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jazzopen 2026: Curtis Stigers & SWR Big Band verwandeln das Alte Schloss in eine swingende Zeitreise

So klang der 3. Juli bei den jazzopen Stuttgart

Der Innenhof des Alten Schlosses wirkt an diesem sonnigen Juliabend fast aus der Zeit gefallen. Die Mauern tragen bekanntlich Geschichte, davor sitzt ein aufmerksam lauschendes Publikum, darüber ein Himmel, der mit goldener Stunde dunkler wird. Als Curtis Stigers gemeinsam mit der SWR Big Band die Bühne übernimmt, entsteht ein herrlich klassischer Big Band-Sound mit lässiger Entertainer-Attitüde seitens des Main Acts. Es ist ein Abend der Genrewanderungen. Und genau darin liegt seine Stärke. Die Kombination aus 16-köpfiger Big Band und einem Frontmann, der zwischen Saxophon, Mikrofon und Publikum mühelos wechselt, trägt den Abend von Beginn an. Unsere Eindrücke von Tag 3 der jazzopen Stuttgart.

Schon in der ersten Hälfte des Konzertabends zeigt sich, wie eingespielt die SWR Big Band agiert. Das prestigetragende Ensemble, das 2026 sein 75-jähriges Bestehen feiert und längst zu den international renommierten Formationen zählt – darunter im Februar 2023 mit einem Grammy in der Kategorie „Bestes Arrangement (instrumental/a cappella)“ für das Stück Scrapple From The Apple (vom Album Bird Lives) ausgezeichnet – arbeitet sich mit kontrollierter Wucht durch Sinatra-Klassiker wie „Come Fly With Me“ oder „You’re All That Matters to Me“. Stücke wie „Love Is Here to Stay“ und „You’ve Got the Fever“ entfalten dabei genau jene Mischung aus Eleganz und stilistischer Euphorie, die man von einer Big Band erwartet. Stigers, stylisch im schwarzen Anzug gekleidet, bewegt sich so leichtfüßig wie ein Jungspund – er wirbelt über die Bühne, gibt Einsätze, sucht Blickkontakt, setzt sein Saxophon wie ein zusätzliches Sprachrohr ein.

Die Atmosphäre verändert sich spürbar mit dem Licht. Während die Sonne langsam hinter den Mauern verschwindet, legt sich eine intime Stimmung in den Innenhof. „Peace and Love and Understanding“ wirkt in diesem Moment fast programmatisch, getragen von einem Publikum, das aufmerksam folgt, aber nie ausgeblendet wird. Immer wieder streut Stigers kleine Kommentare ein, trocken und mit leichter Selbstironie – etwa wenn er eigene signierte Platten augenzwinkernd als „perfektes Weihnachtsgeschenk“ anpreist oder mit einem knappen „Do you know radio?“ für gezielte kurze Lachen sorgt.

Mit „One O’Clock Jump“ überlässt Stigers die Bühne kurzzeitig komplett der Band. Die SWR Big Band nutzt diesen freieren Raum für eine schwungvolle Reminiszenz an den klassischen Swing, ohne dabei ins zu Nostalgische abzurutschen. Die Arrangements bleiben klar, die Soli pointiert, nichts wirkt überladen. Man hört die Erfahrung eines Ensembles, das seit Jahrzehnten zusammenarbeitet. Das Publikum wiederum nutzt die anschließende Pause um sich die Beine zu vertreten oder frische Drinks zu ordern.

Mehr Country und Südstaaten-Flair statt Las Vegas

Danach kippt die Stimmung – ganz gewollt. Curtis Stigers kehrt allein zurück, greift zur Klampfe und eröffnet mit „John the Revelator“ einen deutlich raueren Abschnitt. Als Teil des Soundtracks der Hit-Serie Sons of Anarchy erlangte diese Gospel-Blues-Song an großer Bekanntheit. Stimmlich erinnert der US-Amerikaner phasenweise an einen jüngeren Neil Diamond. Die zuvor dominierende Las Vegas-Ästhetik weicht einer fast erdigen, amerikanischen Roots-Stimmung. Der Gesang ist kantig. Für einen Moment fühlt sich der Innenhof nicht mehr nach Big Band an, sondern nach staubiger Weite irgendwo zwischen Nevada und Südstaaten. Diese Reduktion funktioniert bestens.

Mit „Good to Know You“ und „I Have Everything“ wächst die Besetzung on stage wieder an, zunächst im Trio, dann in voller Stärke mit sechzehn Mitglieder:innen. Wenn Stigers später die Band vorstellt, geschieht das ohne Pathos, eher beiläufig, fast wie eine Selbstverständlichkeit. Dabei wird deutlich, wie sehr dieser Abend vom Zusammenspiel lebt. Einzelne Soli gegen Schluss – ob an Trompete, Saxophon oder Klavier – werden vom Publikum aufmerksam aufgenommen.

Der zweite Teil nimmt dann zunächst wieder Fahrt auf. „Hooray for Love“ und „Never Saw a Miracle“ knüpfen an die große Geste des klassischen Entertainments an, während „I Get a Kick Out of You“ und „I Wonder Why“ den Swing noch einmal verdichten. Stigers hat das Publikum zu diesem Zeitpunkt längst im Griff. Seine Bewegungen bleiben locker, fast beiläufig, seine Stimme konstant kraftvoll – sonor jedoch leicht angeraut. „Swinging Down at 10th & Main“ bildet den Übergang in das Finale, das mit den Zugaben „They Can’t Take That Away from Me“ und „Don’t Worry ’Bout Me“ bewusst traditionell gehalten ist. Der Innenhof wird dabei noch einmal zu einem Ort, der stärker an die große Zeit der Big Bands erinnert als an ein modernes Festivalsetting – was den jazzopen in jeglicher Hinsicht ihren gesetzten vielschichtigen Anspruch gibt.

Songs From My Kitchen, Volume 1
  • Audio-CD – Hörbuch

Am Schluss bleibt ein Konzertabend, der sich nicht an Grenzen hält, der klar gebautem Set mit clever gelegten Kontrasten arbeitete. Zwischen glattem Las Vegas-Swing, rauem Blues-Einschlag und typischem Big Band-Sound entwickelte sich eine eigene Dynamik. Das Publikum goutierte dies in regelmäßigen Abständen. Curtis Stigers bewegte sich darin mit Hüftschwung als verbindendes Elemen. Die SWR Big Band lieferte das Grundgerüst für einen vergnüglichen Abend. Und über allem liegt diese besondere Sommerstimmung eines Abends, der dank des Festivals noch stärker wirkte.

Kommende Termine der jazzopen 2026 (Auswahl)

4. Juli 2026 – Lee Ritenour & Stuttgarter Kammerorchester
5. Juli 2026 – Diana Krall
6. Juli 2026 – Nick Cave & The Bad Seeds
7. Juli 2026 – Teddy Swims
8. Juli 2026 – Katy Perry

Weitere Informationen und Tickets findet ihr auf der jazzopen-Webseite.

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Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Instagram. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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