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14.610 Tage

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Heute ist es dann soweit – mein 40. Geburtstag. Lange musste ich auf dieses Ereignis warten als ich an einem Sonntag im Jahr 1976 auf die Welt kam. Ich bin das erste Kind und meine Mutter meinte es ging alles relativ schnell (soweit sie sich daran erinnern kann). Mein Dad hat es damals wohl etwas anderes erlebt. „Damals“ durften Väter noch nicht in den Kreißsaal wie es heute im Normalfall eigentlich üblich ist. Mein Dad musste zusammen mit meinem Opa schön vor der Tür warten.

Als es dann gegen 6:22 Uhr soweit war, kam die Hebamme zu meinem Vater und sagte, dass es jetzt soweit sei und er zu mir und meiner Mutter kann, wenn er denn einen Blumenstrauß für sie hätte. Um das was dann geschah ranken sich Mühten und Legenden (oder die damals Beteiligten wollen es nicht so genau zugeben).

Meinem Opa war das alles ziemlich egal und schob die Hebamme angeblich „sanft“ zur Seite, mein Dad verpasste diesen Moment und bekam den vollen Zorn der Hebamme ab. Was zunächst als ein Scherz gedacht wurde, wurde nun bitterer Ernst – er musste einen Blumenstrauß besorgen!

Wo bekommt man an einem Sonntag morgen gegen 7:00 nur einen Blumenstrauß her? Er sprang also in seinen Käfer und versuchte sein Glück zunächst bei der Friedhofsgärtnerei…Erfolglos, der Eigentümer wohnte wohl nicht bei seinem Geschäft. Doch nebenan war ja der Friedhof…..

Wie man Vater dann doch noch an einen Blumenstrauß kam, die Legenden gehen von in einem Garten geklaut (er lies 10 Mark dort) bis hin zu einem frei laufenden Zombie auf dem Friedhof entrissen….wir werden das alles wohl nicht erfahren, wenn mein Vater nicht langsam mal mit der Sprache rausrückt.

Mir war das damals so ziemlich alles egal, ich war putzmunter und lag in meinem warmen Bettchen, während mein Opa sich wie ein Schneekönig freute, was ich heute als Vater absolut verstehen kann. In meinen Augen gibt es nichts schöneres als selbst einmal eine Geburt (mit-) zu erleben. Der finale Moment wenn alles was man über Monate angespannt hat, fällt von einem ab, wenn man hört, dass alles gut gelaufen ist und der Zwerg gesund ist und der Mutter es gut geht. Dieses Erlebnis durfte ich bis heute 2 mal erleben, fast ein drittes mal aber unser kleines Sternchen hat es sich nach 14 Wochen wohl doch anders überlegt, leider.

Das war ebenfalls ein einschneidendes Erlebnis in meinem Leben, man beginnt von 100% Vorfreude von einer Sekunde auf die andere in ein tiefes Loch zu fallen, aus dem man nur sehr schwer wieder rauskommt.

Ich bin nicht unbedingt der Mensch, der Gefühle zeigt oder über diese redet, also hab ich mich zunächst zurückgezogen und mir eine eigene Art der Trauer gesucht. Irgendwie hat es dann zusammen mit meiner Frau geklappt über dieses Erlebnis hinwegzukommen, wobei wir uns gegenseitig getröstet und zugesprochen haben. Für mich war es zu diesem Zeitpunkt extrem schwierig, da wir zwei komplett gegensätzliche Arten der Trauer gewählt haben. Sie wollte das ganze „offen“ gestalten, ich für mich wählte den Weg des „ausblenden“, keine Infos über all das an einen ranlassen – so unterschiedlich können Menschen sein.

Jetzt, einige Zeit später kann ich dann auch nun endlich darüber sprechen – unser Sternenkind wird im November anonym in einem Grab zusammen mit weiteren Sternenkindern beigesetzt (wer mehr darüber erfahren möchte, kann sich gerne bei mir melden). Einen Namen für „Sternchen“ habe ich ihm nicht gegeben um nicht eine zu starke persönliche Bindung aufzubauen und den Schmerz des Verlustes noch zu stärken, für mich wird „es“ immer „Sternchen“ sein, auch wenn meine Frau und meine Kids einen Namen gefunden haben, ich will ihn nicht wissen. Das ist meine Art zu trauen.

Als Erinnerung an diese Zeit habe ich mich kurz darauf entschlossen mich tätowieren zu lassen, ein Tattoo, das ich offen tragen werden und (mir) zeigt, dass ich immer an diese Zeit denken werde. Es wurde ein Stern, allerdings nicht dieser „klassische“, wie man ihn immer häufiger sieht, sondern ein unvollendeter Stern der nicht perfekt ist. Ich glaube dieses Bild trifft es dann ganz genau…..

2016-08-29 15.11.43

40 Jahre

Oh mein Gott, eigentlich wollte ich nur ein wenig was über meine Geburt schreiben und dann ein wenig rumnölen wie schlimm es doch ist jetzt 40. zu sein….aber während ich diesen Artikel schreib, ist eben genau dieser Gedanke aus mir rausgesprudelt, wurde wohl Zeit…

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Torsten Schmitt (Pixelaffe)

Geboren 1976 im schönen Schwetzingen und nicht weggekommen. Ich habe somit den Aufstieg des Internet miterlebt und beruflich auch vorangetrieben. Hier schreibe ich über all die Technologien die mir auf meiner Reise durch das "Neuland" auffallen. Wenn ihr mir was für einen Kaffee oder neue Gadgets zukommen lassen wollt, könnt ihr das gerne über www.paypal.me/pixelaffe tun

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