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Marvel’s Guardians of the Galaxy im großen Test – Quatschige Action

Mehr 80er Hits als im Formatradio

Eidos Montreal trommelt die quasselnde Gang um Peter Quill alias Starlord, Gamora, Rocket, Drax und Groot für ein höchst amüsantes intergalaktisches Abenteuer zusammen. Das Action-Adventure setzt seinen Schwerpunkt nämlich auf ein grandioses Storytelling vermischt mit dynamischem Gameplay ohne Schnickschnack. Sitz senkrecht, Snacks bereit und ab zum Test von „Guardians of the Galaxy“!

Square Enix lernte dazu

Ich lachte. Ich erstaunte. Ich rätselte. Am Schluss lief mir sogar eine kleine Träne die Wange hinunter. Square Enix und federführend die Jungs und Mädels von Eidos Montreal haben etwas, das ich ihnen nach dem völlig verhunzten „Marvel’s Avengers“-Debakel im letzten Jahr ehrlicherweise kaum zutraute. Genauso wie jene filmischen Werke von Regisseur James Gunn (The Suicide Squad), deren eigentliche Vorlage nur echten Comicfans ein Begriff war, schaffte es „Guardians of the Galaxy“ nahezu jede wichtige Emotion auf der Gefühlsorgel abzurufen. Gut, die Wut überkam eher beim leicht grenzwertig angelegten Steuerungsschema. Dazu später mehr. Das Studio konzentrierte nämlich seinen Fokus auf die temporeiche Storyline rund um die früheren Guardians, was interssierte Spieler die bisherige Berührungspunkte nur mit den Filmen hatten unbedingt im Vorfeld wissen sollten. Das Team aus zusammengewürfelten (Klein)-Kriminellen wirkt zwar vertraut, lässt aber noch den speziellen Flow aus Beleidigungen, verbalen Angriffen und klarem Vertrauen unter den Mitgliedern vermissen. Gut so! Wie langweilig wäre ein funktionierendes Team ohne jede Angriffsfläche? Die Geschichte offenbart in den dramatischsten Dialogen, von denen es auch ein paar gibt, seine inhaltlichen Stärken. Aber keine Sorge. Meist surft die Atmosphäre auf der humorvollen bisweilen kalaurigen Welle.

Um was geht’s eigentlich? Gute Frage. Wie jeder Student in seinen frühen Zwanzigern sind auch die Guardians – pleite. Da kommt ein Jagd-Auftrag der undurchsichtigen Bestiensammlerin Lady Hellbender gerade recht, der natürlich schief geht. Prompt landen die „Arschlöcher“ auf der Fahndungsliste der Weltraumaufpasser „Nova Corps“. Doch statt simpler Aufklärung entspinnt sich langsam eine Verschwörung um die mysteriöse „Kirche der Wahrheit“. Die Kampagne braucht keine überflüssige Open-World um auf knapp 26 Stunden Spielzeit zu kommen, vielmehr sorgen allerlei skurrile Figuren für Abwechslung. Trotz der ausladenden Handlung gibt kein Backtracking, obwohl es möglich zu vielen bereits besuchten Planeten zurückzukehren. Eidos ließ sich merklich vom Klassenprimus in Sachen Action-Adventure „Uncharted“ beeinflussen. Als Starlord rennen, hüpfen, labern, klettern und interagieren wir mit der näheren Umgebung wie ein Nathan Drake auf Schatzsuche. Zum Glück begeht man nicht den selben Fehler des letztjährigen Marvel-Titels und versucht jede Team-Figur ins Gameplay einzubinden. Als Starlord besteht jedoch die Möglichkeit unsere Guardians im Kampf zu orchestrieren. Drax greift Feinde offensiv an, während Groot ankommende Feinde mit Astgeflechten fesselt. Die Kämpfe sind also gut beherrschbar, sofern euch Teamgeist kein Fremdwort ist. Praktisch: Im Optionsmenü schaltet das Spiel in eine Zeitlupe. Natürlich macht es Freude sich mit Starlord selbst durch Gegnerhorden zu ballern. Per Druck auf R3 wird die Umgebung gescannt, ganz hilfreich um Boni-Kisten oder Schalter aufzupüren. Amüsanter Bruch der Vierten Wand: Trödelt man zu lange, sagt Rocket, dass an dieser Stelle sowieso kein Entwickler etwas verstecken würde. Herrlich.

Dynamische Angriffe mit komplizierter Steuerung

Das Gameplay besteht zum Großteil aus Erkundung sowie dynamischen Kämpfen. Dank der tollen Storyline verschlägt uns aber auch mal in die Kindheit von Starlord oder die Guardians „trennen“ sich im Streit. Untermalt von typischer 80er-Mucke á la „Take on Me“ von A-ha, Mötley Crüe etc. Wunderbar eingesetzt. Für Frust sorgt die heillos überfrachtete Steuerung. So sind Teamangriffe gleichzeitig auch Einzelangriffe sofern man rechtzeitig die Figuren wechselt deren Angriffe einzeln möglich sind. Nun ja. Im gleichen Atemzug ist die KI zu loben. Nahezu problemlos bewegen sich unsere Kompagnions durch die Gebiete. So entstehen ganz selbstständig lustige Gespräche zwischen den Gärtnern…ähm Guardians. Worauf „Marvel’s Avengers“ ganz verzichtete, bietet nun „Guardians of the Galaxy“ – Umgebungsrätsel. Oftmals um die Ecke gedacht, besteht die Lösung häufig aus der Mischung aller Teamkräfte. Das Levelsetting ist abwechslungsreich gestaltet, so stattet die Gang neben metallisch-goldenen Palästen, auch rötliche Wüsten oder absurd große Fabriken einen Besuch ab. Hier gefielen die teils wunderschön eingefangenen Panoramen.

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139 Bewertungen
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Grafisch sieht das Marvel-Abenteuer für ein Multiplattform-Spiel gar nicht übel aus, die werkelnde Dawn Grafikengine lässt Texturen knackscharf wirken, laden dafür öfters zu spät nach. Gleiches gilt für einige Grafikbugs wie Clippingfehler innerhalb der eigentlich schicken Animationen. Updates sollten schnell Abhilfe schaffen. Der Score orientiert sich an den bisherigen Blockbustern, also orchestral und wuchtig. Es lässt das Spielgeschehen noch atmosphärischer wirken. Subjektive Schwäche bildet der verpatzte Schlusspunkt – Eidos hätte man da mehr zugetraut.

Unser Fazit zu „Marvel’s Guardians of the Galaxy“

Nach dem famosen „Marvel’s Spider-Man“ sowie dem Spin-Off „Miles Morales“ packte mich ein Lizenzspiel aus dem Superhelden-Kosmos nicht mehr auf mehreren Gefühlsebenen wie das abgedrehte Abenteuer von Starlord und Co. Eidos Montreal lernte und setzt statt „Games-as-a-service“ auf eine wunderbar strukturierte Handlung mit warmherzigen Figuren und rotzigen Dialogen. Grafisch durchaus beeindruckend, sind technische Fehler samt der überfrachteten Steuerung ärgerlich. Dennoch alles keine Gründe, dieses wendungsreiche Abenteuer nicht zu erleben. Auch ohne Marvel-Fan zu sein.

Entwickler: Eidos Montreal | Preis: 69,99 Euro | Für PlayStation 4|5, Xbox One|Series und PC USK: ab 12

Marvel’s Guardians of the Galaxy (PlayStation 5)

Spielspaß - 89%
Gameplay - 83%
Grafik - 85%
Technik - 79%

84%

Empfehlung!

Rotzig-amüsantes Action-Adventure mit den titelgebenden Superhelden von Marvel, das trotz technische Mankos überzeugt.

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Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Facebook. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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