Pop präsentiert. Ihr Song „Lass es geschehen“ lädt zum Mitschwingen ein, das Publikum hört aufmerksam zu, während sich der Innenhof langsam füllt. Der Ton wird mit dem zweiten Pre-Act deutlich härter: Jodie Harsh, Drag-DJane und Visual-Figur zwischen Mode und Clubkultur, verwandelt das Festivalgelände in ein temporäres Open-Air-Berghain. Harte Beats hallen durch die Arkaden, die Sonne geht inzwischen langsam unter, Aperol-Spritz-Gläser klirren vor dem Einlass, es wird getanzt – Tomorrowland-Vibes auf einem Jazzfestival. Das junge Publikum lässt erstmals die Hüften etwas doller kreisen.
Kurz vor 21 Uhr kündigt SWR1- und jazzopen-Moderatorin Stefanie Anhalt mit spürbarer Vorfreude die Hauptkünstlerin des Abends an: Kylie Minogue, Popikone der 80er und 90er, Superstar der Nullerjahre, Dauergast auf allen möglichen Playlisten der Gegenwart. Die ersten Töne von „Lights Camera Action“ hallen über den mittlerweile proppenvollen Platz. Kylie erscheint auf einer erhöhten Treppe, umgeben von sechs maskierten Figuren, die sich zunächst positionieren und dann regungslos die Bühne bewachen. Sie trägt ein rotes Lack-Outfit, das bald gegen einen glitzernden roten Suit getauscht wird – der erste von insgesamt sechs aufwendig gestalteten Kostümwechseln.
Der Zuschauerraum ist nun mit 7.200 Zuschauer:innen vollzählig und lässt sich nicht lange bitten. Mit „In Your Eyes“, „Get Outta My Way“, „Good As Gone“, „Spinning Around“ nimmt Minogue Fahrt auf. Die Stimmung ist ausgelassen, die Australierin animiert das Publikum immer wieder mit kecken Gesten, Blicken und kleinen Choreografien. Charmant über alle Maßen! Acht Tänzerinnen und Tänzer tänzeln über die zum „T“ geformte Vorbühne, über der eine große glitzernde silberne Discokugel rotiert. Der zweite Akt beginnt mit dem Interlude „Taboo“, das in „On a Night Like This“, „Better the Devil You Know“, „Shocked“ und schließlich „Dancing“ mündet. Spätestens hier ist das Eis endgültig gebrochen. Die Zuschauer singen lauthals mit, springen im Takt und lassen sich von Kylies unermüdlicher Bühnenenergie mitreißen. Grün-blaue Kissenmonster liefern währenddessen im Hintergrund absurde Szenen.
Die Künstlerin wirkt spürbar präsent, sucht immer wieder mit kleinen Spässken gespickten Sprüchen den direkten Kontakt zum Publikum. Sie bedankt sich bei ihren Backgroundsängerinnen, stellt ihre Band vor und richtet kleine, persönliche Worte an die ersten Reihen. Als zwei Mädels von Fans ein Plakat mit dem Stichwort „Wild Roses“ hochhält, stimmt Kylie spontan den Refrain von „Where the Wild Roses Grow“ (ursprünglich von Nick Cave and the Bad Seeds) an – ein intimer Moment in einem ansonsten durchchoreografierten Abend.
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Besonders sticht ihr akustischer Vortrag von „Say Something“ hervor. Nur begleitet von Gitarre, verlässt Minogue für einen Moment die Sphäre des durchgetakteten Dance-Pop und zeigt ihre Stimme in eindrucksvoller Direktheit – kein Playback, keine Showeffekte, sondern Gesang mit regelrechter Sogwirkung. Der Kontrast könnte kaum größer sein, als im Anschluss „Confide in Me“ in schwarzem Gewand und Seitenblitzen die Bühne in düstere Atmosphäre taucht. Mit „Slow“ kehrt die erotische Kühle zurück, Kylie entledigt sich während des letzten Refrains ihres Gewands – ein kalkulierter, effektiver Showmoment.
Das Konzert steuert auf seinen Höhepunkt zu: „Tension“, „Can’t Get You Out of My Head“ und „Lovers“ werden von den Fans frenetisch gefeiert. Der Schlossplatz verwandelt sich in eine einzige Dancehall. Die australische Sängerin springt derweil in einem gelb-weiß gestreiften Outfit mit langen Kragenstreifen durch die Jahrzehnte ihrer Karriere. Kylie selbst ruft ins Publikum: „Let’s jump all around the decades!“ – ein Leitsatz, der diesen Abend recht gut umschreibt.
Gegen 22:30 Uhr verlässt Minogue die Bühne, kehrt jedoch für eine ordentliche Zugabe zurück. „Padam Padam“ wird euphorisch aufgenommen, ehe „Love at First Sight“ den Abend abschließt. Das Publikum tanzt bis zum letzten Ton, viele bleiben noch stehen, als das Licht bereits ausgeht und die Roadies die Instrumente einsammeln. Die jazzopen Stuttgart bildeten den perfekten Rahmen für eine energiegeladene, durchdachte und dabei erstaunlich direkte Show von Popstar Kylie Minogue für ein Publikum jeder Altersgruppe.
Weitere Termine der jazzopen Stuttgart 2025:
10. Juli – Joe Bonamassa, Kenny Wayne Shepherd & Bobby Rush
11. Juli – Jean‑Michel Jarre
12. Juli – Mario Biondi & Zucchero
13. Juli – José James & Lionel Richie
Tickets und Infos: www.jazzopen.com
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