Forza Horizon 6 frisch abgefahren – Das Warten lohnte sich für dieses Festival!
Runde 6 des Racers setzt auf Stärken und viel Sightseeing
Und Abfahrt! Die Geschichte der Rennspiel-Reihe Forza Horizon war im Kern stets eine kleine Gegenbewegung. Nicht als gewaltsame Rebellion, eher als arcadige Antwort auf eine Lücke, die keine IP so richtig schließen konnte. Während die Hauptreihe Forza Motorsport mit klinischer Präzision die Ideallinie verfolgt und das perfekte Setup in den Vordergrund stellte, entstand parallel der Wunsch nach einem freieren Zugang zum Fahren – weniger Regelwerk, mehr Gefühl, weniger Rennwochenende, mehr Roadtrip. Studio Playground Games griff diese Idee auf und übersetzte sie vor 14 Jahren in ein Festivalformat, das bis heute fulminant trägt. Sticht die Idee auch mit Runde Nummero 6 – unsere Review zu Forza Horizon 6.
Die Sonnenstrahlen legen sich sanft über den schwarzen Asphalt während das Motorgeräusch röhrend in die gleichen Schwingungen verläuft wie die Ideallinie auf unserer Minimap. Kurz darauf erscheint er nach einigen Baumkronen – der Mount Fuji. Die Atmosphäre stimmig, zusammen mit einer guten Prise Festivalstimmung versetzt uns Entwickler Playground Games wieder in eine famose Festivalstimmung. Selbstredend bleibt „Forza Horizon 6“ dieser Linie treu, setzt aber an entscheidenden Stellen kleine, spürbare Unterschiede. Der Schauplatzwechsel von Mexiko nach Japan wirkt zunächst wie eine naheliegende Entscheidung – ein Sehnsuchtsort für Autokultur, über Jahrzehnte stilisiert durch Motorsport, Tuning-Szene und neonfarbener Popkultur. Doch das Spiel macht daraus kein realistisches Abbild, sondern eine mitunter dichte Interpretation. Tokio ist nicht Tokio im geografischen Sinn, sondern ein Mix aus bekannten Motiven: Shibuya, Neonfassaden, breite Verkehrsadern. Alles etwas enger zusammengerückt. Dasselbe gilt für den Rest der Karte. Ländliche Regionen, verschneite Bergabschnitte, Küstenstreifen – sie greifen ineinander, als hätte jemand die charakteristischsten Elemente des Landes extrahiert und neu zusammengesetzt.
Diese Verdichtung zahlt sich aus. Fahrten wirken abwechslungsreich, selbst wenn man lange Strecken zurücklegt. Ein paar Minuten genügen, und die Umgebung kippt von urbaner Dichte in ruhige Naturgebiete. Enge Bergpässe, die sich in langen Kurven nach oben ziehen, wechseln sich mit breiten Schnellstraßen ab, die zu Vollgas-Phasen einladen. Gerade diese sogenannten Touge-Strecken entwickeln schnell einen eigenen Reiz. Sie verlangen Präzision, Geduld, saubere Linienführung – und erinnern in ihrer Dramaturgie an klassische Verfolgungsduelle. Zwei Fahrzeuge, ein schmaler Asphaltstreifen, kaum Fehlerverzeihung. Auf höheren Schwierigkeitsgraden wird daraus ein intensives Katz-und-Maus-Spiel, das mehr Spannung erzeugt als viele der größeren Events im Hauptspiel.
Unplanbarkeit als Konzept
Überhaupt lebt „Forza Horizon 6“ stark von Momenten, die sich nicht planen lassen. Ein spontaner Drift durch eine Kurve, ein sauber gesetzter Sprung über eine Kuppe, das kurze Gefühl, das Auto nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Das Fahrmodell bleibt dabei erneut zu den großen Stärken. Arcade genug, für die Zugänglichkeit, aber differenziert genug, um Unterschiede spürbar zu machen. Antriebskonzepte, Gewicht, Motorisierung – all das beeinflusst das Verhalten unserer Boliden deutlicher, als man es aus vergleichbaren Spielen wie dem inszenatorisch ähnlichen „The Crew: Motorfest“ kennt. Wer am Setup arbeitet, merkt Veränderungen sofort. Eine Anpassung am Fahrwerk verändert das Einlenkverhalten, andere Reifen sorgen für mehr Grip, eine geänderte Gewichtsverteilung macht das Heck stabiler.
Gleichzeitig bleibt das Spiel gewohnt großzügig. Autos sind keine knappe Ressource. Im Gegenteil – sie werden fast schon inflationär verschenkt. Belohnungen, Wheelspins, Events, Meilensteine: ständig landet ein neues Fahrzeug in der Garage. (Hier bitte das Oprah-Meme vorstellen.) Nach einigen Dutzend Stunden ist die Sammlung so umfangreich, dass man eher auswählt als sammelt. Das kann motivieren, weil ständig Neues ausprobiert werden will. Es kann aber auch den Reiz mindern, weil einzelne Fahrzeuge an Bedeutung verlieren. Geld spielt eine Rolle, aber keine besonders restriktive. Wer regelmäßig fährt, kann sich leisten, was er braucht.
Das Progressionssytem selbst wurde leicht umgebaut. Der Einstieg erfolgt nicht mehr direkt als Teil des Festivals. Stattdessen arbeitet man sich über ein Armband-System nach oben, schaltet nach und nach neue Events frei. Parallel dazu existiert mit „Discover Japan“ ein zweiter Strang, der weniger formal wirkt. Hier geht es um Erkundung, um kleinere Aufgaben, um das bewusste Wahrnehmen der Spielwelt. Fotos von Sehenswürdigkeiten, Sammelobjekte, kleinere Liefermissionen – etwa für den „Raku Raku Express“-Essensdienst. Diese Aufgaben sind selten komplex, erfüllen aber einen Zweck: Sie lenken den Blick auf Details und sind unglaublich spaßig unterhaltsam.
Nicht jede Idee überzeugt jedoch gleichermaßen. Einige Ideen wirken recht bemüht. Besonders die neu gestalteten Scheunenfunde fallen auf. Wird ein verstecktes Auto entdeckt, zwingt einem das Spiel eine Art Handyaufnahme auf, samt wackeliger Kamera und bewusst amateurhafter Perspektive. Die Idee dahinter ist klar – Stil von Instagram-Reels – die Umsetzung wirkt jedoch eher wenig kohärent als charmant. Solche Momente reißen aus dem ansonsten erstaunlich stimmigen Gesamteindruck.
Mehr Garagenfläche
Deutlich gelungener ist das neue System rund um Häuser und Garagen. Immobilien lassen sich kaufen, anpassen und teilweise ausbauen. Wer sich weiter außerhalb niederlässt, bekommt sogar Raum, eigene Strecken oder kleine Siedlungen zu gestalten. Das bleibt optional – erinnert fast schon an ein benzinbetriebenes „Animal Crossing“. Es verstärkt das Gefühl, nicht nur Teilnehmer eines Festivals zu sein, sondern sich dauerhaft in dieser Welt einzurichten. Andere Spieler:innen können auch diese Orte besuchen, was dem Ganzen eine soziale Komponente gibt, die über klassische Rennen hinausgeht.
Überhaupt ist man selten allein unterwegs. Selbst im Einzelspieler-Modus bleibt die Welt belebt. Online-Verbindungen sorgen dafür, dass andere Fahrer:innen jederzeit auftauchen können. Wer möchte, tritt direkt gegen sie an, statt gegen KI. Alternativ stehen strukturierte Online-Events bereit, bei denen mehrere Teilnehmende in kurzen Abständen gegeneinander fahren. Technisch funktioniert das zuverlässig. Verbindungsprobleme blieben in unserem Test die Ausnahme, Ladezeiten zwischen Rennen sind kurz. Das trägt viel zur Gesamtwirkung bei.
Ein besonderes Highlight sind die sogenannten Showcase-Events. Sie setzen bewusst auf Spektakel und brechen mit dem klassischen Rennformat. Ein Duell gegen ein überdimensionierten, mechanischen Transformer, Rennen gegen Flugzeuge, Streckenführungen, die eher an Freizeitpark-Attraktionen erinnern als an Motorsport – hier erlaubt sich das Spiel bewusst richtige Übertreibung. Das wirkt manchmal fast absurd, passt aber erstaunlich gut in das ohnehin lockere Festival-Konzept. Diese Events bleiben im Gedächtnis, weil sie etwas anderes wagen, zukünftig mehr davon! Weniger mutig zeigt sich das Spiel bei der grundsätzlichen Struktur. Menüs, Fortschrittssysteme, Eventaufbau – vieles orientiert sich stark an den Vorgängern. Wer die letzten Teile gespielt hat, findet sich sofort zurecht. Das ist komfortabel, aber auch ein wenig vorhersehbar. Gerade im urbanen Bereich hätte man sich mehr neue Rennformate gewünscht.
Technisch liefert „Forza Horizon 6“ dagegen auf gewohnt hohem Niveau. Die grafische Präsentation ist dank hauseigener ForzaTech-Engine detailreich, die Performance stabil – selbst auf schwächerer Hardware wie der Series S. Kleine Unsauberkeiten, etwa leichtes Tearing oder Framerate-Einbrüche in besonders dichten Szenen, fallen kaum ins Gewicht. Soundseitig überzeugt das Spiel ebenfalls. Motorengeräusche, Umgebungsgeräusche und im Hintergrund ein Radiosender – alles wirkt sauber abgestimmt. Neue Musikstücke fügen sich gut ein, ohne sich aufzudrängen.
- Entdecke die atemberaubenden Landschaften Japans auf der bislang größten Horizon-Map voll mit vertikalem Terrain, abwechslungsreichen Biomen und spektakulären Fahrerlebnissen.
- Cruise durch die Vororte und legendären Straßen der Innenstadt von Tokio und liefere dir Rennen in den Hafen- und Industriegebieten.
- Fahre über 550 realitätsgetreue Fahrzeuge und verpasse deinen Lieblingen ein Upgrade, und zwar mit neuen Bodykits und Forza Aero, der Möglichkeit, Designs auf Scheiben zu lackieren, und...
Interessant ist auch der Umgang mit Schadensmodellen. Standardmäßig bleiben Schäden optischer Natur. Kratzer, Dellen, aber keine spürbaren Auswirkungen auf das Fahrverhalten. Wer mehr Herausforderung sucht, kann das Modell anpassen. In der Simulationseinstellung wirken sich Unfälle auf Leistung und Steuerung aus. Komplett zerstörte Fahrzeuge bleiben allerdings aus – eine Einschränkung, die lizenzbedingt nachvollziehbar ist.
Unser Fazit zu „Forza Horizon 6“
„Forza Horizon 6“ erfindet sich nicht neu. Es verfeinert und erweitert stattdessen. Die Spielwelt ist größer, dichter, abwechslungsreicher. Das Fahrgefühl bleibt ein zentraler Spaßmacher, der nach wie vor überzeugt. Gleichzeitig zeigt sich mittlerweile eine gewisse Routine, die nicht immer kaschiert werden kann. Manche Systeme wirken vertraut bis zur Vorhersehbarkeit. Und doch entfaltet das Spiel eine Sogwirkung, der man sich schwer entziehen kann! Vielleicht liegt es an diesen kleinen Momenten – eine nächtliche Fahrt durch neonbeleuchtete Straßen, ein sauberer Drift auf nassem Asphalt, der Blick auf einen verschneiten Berg in der Ferne. Vielleicht auch daran, dass das Spiel genau weiß, wann es sich zurücknehmen muss. Es funktioniert am besten, wenn es einfach laufen lässt.
Der Druck auf Entwickler Playground Games war hoch. Der Vorgänger erreichte ein Millionenpublikum, die Erwartungen entsprechend. „Forza Horizon 6“ beantwortet diesen Druck nicht mit radikalen Ideen, sondern mit gezielten Änderungen. Mit einem sicheren Gespür für das, was funktioniert. Und mit der Erkenntnis, dass ein gutes System nicht ständig neu erfunden werden muss – solange es sich noch so gut anfühlt, einfach loszufahren.
Release: 19. Mai 2026 | Entwickler: Playground Games | Genre: Rennspiel | Für Xbox Series S/X und PC | USK: ab 6
Forza Horizon 6 (Xbox Series S)
Spielspaß - 92%
Gameplay - 91%
Grafik - 90%
Technik - 85%
90%
Ausgezeichnet!
„Forza Horizon 6“ verfeinert seine bewährte Formel mit stärkerer Welt und überzeugendem Fahrgefühl, bleibt dabei aber spürbar vertraut. Gerade diese Mischung sorgt für anhaltende Motivation – Playground Games setzt auf Präzision statt Neuerfindung.
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