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Tesla baut sein Full Self-Driving (Supervised) weiter aus und führt mit Automatic Collision Evasion (ACE) eine neue Sicherheitsfunktion ein. Der Unterschied zur klassischen Notbremsung: Erkennt das Fahrzeug eine unmittelbar drohende Kollision, kann es künftig nicht nur bremsen, sondern im Ernstfall selbstständig lenken und ausweichen.
Das klingt ziemlich spektakulär. „Unfälle nahezu ausschließen“ wäre allerdings etwas zu dick aufgetragen – Tesla selbst beschreibt ACE ausdrücklich als zusätzliche Sicherheitsfunktion und nicht als Garantie dafür, dass es künftig nicht mehr kracht.
ACE übernimmt im Notfall das Steuer
Automatic Collision Evasion gehört zu FSD Supervised v14.3.9 und kann während der manuellen Fahrt eingreifen. Erkennt das System, dass eine Frontalkollision unmittelbar bevorsteht und Bremsen allein möglicherweise nicht mehr ausreicht, kann FSD automatisch aktiviert werden. Das Fahrzeug darf dann selbst lenken, bremsen und beschleunigen, um eine Kollision möglichst zu vermeiden und anschließend die Fahrt fortzusetzen. ACE kann zudem eingreifen, wenn das System erkennt, dass der Fahrer nicht ausreichend auf die Straße achtet oder FSD möglicherweise versehentlich deaktiviert wurde.
Damit geht Tesla deutlich weiter als klassische Automatic Emergency Braking-Systeme (AEB), die im Wesentlichen versuchen, eine Kollision durch eine automatische Vollbremsung zu verhindern oder zumindest deren Folgen zu reduzieren.
FSD bekommt gleichzeitig ein größeres KI-Update
ACE ist allerdings nur ein Teil von FSD 14.3.9. Tesla hat auch das eigentliche Fahrmodell überarbeitet. Unter anderem wurde das Reinforcement-Learning-Training erweitert und der Vision Encoder verbessert. Dadurch soll das System seltene Verkehrssituationen, schlechte Sichtverhältnisse und die räumliche Geometrie seiner Umgebung besser verstehen. Auch Verkehrszeichen, Einsatzfahrzeuge, Schulbusse, ungewöhnliche Hindernisse und sogar kleine Tiere sollen zuverlässiger erkannt werden. Tesla hat zudem Compiler und Runtime der KI neu aufgebaut. Laut Release Notes soll das eine um 20 Prozent schnellere Reaktionszeit ermöglichen.
Kein Freifahrtschein zum Wegschauen
Wichtig bleibt: Full Self-Driving heißt weiterhin nicht vollautonomes Fahren. Tesla bezeichnet das System ausdrücklich als FSD (Supervised). Der Fahrer muss aufmerksam bleiben und jederzeit eingreifen können. Auch ACE ändert daran nichts. Die Funktion ist als letzte zusätzliche Sicherheitsebene gedacht, nicht als Einladung, während der Fahrt in Ruhe den Rücksitz umzuräumen.
Die tatsächliche Zuverlässigkeit der neuen Kollisionsvermeidung muss sich zudem erst im größeren Alltagseinsatz zeigen. Gerade Tesla hatte in der Vergangenheit mit sogenannten Phantom-Bremsungen zu kämpfen, bei denen Fahrzeuge vermeintliche Gefahren erkannten und unerwartet abbremsten. Eine automatisch eingeleitete Ausweichbewegung ist nochmals eine andere Hausnummer. Entsprechend dürfte interessant werden, wie konservativ Tesla ACE abstimmt und wie häufig die Funktion tatsächlich aktiv eingreift.
FSD in Europa bleibt ein Sonderfall
Für deutsche Tesla-Fahrer ist die Sache aktuell ohnehin nur eingeschränkt relevant. FSD Supervised ist in Europa noch nicht flächendeckend in derselben Form verfügbar wie in den USA. Tesla arbeitet derzeit allerdings an einer breiteren europäischen Freigabe. In mehreren EU-Staaten wird das System bereits getestet beziehungsweise vorläufig zugelassen. Tesla selbst behauptet auf Basis eigener Daten aus mehr als 100 Millionen gefahrenen Kilometern, dass FSD Supervised in den untersuchten europäischen Ländern 4,1-mal seltener in Kollisionen verwickelt gewesen sei als manuell gefahrene Tesla-Fahrzeuge. Diese Zahlen stammen allerdings von Tesla selbst und sollten entsprechend eingeordnet werden. Eine mögliche EU-weite Zulassung steht noch aus.
Interessanter Ansatz – aber keine Unfallversicherung
Automatic Collision Evasion ist technisch trotzdem ein spannender Schritt. Moderne Autos können schon lange automatisch bremsen. Dass ein Assistenzsystem im absoluten Notfall zusätzlich versucht, aktiv einen sicheren Weg um das Hindernis herum zu finden, erweitert dieses Konzept erheblich. Ob ACE tatsächlich so zuverlässig funktioniert, dass schwere Kollisionen deutlich seltener werden, lässt sich derzeit aber noch nicht beurteilen.
Tesla baut damit eher einen weiteren digitalen Airbag ein – nur dass dieser versucht, den Unfall bereits zu vermeiden, bevor der echte überhaupt gebraucht wird.
