89%Insta360 Xplorer Grip Pro Kit: Wenn aus der Actioncam plötzlich eine richtige Kamera wird
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Eine Actionkamera ist normalerweise ein ziemlich kompromissloses Werkzeug. Klein, robust, schnell irgendwo befestigt und ideal dafür, einfach auf Aufnahme zu drücken und loszulegen. Genau diese Einfachheit ist gleichzeitig ihre größte Stärke und ihre größte Schwäche. Wer nicht nur filmen, sondern seine Actioncam häufiger wie eine klassische Kamera zum Fotografieren oder für bewusst komponierte Videos verwenden möchte, stößt bei der Bedienung schnell an Grenzen.
Genau hier setzt das Insta360 Xplorer Grip Pro Kit an. Es macht aus der ohnehin ungewöhnlichen Insta360 Ace Pro 2 ein Stück weit eine klassische Kompaktkamera – mit richtigem Handgriff, physischem Auslöser, Zoomwippe, Einstellrad und sogar zusätzlichem Akku. Dabei geht es in diesem Artikel ausdrücklich nicht noch einmal um die Kamera selbst. Die Insta360 Ace Pro 2 habe ich bereits ausführlich getestet. Den kompletten Test findet ihr hier: Insta360 Ace Pro 2: Starke Actionkamera mit richtig gutem Klappdisplay.
Was soll das Xplorer Grip Pro Kit überhaupt bringen?
Auf den ersten Blick könnte man das Xplorer Grip Pro Kit ziemlich schnell als Designspielerei abstempeln. Die Ace Pro 2 bekommt dadurch schließlich eine Form, die bewusst an klassische Kompakt- oder Messsucherkameras erinnert. Aber genau das wäre zu kurz gedacht, denn das Kit verändert tatsächlich die Art und Weise, wie man die Ace Pro 2 verwendet.
Statt eine kleine rechteckige Actioncam zwischen zwei oder drei Fingern festzuhalten, bekommt man einen ausgeprägten Griff für die rechte Hand. Dazu kommen Bedienelemente genau dort, wo man sie bei einer klassischen Kamera erwartet. Damit verschiebt sich auch der typische Einsatzbereich. Die Ace Pro 2 bleibt natürlich eine Actioncam, mit dem Xplorer Grip Pro lässt sie sich aber deutlich besser als kompakte Reise-, Street- oder Immer-dabei-Kamera einsetzen. Und genau darin liegt für mich der eigentliche Sinn des Zubehörs.
Aus einer Actioncam wird eine kleine Point-and-Shoot-Kamera
Mit montiertem Grip verändert sich die Ace Pro 2 deutlich. Das Kit misst rund 118 × 68 × 45 Millimeter und wiegt alleine etwa 202 Gramm. Damit wird aus der ohnehin nicht ultraleichten Ace Pro 2 definitiv kein Hosentaschenzwerg mehr. Dafür liegt die Kombination erheblich besser in der Hand.
Der ausgeformte und teilweise gummierte Griff bietet den Fingern einen vernünftigen Halt. Vor allem beim Fotografieren macht das einen größeren Unterschied, als man zunächst erwarten würde. Eine Actionkamera hält man normalerweise eher irgendwie fest. Mit dem Xplorer Grip Pro nimmt man die Ace Pro 2 dagegen tatsächlich wie eine Kamera in die Hand. Das klingt nach einer Kleinigkeit, verändert in der Praxis aber das gesamte Bediengefühl. Gerade bei längeren Foto-Sessions, auf Reisen oder beim Herumlaufen in der Stadt ist das wesentlich angenehmer. Gleichzeitig lässt sich die Kamera sicherer mit einer Hand bedienen.
Der physische Auslöser macht überraschend viel aus
Oben auf dem Griff sitzt ein großer mechanischer Auslöser. Auch das klingt zunächst banal, schließlich besitzt die Ace Pro 2 bereits eine Aufnahmetaste. Der Unterschied liegt aber in deren Position. Beim Xplorer Grip Pro liegt der Zeigefinger automatisch auf dem Auslöser – genau so, wie man es von einer klassischen Kamera kennt.
Bei eingeschalteter Kamera startet beziehungsweise stoppt ein kurzer Druck eine Videoaufnahme oder löst ein Foto aus. Noch interessanter ist die Kombination mit QuickCapture. Ist die Funktion in der Ace Pro 2 aktiviert, kann man über einen langen Druck auf den Auslöser direkt mit einer Aufnahme starten beziehungsweise die Kamera aufwecken. Dadurch funktioniert die Kombination wesentlich spontaner: Kamera greifen, Finger auf den Auslöser und Aufnahme starten. Für Streetfotografie oder Situationen, in denen man schnell reagieren möchte, passt dieses Bedienkonzept hervorragend.
Der eigentliche Auslöseknopf ist zudem abschraubbar. Insta360 verwendet dafür ein M3-Gewinde, sodass sich der Button austauschen beziehungsweise optisch individualisieren lässt. Eine Spielerei? Sicherlich. Aber eine ziemlich charmante.
Die Zoomwippe sitzt genau dort, wo sie hingehört
Direkt unterhalb des Auslösers befindet sich eine kleine Zoomsteuerung. Damit kann man zwischen 1,0x und 2,0x zoomen, sofern der jeweilige Aufnahmemodus der Ace Pro 2 dies unterstützt. Besonders interessant ist dabei der 2x Clarity Zoom beziehungsweise die vom Hersteller als 2.0HD bezeichnete Variante.
Dabei handelt es sich zwar nicht plötzlich um ein optisches Zoomobjektiv. Die Kamera nutzt jedoch die hohe Sensorauflösung, um den Ausschnitt zu verkleinern und möglichst viele Details zu erhalten. Das Entscheidende am Xplorer Grip Pro ist deshalb weniger die Zoomfunktion selbst, denn die besitzt die Kamera ohnehin. Der Unterschied besteht darin, dass man dafür nicht mehr auf dem Touchscreen herumtippen muss. Genau dieses Prinzip zieht sich durch das gesamte Zubehör: Das Kit gibt der Ace Pro 2 Funktionen nicht unbedingt neu – es macht vorhandene Funktionen direkter zugänglich.
Das Einstellrad ist für mich das eigentliche Highlight
Noch wichtiger als Auslöser und Zoomsteuerung ist das zusätzliche Einstellrad auf der Oberseite. Standardmäßig steuert dieses die Belichtungskorrektur. Seine Funktion lässt sich über die Zubehör-Einstellungen der Ace Pro 2 allerdings anpassen. Damit wird das kleine Rad zu einem enorm praktischen Werkzeug.
Je nach Konfiguration lassen sich Aufnahmeparameter beziehungsweise Funktionen direkt verändern, ohne dafür ständig durch Menüs auf dem Touchscreen navigieren zu müssen. Gerade beim Fotografieren ergibt das Sinn. Statt Kamera halten, Display antippen, Menü öffnen, Wert verändern, Menü schließen und neu ansetzen zu müssen, bleibt die rechte Hand einfach am Griff. Das ist der Punkt, an dem sich das Xplorer Grip Pro Kit deutlich von einfachen Kamerakäfigen oder Handgriffen unterscheidet. Es ist nicht nur eine mechanische Halterung, sondern kommuniziert direkt mit der Kamera.
Die Verbindung läuft direkt über USB-C
Damit die zusätzlichen Bedienelemente funktionieren, wird die Ace Pro 2 beim Einsetzen direkt über USB-C mit dem Xplorer Grip Pro verbunden. Die Montage funktioniert relativ unkompliziert. Zunächst muss allerdings die seitliche USB-Abdeckung der Kamera entfernt werden. Anschließend wird die Ace Pro 2 in den Griff geschoben und der USB-C-Stecker des Griffs mit der Kamera verbunden.
Nach dem Verriegeln erkennt die Ace Pro 2 das Zubehör automatisch. In den Einstellungen taucht anschließend ein eigener Bereich für den Xplorer Grip auf. Dort lässt sich unter anderem der Akkustand des Griffs überprüfen, die Funktion des Einstellrades konfigurieren und festlegen, ob der Griff die Kamera mit Strom versorgen soll. Das Zusammenspiel wirkt dadurch weniger wie Kamera plus Zubehör und mehr wie ein zusammengehöriges System.
Der eingebaute Akku ist ein echtes Argument
Der vielleicht größte praktische Vorteil versteckt sich im Griff selbst. Insta360 verbaut einen zusätzlichen 2.010-mAh-Akku. Das ist nicht einfach nur eine kleine Reserve für die elektronischen Bedienelemente, denn der Griff kann die Ace Pro 2 aktiv mit Strom versorgen und dadurch die Laufzeit erheblich verlängern.
Unter definierten Bedingungen gibt Insta360 für die Kombination bei 4K mit 60 Bildern pro Sekunde und aktiviertem HDR bis zu 140 Minuten Laufzeit an. Bei weniger anspruchsvollen Aufnahmeparametern nennt Insta360 sogar Laufzeiten von bis zu 5 Stunden und 40 Minuten, wobei solche Herstellerwerte natürlich stark vom gewählten Modus, der Displaynutzung, Temperatur und weiteren Einstellungen abhängen.
Wichtiger als die konkrete Maximalzahl ist deshalb etwas anderes: Mit dem Grip hat man schlicht deutlich mehr Energiereserve dabei. Für Reisen, längere Veranstaltungen, Streetfotografie oder ausgedehnte Videoaufnahmen ist das ein echter Vorteil. Die Ace Pro 2 kann dabei so eingestellt werden, dass sie bevorzugt den Akku des Griffs nutzt. Sinkt dessen Ladestand unter 15 Prozent, beendet der Griff automatisch die Versorgung der Kamera. Geladen wird über USB-C.
Kleine, aber clevere Details
Insta360 hat beim Xplorer Grip Pro außerdem an ein paar Kleinigkeiten gedacht. Dazu gehört beispielsweise ein kleiner Aufbewahrungsplatz für eine microSD-Karte. Wichtig: Dieser Kartenplatz ist nicht elektronisch mit der Kamera verbunden. Man kann also nicht auf die dort eingelegte Karte aufnehmen. Der Slot dient ausschließlich dazu, eine Ersatzkarte aufzubewahren.
Das ist trotzdem praktisch. Gerade unterwegs habe ich lieber eine zusätzliche Speicherkarte direkt an der Kamera als irgendwo unten im Rucksack. Eine Status-LED informiert außerdem über unterschiedliche Betriebszustände des Griffs. Über den Quick-Release-Anschluss auf der Unterseite lässt sich die Kombination weiterhin mit entsprechendem Insta360-Zubehör verbinden.
Gerade beim Fotografieren spielt das Kit seine Stärken aus
Interessanterweise empfinde ich den Xplorer Grip Pro beim Fotografieren fast als sinnvoller als beim klassischen Actioncam-Einsatz. Beim Fahrradfahren, am Helm oder am Brustgurt braucht niemand einen großen Handgriff mit Auslöser und Einstellrad. Dafür wurde das Kit auch nicht entwickelt.
Nimmt man die Ace Pro 2 dagegen mit in die Stadt, auf eine Reise oder einen Spaziergang, ergibt das Konzept plötzlich sehr viel Sinn. Das Klappdisplay hilft beim Bildaufbau, der Handgriff sorgt für sicheren Halt, der Auslöser liegt direkt unter dem Zeigefinger und über das Einstellrad kann man schnell Parameter korrigieren. Die Zoomsteuerung sitzt direkt daneben. Dadurch muss man wesentlich weniger über den Touchscreen bedienen. Genau das bringt die Ace Pro 2 näher an eine klassische Kompaktkamera heran.
Auch für Video ist das Konzept praktisch
Das soll allerdings nicht heißen, dass das Kit ausschließlich Fotografen anspricht. Auch bei Videoaufnahmen profitiert man vom besseren Handling. Wer beispielsweise auf Reisen kurze Clips aufnimmt oder mit der Kamera aus der Hand vloggt, hält die Kombination wesentlich entspannter. Der große Auslöser lässt sich blind bedienen und dank des zusätzlichen Akkus muss man sich erheblich weniger Gedanken über den Ladestand machen. Dazu kommt der externe Mikrofonanschluss.
Gerade für längere handgeführte Aufnahmen ist das eine ziemlich gute Kombination. Das Gewicht kann dabei sogar einen kleinen Nebeneffekt haben: Eine schwerere Kamera lässt sich bei langsamen Bewegungen teilweise kontrollierter führen als eine extrem leichte Actioncam. Natürlich ersetzt das keine Stabilisierung oder einen Gimbal, das Handling wird aber ruhiger und kontrollierter.
Der große Haken: Schluss mit Unterwasser
Das Xplorer Grip Pro Kit hat allerdings einen entscheidenden Nachteil: Das Kit ist nicht wasserdicht. Für die Verbindung muss die USB-Abdeckung der Ace Pro 2 entfernt werden. Damit verliert die Kombination einen der wichtigsten Vorteile einer klassischen Actionkamera. Unter Wasser gehört der Grip deshalb definitiv nicht hin, und auch bei starkem Regen würde ich die Kombination nicht sorglos verwenden.
Das ist ein ziemlich klarer Einschnitt. Man muss sich deshalb vor dem Einsatz entscheiden, was man mit der Kamera vorhat. Für Mountainbike, Schwimmen, Kajak oder Aufnahmen im Wasser sollte der Grip runter. Für Streetfotografie, Reisen, Veranstaltungen, Familienaufnahmen, Vlogging oder handgeführte Videos darf er dagegen gerne dranbleiben. Das ist allerdings weniger ein Konstruktionsfehler als eine Konsequenz des Konzepts.
Was bringt das Kit also wirklich?
Nach einiger Beschäftigung mit dem Xplorer Grip Pro wird schnell klar, dass Insta360 hier nicht einfach einen Handgriff verkaufen möchte. Das Zubehör verändert den Charakter der Ace Pro 2. Ohne Grip ist sie eine klassische Actionkamera mit ungewöhnlich guten Möglichkeiten für Fotos und handgeführte Aufnahmen. Mit Grip wird daraus eine Art robuste Superweitwinkel-Kompaktkamera.
Natürlich ersetzt sie dadurch keine spiegellose Systemkamera. Das soll sie aber auch überhaupt nicht. Der eigentliche Reiz liegt darin, eine kleine Kamera dabeizuhaben, die für spontane Fotos und Videos extrem schnell einsatzbereit ist und dabei deutlich mehr direkte Kontrolle bietet als eine normale Actioncam. Gerade auf Reisen gefällt mir dieses Konzept ausgesprochen gut.
Für wen lohnt sich das Insta360 Xplorer Grip Pro Kit?
Das Kit lohnt sich vor allem für Nutzer, die ihre Ace Pro 2 häufig aus der Hand verwenden. Besonders sinnvoll finde ich es für Streetfotografie, Reisen und Städtetrips, Vlogging, Familien- und Alltagsaufnahmen, Events, handgeführte Videos und für Fotografen, die zusätzlich eine kleine Weitwinkelkamera dabeihaben möchten.
Weniger sinnvoll ist das Xplorer Grip Pro Kit dagegen für Nutzer, deren Ace Pro 2 fast ausschließlich am Helm, Fahrrad, Auto oder Selfiestick hängt. Auch für Wassersport ist das Zubehör aufgrund der fehlenden Wasserdichtigkeit schlicht die falsche Wahl.
Fazit: Eines der Zubehörteile, das die Kamera tatsächlich verändert
Es gibt Kamerazubehör, das nett aussieht, und Zubehör, das irgendein kleines Problem löst. Und dann gibt es Zubehör, das tatsächlich verändert, wie man ein Produkt verwendet. Für mich gehört das Insta360 Xplorer Grip Pro Kit eindeutig zur letzten Kategorie.
Der bessere Halt allein wäre den Aufwand noch nicht wert. In Kombination mit physischem Auslöser, Zoomsteuerung, konfigurierbarem Einstellrad, zusätzlichem Akku und Mikrofoneingang ergibt das Ganze aber plötzlich Sinn. Vor allem das Einstellrad und der große Auslöser sorgen dafür, dass ich wesentlich seltener auf dem Touchscreen herumtippen muss. Genau dadurch fühlt sich die Ace Pro 2 mit montiertem Griff weniger nach Actioncam und deutlich mehr nach kleiner Kamera an. Der zusätzliche 2.010-mAh-Akku ist dann fast schon das Sahnehäubchen.
Perfekt ist die Kombination trotzdem nicht. Sie wird deutlich größer und schwerer und die fehlende Wasserdichtigkeit schränkt den klassischen Actioncam-Einsatz massiv ein. Wer seine Ace Pro 2 allerdings häufig in der Hand hält, unterwegs fotografiert, vloggt oder einfach eine kleine und unkomplizierte Kamera für Reisen sucht, bekommt mit dem Xplorer Grip Pro Kit eines der sinnvollsten Zubehörteile für die Ace Pro 2.
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Insta360 Xplorer Grip Pro Kit
Das Insta360 Xplorer Grip Pro Kit macht aus der Ace Pro 2 keine bessere Actionkamera – sondern eine deutlich bessere Kamera für alles, was nicht nach klassischem Actioncam-Einsatz aussieht. Und genau deshalb funktioniert das Konzept so gut.
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