GamingTestberichte

Clive Barker’s Hellraiser: Revival im Test – Gewalt und Perversion aus jeder Pore

Einmal durch die BDSM-Hölle und zurück?

So stimmen unsere Leser ab:

Clive Barker’s Hellraiser: Revival sorgte schon vor dem ersten Kontakt mit seinen Cenobiten für reichlich Gesprächsstoff. Das liegt an einer Vorlage, die Lust und Schmerz auf verstörende Weise miteinander verbindet, vor allem aber an der expliziten Darstellung von Gewalt, Nacktheit und Sexualität á la BDSM. Auch die deutsche Altersfreigabe wurde kurz vor der Veröffentlichung zu einem Thema. Nachdem die USK zunächst eine Freigabe ab 18 Jahren erteilt hatte, führte ein Einspruch aus einem Bundesland zu einer erneuten Prüfung durch den Appellationsausschuss. Der Verkauf in deutschen Onlineshops war dadurch zeitweise eingeschränkt. Erst kurz vor dem offiziellen Start stand fest, dass das Spiel ungekürzt mit dem USK-18-Siegel auf den Markt kommt. Da wir bei Techkrams.de ausschließlich regulär erhältliche Titel testen, erscheint unsere Review etwas später als gewohnt.

Hinter dem provokanten Auftreten steckt allerdings deutlich mehr als eine reine Sammlung möglichst drastischer Schocks. Entwickler Saber Interactive hat aus dem jahrzehntealten Hellraiser-Universum ein mitunter sehr klassisches Survival-Horror-Abenteuer gemacht, das Erkundung, Rätsel und wortwörtlich handfeste Kämpfe miteinander verbindet. Die rund elf Stunden lange Kampagne hält das Tempo über weite Strecken hoch und versteht es, die beklemmende Ästhetik der Filmreihe in eine manchmal von uns eher widerwillig begehbare Spielwelt zu übertragen. Nicht jede Spielmechanik funktioniert dabei im Alltag so zuverlässig wie die visuelle Atmosphäre.

Die Geschichte orientiert sich eng an Clive Barkers Novelle „The Hellbound Heart“ sowie frühen Verfilmungen. Sie spielt rund 20 Jahre nach dem ersten Kinofilm, setzt aber kein tiefes Vorwissen von seiner Spielerschaft voraus. Im Mittelpunkt stehen Aidan Lynch und seine Freundin Sunny. Beide stammen aus wohlhabenden Verhältnissen und suchen gemeinsam nach Grenzerfahrungen jenseits gesellschaftlicher Konventionen – Drogenkonsum eingeschlossen. Ihre Beziehung ist von sexueller Neugier und einem riskanten Spiel mit körperlichen Schmerzgrenzen geprägt.

Sunny sammelt zudem okkulte Artefakte. Als sie eine meisterhaft gefertigte Puzzlebox in die Hände bekommt, ahnt sie nicht, welche albtraumhafte Kette von Ereignissen sie damit auslösen wird. Die sogenannte Genesis-Konfiguration öffnet einen Zugang zum Labyrinth des Leviathan, einer endlosen Dimension aus rauem Beton und verstörender Architektur in blaue Beleuchtung getaucht. Dort herrschen die Cenobiten: Wesen, die Schmerz und Lust zu ihrer eigenen, grausamen Religion erhoben haben.

Als Sunny während eines deftigen Schäferstündchen in den Würfel gesogen wird und verschwindet, setzt Aidan alles daran, sie zurückzuholen, und gerät dabei an die Scharlachrote Kirche. Dieser Kult verehrt die Cenobiten und ihren Gott Leviathan. Seine Mitglieder:innne hoffen durch Hingabe auf eine höhere Form der Existenz, nehmen dafür aber die systematische Verstümmelung und Ermordung Unschuldiger billigend in Kauf.

Aidan ist kein abgebrühter Soldat, der sich mühelos durch Gegnermassen schießt. Er ist ein gewöhnlicher Mann, der seine Freundin retten will und erst lernen muss, in dieser tödlichen Umgebung zu überleben. Das bringt der Handlung einen nachvollziehbaren Antrieb. Zugleich bleibt die Beziehung zu Sunny unbequem. Die beiden sind einander körperlich und emotional sehr nahe, doch ihre Suche nach Extremen hat zerstörerische Auswirkungen. Im Verlauf der Geschichte kommen weitere düstere Aspekte von Aidans eigener Vergangenheit zum Vorschein, was bei der Stange hält.

Detailreiche Spielwelt zeigt den Schrecken

Das Spiel nimmt diese Themen erwachsen auf, ohne BDSM pauschal mit den Gewalttaten des Kults gleichzusetzen. Einvernehmliche sexuelle Neigungen und sadistische Verbrechen werden strikt getrennt. Trotzdem ist Hellraiser: Revival ausgesprochen explizit. Nacktheit, verstörende Körpermodifiktaionen und drastische Gewalt sind fester Bestandteil der Inszenierung. Die höchste Altersfreigabe überrascht keineswegs.

Die Gestaltung der Spielwelt gehört zu den stärksten Argumenten für unser wahnsinniges Abenteuer. Statt sich auf dunkle Korridore und billige Jumpscares zu verlassen, setzt Saber auf eine Architektur, die zunehmend unwirklich erscheint. Massive Betonflächen treffen auf metallene Konstruktionen inklusive Ketten, während Licht und Raumaufteilung immer wieder die Orientierung erschweren. Besonders im blau schimmernden Labyrinth des Leviathan erkennt man, wie eng das Spiel an die Bildsprache der Vorlage anknüpft.

Fans der Reihe entdecken zahlreiche vertraute Hints, ohne dass die Handlung ständig auf frühere Ereignisse verweisen müsste. Das Design der Cenobiten und die grotesken Schauplätze tragen viel dazu bei. Besonders verstörend ist Gegenspieler Bruno, der sich als Künstler versteht und menschliche Leichen zu makabren Skulpturen aus Fleisch und Knochen verarbeitet. Hier ist euer starker Magen gefragt.

Auch Hellraiser-Posterboy Pinhead ist ein klarer Höhepunkt. Doug Bradley kehrt als englische Stimme der Kultfigur zurück. Seine markante Darbietung lässt dem Ober-Cenobiten eine echte Aura zuteil, die sich durch keine Action-Szene ersetzen ließe. Wer die Filme kennt, wird diesen Unterschied sofort bemerken. Die Atmosphäre verlangt allerdings etwas Geduld. Wer nur den nächsten Wegpunkt ansteuert, übersieht leicht die sorgfältig gestalteten Räume und viele Details. Die Geschichte hätte durchaus ein paar zusätzliche Stunden vertragen. Bei einem Spiel dieser Kategorie ist die kompakte Kampagne aber kein grundsätzliches Problem, solange sie ihre Ideen nicht künstlich streckt, was hier nicht geschieht.

Clive Barker’s Hellraiser: Revival ist ein Ego-Shooter. Aidan muss Räume durchsuchen, verschlossene Türen öffnen und meist Schlüssel finden, die den Weg freigeben. Viele Aufgaben sind bewusst überschaubar gehalten. Mal fehlt ein erwähnter Schlüssel, mal muss eine Kombination geknackt werden. Das erinnert an Resident Evil 4, fällt hier aber linearer aus. Im Kampf setzt Saber auf eine Mischung aus improvisierten Nahkampfwaffen und klassischen Schusswaffen. Aidan kann mit Messern oder Baseballschlägern angreifen, später kommen Pistolen, Gewehre und Schrotflinten hinzu. Nahkampfwaffen nutzen sich jedoch ab und gehen nach mehreren Treffern kaputt.

Das begrenzte Inventar verlangt ständige Entscheidungen. Wer viel Munition einpackt, muss bei Heilgegenständen Abstriche machen. Dieses Prinzip orientiert sich stark am Baukasten-Inventar von „Resident Evil 4“. Problematisch wird es allerdings, wenn die Steuerung nicht mitspielt. Schläge haben mitunter zu wenig Rückmeldung, flinke Zombies machen Aidan das Leben schwer und Ausweichbewegungen funktionieren ungenau. Die Folge sind frustrierende Treffer ins Leere. Gerade bei Bossen fällt das auf, wenn Kämpfe mehr Geduld mit den Mechaniken als taktisches Geschick erfordern.

Erinnerungen an Ravenholm

Schleichen ist deshalb eine echt sinnvollere Alternative. Kultisten lassen sich aus dem Hinterhalt ausschalten, bevor sie Alarm schlagen. Wer jede Konfrontation direkt sucht, verbraucht schnell wertvolle Reserven. Das Spiel belohnt vorsichtiges Vorgehen. Die Genesis-Konfiguration ist das Element, das Hellraiser: Revival am deutlichsten von anderen Horror-Spielen abhebt. Mit ihr kann Aidan bestimmte Objekte aus der Umgebung telekinetisch bewegen und sogar als Waffe nutzen. Scharfkantige Metallteile, rotierende Sägeblätter und andere Trümmer lassen sich aufnehmen und auf Feinde schleudern. Treffer können Gliedmaßen abtrennen und Gegner schwer verstümmeln. Das erinnert an die kultige Gravitationskanone aus Half-Life 2, auch wenn die Interaktion stärker auf vorgegebene Objekte beschränkt ist, was schade ist. Dennoch macht es enormen Spaß, einen heranstürmenden Gegner mit einem aus der Wand gerissenen Metallstück auszuschalten.

Clive Barker's Hellraiser: Revival Day One Edition (PS5) - [AT-PEGI]
  • Clive Barker‘s Hellraiser: Revival hebt First-Person-Action-Horror-Survival in neue Höhen
  • Setze die Macht der Box ein, um deinen Handel mit dem berüchtigten Pinhead zu überleben und kämpfe gegen dem schrecklichen Kult

Außerhalb der Gefechte dient die kleine Box als Werkzeug für Rätsel, um Plattformen zu verschieben oder Wege freizuschalten. Die Aufgaben lockern das Spiel gut auf, wiederholen sich im späteren Verlauf jedoch. Wer unsere Reviews kennt, weiß dass Upgradebäume nicht unsere liebste Mechanik ist: Ein klassischer Talentbaum zum Aufleveln fehlt glücklicherweise, was bei der Spielzeit eine vernünftige Entscheidung ist.

Auf der von uns bespielten PlayStation 5 und Nintendo Switch 2-Version zeigt das Spiel eine beeindruckende Beleuchtung und starke Kreaturendesigns. Allerdings trüben technische Mängel das Gesamtbild. Texturen laden manchmal verspätet nach, Bildraten brechen in hektischen Szenen ein und seltene, aber vorhandene Abstürze kosten Spielfortschritt. In Kombination mit den großzügigen Abständen zwischen den Speicherpunkten auf höheren Schwierigkeitsgraden sorgt das stellenweise für Frust. Ein New-Game-Plus-Modus für spätere Durchgänge fehlt übrigens komplett, vielleicht wird der noch nachgereicht.

Unser Fazit zu „Clive Barker’s Hellraiser: Revival“

Clive Barker’s Hellraiser: Revival ist ein eigenständiges, kompromissloses Horror-Abenteuer mit herausragender Atmosphäre, guter Synchronisation und gelungenen Rätsel-Ideen. Zudem sollte man den Mut gegenüber unkonventionellen Themen der Entwickler:innen besonders betonen. Dem stehen eine teils unpräzise Steuerung und technische Schwächen gegenüber. Für Fans der Vorlage ist der Ausflug in die lustvolle wie blutige Hölle dennoch ein faszinierendes Erlebnis.

Release: 17. September 2026 | Entwickler: Saber Interactive | Genre: Horror-Adventure | Für PlayStation 5, Xbox Series S/X, Nintendo Switch 2 und PC | USK: ab 18

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Unsere Bewertung

Clive Barker's Hellraiser: Revival

Empfehlung!
79%

Sex und Splatter: Clive Barker’s Hellraiser: Revival punktet mit starker Atmosphäre, kreativen Rätseln und kompromisslosem Horror. Technische Schwächen trüben das Erlebnis, doch Fans der Vorlage erwartet ein faszinierender Höllentrip.

Gameplay85%
Grafik85%
Technik70%
Umfang75%

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Benny Illgner

Benny Illgner

Redakteur
Tech-Journalist
Seit 20161.939 Artikel314 Tests

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Instagram. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter/Threads unter @IamIllgner an.

Schreibt und lebt nebenher das glorreiche Leben eines Technik-Bloggers. Interessiert sich für technische Spielereien jeglicher Art und spielerische Technik der allgegenwärtigen Videospiel-Konsolen. Primär für Gaming-, Smart Home-Krams und Reviews zuständig. Schlechte Wortspiele in Reviews eingeschlossen.

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