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Valve macht ernst mit Virtual Reality. Nach der Vorstellung im vergangenen Jahr steht der Steam Frame jetzt unmittelbar vor dem Verkaufsstart. Das kabellose VR-Headset soll dabei nicht einfach nur ein Nachfolger der Valve Index werden, sondern verfolgt einen deutlich flexibleren Ansatz: Spiele lassen sich drahtlos von einem Gaming-PC streamen, gleichzeitig steckt im Headset genug Hardware, um einen Teil der Steam-Bibliothek direkt und ohne PC auszuführen. Seit dem 14. September 2026 nimmt Valve Reservierungen entgegen, und inzwischen kennen wir auch den Preis für Deutschland: Los geht es bei ziemlich knackigen 1.049 Euro.
Damit spielt Steam Frame preislich in einer ganz anderen Liga als Meta Quest 3 und Co. Valve verkauft allerdings auch weniger eine klassische Standalone-Brille als vielmehr einen kleinen tragbaren SteamOS-Rechner fürs Gesicht. Ob das reicht, um mehr als tausend Euro auf den Tisch zu legen? Zumindest technisch ist das Ding ziemlich spannend.
Streaming steht beim Steam Frame im Mittelpunkt
Valve bezeichnet Steam Frame selbst als „Streaming-first“-Headset. Im Lieferumfang befindet sich dafür ein eigener 6-GHz-Wireless-Adapter, der am Gaming-PC angeschlossen wird. Statt den Datenverkehr einfach zusammen mit Netflix, Smartphone, Kühlschrank und dem Rest des WLAN-Zoos durch den heimischen Router zu jagen, bekommt Steam Frame damit eine dedizierte Funkverbindung zum Rechner. Das Headset besitzt dafür zwei separate Funkmodule: Eines kümmert sich um den PC-Stream, das andere weiterhin um die normale Netzwerkverbindung.
Besonders interessant ist dabei das Foveated Streaming. Steam Frame verfolgt über Eye-Tracking, wohin der Nutzer gerade schaut, und kann genau diesen Bereich des Bildes mit besonders hoher Qualität übertragen. Bereiche außerhalb des Blickzentrums benötigen dagegen weniger Bandbreite. Das Ganze funktioniert laut Valve auf Systemebene und muss nicht von jedem Spiel einzeln unterstützt werden. Gerade beim drahtlosen PC-VR könnte das ein ziemlich cleverer Ansatz sein, weil hohe Auflösung und niedrige Latenz traditionell zwei Dinge sind, die sich über WLAN gerne gegenseitig in die Fresse hauen.
Ein PC ist trotzdem nicht zwingend notwendig
Das Spannende am Steam Frame ist, dass Valve sich nicht komplett vom Standalone-Konzept verabschiedet. Im Headset arbeitet ein Qualcomm Snapdragon 8 Gen 3 mit 16 GB LPDDR5X-RAM und SteamOS. Damit können kompatible Spiele direkt auf dem Headset ausgeführt werden, ohne dass im Hintergrund ein Gaming-PC laufen muss. Valve unterstützt dabei nicht nur klassische VR-Spiele, sondern grundsätzlich auch normale Steam-Titel. Windows-Spiele können über die bekannten Kompatibilitätsschichten Proton und FEX auf der ARM-Hardware ausgeführt werden.
Dass Valve es damit durchaus ernst meint, zeigt ausgerechnet sein wichtigstes VR-Spiel: Half-Life: Alyx wurde für Steam Frame auf ARM64 portiert und kann direkt auf dem Headset laufen. Käufer erhalten das Spiel zusammen mit der Hardware. Für anspruchsvolle PC-Titel bleibt Streaming trotzdem der vorgesehene Weg, denn ein Snapdragon im Headset ersetzt natürlich keine ausgewachsene Gaming-GPU. Steam Frame kann damit beides: autark funktionieren, wenn die Leistung reicht, oder den großen Gaming-PC im Arbeitszimmer anzapfen, wenn mehr Dampf gebraucht wird.
2.160 × 2.160 Pixel pro Auge und bis zu 144 Hz
Vor den Augen sitzen LCD-Panels mit jeweils 2.160 × 2.160 Pixeln, kombiniert mit Pancake-Linsen. Die Bildwiederholrate reicht von 72 bis 144 Hz, wobei Valve die höchste Einstellung derzeit noch als experimentell bezeichnet. Dazu kommen Eye-Tracking sowie vier nach außen gerichtete Monochrom-Kameras für das Inside-out-Tracking von Headset und Controllern. Externe Basisstationen wie bei der Valve Index sind damit nicht mehr notwendig.
Das komplette Headset bringt rund 440 Gramm auf die Waage, wobei Valve einen Teil des Gewichts nach hinten verlagert hat. Dort sitzt auch der Akku mit einer Kapazität von 21,6 Wh. Der eigentliche vordere Teil fällt dadurch leichter aus, was für den Tragekomfort mindestens genauso wichtig sein dürfte wie das Gesamtgewicht. Funkseitig sind unter anderem Wi-Fi 7 und Bluetooth 5.4 an Bord.
Ein kleiner Haken steckt bei den Kameras: Von Haus aus gibt es kein vollwertiges Farb-Passthrough wie bei aktuellen Mixed-Reality-Headsets. Dafür ist Zubehör vorgesehen. Der Steam Frame besitzt einen Erweiterungsanschluss an der Front, über den beispielsweise die separat erhältliche Arcturus Vision Camera Farbdurchsicht und weitere Kamerafunktionen nachrüsten kann. Valve setzt bei der Hardware also wieder ein Stück weit auf den Gedanken, dass Nutzer und Zubehörhersteller mit dem Gerät spielen dürfen – nicht nur darauf.
Neue Controller gehören zum Paket
Zum Lieferumfang gehören zwei Steam Frame Controller, die sowohl für VR-Spiele als auch für klassische Games ausgelegt sind. Valve versucht damit, die Grenze zwischen normalem PC-Gaming und VR noch etwas weiter einzureißen. Wer beispielsweise ein gewöhnliches Steam-Spiel auf einer virtuellen Leinwand spielen möchte, soll dafür nicht zwingend einen zusätzlichen Controller benötigen.
Die Controller werden mit AA-Batterien betrieben und sollen laut Valve eine Laufzeit von bis zu 40 Stunden erreichen. Headset und Controller erfassen ihre Position ohne Lighthouse-Basisstationen direkt über das Inside-out-Tracking. Gerade für Nutzer, denen bei der Index noch Kabel und kleine schwarze Kästchen im Zimmer auf die Nerven gegangen sind, dürfte allein das bereits eine ziemlich große Verbesserung darstellen.
Steam Frame kostet in Deutschland ab 1.049 Euro
Seit dem 14. September 2026 steht auch fest, was der Spaß kostet. Valve bietet zwei Speichervarianten an. Der Steam Frame mit 256 GB kostet in der EU 1.049 Euro, während für die Version mit 1 TB Speicher 1.279 Euro fällig werden. Der Speicher lässt sich zusätzlich per microSD-Karte erweitern.
| Modell | Speicher | Preis |
|---|---|---|
| Steam Frame | 256 GB | 1.049 Euro |
| Steam Frame | 1 TB | 1.279 Euro |
Im Paket befinden sich das Headset, zwei Steam Frame Controller, der 6-GHz-Wireless-Adapter für den PC und Half-Life: Alyx. Eine etwas schräge Entscheidung gibt es allerdings ebenfalls: Ein USB-C-Netzteil gehört nicht zum Lieferumfang. Benötigt wird ein Netzteil mit mindestens 45 Watt. Das Ladegerät eines Steam Deck kann beispielsweise weiterverwendet werden.
Der Verkauf läuft zunächst über dasselbe Reservierungssystem, das Valve bereits bei anderer Hardware eingesetzt hat. Interessenten können sich bis zum 17. September anmelden. Anschließend wird die Reihenfolge ausgelost, die ersten Kaufaufforderungen sollen ab dem 18. September 2026 verschickt werden. In der Europäischen Union verkauft Valve Steam Frame direkt über Steam.
Günstig ist Valves Rückkehr zu VR definitiv nicht
Mit einem Einstiegspreis von 1.049 Euro ist Steam Frame weit von einem VR-Schnäppchen entfernt. Eine Meta Quest 3 ist erheblich günstiger und bringt zusätzlich Farb-Passthrough ab Werk mit. Valve zielt allerdings auch auf eine andere Ecke des Marktes. Steam Frame soll die große vorhandene Steam-Bibliothek möglichst bequem ins Headset bringen und gleichzeitig die lästigen Altlasten klassischer PC-VR-Systeme beseitigen: kein Kabel zum PC, keine Lighthouse-Stationen und auf Wunsch nicht einmal ein laufender PC.
Genau das macht Steam Frame für mich wesentlich interessanter als einen simplen „Index 2“-Ansatz. Valve versucht, die Stärken von Steam Deck, SteamOS und SteamVR in einem Gerät zusammenzubringen. Dass mittlerweile sogar Half-Life: Alyx direkt auf der ARM-Hardware läuft, zeigt zudem, dass der Standalone-Modus mehr als nur ein nettes Häkchen im Datenblatt sein soll.
Der Preis bleibt trotzdem ein ordentliches Brett. Für über 1.000 Euro ohne Netzteil muss Steam Frame schon verdammt gut funktionieren, damit aus Valves VR-Comeback mehr wird als ein sehr teures Spielzeug für Enthusiasten. Technisch reizvoll ist das Konzept allemal – und nach der mittlerweile sieben Jahre alten Valve Index war neue Hardware aus Bellevue nun wirklich überfällig.
