Review zu „Legacy of Kain: Defiance Remastered” – Leider alles beim Alten geblieben
Rückkehr in eine Game-Design Landschaft vor unserer Zeit...
Mehr als zwei Jahrzehnte nach der ursprünglichen Veröffentlichung kehrt mit Legacy of Kain: Defiance Remastered ein Kapitel der Vampir-Saga zurück, das damals zugleich Abschluss und Wendepunkt der Reihe markierte. Das Spiel erschien ursprünglich 2003 für PlayStation 2, Xbox und PC und stellte einen besonderen Moment innerhalb der Serie dar: Zum ersten und bis dato einzigen Mal stehen sowohl Kain als auch Raziel als spielbare Figuren im Mittelpunkt derselben Handlung. Die überarbeitete Neuauflage versucht nun, diesen eigenwilligen Action-Adventure-Mix technisch zu modernisieren, ohne dabei seine ursprüngliche Struktur zu verändern. Ein Remaster, das den Klassiker selbst für Neulinge zugänglich macht, gleichzeitig aber auch deutlich zeigt, aus welcher Zeit er stammt. Unser frischer Retro-Test zum Vampir-Abenteuer.
Kleine Spoilergefahr gleich zu Beginn: Inhaltlich setzt das Spiel exakt dort an, wo „Legacy of Kain: Soul Reaver 2“ endete. Kain rettet Raziel in letzter Sekunde – damit löst er eine Zeitparadoxie aus und die beiden Figuren werden in unterschiedliche Zeitlinien geschleudert. Während Kain versucht, den Hüter der Zeit zu finden, um Raziel aufzuspüren und die Ereignisse zu verstehen, kämpft Raziel mit seiner eigenen Rolle im vorbestimmten Schicksal. Er versucht, sich dem Einfluss seines einstigen Meisters zu entziehen und den Verlauf der Geschichte zu verändern. Diese doppelte Perspektive ist mehr als nur ein erzählerischer Kniff: Sie bildet den Kern der Handlung. Beide Figuren verfolgen unterschiedliche Ziele, doch ihre Wege bleiben untrennbar miteinander verbunden. Gerade diese erzwungene Wechselwirkung zwischen Rivalität und Kooperation verleiht der Geschichte eine Spannung, die selbst heute noch ungewöhnlich wirkt. In gewisser Weise erinnert das Zusammenspiel der beiden an eine düstere, erwachsenere Variante von Crash Twinsanity – hach, wie herrlich experimentierfreudig das PS2-Zeitalter in manchen Momenten doch war!
Spielerisch bleibt Defiance im Kern ein lineares Action-Adventure mit deutlichem Fokus auf Kämpfe verwoben mit kleineren Umgebungsrätseln und gelegentliche Jump’n’Run-Passagen. Das Remaster verändert am Gesamtdesign wenig. Der größte Eingriff betrifft aber die Kamera: Statt der alten festen Perspektiven, ähnlich alten Capcom-Titeln, arbeitet das Spiel nun mit einer frei beweglichen Third-Person Kamera, die sich meist zuverlässig hinter der Figur positioniert und damit ein deutlich moderneres Spielgefühl erzeugt. Auch ein neues Kartenmenü wurde ergänzt, ebenso ausführliche Lore-Einträge, die Hintergründe zu Nosgoth und seinen Figuren liefern. Allerdings zeigt sich schnell, dass diese Ergänzungen eher Komfortfunktionen sind als grundlegende Verbesserungen. Die Levelstruktur bleibt strikt linear – Orientierungsschwierigkeiten treten selten auf, sodass die Karte eher wie ein Überbleibsel wirkt.
Das Kampfsystem orientiert sich an den Actionspielen seiner Zeit. Wer Titel wie „Devil May Cry“ oder die erste „God of War“-Trilogie kennt, erkennt hier Parallelen: Nahkampfangriffe, Luftkombinationen, Finisher und ein gerichtetes Zielsystem für Feinde. Allerdings fehlt Defiance der elegante Flow jener Vorbilder. Die Kämpfe funktionieren, bleiben aber vergleichsweise simpel. Kombos sind vorhanden, doch ihre Vielfalt begrenzt. Dadurch schleichen sich mit der Zeit Wiederholungen ein. Gegnerwellen werden abgearbeitet, ohne dass sich ein wirklicher Flow entwickelt. Als funktionale Grundlage für die Action reicht das aus – Begeisterung löst das heute jedoch nur selten aus.
Neben den Kämpfen setzt das Spiel immer wieder auf kleinere Rätsel. Typisch sind Mechaniken, bei denen Raziel zwischen materieller und spektraler Welt wechselt oder Kain spezielle Kräfte nutzt, um Barrieren zu überwinden. Diese Abschnitte lockern das Tempo auf, wirken aber ebenfalls wie Relikte einer älteren Designsprache. Manche Aufgaben erschließen sich sofort, andere führen eher durch Trial-and-Error zum Ziel. Der Schwierigkeitsgrad bleibt insgesamt auf Mittelmaß.
Technisch konzentriert sich das Remaster auf klassische Verbesserungen. Die Figurenmodelle von Kain und Raziel wurden deutlich überarbeitet und orientieren sich nun stärker an ihren aufwendig gerenderten Zwischensequenzen. Höhere Auflösung, Controller-Support für die PC-Version und die neue Kamera erhöhen den Komfort spürbar. Gleichzeitig wirkt die grafische Überarbeitung nicht immer überzeugend. Einige Umgebungen erscheinen überraschend blass, teilweise sogar weniger atmosphärisch als im Original. Der Versuch, die ollen Assets aufzuwerten, lässt die Welt von Nosgoth stellenweise etwas ausgewaschen erscheinen.
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Interessanter fällt das digitale Bonusmaterial aus. Während der Kampagne lassen sich Konzeptzeichnungen freischalten. Zusätzlich enthält das Remaster sogenannte „Lost Levels“. Diese Abschnitte sind allerdings eher als digitale Ausstellungsstücke gedacht – spielerisch passiert dort kaum etwas. Sie zeigen einen Blick auf frühere Ideen, bleiben aber letztlich leere Räume. Die Deluxe-Edition ergänzt das Paket um Comic-Scans und ein kurzes Fragment des eingestellten Projekts Legacy of Kain: Dark Prophecy. Das Material ist interessant, aber sehr knapp gesagt ein kurzer Blick genügte uns. Deutlich besser altert dagegen die Präsentation. Besonders der Sound hinterlässt noch immer Eindruck. Die düstere Musik unterstreicht die gotische Atmosphäre von Nosgoth, während die Sprecherleistungen – vor allem in den Dialogen zwischen Kain und Raziel – eine Intensität besitzen, die der Geschichte Gewicht verleiht. Gerade diese Mischung aus pathetischer Fantasy-Sprache, philosophischen Dialogen und dunkler Klangkulisse bleibt ein Markenzeichen der Serie.
Unser Fazit zu „Legacy of Kain: Defiance Remastered“
„Legacy of Kain: Defiance Remastered“ wirkt wie ein spielbares Element einer anderen Zeit von Videospielen. Die teils zwingenden Modernisierungen erleichtern selbst absoluten Neulingen den Zugang, ändern aber wenig daran, dass Kampfsystem, Rätselstruktur und Leveldesign aus zwei Dekaden vorher stammen. Trotzdem besitzt das Spiel eine erzählerische Wucht, die viele modernere Actiontitel vermissen lassen. Wer sich auf das Tempo und die Eigenheiten eines über zwanzig Jahre alten Spiels einlässt, findet hier weiterhin eine ungewöhnlich dichte Vampir-Saga – und einen spannenden Schlussakt einer der eigenwilligsten Dark-Fantasy-Reihen der frühen 2000er.
Release: 03.03.2026 | Entwickler: Crystal Dynamics / PlayEveryWare | Genre: Action-Adventure | Für PlayStation 5, Xbox Series S/X und PC | USK: ab 16
Legacy of Kain: Defiance Remastered (PlayStation 5)
Spielspaß - 71%
Gameplay - 61%
Grafik - 67%
Technik - 66%
66%
Für Fans.
Spielerisch originalgetreues Remaster mit wenigen Verbesserungen abseits der Kamera - der Umfang ist nett, aber nur als starker Fan-Service gedacht.
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