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KI-Bots als Dungeon Master: Warum ChatGPT, Claude und Co. mehr können als nur lustige Bildchen

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Dass Dungeons & Dragons gerade wieder so präsent ist, liegt nicht nur an ein paar Serienreferenzen in Stranger Things oder The Big Bang Theory. Klar, solche Popkultur-Momente haben geholfen, das Thema aus dem Nerdkeller ins Wohnzimmer zu prügeln. Der eigentliche Boom kommt aber aus mehreren Richtungen gleichzeitig: Actual-Play-Shows wie Critical Role oder Dimension 20 haben gezeigt, dass Pen-&-Paper auch als Unterhaltungsformat funktioniert, digitale Tools und virtuelle Spieltische machen Runden ohne gemeinsamen Küchentisch möglich, und mit der fünften Edition wurde D&D deutlich zugänglicher als frühere Regelmonster. Dazu kommt ein ziemlich menschlicher Gegentrend zur durchoptimierten Digitalwelt: Leute wollen wieder gemeinsam Geschichten erleben, Entscheidungen treffen, Würfel werfen und für ein paar Stunden jemand anderes sein. Kein Battle Pass, kein Daily Login, kein Store-Tab mit blinkendem Kaufbutton. Nur Fantasie, Chaos und diese eine Probe, bei der garantiert jemand eine Eins würfelt.

KI-Bots werden immer noch viel zu oft auf ein sehr kleines Spielfeld reduziert. Ein paar lustige Bilder. Ein absurder Papst im Daunenmantel. Ein Hund als Astronaut. Ein Logo, das irgendwie fast richtig aussieht, aber bei den Fingern komplett in die Hölle abbiegt. Nett, klar. Aber ehrlich: Das ist nur der bunte Glitzer auf der Oberfläche.

Der deutlich spannendere Teil beginnt dort, wo KI nicht einfach ein einzelnes Ergebnis ausspuckt, sondern über längere Zeit eine Rolle übernimmt. Genau da wird es für Rollenspiel-Fans interessant. Denn ein guter KI-Agent kann nicht nur Texte schreiben, Bilder erklären oder Einkaufslisten sortieren. Er kann auch als Spielleiter agieren. Als Dungeon Master. Als Meisterin in Aventurien. Als Johnson, der eine Shadowrun-Crew in den nächsten Konzern-Albtraum schickt.

Und das funktioniert erstaunlich gut.

Nicht perfekt. Nicht so menschlich, chaotisch, gemein und genial wie eine erfahrene Spielleitung am Tisch. Aber gut genug, um Solo-Abenteuer zu spielen, kleine Kampagnen vorzubereiten, NSC zu improvisieren, Regelentscheidungen zu strukturieren oder eine Gruppe durch einen Abend zu führen, wenn gerade niemand Lust hat, sich drei Abende lang durch Notizen, Karten und Monsterwerte zu prügeln.

Warum Rollenspiele so gut zu KI-Agenten passen

Pen-&-Paper-Rollenspiele bestehen im Kern aus drei Dingen: Regeln, Welt und Improvisation. Genau diese Mischung ist für KI-Systeme spannend. Ein Bot muss nicht nur eine Geschichte erzählen, sondern auch auf Spielentscheidungen reagieren, Konsequenzen ableiten, Würfelproben einordnen, Figuren konsistent führen und sich merken, dass der zwielichtige Wirt von vor zwei Stunden eben nicht plötzlich ein elfischer Paladin mit Gedächtnislücke sein sollte.

Dungeons & Dragons ist für KI-Forschung sogar ein beliebtes Testfeld, weil es Sprache, Regeln, Dialoge, versteckte Spielzustände und langfristige Planung miteinander kombiniert. Forschungsarbeiten wie FIREBALL zeigen, dass strukturierte Spielzustände die Qualität von generierten Spielzügen verbessern können. Andere Arbeiten betrachten D&D ausdrücklich als Dialog- und Planungsproblem für KI-Systeme. Kurz gesagt: Rollenspiel ist nicht nur Nerdkram mit Würfeln, sondern ein ziemlich fieser Stresstest für KI.

Für uns am Spieltisch ist das aber weniger akademisch. Die praktische Frage lautet: Kann ich mit einem KI-Agenten wirklich spielen?

Ja. Man muss ihn nur richtig anleinen. Sonst rennt er los wie ein Goblin auf Energy-Drink.

Der KI-Dungeon-Master braucht klare Grenzen

Ein häufiger Fehler ist, dem Bot einfach zu schreiben: Leite ein D&D-Abenteuer für mich. Dann passiert meistens irgendetwas zwischen generischer Fantasy-Suppe und übermotiviertem Märchenonkel. Der Bot beschreibt eine Taverne, irgendjemand sucht ein Artefakt, im Wald lauert ein dunkles Geheimnis und spätestens nach zehn Minuten fühlt sich alles an wie aus der Restekiste gekratzt.

Besser wird es, wenn man den KI-Agenten wie eine echte Spielleitung vorbereitet. Er braucht ein System, eine Welt, einen Ton, ein Regelverständnis und klare Aufgaben. Außerdem sollte er wissen, ob er streng nach Regeln spielen soll oder eher cineastisch.

Ein guter KI-Spielleiter sollte zum Beispiel diese Aufgaben übernehmen:

Er beschreibt die Welt und spielt Nichtspielercharaktere. Er fragt nach Entscheidungen, statt die Handlung einfach weiterzuschieben. Er fordert Würfe an, nennt Schwierigkeit oder Zielwert und wertet Ergebnisse aus. Er merkt sich Inventar, Lebenspunkte, Zustände, offene Quests und Beziehungen. Er improvisiert Konsequenzen, ohne ständig alles weichzuspülen. Und er unterscheidet sauber zwischen Erzählung, Regeltechnik und Meta-Hinweisen.

Das klingt nach viel, ist aber genau der Punkt: Ein KI-Agent ist dann stark, wenn er nicht nur kreativ sein darf, sondern auch Buchhalter spielen muss. Klingt trocken, macht am Tisch aber den Unterschied zwischen Abenteuer und Textbrei.

D&D, DSA und Shadowrun: Drei Systeme, drei KI-Herausforderungen

Dungeons & Dragons ist für KI-Agenten vermutlich der einfachste Einstieg. Das System ist international weit verbreitet, viele Begriffe sind dem Modell bekannt, und mit den kostenlosen D&D Free Rules gibt es eine öffentliche Grundlage. Die aktuellen Free Rules auf D&D Beyond enthalten unter anderem alle zwölf Basisklassen, jeweils eine Unterklasse, mehrere Spezies, Hintergründe, Feats, Monster und Zauber. Außerdem sind DM-Grundlagen und Regelbereiche wie Kampf, soziale Interaktion, Erkundung, Proben und Zaubern dort direkt auffindbar.

Das Schwarze Auge ist anders. Aventurien lebt stärker von Weltgefühl, Kultur, Tradition, Götterbild, Regionen und einer oft feineren Simulation. Für eine KI ist das schwieriger, aber auch reizvoller. Gut ist: Das offizielle DSA-Regel-Wiki bietet Zugriff auf Grund- und Fokusregeln der fünften Edition sowie auf Elemente wie Sonderfertigkeiten, Zauber und Liturgien. Laut Regel-Wiki werden neue Publikationen nach einiger Zeit ergänzt und Errata berücksichtigt. Das macht es zu einer wertvollen öffentlichen Quelle, wenn ein Agent nicht komplett aus dem Bauch heraus aventurischen Quatsch würfeln soll.

Shadowrun ist dann die dreckige Königsklasse. Cyberpunk, Magie, Matrix, Konzerne, Ausrüstung, Edge, Würfelpools, soziale Grauzonen und Runs, die meistens schon schiefgehen, bevor die Tür aufgeht. Für einen KI-Agenten ist Shadowrun anspruchsvoll, weil er gleichzeitig Heist-Struktur, taktische Szenen, technische Systeme und dreckige Atmosphäre bedienen muss. Roll20 bietet zusammen mit Catalyst Game Labs kostenlose Shadowrun Sixth World Quick Start Rules an. Das Paket ist auf Roll20 als kostenloser Einstieg gelistet und umfasst Regeln für zentrale Bereiche wie Kampf, Hacking, Rigging und Magie.

So richtest du deinen KI-Spielleiter ein

Der wichtigste Trick ist ein sauberer Systemprompt. Also eine Grundanweisung, die dem Agenten erklärt, wie er sich verhalten soll. Man kann das direkt in ChatGPT, Claude, Gemini oder einem anderen KI-System machen. Noch besser wird es mit Custom GPTs, Projekten, gespeicherten Instruktionen oder Agenten, denen man zusätzliche Regelnotizen, Charakterbögen und Kampagneninfos gibt.

Ein solider Startprompt könnte so aussehen:

Du bist mein Spielleiter für ein Pen-&-Paper-Rollenspiel. Leite die Runde interaktiv, erzählerisch und regelbewusst. Du beschreibst Szenen atmosphärisch, spielst NSC glaubwürdig und fragst mich nach meinen Handlungen. Du entscheidest nicht für meinen Charakter. Wenn eine Probe nötig ist, nennst du mir Fähigkeit, Schwierigkeit und Grund der Probe. Warte dann auf meinen Wurf oder würfle selbst, wenn ich dich ausdrücklich darum bitte. Führe eine kurze Spielzustandsliste mit Lebenspunkten, Zuständen, Inventar, offenen Hinweisen, wichtigen NSC und aktuellen Zielen. Trenne Erzählung, Regeln und Spielzustand klar voneinander.

Damit ist der Bot schon deutlich brauchbarer. Aber noch nicht systemfest. Für D&D ergänzt man:

Wir spielen Dungeons & Dragons auf Basis der frei verfügbaren D&D Free Rules. Nutze die Regeln für Proben, Kampf, Zauber, Zustände und Charakteroptionen. Wenn du dir bei einer Regel unsicher bist, entscheide transparent, markiere es als schnelle Spielleiterentscheidung und halte die Entscheidung für diese Sitzung konsistent. Spiele fair, aber nicht weich. Gegner dürfen taktisch handeln, aber du sollst keine tödlichen Überraschungen ohne vorherige Hinweise erzwingen.

Für DSA klingt es besser so:

Wir spielen Das Schwarze Auge 5 in Aventurien. Nutze das DSA-Regel-Wiki als öffentliche Regelgrundlage. Achte auf aventurische Stimmung, regionale Unterschiede, Götterglauben, soziale Stellung und Konsequenzen. Proben sollen nicht beliebig sein: Nenne Talent oder Eigenschaft, Erschwernis oder Erleichterung und erzähle das Ergebnis passend zur Qualität des Erfolgs oder Misserfolgs. Vermeide generische Fantasy-Begriffe, wenn ein aventurischer Begriff besser passt.

Und für Shadowrun braucht der Agent eine andere Tonlage:

Wir spielen Shadowrun Sixth World. Du bist Spielleiter und inszenierst Runs in einer dreckigen Cyberpunk-Fantasy-Welt. Nutze verfügbare Quick-Start-Regeln als Grundlage. Denke in Szenen: Auftrag, Beinarbeit, Planung, Infiltration, Eskalation, Flucht, Nachspiel. Achte auf Konzernlogik, Überwachung, Magie, Matrix, Kontakte, Verrat und Kosten. Jede einfache Lösung soll einen Preis haben. Spiele hart, aber nachvollziehbar. Erkläre Proben kurz und halte Würfelpools, Schaden, Edge und Ausrüstung konsistent.

Der beste Modus: Solo-Abenteuer mit sauberem Spielzustand

Der größte Spaß entsteht derzeit im Solo-Spiel. Ein Spieler, ein Bot, ein Charakter, ein Abenteuer. Keine Terminabstimmung, keine drei Wochen Doodle-Hölle, kein Kumpel, der doch wieder absagt, weil plötzlich ein Kindergeburtstag, eine Erkältung oder mysteriöse Müdigkeit aus dem Nebel kriecht.

Wichtig ist aber, dass der Agent regelmäßig den Spielzustand ausgibt. Sonst verliert er irgendwann Details. Das ist kein böser Wille, sondern eine typische Schwäche langer KI-Sitzungen. Deshalb sollte man den Bot am Ende jeder Szene eine kompakte Übersicht erstellen lassen.

Beispiel:

Gib mir nach jeder abgeschlossenen Szene eine kurze Übersicht mit:
1. Aktueller Ort
2. Wichtige NSC
3. Offene Hinweise
4. Inventaränderungen
5. Lebenspunkte oder relevante Zustände
6. Offene Entscheidungen
7. Ton der nächsten Szene
Halte diese Übersicht kurz und nutze sie als Gedächtnis für die weitere Sitzung.

Das wirkt erst bürokratisch, ist aber Gold wert. Gerade bei längeren Kampagnen verhindert es, dass der Agent nach zwei Stunden vergisst, dass der Zwerg eigentlich vergiftet ist, der Johnson gelogen hat oder die Gruppe im Tempel bereits den Altar angefasst hat, obwohl alle wussten, dass man den verdammten Altar nicht anfassen sollte.

Beispielprompt für ein D&D-Abenteuer

Leite ein Dungeons & Dragons Solo-Abenteuer für einen Charakter auf Stufe 1. Der Ton soll düster, aber nicht hoffnungslos sein. Keine epische Weltrettung am Anfang. Starte klein: ein Dorf, ein verschwundener Händler, seltsame Spuren im Wald. Nutze die D&D Free Rules als Regelbasis. Frage mich zuerst nach Klasse, Spezies, Hintergrund und einer persönlichen Motivation. Erstelle danach eine Einstiegsszene mit drei klaren Handlungsmöglichkeiten. Nutze Kämpfe sparsam, aber bedeutungsvoll. Belohne kluge Ideen, nicht nur gute Würfe.

Das Ergebnis ist meistens deutlich besser als ein generischer Fantasy-Start. Der Bot bekommt einen Maßstab: klein anfangen, Charakter einbinden, Regeln nutzen, Entscheidungen ermöglichen. Genau das braucht Rollenspiel.

Beispielprompt für ein DSA-Abenteuer

Leite ein DSA5-Abenteuer in Aventurien für einen unerfahrenen Helden. Es soll bodenständig beginnen und stark nach Aventurien schmecken: Aberglaube, Standesdenken, lokale Bräuche, Götterfurcht und kleine moralische Entscheidungen. Nutze das DSA-Regel-Wiki als Grundlage für Proben und Regeln. Frage mich zuerst nach Spezies, Kultur, Profession und einem Nachteil oder persönlichen Problem. Beginne dann in einem kleinen Ort am Rand einer Handelsstraße. Das Abenteuer soll mit einem scheinbar harmlosen Auftrag beginnen, aber nach und nach zeigen, dass mehr dahintersteckt.

Bei DSA ist der Zusatz nach Aventurien schmecken wichtig. Sonst bekommt man zu schnell Standard-Fantasy mit anderen Namen. DSA lebt aber davon, dass ein Praios-Geweihter nicht einfach ein Priester ist, ein horasischer Händler anders tickt als ein thorwalscher Seefahrer und ein Bauer nicht plötzlich mit dem Schwert in der Hand zum Drachen rennt, nur weil die Dramaturgie gerade Bock darauf hat.

Beispielprompt für Shadowrun

Leite einen Shadowrun Sixth World One-Shot für einen einzelnen Runner. Der Ton soll hart, urban, sarkastisch und leicht paranoid sein. Starte mit einem Auftrag durch einen zwielichtigen Johnson. Der Run soll aus Auftrag, Beinarbeit, Planung, Durchführung und Nachspiel bestehen. Nutze die Quick-Start-Regeln als Orientierung. Frage mich zuerst nach Archetyp, Spezialgebiet, Kontaktperson und einem persönlichen Problem. Baue mindestens eine Komplikation ein, die nicht durch Schießen lösbar ist. Achte darauf, dass jede Entscheidung Spuren hinterlässt.

Shadowrun braucht Druck. Wenn der Bot zu nett ist, wird daraus Cyberpunk-Karneval. Ein guter Agent muss bei Shadowrun daran erinnert werden, dass die Welt nicht fair ist. Nicht unfair im Sinne von Spielleiter-Willkür, sondern unfair im Sinne von Konzernrealität. Wer laut ist, wird gesehen. Wer gesehen wird, wird verfolgt. Wer verfolgt wird, braucht entweder Freunde, Geld oder eine sehr schnelle Ausrede.

KI als Co-Spielleiter für echte Gruppen

Noch besser als kompletter Ersatz funktioniert KI als Co-Spielleiter. Eine menschliche Spielleitung bleibt am Tisch, nutzt den Bot aber als zweiten Kopf. Der Agent kann Namen erfinden, Zufallstabellen bauen, NSC-Dialoge vorschlagen, Kampfschauplätze beschreiben, Rätsel vereinfachen, Hinweise sortieren oder nach einer Session eine Zusammenfassung schreiben.

Ein praktischer Prompt dafür:

Du bist mein Co-Spielleiter. Ich leite die Runde selbst, du unterstützt mich nur. Gib mir keine langen Monologe, sondern verwertbare Bausteine. Wenn ich eine Szene beschreibe, liefere mir drei mögliche Komplikationen, drei passende NSC-Reaktionen und eine optionale Regelidee. Achte darauf, dass die Vorschläge zum Ton der Kampagne passen und nicht die Kontrolle über meine Handlung übernehmen.

Das ist im Alltag wahrscheinlich der stärkste Einsatz. Denn ein menschlicher Spielleiter bringt Timing, Bauchgefühl und soziale Wahrnehmung mit. Die KI bringt Tempo, Struktur und eine unverschämte Menge Improvisationsmaterial. Zusammen ist das ziemlich mächtig.

Was erstaunlich gut funktioniert

KI-Agenten sind stark bei atmosphärischen Beschreibungen, spontanen NSC, Nebenquests, Gerüchten, Tavernen, Konzernbriefings, Reisetabellen, Fundstücken und Zusammenfassungen. Sie können eine Szene in verschiedenen Tonlagen neu schreiben, aus einer langweiligen Höhle einen besseren Dungeon machen oder aus einem Satz wie Die Gruppe geht zum Markt plötzlich zehn Händler, drei Konflikte und ein kleines Nebenabenteuer ziehen. Auch Regelassistenz funktioniert gut, wenn man dem Agenten klare Quellen und Grenzen gibt. Besonders D&D ist hier dank öffentlicher Free Rules dankbar. Bei DSA kann das Regel-Wiki helfen. Bei Shadowrun sollte man den Bot stärker kontrollieren, weil dort schnell mehrere Subsysteme ineinander greifen.
Sehr hilfreich ist auch die Möglichkeit, Kampagnenmaterial umzubauen. Aus einer alten Idee wird ein One-Shot. Aus einem Monster wird eine sozial interessante Begegnung. Aus einem Dungeon wird ein lebendiger Ort mit Bewohnern, Geräuschen, Problemen und Konsequenzen. Das spart Vorbereitung, ohne den Spaß am Leiten zu nehmen.

Wo KI-Spielleiter noch nerven

Natürlich ist nicht alles geil. KI-Agenten neigen dazu, zu freundlich zu sein. Sie retten Spieler gerne vor schlechten Entscheidungen, statt Konsequenzen auszuspielen. Sie wiederholen Formulierungen. Sie verlieren über lange Sitzungen Details. Sie würfeln manchmal dramaturgisch statt regelhart, wenn man sie nicht stoppt. Und sie haben diesen unangenehmen Drang, aus jeder kleinen Szene sofort eine bedeutungsschwangere Prophezeiung mit uralter Macht zu machen. Man muss ihnen also sagen: Bleib klein. Bleib konkret. Frage nach. Entscheide nicht für mich. Führe Buch. Halte Regeln ein. Und wenn du improvisierst, sag es.

Ein guter Korrekturprompt lautet:

Stopp. Du bist gerade zu erzählerisch geworden und hast zu viel für meinen Charakter entschieden. Setze an der letzten Entscheidung neu an. Beschreibe nur die Situation, nenne mir die Optionen und warte auf meine Handlung. Halte dich enger an Regeln und Spielzustand.

Das klingt hart, ist aber nötig. Der Bot ist kein empfindlicher Künstler. Der Bot ist Werkzeug. Ein sehr redseliges Werkzeug, aber immer noch Werkzeug.

Die wichtigsten öffentlichen Quellen für Regelgrundlagen

Für Dungeons & Dragons eignen sich die D&D Beyond Basic Rules und die 2024 D&D Free Rules als öffentliche Grundlage. Dort finden sich Spielerregeln, Charakteroptionen, Proben, Kampf, Zauber, Monster und DM-Grundlagen. Die 2024 Free Rules sollen ausdrücklich als kostenloser Einstieg in das aktualisierte Regelset dienen.

Für Das Schwarze Auge ist das DSA-Regel-Wiki die wichtigste öffentliche Anlaufstelle. Es bietet laut eigener Beschreibung Zugriff auf Grund- und Fokusregeln der fünften Edition und listet auch Crunch-Elemente wie Sonderfertigkeiten, Zauber und Liturgien. Außerdem werden Errata berücksichtigt.

Für Shadowrun ist Roll20 aktuell eine brauchbare öffentliche Einstiegsschiene, weil dort die Shadowrun Sixth World Quick Start Rules von Catalyst Game Labs kostenlos angeboten werden. Die Produktbeschreibung nennt zentrale Regelbereiche wie Kampf, Hacking, Rigging und Magie. Catalyst selbst beschreibt Shadowrun als Rollenspiel mit Gamemaster und Spielercharakteren in einer dystopischen nahen Zukunft.

Wichtig: Öffentliche Schnellstarter und Regel-Wikis ersetzen nicht automatisch alle vollständigen Bücher. Für eine saubere, vollständige Runde, besonders bei DSA und Shadowrun, bleiben die offiziellen Regelwerke sinnvoll. Für KI-Agenten, Solo-Spiel, Einstieg und Vorbereitung reichen die öffentlichen Quellen aber oft aus, um nicht komplett frei zu halluzinieren.

Der eigentliche Trick: Die KI muss nicht perfekt sein

Das Schöne ist: Ein KI-Dungeon-Master muss nicht perfekt sein, um nützlich zu sein. Er muss nur besser sein als gar keine Runde. Und genau da liegt der Reiz. Keine Spielleitung verfügbar? KI. Charakteridee ausprobieren? KI. DSA-Regelprobe üben? KI. Shadowrun-Run skizzieren? KI. D&D-Soloabend auf dem Sofa? KI. Einen NSC retten, weil man sich wieder erst am Spielabend überlegt hat, wer eigentlich hinter dem Tresen steht? Natürlich KI. Die Maschine ersetzt nicht den magischen Moment, wenn fünf Leute am Tisch sitzen, Würfel fliegen, jemand einen katastrophalen Patzer würfelt und die ganze Gruppe zehn Minuten lang lacht. Aber sie kann Rollenspiel zugänglicher machen. Sie kann Hemmschwellen senken. Sie kann Vorbereitung beschleunigen. Sie kann einsame Abende mit Abenteuer füllen. Und sie kann zeigen, dass KI eben nicht nur für lustige Bildchen da ist. Manchmal ist sie auch der Goblin hinter dem Sichtschirm.

Und der hat gerade Initiative gewürfelt.

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Torsten Schmitt (Pixelaffe)

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