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Ausgerechnet ein Discounter zeigt der deutschen Industrie, wie es geht: Lidl hat gemeinsam mit dem schwedischen Unternehmen Einride einen fahrerlosen Elektro-Lkw auf öffentliche Straßen geschickt. Das kabinenlose Fahrzeug ist im hessischen Edermünde bei Kassel unterwegs und beliefert dort eine Lidl-Filiale mit Waren. Eine klassische Fahrerkabine? Gibt es gar nicht erst. Ein Mensch sitzt ebenfalls nicht an Bord. Der elektrische Lkw fährt nach SAE Level 4 und verfügt über eine entsprechende Genehmigung des Kraftfahrt-Bundesamtes. Ganz autonom durch halb Deutschland gondelt er deshalb allerdings noch nicht: Das System arbeitet innerhalb eines festgelegten Einsatzbereichs und unter definierten Bedingungen. Im aktuellen Pilotbetrieb liegt die Höchstgeschwindigkeit bei 25 km/h, außerdem begleitet ein sogenannter Local Operator das Fahrzeug in einem separaten Fahrzeug.
Vom Joghurt zum autonomen Lkw
Trotzdem hat die Sache eine gewisse Komik. Während deutsche Auto- und Nutzfahrzeughersteller seit Jahren von autonomer Mobilität, Software und der Zukunft des Verkehrs erzählen, kommt ein ziemlich konkreter Schritt auf deutschen Straßen nun ausgerechnet von dem Unternehmen, bei dem wir normalerweise Käse, Katzenfutter und Parkside-Akkuschrauber in den Einkaufswagen werfen. Der Einride-Lkw ist dabei kein reines Messe-Spielzeug. Das Fahrzeug besitzt 15 Stellplätze für Europaletten, fährt bis zu dreimal am Tag zwischen dem Lidl-Warenverteilzentrum und einer Filiale und soll während des zunächst viermonatigen Projekts mehr als 3.000 Paletten transportieren. Damit übernimmt es tatsächlich einen Teil der regulären Filialbelieferung.
Hinter Lidl steckt längst mehr als ein Handelskonzern
Ganz so überraschend ist ausgerechnet Lidl als Technologievorreiter allerdings nicht. Hinter dem Discounter steht die Schwarz Gruppe mit Lidl, Kaufland, PreZero, Schwarz Produktion und der Digitalsparte Schwarz Digits. Und der Konzern arbeitet seit Jahren daran, weit mehr zu sein als nur ein ziemlich großer Verkäufer von Lebensmitteln.
Schwarz Digits baut mit STACKIT eine europäische Cloud-Infrastruktur auf, ist in den Bereichen Cybersicherheit, KI, Kommunikation und digitale Arbeitsplätze aktiv und erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 2,2 Milliarden Euro. Gleichzeitig plant die Schwarz Gruppe in Mecklenburg-Vorpommern bis 2033 Investitionen von bis zu 5,6 Milliarden Euro in ein neues Rechenzentrum für Cloud- und KI-Anwendungen. Auch beim Thema KI mischt der Konzern kräftig mit. Techkrams hatte bereits über die Rolle der Schwarz Gruppe rund um Cohere und Aleph Alpha berichtet. Das Ziel dahinter zieht sich inzwischen wie ein roter Faden durch die Konzernstrategie: mehr eigene Infrastruktur, weniger Abhängigkeit und mehr digitale Souveränität in Europa.
Vom Pilotprojekt zur größeren Logistiklösung?
Lidl und Einride wollen zunächst Erfahrungen im realen Betrieb sammeln. Perspektivisch soll die Route zu einem sogenannten Multi-Stop-Milkrun mit mehreren Stationen erweitert werden. Laut Einride werden zudem bereits weitere Einsätze innerhalb der Unternehmen der Schwarz Gruppe diskutiert.
Und genau deshalb ist der kleine Elektro-Kasten ohne Fahrerhaus interessanter, als es auf den ersten Blick klingt. Lidl testet hier nicht irgendwo hinter einem Zaun, sondern integriert autonome Logistik in einen echten Warenfluss. Noch langsam, streng begrenzt und begleitet – aber eben auf öffentlicher Straße. Dass ausgerechnet der Discounter an dieser Stelle vormacht, wie man Zukunftstechnik aus der PowerPoint-Präsentation in den Alltag bekommt, hat schon seinen Charme. Vielleicht liegt die Zukunft der deutschen Technologiebranche in irgendeinem Supermarkt Regal.
Quellen
- Lidl Deutschland: Pressemitteilung zum autonomen E-Lkw Lidl – Autonomer E-Lkw im Realbetrieb
- Schwarz Gruppe: Hintergrund zum Pilotprojekt Schwarz Gruppe – Autonome Filialbelieferung
- Einride: Informationen zum gemeinsamen Projekt Einride – Autonomous Truck with Lidl Germany

Einen Vorteil im Leben hat, wer anfängt wo andere noch diskutieren…
Schauen wir nach China, es gibt dort sicher vieles was nicht unseren Vorstellungen entspricht, aber dort wird nicht so lange herumdiskutiert. Mittlerweile hecheln wir der Entwicklung in sehr vielen Bereichen nur noch hinterher.