AudioGamingTestberichte

GSP 670: Kabelloses Gaming-Headset von Sennheiser im Test

Mit dem GSP 670 bietet der deutsche Audiospezialist Sennheiser für Zocker ein Premium-Gaming-Headset an. Das GSP 670 will Käufer neben einem auffälligen Design mit zwei großen Ohrmuscheln aus einer Leder-/Stoff-Kombination und erstklassigem Klang überzeugen. Ob das Konzept aufgeht, klärt der Test.

Mit knapp 330 Euro* ist das GSP 670 eines nicht wirklich ein Schnäppchen. Sennheiser wirbt für das GSP 670 mit 16 Stunden Batterielaufzeit, 10 Meter Reichweite, Bluetooth-Unterstützung und verzögerungsfreier Wiedergabe. Dazu gibt es eine Gaming-Suite-Software mit umfangreichen Einstellungsmöglichkeiten.

Anmutige Verpackung, minimalistischer Lieferumfang

Doch fangen wir am Anfang an. Das GSP 670 wird in einer stabilen und hochwertig anmutenden Verpackung ausgeliefert. Was mir zuerst positiv auffällt? Der Karton kommt ohne viel Schnickschnack und unnötige Klapp-, Falt- oder Rätselmechanismen aus. Das Headset ist einfach präsent in einer Schaumstoffschale arretiert. Kein unnötiges Plastik soweit sichtbar.

Das magere Zubehör befindet sich im Karton darunter. Heißt im Klartext: Der Dongle und ein USB-A- auf Micro-USB-Kabel. Diese sind in kleinen Plastiktüten verpackt. Dem versierten Online-Redakteur fällt hier natürlich direkt auf: Sennheiser verbaut im hauseigenen Headset-Flaggschiff aus dem Jahr 2019 keinen USB-C-Anschluss.

Martialisches und kantiges Design

Das mattgraue GSP 670 ist ein richtiger Brocken und wiegt stattliche 400 Gramm. Beim Design waren wir uns in der Redaktion ziemlich uneinig, wie man es am besten beschreiben soll. In den Topf fielen Begriffen wie martialisch, futuristisch, verspielt. Und das Ganze mit einem Hauch von Military-Look versehen. Es würde also gut in einen Michael-Bay-Streifen passen. Zuhause am Schreibtisch geht das in Ordnung, in der Öffentlichkeit wäre es mir jedoch zu auffällig.

Wer möchte, kann die Seitenverkleidungen übrigens abnehmen und spezielle Design-Abdeckungen im Sennheiser-Store erwerben.

Wertige Materialien machen stabilen Eindruck

Einen Metallbügel hat das GSP 670 zwar nicht, Sennheiser setzt dafür aber auf massiven Kunststoff und zwei Metall-Gelenke an den Seiten. Insgesamt macht das GSP 670 einen sehr stabilen Eindruck, der mit dem massigen Auftritt übereinstimmt. Der Bügel ist trotzdem ziemlich flexibel. Allerdings lassen sich die Ohrmuscheln nicht einklappen, falls ihr es für den Transport mal kompakter haben wollt.

Angenehme Polsterung und zwei Anpassungsmöglichkeiten

Die Stoff-Polsterung auf der Unterseite des Bügels ist ausreichend groß und sorgt dafür, dass das Headset weich auf dem Kopf aufliegt. Der Bügel ist an beiden Seiten ausziehbar. Bei den Ohrpolstern kommt eine Mischung aus Kunstleder, Alcantara-Imitat und Stoff zum Einsatz. Ihr könnt den Anpressdruck mithilfe von zwei verschiebbaren Leisten im Bügel leicht variieren.

Dass das GSP 670 für viele eine langfristige Investition sein dürfte, weiß auch Sennheiser. Die Ohrpolster lassen sich deshalb austauschen. Ein neues Paar bekommt ihr im Sennheiser-Shop für 20 Euro.

Fester Sitz und große Ohrmuscheln

Die Ohrmuscheln des GSP 670 sind angenehm groß und sollten selbst dann gut sitzen, wenn ihr zu den menschlichen Dickhäutern gehört. Sie schotten euch bedingt durch den Ledereinsatz an der Außenseite der Ohrpolster stärker von der Außenwelt ab als die meisten Headsets, die auf reinrassige Stoffpolster setzen. Der Sitz ist zumindest auf meinem länglichen Kopf sehr gut und der Anpressdruck ordentlich.

Auch bei längeren Sessions ist das Headset nicht unangenehm aufgefallen und die Ohren sind bei normaler Zimmertemperatur nicht ins Schwitzen gekommen. Der feste Sitz dürfte sich bei langfristiger Nutzung noch etwas entspannen.

Flip-to-Mute-Funktion und Steuerung am Headset

An der rechten Ohrmuschel befindet sich das relativ schwergängige Drehrad, mit dem ihr das Headset an-/ausschaltet und auch gleichzeitig die Lautstärke anpasst. Mit dem kleineren Rad verändert ihr die Lautstärke des Mikrofons. Außerdem befindet sich an der rechten Seite noch eine Smart-Taste, mit der ihr zwischen verschiedenen Profilen wechseln könnt. Diese lassen sich in der Gaming-Suite einstellen.

Auf der linken Ohrmuschel sitzt der Anschluss für das Micro-USB-Kabel und der Pairing-Schieber, mit dem ihr auch gleichzeitig den verbleibenden Akkustand abrufen könnt. Wenn ihr das Mikrofon nach unten klappt, wird es automatisch aktiviert bzw. vice versa. Der Arm ist in der Mitte gummiert, damit könnt ihr das Mikro  minimal ausrichten.

Einfache Einrichtung und gute Reichweite

Das GSP 670 könnt ihr via Dongle, Bluetooth oder USB-Kabel mit PC oder Konsole verbinden. Die Einrichtung mit dem Dongle geht am schnellsten, da das Headset automatisch via Funk verbunden wird. Das Kabel ist eigentlich nur zum Aufladen da, kann aber natürlich auch so genutzt werden.

Die Verbindung mit dem 2,4 GHz-Funk ist stabil und auch die von Sennheiser angegebene Reichweite von 10 Metern kommt ungefähr hin, insofern sich zwischen dem Headset und Dongle keine Wand befindet. Mit Bluetooth ist die Verbindung gefühlt sogar noch etwas besser und ich konnte mich im Büro noch ein paar Meter weiter vom Notebook entfernen, ohne dass es zu Einbrüchen kam.

Souveränes Klangbild, gutes Mikro

Kommen wir zum wichtigsten Thema eines Headsets – dem Klang. Das Sennheiser GSP 670 hört sich gut an. Ziemlich gut. Der Klang ist satt und schön ausgewogen. Im Vergleich mit anderen Gaming-Headsets nimmt er einfach deutlich mehr Raum ein. Trotzdem sind Tiefen nicht überproportional präsent und das Headset ist so neben dem Zocken auch gut zum Musikhören geeignet.

Es kommt natürlich nicht an kabelgebundene Studio-Kopfhörer wie z.B. den beyerdynamic DT 990 Pro heran, den ich zu Hause immer noch als primären Kopfhörer nutze. Für kabelloses Gaming ist das GSP 670 trotzdem eine Wahl, bei der ihr relativ wenig klangliche Abstriche machen müsst.

Das Mikro macht ebenfalls einen sehr guten Job. Wir haben eine Aufzeichnung in Audacity aufgenommen und die Stimme wird klar und deutlich wiedergegeben. Das Gleiche gilt für ein Skype-Telefonat. Allerdings muss ich fairerweise zugeben, dass Mikrofone von anderen Headsets hier ähnlich gut abschneiden.

Technische Details Sennheiser GSP 670

AnschlussUSB-Kabel, Bluetooth 5.0, Funk (2,4 Ghz)
Ohrmuschelohrumschließend
Schalldruckpegel112 dB
TreiberNeodym / 50 mm
Reichweite10 Meter
Akkulaufzeit16 bis 20 Stunden
BesonderheitenLautstärkeregler
Flip-to-Mute-Funktion
PC / PS4
Kabellänge1,5 m
Gewicht398 g

 

Gaming-Suite für Profile und Optimierungen

Wenn ihr am Klangbild vom Sennheiser herumdoktern wollt, könnt ihr das mit der dazugehörigen Gaming-Suite (Download) machen. Hier findet ihr zum Beispiel Soundprofile für Movie, Music oder E-Sport und könnt eigene Presets anlegen. In einigen Fällen kann es sinnvoll sein, die Tiefen etwas anzuheben.

Ihr könnt diverse Mikrofon-Einstellungen wie einen Voice Enhancer oder Noise Cancelling aktivieren und außerdem einen virtuellen 7.1-Sound emulieren. Zu letzterem würde ich euch jedoch nicht unbedingt raten, denn neben dem Hall wirkt das Klangbild etwas verzerrt.

Die Software ist übersichtlich und gut strukturiert, ich hätte mir in diesem Preisbereich allerdings einen etwas breiteren Funktionsumfang gewünscht. Das Firmware-Update über die Software klappt einwandfrei.

Akkulaufzeit

Ich habe das GSP 670 während der Arbeit relativ ausgiebig zum Musikhören genutzt und musste das Headset in der Woche nur einmal laden, um bis zum Freitag zu kommen. Die 16 Stunden kommen also ungefähr hin. Für ein Wochenende sollte es daher reichen, ich würde das Headset jedoch zur Sicherheit jeden Abend aufladen. Das Ganze ist natürlich auch von der Lautstärke abhängig, mit der ihr im Alltag unterwegs seid. Im Notfall könnt ihr natürlich das Micro-USB-Kabel nutzen.

Das GSP 670 hat eine Sleep-Funktion und schaltet sich nach einigen Minuten ab, wenn keine Soundübertragung erfolgt. Der Akku ist leider nicht austauschbar.

Fazit: Sennheiser GSP 670

Sennheiser hat mit dem GSP 670 ein richtig gutes kabelloses Gaming-Headset auf den Markt gebracht, das nicht nur hinsichtlich Klang und Verarbeitung, sondern auch beim Tragekomfort überzeugen kann. Positiv fallen vor allem die gute Polsterung und die großen Ohrmuscheln auf. Die Ohrpolster sind zudem austauschbar und die Sitzfestigkeit lässt sich moderat anpassen.

Sennheiser stattet das GSP 670 mit sinnvollen Funktionen aus. Dazu gehören unter anderem die Flip-to-Mute-Funktion des Mikrofons sowie die automatische Sleep-Funktion. Die Einrichtung mit dem Funk-Empfänger klappt problemlos und schnell. Das Headset lässt sich ebenfalls via Bluetooth und Kabel verbinden. Die Funk-Reichweite ist mit 10 Metern ohne Zwischenwände in Ordnung, via Bluetooth sogar noch etwas stabiler.

Etwas schade ist allerdings, dass Sennheiser bei einem 330-Euro-Headset keinen USB-Typ-C-Anschluss und auch keinen Klinkenanschluss verbaut. Andere Headsets bieten für diese Preisregion ebenfalls einen deutlich umfangreicheren Lieferumfang mit DAC, diversen Kabeln und Co. Wer das GSP 670 häufig transportieren will, dürfte sich zudem am ausladenden Formfaktor stören, denn zusammenklappbar ist das Headset nicht.

Während ich euch bei kabelgebundenen Headsets immer noch die Alternative eines Studiokopfhörers mit separatem Mikrofon ans Herz legen würde, ist das bei kabellosen Headsets eher schwierig. Wer also das nötige Kleingeld übrig hat und auf der Suche nach einem kabellosen Premium-Gaming-Headset mit sehr gutem Klang ist, macht mit dem Sennheiser GSP 670 alles richtig.

* Stand: 13.11.2019

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Alexander

Die Leidenschaft fürs Zocken wurde bereits in den frühen 90ern mit Bubble Bobble am Sega Master System II geweckt. Spielt mittlerweile hauptsächlich am PC und hätte gerne viel mehr Zeit, um sich seinem ständig wachsenden Pile of Shame zu widmen.

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