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The Last of Us Part I im großen TEST – Zeitlos brutales Meisterwerk

Der Endzeit-Roadtrip grafisch neu aufgelegt für die PlayStation 5

Naughty Dog setzte mit seinem emotionalen Horrordrama vor knapp 10 Jahren Maßstäbe in Sachen Storytelling und Gameplay – „The Last of Us Part I“ befasst sich mit der unwegsamen Reise von Joel und Ellie quer durch die USA um ein Heilmittel gegen ein zerstörerisches Virus zu finden. Grafisch mehr als opulent von Grund auf frisch für die PlayStation 5 entwickelt – hat das Abenteuer nichts von seiner wahrlich beeindruckenden Wirkung verloren. Unser großer Test zum Blockbuster.

Gäbe es in 40 Jahren eine Bestenliste mit den eindrücklichsten Storykampagnen in Videospielen ist sicherlich ein Teil von „Grand Theft Auto“ nicht weit, vermutlich käme auch noch ein Indie-Spiel von heute darin vor – aber mit großer Sicherheit wird „The Last of Us Part I“ nicht fehlen. Es finden sich in aktuellen Zeiten so viele Spiele, die das von Naughty Dog überhaupt erst erschriebene Grundkonzept dieses Horrorabenteuers in ihren Werken elementar oder geistig fast komplett übernehmen. „A Plague Tale“ beispielsweise übernimmt die grauenhafte Umwelt mit all ihren Gefahren durch u.a. menschliche Gegner würzt es jedoch mit einem Geschwisterpaar als Protagonisten. Was viele Entwickler kaum verstehen wollen – es ist nicht die Mixtur aus zwei anfangs spröden Charakteren, die nur genug Extremsituationen durchleiden müssen, um füreinander einzustehen sondern kleine emotionale Momente und ehrliche Liebe dank ausgezeichneter Dialoge mit wahrer Strahlkraft zu schaffen.

„The Last of Us Part I“ darf gemeinhin als Musterbeispiel in gleich mehreren Genres bezeichnet werden. All die Erfahrung aus der ebenso grandios inszenierten „Uncharted“-Reihe, ebenfalls von Naughty Dog entwickelt, erkennt man im Verlaufe der rund 35 stündigen Kampagne wieder. Charaktere sind keine bloßen Stichwortgeber, sie leben und kämpfen in dieser grausamen Welt – du nimmst es ihnen ab. Zwar liegt in der Prämisse vordergründig eine vernichtende Virus-Pandemie verursacht durch den Cordyceps (Pilz), die jegliche Infizierten die Kontrolle über ihren Körper raubt und sie in abscheuliche Pilzwesen verwandelt. Dennoch steht im Fokus der Handlung Joel, ein raubeiniger Schmuggler, der beim Zubruch der zivilsierten Welt seine Tochter verlor und sich nun in abgesperrten Militärbasen durchschlägt. Die Welt von TLOU ist nämlich vollständig zusammen gebrochen – es gibt private Militärbasen, Banditen-Camps oder friedliche Gemeinschaften. Im Chaos entstand eine Widerstandsgruppe namens „Fireflies“, diese sucht nach einem Heilmittel gegen den Virus und will die Gesellschaft wieder aufrichten. Joel wird von deren Anführerin Marlene beauftragt – die 14 jährige Ellie zu einem Unterschlupf zu eskortieren. Eher widerwillig stimmt er zu. Auf Beide wartet eine Reise voller Gefahren quer durch die USA. Sie gewinnt Joels Respekt, dann sein Vertrauen und schließlich seine Zuneigung.

Damals zur PlayStation 3-Ära

Bruce Straley und Neil Druckmann schaffen es das Storytelling erst sanft beginnen zu lassen und beim besten Willen ist das Spiel bis zu einem gewissen Plot-Point zwar gut aber danach öffnet sich erst Spielwelt sowie Figuren. Aber mit jedem überlebten Hinterhalt, geschafften Etappe oder gemeinsamer Momente wächst das spröde Duo mehr zusammen. Verbal wie emotional. Ich kenne kein anderes Spiel was mir dank perfekter Atmosphäre die Tränen in die Augen trieb, mich mehr hat am eigenen Verhalten zweifeln lassen oder eine Smybiose aus Videospiel und cineastischer Erzählung eingeht. Was im Original von 2013 – was gleichzeitig ein letzter Gruß an die scheidende PlayStation 3 war – gut war wurde im Remake technisch nochmal stark überboten. Alleine die final kinoreifen Zwischensequenzen, in denen kleinste Gesichtszuckungen samt Tränen oder Blicke nun klar dargestellt werden können. Was keineswegs heißt vorherige Versionen seien dahingehend zu schwammig gewesen – dennoch profitiert das Motion-Capture von der technischen Power einer PlayStation 5. Ist Joel skeptisch einer Person gegenüber lässt sich das jetzt fast alleine von den Augen ablesen – die Handlung mit ihren zahlreichen Wendungen und guten dramaturgischen Höhepunkten ist noch heute ein Masßstab für andere Action-Adventures.

Während sich grafisch also einiges tat, verharrt das Gameplay in früheren Zeiten. Einerseits ist nur folgerichtig der zurecht mit hohen Erwartungen ausgestatteten Spielerschaft trotz Remake-Gedanken kein abgeändertes Leveldesign anzudrehen, andererseits merkt man dem Gamedesign oftmals sein Alter an. Da geht bei rudimentär auftretenden Aktionen wie eine schwimmuntüchtige Ellie per Floß von A nach B zu schieben los und hört bei aufzustellenden Leitern verschiedenen Gebäuden auf. Gut, der Drang möglichst jeden Raum in jedem begehbaren Haus nach überlebenswichtigen Gegenständen wie Schrott zum Waffen aufwerten oder Messer mit denen man neben Angriffen auch verschlossene Türen öffnen kann, ist stetig vorhanden. Einmal mehr wegen der Immersion. So sammeln wir manchmal spezielle „Savage Starlight“-Comics ein, die zwar keinen Nutzen haben aber Joel Ellie verbal davon wissen lässt. Halbzerstörte Häuser treffen auf geplünderte Unterschlüpfe. Momente, in denen Beide gefahrlos durch die Steppe ziehen sind rar aber wirken umso stärker. Man erinnere nur an den zeitlos visuell stark eingefangene Trott der Giraffen. Während der Nachfolger mit optionalem Schalldämpfer und Kriech-Movement das Gameplay positiv beeinflusste – verzichtet man hier darauf. Schade. Leisetreter haben dafür den Bogen. Das Waffenmenü sowie Crafting durch gefundene Schrottteile wurde aus der Remastered-Version übernommen bloß, dass es im Remake noch schicke Animationen an öfter zu findenden Werkbänken gibt. Schönes Detail: Joel entsichert sichtbar seine Waffen bevor er schießt.

Konfrontationen

Der Kampf gegen Plünderer wirkt brachialer als in den vorherigen Versionen – das liegt einmal mehr an der aufgebohrten Technik samt erneuerten Soundkulisse. Jede Figur im Spiel wurde auch durch die Frischzellenkur geschickt, sodass Erdrosseln der Feinde deutlich brutaler anmutet. Schmerzgepeinigte Gesichter im Schwitzkasten von Joel liegen nach wenigen Sekunden Todeskampf am Boden. Gleiches gilt in noch erschreckender Ausrichtung für den ausweglosen Kampf gegen die Infizierten. Neben Runnern welche schreiend angreifen sowie Joel auch erkennen können verhält sich das bei vollständig Infizierten (Clicker) anders, denn der Cordyceps fras sich durch deren Körper und hinterließ einen gespaltenen sowie überwucherten Rumpf. Trotzdem sind Clicker gefährlicher da Körpertreffer durch den Pilzschirm nicht so viel Schaden ausrichten. Durch leere Glasflaschen oder Zuckerbomben (kein Scherz) lassen sie sich jedoch ablenken. Manche Levelpassagen sich sogar ganz ohne Kampf umgehen. „The Last of Us Part I“ punktet durch seine spielerische Abwechslung. Neben eindeutigen Arenakämpfen müssen recht einfache Rätsel geknackt oder Gebiete erforscht werden. Hier kommt ein weiterer Unterschied zum Tragen – im Remake sind vormals dunkle Level stockduster. Komplett dunkel. Man sieht den Revolver vor Augen nicht. Das macht viel aus.

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Gerade weil sogar noch in TLOU Remastered durch die werkelnde Grafik-Engine eine zwar angepasste aber dennoch viel zu überlichtete Optik vorstellig war, ist dies im Remake grundsätzlich anders. Im Nachfolger legte bereits aufgrund der Storyline eine merklich düstere Farbpalette an den Tag während der originäre Vorgänger eher bunter bzw. konstrastreicher daherkam. Was zweifellos ein Fünkchen Hoffnung der deprimierenden Prämisse nahelegte. Part I wurde merklich farbentsättigt, was heutzutage zwar optisch besser passt, aber dem Spiel etwas seiner jahrelang präsentierten UI beraubt. Etwas misslich empfanden wir es, dass Naughty Dog darauf verzichtete eine ganzheitliche Spielerfahrung zu fertigen, indem man Part I sowie das ebenfalls runderneuerte vormalige DLC „Left Behind“ rund um Ellie’s Vergangenheit verbindet. Ebenfalls schade ist das Fernbleiben des Multiplayer-Modus „Fractions“, der heutzutage sicherlich auch bestens funktionieren würde. Besonders gut gefielen uns hingegen die zahlreichen Anpassungen zur Barrierefreiheit. Seien es automatische Hilfen, Deaktivierung von Rätseln oder die Möglichkeit für sehgeschwächte Spieler durch die Vibrationen alle Dialoge „fühlbar“ zu schalten. So geht Inklusion in Videospielen. Grafisch ist „The Last of Us Part I“ sprichwörtliches Brett – da gibt es überhaupt nichts zu meckern. Die hauseigene Naughty Dag-Engine liefert eindrucksvolle Bilder mit Unmengen von Details ab. Auf die Ohren kommt eine aufgebohrte Audiokulisse durch die das ikonische Klackern der Clickern nochmal an Bedrohung dazu gewinnt und selbst ruhige Momente in der freien Natur deutlicher wirken. Hier bewegt man sich auf Königsklasse-Niveau. Zumal die grandios melancholischen Gitarrenklänge von Gustavo Santaolalla ebenfalls in der kommenden HBO-Serie zu hören sein werden.

Unser Fazit zu „The Last of Us Part I“

Schlussendlich sitzt man vor dem laufenden Abspann und fragt sich, ob man die Geschichte schon mal so emotional erleben durfte. Als jemand, der gefühlt jedes Jahr mit Joel und Ellie eine ausgedehnte Reise quer durch die amerikanischen Gefilden unternimmt sind die wenngleich nur optischen Veränderungen tatsächlich enorm. Grafisch ist man endgültig in Kinoblockbuster-Sphären angelangt während die dargebotene Atmosphäre wahrscheinlich selten so intensiv die Spieler packte, durchrüttelte und gnadenlos wieder ausspuckte. Urgestein Naughty Dog behandelt seinen größten Erfolg mit viel Respekt und Liebe. Sauer stößt trotz allem der deftige Vollpreis in Höhe von rund 80 Euro auf – hier wären 20 Euro weniger fairer gegenüber Spielern mit ein oder zwei Versionen des selben Spiels zuhause gewesen. Dennoch bleibt „The Last of Us Part I“ in vielen Bereichen maßgebend und sollte von jedem mit einer PlayStation aus den letzten 15 Jahren wenigstens einmal gespielt werden.

Entwickler: Naughty Dog | Preis: 79,99 Euro (PS Store) | Für PlayStation 5 | USK: ab 18

The Last of Us Part I (PlayStation 5)

Spielspaß - 96%
Gameplay - 88%
Grafik - 96%
Technik - 92%

93%

Ausgezeichnet!

Brutales Horrordrama mit ausgefeilter Geschichte - grafisch wie visuell beeindruckend. Zeitloses Meisterwerk!

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Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Facebook. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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