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The Quarry im großen TEST – Until Dawn im Slasherwald

Butterpops, Bier und Liebeleien

Hormongesteuerte Teenager im Sommercamp umringt von finsteren Gestalten – klingt im ersten Moment wie der Plot eines klassischen Slasher der 1980er-Jahre. Stimmt auch! Die „Until Dawn“-Macher mixen nämlich cineastische Optik mit Adventure-Gameplay welches im Vergleich leicht erweitert wurde. Warum die große Schockwirkung trotz spannenden Ansätzen nicht eintritt, verrät unsere Review zu „The Quarry“.

Beeinflussende Entscheidungen

Manchmal können kleinste Entscheidungen unser Schicksal beeinflussen – getreu dem Schmetterlingseffekt – der kleinste Flügelschlag kann woanders einen zerstörerischen Tornado auslösen. So verhält es sich seit jeher mit Spielen aus dem Hause Supermassive Games. Jedes ist hochcineastisch inszeniert, arbeitet inhaltlicher Natur oft mit bekannten Klischees. Seien es Geisterschiffe (Man of Medan) oder mysteriöse verfluchte Dörfer (Little Hope) übrigens beide Titel aus ihrer 2019 gestarteten „The Dark Anthologie“-Reihe welche im Gegensatz zum PS4-Blockbuster „Until Dawn“ spürbar simpler sowie spielerischer schwächer daherkommen. Nun gut. Das beschriebene Konzept von kleinen Entscheidungen mit tödlichen Folgen kommt auch im Sommer-Blockbuster „The Quarry“ unter der Flagge von 2KGames zum bewährten Einsatz. Konzipiert als interaktiver Film tobt sich die Entwicklerschmiede diesmal im Setting von blutigen 80er-Slasher á la „Freitag, der 13.“ aus. Schablonenhaft gezeichnete Figuren sorgen mitunter selbst für eigenes Schicksal, da sie ausgerechnet den allerletzten Sommerabend im Feriencamp nutzen wollen, um ihren Love Interest doch noch für sich zu gewinnen. So weit so bekannt. Dennoch bohrte Supermassive Games im Vergleich zum eiskalten Albtraum zu PS4-Zeiten, Gott sei Dank, das recht starre Perspektiven-Konzept bestehend aus starren Blickwinkeln merklich aus. Stichwort: Verfolger-Sicht. Dazu später mehr.

„The Quarry“ startet recht atmospährisch mit einer Autofahrt eines Pärchens durch typische US-Wälder. Nichts besonders, käme es nicht urplötzlich zum Unfall an dessen Ende zwar ein hilfsbereiter Sheriff mit Seilwinde aber merkwürdiger Warnung steht. Nicht bei Nacht nach Hackett’s Quarry zu fahren. Das Pärchen hört nicht darauf und verschwindet zunächst von der Bildfläche. Einen Zeitsprung später lernen wir die jugendlichen Betreuer des Camps kennen während die Autoren deutlich in die Klischeekiste griffen. So ist „Emma“ die typische hochnäsige Schönheit während „Dylan“ als sprücheklopfender DJ fast jeden emotionalen Moment durch Sarkasmus killt. Nicht zu vergessen – B-Movie-Legende David Arquette gibt sich als Mister Hackett bzw. Steinbruch-Chef die Ehre, bei ihm taugt das Motion Capturing übrigens am besten. Da der Teeniehorror mehr Wert auf seine cineastische Präsentation statt reinem Gameplay legt, zählt der grafische Aspekt mehr als zunächst angenommen. Polygon-Modelle erwachen hier richtig zum Leben sobald menschliche Gesichtszüge wie eingefangene Wimperzuckungen oder Pressen der Lippen zur Geltung kommen. Erfreulicherweise zoomt die Kamera oftmals auf Gesichter der Protagonisten. Über die eigentliche Gefahr bzw. weiteren Plotverlauf sagen wir euch mit Absicht nichts, weil Spoiler den Spielspaß dämpfen. Blöderweise ist insbesondere der Beginn des Grusel-Adventure viel zu träge geschrieben, sodass erst eine halbe Ewigkeit bis zum ersten Angriff passiert. Warum?

Alte bekannte Probleme

Wenigstens behält sich die Handlung eine grundlegende Spannung bei sobald es ans Eingemachte geht. Hinwegtrösten könnten zwar die Dialoge wären sie nicht so beliebig verfasst. Entwickelt beispielsweise Quantic Dreams, mit ähnlich gestalteten Werken, aus banalen Dialogen eine regelrechte philosophische Debatte verbleibt „The Quarry“ mit kindischen Furzwitzen. Immerhin ist es möglich sämtlichen Horrorfilm-Klischees mit eigenen Entscheidungen entgegenzuwirken. Regelmäßig bestimmt der Spieler den Weg seiner wechselnden Spielfigur. Ist es bei Flucht ratsam den normalen Weg oder die Abkürzung zu nutzen? Lassen wir unseren halbzerfetzten Freund im Stich und retten uns selbst? Einige davon beenden das Abenteuer vorzeitig während andere sogar die Chance auf 186 unterschiedliche Enden offenbaren. Der Spieler muss verschiedene Entscheidungen treffen, die die Charakterentwicklung, die Storyline und auch Beziehungen zwischen verschiedenen Charakteren verändern können. Neben häufigen Quick-Time Events darf sogar in bestimmten Gebieten selbst gesteuert werden, wobei die Genauigkeit abermals nicht zum vorhanden ist. Auf der Suche nach Hinweisen wie über einen Brand bei dem eine umherziehende Freak-Show starb, finden sich auch Tarot-Karten. War es in „Until Dawn“ noch der rätselhafte Psychoanalytiker erscheint uns Spielern in „The Quarry“ eine merkwürdige Hexe, die uns regelmäßig Bescheid gibt, wie gut oder schlecht wir uns schlagen. Natürlich gilt es möglichst alle Teenager heil durch die Nacht zu bringen.

Für alle Leser:innen, die hier jetzt schon abbrechen wollen – keine Sorge! Dieses Spiel lässt sich mit verschiedenen Optionen auch leichter stellen – zumal die charmant-cartoonigen Tutorial-Videos mehr als vorbildlich jedes Element im Gameplay wie Luft anhalten bei Gefahrenlagen sinnvoll thematisieren. Gorehounds wiederum erleiden höchstwahrscheinlich tiefe Enttäuschungen, denn obwohl die Prämisse sowie das USK 18-Logo für gnadenlose Gewalt spricht, sieht man diese zwar, aber „The Quarry“ setzt auf subtileren Horror bzw. Spannung. Dank ganzen vier Filmmodi samt Filtern wie Schwarz-Weiß oder Indie-Horror beweist Supermassive Games den leidenschaftlichen Hang zum Genre. Die Spieldauer von rund 10 Stunden eignet sich perfekt um mehrere Durchgänge zu starten. Grafisch besteht kaum Anlass zur Sorge wobei die dreckigen Motion Blur-Effekte zu beherzt eingesetzt wurden. Nachladende Texturen oder manchmal auftretende kurze Tonaussetzer inklusive Asynchronität gab es trotz PlayStation 5 als Plattform zu bemerken. Der lizensierte Score bedient sich aktueller Musik was das Teenager-Profil recht gut unterstreicht. Großes Lob an die deutsche Lokalsierung welche mit ihren Sprecher:innen einen fantastischen Job machte und sogleich (optische) Patzer des US-Casts schlicht ausbesserte.

Unser Fazit zu „The Quarry“

Am Lagerfeuer wird sich ordentlich gegruselt – Supermassive Games bleibt sich treu mit ihren recht stereotypen Storylines verpasst ihnen jedoch durch frische Ansätze sowie einem motivierenden Cast unterhaltsame Noten. Zwar erfindet das Studio nichts neu, dafür vergehen mit Horrorkultstars wie Arquette oder Lin Shaye knappe 10 Stunden Spielzeit im Flug. Das Gameplay darf getrost als optional bezeichnet werden während die cineastische Optik trotz mancher Logikpatzer mit verschlossenen Augen schlussendlich halbwegs überzeugt. Bloß der viel zu träge Beginn hätte nicht sein müssen.

Entwickler: Supermassive Games | Preis: 69,99 Euro | Für PlayStation 4|5, Xbox One|Series und PC | USK: ab 18

The Quarry (PlayStation 5)

Spielspaß - 83%
Gameplay - 69%
Grafik - 81%
Technik - 77%

78%

Empfehlung!

Am Lagerfeuer knistert die Spannung: Supermassive Games erfindet das Rad nicht neu - aber verpasst dem Teenieslasher ein frisches Update.

Mehr Informationen zu unserem Wertungssystem findest Du hier.

Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Facebook. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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