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Nicht jedes Zelda-Modell aus dem 3D-Drucker muss anschließend sein Dasein im Regal fristen. Die „Deluxe Ocarina – Fully Playable“ von Joce’s Designs auf MakerWorld ist als tatsächlich spielbare Okarina konstruiert und damit ein ziemlich schönes Projekt für Einsteiger. Datei laden, PLA einlegen, drucken und anschließend die Nachbarn mit den ersten Versuchen von „Zeldas Wiegenlied“ beglücken. Zumindest theoretisch. Das Modell findet ihr kostenlos bei MakerWorld. Besonders praktisch für Anfänger: Für das Modell stehen fertige Druckprofile zur Verfügung und der Designer hat die benötigten Stützstrukturen gezielt berücksichtigt. Trotzdem gibt es ein paar Dinge, die ihr vor und nach dem Druck beachten solltet.
PLA und eine 0,4-mm-Düse reichen aus
Für den ersten Versuch würde ich ganz klassisch zu PLA und einer 0,4-mm-Düse greifen. Exotisches Material ist hier nicht notwendig. PLA lässt sich vergleichsweise unkompliziert drucken, ist günstig und eignet sich für dieses Projekt gut – solange die fertige Okarina später nicht bei 50 Grad auf dem Armaturenbrett eures Autos liegt. Wer einen Bambu-Lab-Drucker besitzt, kann zunächst das vorhandene Druckprofil verwenden. Gerade die Supports würde ich nicht sofort durch eine automatische Berechnung des Slicers ersetzen. Bei einem funktionalen Modell können wenige Millimeter darüber entscheiden, ob anschließend nur etwas hübsch aussieht oder auch tatsächlich funktioniert.
Für einen unkomplizierten ersten Versuch würde ich mit folgenden Einstellungen starten:
| Einstellung | Empfehlung |
|---|---|
| Material | PLA |
| Düse | 0,4 mm |
| Schichthöhe | 0,20 mm |
| Wände | 3 |
| Infill | 15–20 % |
| Infill-Muster | Gyroid |
| Geschwindigkeit | Standardprofil des Druckers |
| Supports | vorhandenes Druckprofil übernehmen |
| Brim | normalerweise nicht notwendig |
| Skalierung | 100 % |
Die Werte sind eine Empfehlung für einen möglichst unkomplizierten Druck und keine offiziellen Vorgaben des Designers. Wer das fertige MakerWorld-Profil nutzt, sollte dessen Einstellungen zunächst beibehalten. Experimentieren könnt ihr immer noch beim zweiten Versuch.
Kompakte Druck-Checkliste
Vor dem Start und nach dem Druck reichen ein paar schnelle Kontrollen:
- Druckbett sauber und Filament in Ordnung?
- Erste Schicht sauber auf dem Druckbett?
- Nach dem Druck Supports langsam entfernen
- Grifflöcher auf Filamentreste kontrollieren
- Luftkanal am Mundstück besonders vorsichtig prüfen
- Okarina erst testen und anschließend nachbearbeiten
Mehr Hexenwerk steckt für den ersten Versuch nicht dahinter.
Warum ihr die Okarina nicht skalieren solltet
Bei Figuren ist Skalieren normalerweise kein großes Problem: 150 Prozent einstellen und Link wird eben etwas größer. Bei einem Musikinstrument ist das allerdings eine ziemlich schlechte Idee. Die Tonhöhe einer Okarina hängt unter anderem vom Innenvolumen sowie Größe und Position der Öffnungen ab. Verändert ihr das komplette Modell proportional, verändert ihr damit auch seine akustischen Eigenschaften. Bleibt deshalb bei der vorgesehenen Größe. Ihr wollt schließlich ein spielbares Instrument und keinen sehr hübschen blauen Gegenstand, der beim Reinblasen klingt, als würde irgendwo ein Molch um Hilfe rufen.
Nach dem Druck wird es wichtig
Ist die Okarina fertig, kommt der Teil, bei dem etwas Fingerspitzengefühl gefragt ist. Entfernt die Stützstrukturen langsam und kontrolliert. Besonders rund um Mundstück und Öffnungen solltet ihr nicht einfach mit der Zange hineinzimmern wie Ganondorf nach drei Energy-Drinks.
Kontrolliert anschließend jedes Griffloch gegen das Licht. Lose Filamentfäden lassen sich mit einer Pinzette entfernen. Ist ein Rand etwas unsauber geworden, könnt ihr ihn behutsam mit einem Entgrater oder sehr feinem Schleifpapier säubern.
Beim Luftkanal des Mundstücks ist deutlich mehr Zurückhaltung angesagt. Seine Geometrie ist für die Tonerzeugung wichtig. Hier solltet ihr nur offensichtliche Filamentreste entfernen und nicht auf Verdacht Material wegschleifen. Aus einem kleinen Schönheitsfehler wird sonst schnell eine Okarina mit eingebautem Schweigemodus.
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Wenn die fertige Okarina kaum klingt
Kommt nach dem ersten beherzten Pusten kaum ein Ton heraus, ist nicht automatisch das Modell schuld. Kontrolliert zuerst den Luftkanal und die Öffnungen. Sind diese frei, lohnt sich ein Blick auf die gedruckte Oberfläche. Bei einem Blasinstrument sollte der Körper möglichst dicht sein. Sichtbare Unterextrusion oder kleine Lücken zwischen den Bahnen können deshalb stärker ins Gewicht fallen als bei einem reinen Dekorationsmodell. Mehr Infill ist dagegen nicht automatisch die Lösung – entscheidender sind sauber gedruckte Außenwände.
Und bevor ihr mit Feile und Schleifpapier eine medizinische Operation am Mundstück beginnt: lieber noch einmal genau nach Filamentfäden oder Resten der Supportstruktur suchen.
Erst drucken, dann hübsch machen
Für Anfänger würde ich die erste Okarina bewusst einfarbig drucken. Blaues PLA rein und los. Damit reduziert ihr mögliche Fehlerquellen und könnt zunächst herausfinden, ob euer Druck tatsächlich funktioniert. Wer anschließend die bekannte Zelda-Optik nachbauen möchte, kann Details bemalen oder beim zweiten Versuch mit mehreren Farben arbeiten. Falls der erste Druck musikalisch doch eher nach sterbendem Keese als nach „Zeldas Wiegenlied“ klingt, habt ihr wenigstens nicht vorher noch mehrere Stunden in die Verzierung gesteckt.
Ein schönes 3D-Druck-Projekt für Anfänger
Die Deluxe Ocarina ist ein schönes Beispiel dafür, warum 3D-Druck mehr sein kann als Drachen, Benchys und der 47. Behälter für irgendwelchen Kleinkram. Hier kommt tatsächlich etwas vom Druckbett, das anschließend benutzt werden kann.
Gleichzeitig bleibt das Projekt auch für Einsteiger überschaubar. Das vorhandene Druckprofil nimmt einem einen guten Teil der Slicer-Arbeit ab, während die Nachbearbeitung ein wenig Fingerspitzengefühl vermittelt. Und wenn alles funktioniert, hat man wenigstens eine gute Ausrede, warum seit zwei Stunden dieselben fünf Töne durch die Wohnung schallen.
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