GamingTestberichte

Review: Hot Wheels: Infinite Rush – Gezogene Handbremse auf der Spielzeugstrecke

Hat es die Open-World unbedingt gebraucht?

So stimmen unsere Leser ab:

Mit Hot Wheels Infinite Rush verlässt Entwickler Milestone seine gewohnte Komfortzone ein Stück weit. Das italienische Studio, sonst tief im Simulationsbereich rund um Reihen wie MotoGP verankert, überträgt seine Erfahrung erneut auf die quietschbunte Spielzeugmarke – diesmal jedoch nicht mehr auf abgegrenzte Strecken, sondern auf ein Open-World Konzept. Heraus kommt ein, passenderweise, verspielter Arcade-Racer, der sich spürbar anders anfühlt als die Vorgänger, gleichzeitig vertraute Stärken ausspielt aber nicht richtig zünden will.

Denken wir alle kurz mal an Hot Wheels, denken wir an sorgenlose Kindertage. Spielzeugautos, die über die typisch bunten Straßenteppische eines schwedischen Möbelhauses rutschen, gegeneinander stoßen und dabei dieses bestimmte *Klack*-Geräusch machen. Ja, das in diese beruhigende Zeit will uns Milestone wieder führen, wobei „Hot Wheels: Infinite Rush“ den Gedanken an eine obligatorische Open-World zwar erfüllt aber uns doch fragen ließ: Warum? Der Einstieg fällt bewusst unkompliziert aus. Ohne große Story oder langes Setup setzen uns die Entwickler:innen direkt in einer frei befahrbaren Welt ab. Dieses Forza Horizon-ähnliche Prinzip funktioniert zunächst gut, weil es Tempo aufnimmt und die Neugier weckt. Vier Inseln – Wheelswood, Gearville, Tentacle Bay und Drifty Temples – dienen als sprichwärtliche Spielplätze. Jede bringt eine eigene thematische Ausrichtung, Aufgaben und Sammelobjekte mit, wobei Tentacle Bay mit seinem zentralen Oktopus als Mega-Monster und den dicht verwobenen Straßenzügen hier am meisten Charakter zeigt.

Fahrerisch bleibt sich Milestone treu. Keine Sorge, nicht im bekannten Sim-Konzept. Die Steuerung ist direkt und zugänglich – klar auf Arcade ausgelegt. Boost lädt sich durch sauberes Fahren, Drifts und riskante Manöver wie in den Gegenverkehr brausen auf und könnte für den entscheidenden Vorteil sorgen. Gleichzeitig lässt sich aktiv in das Renngeschehen eingreifen: Seitliche Rempler oder gezielte Rammstöße gehören zum täglichen Repertoire und bringen eine gewisse Verspieltheit rein. Gerade im dichten Verkehr oder auf offenen Streckenabschnitten entsteht so ein dynamischer Rhythmus.

Überhaupt entfaltet sich der größte Reiz im arcardigen Flow. Geschwindigkeiten jenseits der 200 km/h vermitteln dank sich verziehender Optik spürbar Tempo, ohne die Kontrolle komplett aus der Hand zu geben. Die Physik tut dabei ihr übriges. Kollidieren Fahrzeuge, zerlegen sie sich fast so, als würde man echte Spielzeugautos gegeneinanderstoßen. Das passt herrlich! Wer durch Bäume pflügt, Kisten zerlegt oder über den Strand jagt, bekommt genau dieses kindlich-chaotische Gefühl zurück, das die Marke transportieren will.

Auch die Fahrzeugauswahl unterstützt diesen Ansatz. Mehr als 150 Autos lassen sich freischalten, von klassischen Hot-Wheels-Designs bis hin zu lizenzierten Modellen wie einem Honda Civic aus den 90ern, einer Dodge Viper oder einem Mercedes-Benz 560 SEC AMG. Vier Fahrzeugklassen strukturieren das Ganze: Allrounder für vielseitige Einsätze, wuchtige Titans, die Hindernisse schlicht ignorieren, driftfreudige Spezialisten und auf Höchstgeschwindigkeit getrimmte Boliden. Praktisch: Während der Open-World-Fahrten kann jederzeit zwischen diesen Kategorien gewechselt werden – leider nur mit einem eher umständlichen Menü. Einerseits Flexibilität aber es verhindert Frust in unterschiedlich angelegten Events.

Hot Wheels: Infinite Rush
© Milestone

Diese Events sind über die Inseln verteilt und reichen von klassischen Rennen bis zu traditionellen Herausforderungen für Drift, Boost oder reine Geschwindigkeit. Hinzu kommen Sammelobjekte – darunter über 300 Zahnräder pro Gebiet – sowie kleinere Aufgaben, die mit Score-Popups und stetigem Fortschritt belohnen. Besonders gelungen sind die Pink-Slip-Rennen: Hier wird direkt um Fahrzeuge gefahren, was den Einsätzen mehr Gewicht gibt. Weniger elegant gelöst sind die sogenannten Daredevil-Duelle, die zufällig auf der Map auftauchen und oft mit längeren Suchfahrten verbunden sind.

Die offene Struktur bringt jedoch nicht nur Vorteile. Mit der Zeit stellt sich leider spielerische Ermüdung ein. Die Aufgaben wiederholen sich – echte Abwechslung ist rar gesät. Eine übergeordnete Story fehlt komplett, wodurch dem Fortschritt ein klarer Rahmen fehlt. Was anfangs befreiend wirkt, entpuppt sich später als Motivationsbremse. Der Gedanke drängt sich auf, ob das Open-World-Konzept hier wirklich notwendig war oder ob klar strukturierte Strecken dem Spiel mehr Fokus gegeben hätten.

Hot Wheels Infinite Rush Day One Edition (PS5)
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Auch beim Worldbuilding zeigt sich eine gewisse Inkonsistenz. Die ikonischen, orangefarbenen Hot-Wheels-Streckenschienen – inklusive Loopings und magnetischer Passagen, die Fahrten kopfüber ermöglichen – sorgen für kreative Highlights und echte Wow-Momente. Gleichzeitig wirken viele Umgebungen leider viel zu bodenständig – also für die Marke „Hot Wheels“. Statt überzeichneter Spielzeugwelten dominieren oft zu generische Stadt- oder Wüstenlandschaften. Technisch hinterlässt Infinite Rush auf unserer Testplattform der Base-PlayStation 5 einen sehr guten Eindruck. Die Fahrzeugmodelle sind detailliert und die Darstellung läuft flüssig mit 6fps pro Sekunde – hinzu kommt eine kräftig bunte Farbgebung. Schwächen zeigen sich bei einigen Texturen und im Detailgrad der Umgebung.

Die Struktur der Menüs ist klar gegliedert. Im Rush Hub laufen Garage, Sammlung und Fortschritt zusammen. Ein separater Arcade-Modus bietet klassische Einzelspieler-Events, dazu kommen Online-Rennen und ein recht ausführlicher Streckeneditor. Letzterer unterstreicht die spielerische Freiheit, die Milestone dem Projekt geben wollte. Problematischer fällt die KI auf. Gegner agieren oft zu vorhersehbar oder treffen fragwürdige Entscheidungen, was Rennen weniger spannend macht als möglich. Immerhin herrscht hier nicht der gefürchtete Gummiband-Effekt. In Kombination mit der teilweise leeren Open World entsteht so ein Ungleichgewicht: Der Spielfluss stimmt, doch echte Herausforderungen oder langfristige Ziele fehlen zu oft.

Unser Fazit zu Hot Wheels Infinite Rush

Hot Wheels Infinite Rush trifft den Kern der Marke gut, wenn es um Fahrgefühl und unmittelbaren Spielspaß geht. Die Mischung aus hoher Geschwindigkeit, zugänglicher Steuerung und bewusst überzeichneter Physik erzeugt genau jene Leichtigkeit, die man mit den kleinen Flitzern aus Kindheitstagen verbindet. Die Open-World liefert dafür eine große Bühne, verliert aber zu schnell an Zugkraft. Wiederholende Aufgaben samt dünner Struktur und eine zu zahme KI bremsen den Langzeitreiz aus. Was bleibt, ist ein solider Arcade-Racer mit amüsanten Momenten.

Release: 10. September 2026 | Entwickler: Milestone | Genre: Rennspiel | Für PlayStation 5, Xbox Series S/X und PC | USK: ab 6

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Unsere Bewertung

Hot Wheels: Infinite Rush

Passabel
70%

Starkes Fahrgefühl und viel Tempo treffen auf eine offene Welt mit kurzer Halbwertszeit. Spaßig im typischen "Hot Wheels"-Gameplay, aber mit begrenzter Langzeitmotivation.

Gameplay65%
Grafik70%
Technik68%
Umfang75%

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Benny Illgner

Benny Illgner

Redakteur
Tech-Journalist
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Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Instagram. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter/Threads unter @IamIllgner an.

Schreibt und lebt nebenher das glorreiche Leben eines Technik-Bloggers. Interessiert sich für technische Spielereien jeglicher Art und spielerische Technik der allgegenwärtigen Videospiel-Konsolen. Primär für Gaming-, Smart Home-Krams und Reviews zuständig. Schlechte Wortspiele in Reviews eingeschlossen.

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