Alltagstechnik

Zendure Agentic HEMS soll Solar, Akku und E-Auto koordinieren

So stimmen unsere Leser ab:

Eine Solaranlage auf dem Dach ist noch ziemlich einfach zu verstehen: Die Sonne scheint, die Anlage produziert Strom. Spätestens wenn aber Batteriespeicher, dynamischer Stromtarif, Wärmepumpe und Elektroauto dazukommen, wird aus dem vermeintlich simplen Stromsparen schnell eine kleine Wissenschaft. Soll der Speicher nachts mit billigem Netzstrom geladen werden? Oder sollte er leer bleiben, weil morgen die Sonne scheint? Und wann bekommt eigentlich das Auto seinen Strom?

Genau dieses Durcheinander will Zendure mit Agentic HEMS automatisieren. Dahinter steckt kein neuer Speicher und auch kein zusätzliches Kästchen, das man sich irgendwo an die Wand schrauben muss. Stattdessen soll das Home Energy Management System künftig stärker vorausdenken und die verschiedenen Energieverbraucher eines Hauses gemeinsam steuern, statt lediglich einzelne Ladezeiten festzulegen.

Ein ganz normaler Abend zeigt das Problem

Nehmen wir ein einfaches Beispiel: Es ist 18 Uhr, das Elektroauto kommt an die Wallbox, im Hausspeicher stecken noch 60 Prozent und gerade kostet Netzstrom verhältnismäßig viel. Das Auto wird allerdings erst am nächsten Morgen wieder gebraucht. Es wäre also ziemlich sinnlos, sofort teuren Strom aus dem Netz ins Auto zu pumpen, nur weil jemand gerade den Stecker eingesteckt hat.

Ein intelligentes Energiemanagement könnte stattdessen zunächst den vorhandenen Strom im Batteriespeicher für Fernseher, Herd, Wärmepumpe und den restlichen Haushalt verwenden. Das Auto wartet noch ein paar Stunden und beginnt beispielsweise erst nachts mit dem Laden, wenn der dynamische Stromtarif günstiger geworden ist. Bis hierhin ist das noch relativ klassisches intelligentes Scheduling.

Zendure möchte mit Agentic HEMS aber einen Schritt weitergehen. Das System soll nicht nur fragen, wann etwas geladen werden soll, sondern auch berücksichtigen, was wahrscheinlich als Nächstes passiert. Genau hier liegt eigentlich der interessante Teil der ganzen Geschichte.

Morgen Sonne? Dann lass Platz im Akku

Angenommen, der Wetterbericht sagt für den nächsten Tag strahlenden Sonnenschein voraus. Dann wäre es möglicherweise ziemlich bescheuert, den Batteriespeicher mitten in der Nacht mit günstigem Netzstrom bis auf 100 Prozent zu füllen. Wenn am nächsten Morgen die Photovoltaikanlage ordentlich loslegt, wäre im Akku schließlich kaum noch Platz für den kostenlosen Solarstrom vom eigenen Dach.

Andersherum sieht die Sache aus, wenn für die kommenden Tage Regen und grauer Himmel vorhergesagt werden. In diesem Fall könnte es durchaus sinnvoll sein, den Speicher nachts zu einem günstigen Tarif aus dem Netz zu laden. Genau solche Zusammenhänge soll Agentic HEMS automatisch erkennen und daraus eine passende Strategie ableiten. Laut Zendure sollen dabei unter anderem Solarertrag, Wetter, Strompreise, erwarteter Haushaltsverbrauch sowie der Zustand von Batterie und angeschlossenen Geräten berücksichtigt werden.

Für den Nutzer bedeutet das: Er muss sich nicht mehr jeden Abend Gedanken darüber machen, ob der Akku heute besser halbvoll, leer oder randvoll sein sollte.

ZenPulse versucht vorherzusagen, was passiert

Für diesen Blick in die nächsten Stunden und Tage setzt Zendure auf ZenPulse. Dahinter steckt ein eigenes Prognosemodell, das verschiedene Daten miteinander kombinieren soll. Es geht also nicht nur darum festzustellen, dass morgen um zwölf Uhr vermutlich fünf Kilowattstunden Solarstrom erzeugt werden. Entscheidend ist vielmehr, was diese Information für den gesamten Haushalt bedeutet.

Vielleicht muss das Elektroauto morgens unbedingt 80 Prozent Ladestand haben. Gleichzeitig wird am Vormittag viel Solarstrom erwartet, während der Strompreis in der Nacht besonders niedrig ist. Dann muss das System entscheiden, welche Energie wohin gehört und wie viel Platz im Batteriespeicher sinnvollerweise freigehalten werden sollte.

Das klingt kompliziert – und genau deshalb ergibt die Automatisierung an dieser Stelle überhaupt erst Sinn. Niemand möchte morgens beim Kaffee eine kleine Excel-Tabelle aufmachen und aus Wetterbericht, Strombörse, Akkustand und Abfahrtszeit des Autos den energetisch perfekten Tagesplan zusammenbasteln.

ZENKI soll aus Prognosen echte Entscheidungen machen

Die Vorhersage übernimmt ZenPulse, ausführen sollen die Strategie anschließend die sogenannten ZENKI AI Agents. Zendure beschreibt mehrere spezialisierte Software-Agenten, die sich beispielsweise mit Energieplanung, Nutzergewohnheiten, Systemoptimierung oder Sicherheit beschäftigen. Sie sollen nicht einfach stumpf den billigsten Strompreis suchen, sondern mehrere Ziele gleichzeitig berücksichtigen.

Das ist durchaus wichtig. Denn die mathematisch günstigste Lösung muss nicht automatisch die beste Lösung für den Menschen im Haus sein. Wenn das Elektroauto morgens nur 35 Prozent Akku hat, obwohl man damit zur Arbeit fahren muss, hilft einem die perfekt optimierte Stromrechnung herzlich wenig. Gleichzeitig soll das System Batterien nicht unnötig stressen und selbstverständlich Sicherheitsgrenzen einhalten.

Zendure nennt deshalb Kosten, Komfort, Batterielebensdauer und Sicherheit als Faktoren, die gleichzeitig in die Entscheidungen einfließen sollen.

Der Unterschied passt in zwei Sätze

Was Zendure mit Agentic HEMS erreichen will, lässt sich eigentlich viel einfacher erklären als mit Begriffen wie „Agentic AI“.

Ein normales automatisches System könnte sagen: „Der Strom ist nachts billig, also lade den Speicher um zwei Uhr.“

Agentic HEMS soll stattdessen sagen können: „Der Strom ist nachts billig, aber morgen scheint die Sonne. Deshalb lade ich den Speicher heute nicht und lasse Platz für den Solarstrom.“

Am nächsten Tag könnte dieselbe Entscheidung genau andersherum ausfallen, weil schlechtes Wetter erwartet wird. Das System soll also nicht lediglich Regeln abarbeiten, sondern seine Strategie abhängig von der aktuellen und erwarteten Situation verändern.

Und irgendwie müssen die Geräte miteinander reden

Damit solche Entscheidungen überhaupt funktionieren können, braucht das System Zugriff auf möglichst viele Teile des Energiehaushalts. Dafür ist bei Zendure Zen+OS vorgesehen. Die Plattform soll Batteriespeicher, Energieanbieter, Smart-Home-Systeme und weitere Geräte zusammenbringen und unterstützt unter anderem MQTT sowie Integrationen mit Home Assistant und Homey.

Zendure nennt darüber hinaus eine breite Unterstützung von Energieanbietern, Wärmepumpen, PV-Wechselrichtern und Ladelösungen für Elektroautos. Der entscheidende Punkt ist dabei weniger die möglichst beeindruckende Zahl kompatibler Geräte als die Frage, ob die eigenen Komponenten zusammenspielen. Denn die schönste automatische Optimierung nützt wenig, wenn ausgerechnet Wärmepumpe oder Wallbox nicht mitmachen. Genau hier wird sich in der Praxis zeigen müssen, wie offen das System tatsächlich ist.

Nicht jeder Haushalt braucht dafür gleich eine KI

Wer ein Balkonkraftwerk besitzt und damit tagsüber Kühlschrank und Router versorgt, dürfte Agentic HEMS kaum benötigen. In einem solchen Haushalt gibt es schlicht nicht genug Variablen, um daraus eine große Optimierungsaufgabe zu machen.

Mit einer größeren PV-Anlage sieht das schnell anders aus. Sobald Batteriespeicher, dynamischer Stromtarif, Elektroauto und Wärmepumpe gleichzeitig berücksichtigt werden sollen, kann man ziemlich viel Strom zum falschen Zeitpunkt kaufen oder vorhandene Solarenergie unnötig verschenken.

Und genau hier erscheint der Ansatz sinnvoll: Nicht weil unbedingt noch irgendwo „KI“ draufstehen muss, sondern weil ein Computer Wetter, Preise und Verbrauch nun einmal leichter gleichzeitig im Blick behalten kann als jemand, der eigentlich nur möchte, dass morgens das Auto geladen ist und abends noch Strom im Speicher steckt.

Am Ende muss es einfach funktionieren

Die große Herausforderung für Zendure dürfte deshalb nicht das Prognosemodell sein, sondern Vertrauen. Wenn der Speicher plötzlich nicht geladen wird oder die Wallbox erst drei Stunden später startet, sollte der Nutzer verstehen können, warum das System diese Entscheidung getroffen hat.

Noch wichtiger wird sein, wie Agentic HEMS reagiert, wenn seine Vorhersagen danebenliegen. Wetterprognosen ändern sich, Menschen fahren spontan früher los und auch der Stromverbrauch eines Haushalts läuft nicht jeden Dienstag exakt nach demselben Schema. Ein wirklich gutes Energiemanagement muss solche Abweichungen erkennen und seinen Plan entsprechend anpassen.

Wenn das klappt, dürfte der größte Erfolg von Agentic HEMS am Ende ziemlich unspektakulär aussehen: Das Auto ist morgens voll genug, der Solarstrom landet möglichst dort, wo er gebraucht wird, und der Haushalt kauft weniger teuren Netzstrom.

Mehr sollte der Nutzer davon eigentlich gar nicht merken müssen.

Torsten "Pixelaffe" Schmitt

Torsten "Pixelaffe" Schmitt

CvD & Evil Genius
3D-Druck, Serien & Filme, Gaming, jede Art von Gadget
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Geboren 1976 im schönen Schwetzingen und nicht weggekommen. Ich habe somit den Aufstieg des Internet miterlebt und beruflich auch vorangetrieben. Hier schreibe ich über all die Technologien die mir auf meiner Reise durch das "Neuland" auffallen.

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