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Marvel’s Wolverine im Test – Brutale Wut-Therapie eines Antihelden
Der God of Krallen lässt es blutig krachen
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Die Jungs und Mädels von Insomniac Games haben sich über viele Jahre einen Ruf erarbeitet, der nicht nur auf sauberer technischer Umsetzung basiert, sondern auf einem Verständnis dafür, wie große Figuren emotional erzählt werden. Langjährige IPs wie Ratchet & Clank oder zuletzt die erfolgreichen Marvel’s Spider-Man-Teile zeigten das deutlich. Mit Marvel’s Wolverine geht das Studio bewusst einen anderen Weg. Mehr spielerische Wucht ohne Kompromisse. Weniger leichtfüßigen Humor, dafür eine ambivalente Figur, die permanent am Rand der Eskalation steht. Das Ergebnis ist ein klassisches Action-Adventure, das sich spürbar von der bekannten Marvel-DNA des Studios absetzt – und genau darin seine größte Stärke findet. Unsere Review zu „Marvel’s Wolverine“.
Während unserer ausgedehnten Testphase vielen uns zwei Dinge recht deutlich ins Auge. Einmal: Solch ein wunderbar klassisches Action-Adventure mit linearen Wegen, keine störenden Upgradesysteme sowie fehlendem Games-as-a-service-Murks, der seit Jahren die Gaming-Branche wie ein bösartiger Fluch überzieht. Nichts davon ist im neuen Titel von Insominiac Games vertreten, dennoch, und das bringt uns zur zweiten Sache, war wohl Zeit ein gewisses Problem. Trotz allem Licht, welche ich gleich detailliert schildern werde, fand sich im Spiel des wütenden Krallen-Mannes auch einiges an Schatten was sich mit nicht ausgeschöpftem Potenzial erklären lässt – bestimmt weil das Studio mit Projekten rund um „Venom“, einem dritten Teil zu „Spider-Man“ und neue Geschichten von „Ratchet und Clank“ noch einige Arbeit in der Pipeline hat. Und vielleicht noch Drittens – wer kam auf den bläulichen (mittlerweile abgeschwächten) Geruchssinn aka Furzwolken als Questmarker für den Antihelden? Nun ja, was ist jetzt mit dem frischen Abenteuer um Wolverine?
Interessant: Die Geschichte verzichtet auf eine klassische Origin-Erzählung. Stattdessen wird Logans Vergangenheit neu zusammengesetzt. Nathaniel Essex entdeckt ihn in einem verwilderten Zustand, formt ihn und integriert ihn in „Team X“, eine militärische Einheit für Mutanten. Jahre später ist davon wenig übrig außer Schuld, Wut und einem brüchigen Moralkompass – der Grund hierfür anfangs unbekannt. Logan arbeitet (widerwillig) mit alten Bekannten wie Mystique und Sabretooth zusammen, zunächst aus pragmatischen Gründen. Die Begegnung mit Jean Grey lässt ihn jedoch umdenken.
Die Handlung greift Motive aus verschiedenen Comic-Arcs auf, ohne sich strikt an eine Vorlage zu binden. Dadurch wirkt selbst Neulingen vieles vertraut. Einige Wendungen lassen sich früh erahnen, doch entscheidend ist weniger das „Was“ als das „Wie“. Besonders die Beziehung zwischen Logan und Jean Grey trägt die emotionalen Momente, die gut funktionieren. Liam McIntyre gibt Logan eine erfrischene raue Stimme. Strukturell setzt das Spiel auf eine Mischung aus linearen Abschnitten und kleineren, offenen Arealen. Der Ablauf bleibt dabei immer geführt. Logan bewegt sich meist von Punkt A nach Punkt B, dazwischen stehen Kämpfe, kurze Erkundungsphasen und Story-Sequenzen. Hin und wieder öffnet sich das Leveldesign. Dann laden Nebenwege, versteckte Materialien oder optionale Herausforderungen zum Entdecken ein. In einem Abschnitt lädt ein detailliert gestaltetes Japan zum Erkunden ein – wenngleich wir uns deutlich mehr offene Gebäude oder Interaktionsmöglichkeiten gewünscht hätten – im nächsten wird man wieder strikt durch einen engen Pfad geführt.
Die Schauplätze wechseln überraschend häufig. Kanada, Madripoor, Japan. Der Sprung zwischen diesen Orten gibt dem Spiel Tempo, manchmal auch auf Kosten der Tiefe. Dafür sitzen die großen Setpieces. Explosionen, Verfolgungsjagden, inszenierte Kämpfe – Insomniac versteht sein Timing wie kaum ein anderes Studio, da reißt es un gerade im letzten Drittel quasi konstant aus dem Sessel. Solche Szenen treiben die Handlung voran, ohne wie reine Zwischensequenzen zu wirken.
Im Zentrum steht das Kampfsystem. Es ist schnell, direkt, kompromisslos. Logan kämpft dabei ohne Zurückhaltung. Parieren, Ausweichen, harte Konter. Dazu verteilt er Tritte, um gegnerische Verteidigungen zu brechen. Seine Adamantium-Klauen sind nicht nur optisches Merkmal, sondern bestimmen vehement das Spielgefühl. Treffer fühlen sich schwer an während Gegner auf ihre Verletzungen sichtbar reagieren. Abgetrennte Gliedmaßen sind da keine Seltenheit und Blutfontänen gehören damit zur Alltagsroutine im Leben des Krallen-Manns. Da überzeigt die gut zerstörbare Umgebung mit zersplitterenden Holzkisten oder Wänden echt gut.
Es kann nicht aggressiv genug sein
Das Rage-System verstärkt diesen Eindruck. Durch aggressive Spielweise lädt sich eine Wutanzeige auf. Drei Stufen stehen zur Verfügung. Bereits auf der ersten regeneriert Logan automatisch Gesundheit. Steigt die Anzeige weiter werden Angriffe brutaler und effizienter. Auf der höchsten Stufe lassen sich Gegner mit finisherartigen Aktionen sofort ausschalten. Das Problem: Die Mechanik ist sehr leicht zugänglich. Wer konstant Druck macht, hält die Wut problemlos aufrecht – das vereinfacht das Spiel enorm.
Ergänzt wird das Ganze durch vier Spezialfähigkeiten mit Cooldown. Sie erweitern das Moveset, bleiben aber im Kern recht überschaubar. Level-Ups schalten neue Angriffe frei oder verbessern bestehende Fähigkeiten. Dazu kommen passive Boni, die über Herausforderungen und Sammelobjekte freigeschaltet werden. Ungewöhnlich aber doch amüsant: Whisky-Flaschen dienen als eine Art Fortschrittsressource – passt zur Comicfigur. Neben den offenen Kämpfen gibt es immer wieder Stealth-Abschnitte. Logan bewegt sich dann vorsichtiger, nutzt Deckung und eliminiert Gegner leise. Diese Sequenzen funktionieren solide, erreichen aber nicht die Qualität der direkten Konfrontationen. Wobei die Entwickler:innen zwar Stealth-Einlagen anbieten, aber hoffen, dass wir schnell die offensiven Krallen sprechen lassen. Feinde sind also noch ein bisserl hellhöriger als im geistigen Vorgänger „Marvels Spider-Man“.
Ein besonderes Element sind die sogenannten Albtraum-Herausforderungen. Kleine, abgeschlossene Prüfungen, die Parkour-Abschnitte oder Kampfsituationen unter Zeitdruck kombinieren. Sie liefern zusätzliche Hintergrundinformationen zu Logan. Wer sie ignoriert, verpasst definitiv relevante Storydetails. Genau hier liegt das Problem. Die letztlich Präsentation beschränkt sich hier nur auf Text und Audio – warum gab es hier keine Zwischensequenzen?
Bosskämpfe sind übrigens auch vorhanden, aber selten. Dafür bleiben sie in Erinnerung. Hier fehlt die mechanische Tiefe, die man aus vergleichbaren Actiontiteln kennt. Ein Spiel wie das jüngst von Capcom veröffentlichte Onimusha: Way of the Sword (unsere Review) zeigt, wie viel Potenzial in einem gut ausgearbeiteten Parier-System steckt. Wolverine kratzt daran, geht aber nicht konsequent genug in diese Richtung, schade.
Technisch liefert Insomniac das, was man erwartet! Zwei Grafikmodi stehen euch zur Wahl: Performance mit 60 Bildern pro Sekunde und ein Qualitätsmodus mit 30 FPS und höherer Detaildichte. Beide laufen stabil. VRR und 120-Hz-Unterstützung sind vorhanden. Raytracing bleibt der PS5 Pro vorbehalten. Die hauseigene potente Engine sorgt für saubere Beleuchtung, glaubwürdige Materialien und überzeugende Charaktermodelle. Besonders die Lichtstimmung fällt auf. Nachtabschnitte, Neonlichter in Madripoor, kalte Schneelandschaften in Kanada – das passt wie die Krallen in den Augapfel.
Technische Probleme trüben den Spielspaß
Ganz fehlerfrei bleibt das Spiel nicht. Gelegentlich treten Clipping-Probleme oder unsichtbare Barrieren auf. Ein Absturz während unseres Tests ist ebenfalls vorgekommen. Der umfangreiche Day-One-Patch mit über 70GB Größe hat technische Schwächen spürbar reduziert – aber nicht vollständig beseitigt.
Audiovisuell zeigt sich das Spiel druckvoll. Schläge, Explosionen, das metallische Geräusch der Klauen – alles hat Gewicht. Der Score von David Fleming („Superman“ (2025)) trägt viel zur Atmosphäre bei. Seine Arbeit erinnert an große Kinoproduktionen, bleibt dabei aber zurückhaltend genug, um die Szenen nicht zu überladen. Es ist sein erstes Videospielprojekt, und man merkt, dass hier jemand mit filmischem Hintergrund arbeitet. Die deutsche Vertonung ist Sony-typisch gelungen, auch wenn das englische Original mit Troy Baker als Nathaniel Essex noch etwas mehr Nuancen bietet. Insgesamt bleibt die Qualität hoch – unabhängig von der gewählten Sprache.
- Marvel's Wolverine erscheint am 15. September 2026 - Jetzt vorbestellen und Vorbestellboni sichern.
- Vorbestellboni: Vorab-Freischaltung - Anzug in klassischem Braun, Vorab-Freischaltung - Spiegelklauen, 1 Technikpunkt, 4 PlayStation-Avatare
Unser Fazit zu „Marvel’s Wolverine“
Inhaltlich verzichtet Marvel’s Wolverine bewusst auf typische Open-World-Strukturen. Keine überladene Karte und keine endlosen Checklisten. Stattdessen liegt der Fokus auf eine lineare, cineastische Erfahrung. Das fühlt sich in der aktuellen Landschaft fast ungewohnt an. Und verdammt gut. Logan selbst ist dabei der Anker. Kein strahlender Held, sondern ein erwartbarer widersprüchlicher Charakter. Zynisch, impulsiv, gleichzeitig enorm verletzlich. Diese Facetten kommen im Spiel zur Geltung ohne übertrieben zu werden. Gerade die ruhigeren Szenen zeigen, dass Insomniac deutlich mehr inszenatorisch kann als spektakuläre Action.
Es ist ein klar strukturiertes Action-Adventure mit Fokus auf Inszenierung und Kampfsystem. Seine Stärken liegen in der Wucht der Kämpfe, der Darstellung der Hauptfigur und der technischen Umsetzung. Schwächen zeigen sich bei der Integration der Systeme, seiner begrenzten Bossvielfalt inklusive den Gegnern und einigen inkonsequenten Designentscheidungen. Zudem hätte die Spielzeit länger ausfallen können. Trotzdem bleibt ein Eindruck hängen, dass uns das raue Abenteuer mit Logan enorm Spaß machte, gerade weil es sich traut, dreckiger zu sein. Direkter. Und manchmal auch etwas ungeschliffen. Damit viele Gemeinsamkeiten mit Wolverine zu einen.
Release: 15. September 2026 | Entwickler: Insomniac Games | Genre: Action-Adventure | Für PlayStation 5. | USK: ab 18
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Marvel's Wolverine
Marvel’s Wolverine überzeugt mit blutrünstigen Kämpfen, starker Inszenierung und einer rauen Hauptfigur, bleibt aber bei Bossdesign und Umfang hinter seinem Potenzial. Gerade seine direkte, ungeschliffene Art macht das Marvel-Abenteuer dennoch besonders.
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